Die Galerie Kunstkabinett Partout in Herkenrath präsentiert die junge Künstlerin Paula Knaps-Loos mit ihren neuen Kunstwerken auf Keramik, Stoff und Mixed Media in der Ausstellung „Wand(ge)schichten“. Ein Gespräch mit dem Multitalent über die Vielfalt von Materialien und Techniken sowie über die Möglichkeiten, Kunst im Alltag zu nutzen.
Text: Antje Schlenker-Kortum, Fotos: Thomas Merkenich
Paula Knaps-Loos ist ein Multitalent: Sie malt, zeichnet, fotografiert, entwickelt, druckt, collagiert, strickt und designt – und das auf so ungewöhnlichen Materialien wie Kacheln, Tapete oder Wolle. „Materialien, die oft übersehen werden“, erklärt die Galeristin Ursula Clemens-Schierbaum. Etwa 15 Arbeiten hat die junge Künstlerin in die Ausstellungsreihe „Sideways“, das neue Format für junge Kunst in Herkenrath, mitgebracht.
2023 hat Paula Knaps-Loos ihr Studium in Düsseldorf abgeschlossen. Im gleichen Jahr war sie Preisträgerin des Bergischen Kunstpreises; kürzlich erhielt sie den Düsseldorfer Förderpreis „Die Große“. Mittlerweile ist sie in namhaften Sammlungen vertreten.
Einflüsse von Jugendstil und Design
„Wir hatten lange den ‚White Cube‘, und alles ist clean und aufgeräumt“, sagt Knaps-Loos über ihre Sicht auf die zeitgenössische Kunst in den Museen. Sie arbeitet schon lange mit „wilden Formaten“ und ungewöhnlichen Materialien wie beispielsweise Tapete, um das aufzubrechen – „das darf alles dekorativ sein“, sagt die Künstlerin überzeugt.
Sie sei beeinflusst von Design, Mode und Jugendstil: Damals war alles miteinander verwoben. „Mode, Kunst, Architektur – es war ein gesamtheitlicher Kunstgedanke“, schwärmt die Künstlerin.





Sie gestaltet künstlerisch Objekte für die Wand, wie beispielsweise gebrannte und bemalte Kacheln, „die man einfach abwischen kann“, erzählt sie stolz. Oder einen Schal, den sie maschinell stricken ließ und den man nicht nur aufhängen, sondern auch gut tragen kann – gemacht in einer kleinen Auflage.
Sie kommt aus der Druckgrafik, vorwiegend Siebdruck, daher ist der Gedanke der Vervielfältigung für sie ganz naheliegend. Andererseits hat sie Drucktechniken statt auf Papier auf dem Trägermaterial selbst gestaltet, sodass diese eigentliche Druckvorstufe zum Kunstobjekt wird.
Learning by Doing und Frauenbilder
Woher sie diese vielen Techniken kennt? Ihr werde schnell langweilig, sagt sie herzlich lachend. Manches habe sie in den Grundlagen im Studium gelernt, doch vieles müsse man sich selbst aneignen. Das meiste habe sie sich von Kollegen abgeschaut oder sich im Learning by Doing angeeignet – einfach, weil sie musste, da sie natürlich mehrere Jobs hat, um ihre Kunst zu finanzieren, wie beispielsweise Rahmen für Ausstellungen.



Auch Schulprojekte gehören zu ihren Brotjobs – beispielsweise hat sie Aufklärungsworkshops über Körperbilder organisiert. Es ging um Essstörungen bei Jugendlichen. Und das hat natürlich Einfluss auf ihre künstlerische Arbeit. Sie erzählt: „Wenn ich vieles lese und höre und dann ins Atelier gehe, dann kann ich das nicht voneinander trennen.“
Auch in ihrer Arbeit geht es um Themen wie Körpervielfalt, Frauendarstellungen, Frauenvorbilder, Frauengruppen, Familie oder Freundinnen.
Sie ist Teil des Kollektivs „Die Flintenweiber“ geworden oder des Projekts „Rosa Rauch“. Hier leistet sie Aufklärungsarbeit zu Frauen in Kriegsgebieten mit Gästen wie beispielsweise Ärzte ohne Grenzen. Dann hat sie mit ihren Kollegen ein Programm entwickelt und in eine Ausstellung überführt.






Weibliche Motive und familiäre Vorbilder
Ihre Inspiration holt die 34-Jährige von „überall her“ und skizziert sie in eine Art Tagebuch, überträgt und collagiert wieder und wieder ineinander. „Ich baue Bilder aus einzelnen Elementen. Es ist wie ein Rezept.“ Sie habe eine Art Grundbasis im Kopf und fügt dann dies und das hinzu – mal etwas Florales, mal etwas Abstraktes – „das, was es eben braucht“.
Oft sind es ähnliche, sich wiederholende Bilder von Frauen allen Alters, die sich immer wieder in ihren Arbeiten wiederfinden – collagenhaft, sodass sich immer neue Bezüge innerhalb ihrer Arbeiten und Geschichten ergeben.
1991 in Essen geboren. Studium an der Kunstakademie in Düsseldorf und 2023 Abschluss bei Professorin Katharina Wulff. 2022 Van Rinsum-Stipendium Cité Internationale des Arts Paris. 2023 Bergischer Kunstpreis. 2025 Auszeichnung mit dem Förderpreis der Künstler von „DIE GROSSE“ im Museum Kunstpalast in Düsseldorf. Arbeitet und lebt mit ihrem Sohn in Düsseldorf. Präsent in privaten und öffentlichen Sammlungen wie z.B. im Hetjens Museum/Deutsches Keramikmuseum in Düsseldorf und im Kunstmuseum Solingen.
Zur Person
Auswahl von Einzel- und Gruppenausstellungen

Besonders ihre aus der Karibik stammende und in den 60er Jahren emigrierte Großmutter ist eine ihrer größten Musen. Aus Erzählungen, alten Fotos und persönlichen Gegenständen verarbeitet sie deren Familiengeschichte und damit auch ihre eigene, und illustriert zugleich fantasievoll zeitgenössische Themen wie Körperbilder, Weiblichkeit, und Frauenrollen in der Gesellschaft.
Sie habe von ihrer Großmutter viel über Herkunft, Migration und Weitergabe erfahren; „dieses Wissen um die Familiengeschichte im weitesten Sinne ist eine Voraussetzung für ein gelingendes Miteinander“, erklärt Galeristin Clemens-Schierbaum.
Paula Knaps Loos – Wand(ge)schichten
12.7. bis 9.8. 2025
Vernissage: 12.7., 17 Uhr
Einführung Dr. Ursula Clemens-Schierbaum
Finissage: 9.8., 19 Uhr
Partout® Kunstgeschichte & Kunstkabinett
Strassen 85, 51429 Bergisch Gladbach
Öffnungszeiten: di, do, fr 16-19 h, sa 11-13 h
und nach Vereinbarung
02204 42 52 38
Instagram – Website – Künstlerseite
Alle Fotos zur Ausstellung
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