Foto: Thomas Merkenich

Stephany Assel steht nicht gern im Mittelpunkt. Sich dennoch in der Politik zu engagieren und für die Freie Wählergemeinschaft bei der Kommunalwahl zu kandidieren, ist der Bergisch Gladbacherin alles andere als leicht gefallen. Im Gespräch berichtet sie, warum sie sich trotzdem dazu entschieden hat und was sie sich davon verspricht.

Stephany Assel ist in Refrath aufgewachsen und lebt in Frankenforst. Nach einer Ausbildung zur Arzthelferin im Bereich Neurologie und Psychiatrie arbeitet die 50-Jährige in der Verwaltung einer forensischen Psychiatrie.

Stephany Assel: „Eigentlich war es nicht mein Plan, mich aktiv politisch zu engagieren. Denn ich habe Hemmungen, vor vielen Leuten zu sprechen, möchte keine Reden halten und lasse mich nicht gern fotografieren. Lieber wollte ich ein stilles Mitglied der Freien Wählergemeinschaft sein, also einfach nur meinen Mitgliedsbeitrag zahlen und die sie dadurch unterstützen. Und dann kam alles doch anders. 

Der Fraktionsvorsitzende Rainer Röhr fragte Anfang des Jahres die FWG-Mitglieder, ob sie sich bei der Kommunalwahl mehr einbringen möchten. Darüber musste ich erst einmal nachdenken. Ich war im Krankenhaus und hatte viel Zeit dafür. 

Dazu muss man wissen: Bis vor einiger Zeit habe ich nebenberuflich in einer Grundschule gearbeitet, mit den Kindern gespielt und ihnen bei den Hausaufgaben geholfen. Ich habe diesen Job geliebt! Aus gesundheitlichen Gründen musste ich ihn leider aufgeben. Und so dachte ich: Wenn ich momentan nicht mit Kindern arbeiten kann, dann möchte mich wenigstens für sie einsetzen.

Für Kinder und Jugendliche einsetzen

Beruflich habe ich mit pädophilen Straftätern zu tun. Auch vor diesem Hintergrund liegt mir der Kinderschutz sehr am Herzen. Es heißt immer, Kinder sind unsere Zukunft, aber ich finde, es wird nicht genug für sie getan. Die Kinder waren also mein Hauptantrieb. 

Hinweis der Redaktion: Politik wird von Menschen gemacht. Menschen, die sich in Parteien engagieren. Einige treten in der Öffentlichkeit in Erscheinung, kandidieren für Ämter. Andere agieren eher im Hintergrund, bringen sich an der Parteibasis ein. 

Vor der Kommunalwahl am 14. September stellen wir Menschen vor, die sich erst seit kurzem politisch engagieren und neu in eine Partei eingetreten sind. Wir lassen sie erzählen, was ihre Beweggründe sind, warum sie sich für die jeweilige Partei entschieden haben, was sie sich wünschen und vorgenommen haben. 

Ich habe mich schon immer für das interessiert, was in Bergisch Gladbach passiert, hier ist mein Zuhause. Ich war zum Beispiel in der Bürgerinitiative Frankenforst aktiv und habe mich für den Erhalt des Waldes eingesetzt. 

Es ärgert mich, dass in der Politik viel versprochen, aber vieles nicht gehalten wird. Und wenn man das Gefühl hat, es ändert sich nichts oder zu wenig, muss man sich eben selbst einbringen. Am wichtigsten sind mir die Belange von Kindern und Jugendlichen sowie die Erhaltung des Waldes und von Grünflächen.

Bei der FWG sehe ich die größten Schnittstellen, andere Parteien und ihre Ideologien passen nicht zu mir. In den Sitzungen der FWG fühle ich mich sehr wohl. Es läuft sehr unkompliziert ab, die Mitglieder sind ganz unterschiedliche Menschen und sehr an den Meinungen der Anderen interessiert. 

Hintergrund: Die FWG ist keine Partei im üblichen Sinne, sondern eine kommunal orientierte Wählergemeinschaft. Sie ist parteiunabhängig, ausschließlich auf kommunaler Ebene tätig und seit 2020 im Stadtrat vertreten.

Und so kam es, dass ich nun bei der Kommunalwahl für den Wahlbezirk Refrath-West kandidiere. Ich habe allerdings zur Bedingung gemacht, dass es kein Wahlplakat von mir allein gibt. Ich wollte mich nicht selbst am Straßenrand sehen.

Für mich persönlich bedeutet das eine Herausforderung. Ich bin angespannt, weil alles neu ist. Und auch wenn ich meine Komfortzone verlassen muss, bin ich überzeugt davon, dass es die richtige Entscheidung ist, die mich auch persönlich weiterbringen wird. 

Wunsch nach Veränderung

Ich nehme mir viel Zeit, um Beschlüsse und Sachverhalte zu verstehen und mir eine Meinung zu bilden. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass mehr Geld in Kinder- und Jugendeinrichtungen, in Schulen, Sportstätten und Jugendzentren investiert wird und dass Grünflächen erhalten bleiben. Außerdem möchte ich, dass Bürger:innen transparenter informiert werden – etwa über die Dauer von Projekten oder auch, wenn etwas schiefläuft.

Ich lasse jetzt einfach alles auf mich zukommen. Ob ich etwas verändern kann, weiß ich nicht. Aber ich möchte es zumindest versuchen – und mir nicht irgendwann vorwerfen, dass ich mich nicht eingebracht habe.

Für die Demokratie und die Gesellschaft wünsche ich mir, dass sich mehr Menschen engagieren statt sich nur zu beschweren. Auch mich kostet das viel Überwindung. Dann können Andere das auch.“

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Ein schöner Beitrag. Motivierend für andere Menschen, denen es ähnlich geht und lieber im Hintergrund bleiben, aber trotzdem etwas bewirken möchten.