Foto: Thomas Merkenich

Ökologische Aspekte sind Alice Semmler bei der künftigen Entwicklung von Bergisch Gladbach besonders wichtig – und einer der Gründe, warum sich die 49-Jährige bei den Grünen engagiert. Dass sie überhaupt in eine Partei eingetreten ist, hängt allerdings mit der Bundespolitik zusammen. Und mit Semmlers Sorge um die Demokratie.

Alice Semmler ist 49 Jahre alt, Mutter einer erwachsenen Tochter und wohnt in Refrath. Sie hat viele Jahre als Hebamme gearbeitet und ist nach einem Masterstudium in Gesundheitsmanagement inzwischen an der Uniklinik Köln für die praktische Hebammenausbildung verantwortlich. Gebürtig stammt Semmler aus Baden-Württemberg, lebt aber bereits seit 17 Jahren in Bergisch Gladbach. 

+ Anzeige +

Alice Semmler: „Politik war mir nie fern. Aber ich sah für mich bislang keine Notwendigkeit dafür, Mitglied einer Partei zu werden. Doch das änderte sich schlagartig mit dem Bruch der Ampelkoalition im November. Mir war klar: Das ist nicht nur das Ende einer Regierung, sondern das gesamte demokratische Gefüge ist fragil und in Gefahr. Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. 

Da reicht es nicht mehr, nur Inhalte auf Social Media zu teilen. Der Schritt sich selbst in einer Partei zu engagieren, war plötzlich nicht mehr so weit weg. Und so stellte ich einen Mitgliedsantrag bei den Grünen. Mit dieser Partei habe ich die größten Schnittmengen. 

Den grünen Bundestagswahlkampf habe ich als sehr angenehm und optimistisch empfunden, ohne krawalligen Tonfall. Das hat mir gefallen. So erlebe ich auch den aktuellen Kommunalwahlkampf – auf einer Sachebene, ohne Krakeelen.

Im Straßenwahlkampf aktiv

Seit Januar bin ich offiziell Grünen-Mitglied. Ich habe gleich angeboten, mitzuarbeiten, so weit es mir eben neben meinem Vollzeitjob möglich ist. Aber man kann doch mehr machen, als man zunächst denkt. Es wird allen Neuen leicht gemacht, sich einzubringen. Es gibt viele niederschwellige Angebote, wie Treffen neuer Mitglieder oder einen Frauen-Stammtisch sowie Online-Seminare, die vom Bundesverband angeboten werden.

Noch vor der Bundestagswahl im Februar stand ich mit anderen Wahlkämpfern auf dem Markt in Bensberg, habe Flyer verteilt und bin mit Menschen ins Gespräch gekommen. Das war viel einfacher, als ich vorher gedacht hatte. Es geht nicht darum, Passanten zu missionieren, sondern sie zu motivieren, wählen zu gehen. Daher zeigen wir Präsenz, erinnern an die Wahl. 

Selbst für die Kommunalwahl zu kandidieren wäre mir zu früh gewesen. Ich möchte erst einmal in die Partei reinwachsen, meine Schwerpunkte finden. Für die Zukunft schließe ich das aber nicht aus. 

Hinweis der Redaktion: Politik wird von Menschen gemacht. Menschen, die sich in Parteien engagieren. Einige treten in der Öffentlichkeit in Erscheinung, kandidieren für Ämter. Andere agieren eher im Hintergrund, bringen sich an der Parteibasis ein. 

Vor der Kommunalwahl am 14.9. stellen wir Menschen vor, die sich erst seit kurzem politisch engagieren und neu in eine Partei eingetreten sind. Wir lassen sie erzählen, was ihre Beweggründe sind, warum sie sich für die jeweilige Partei entschieden haben, was sie sich wünschen und vorgenommen haben:

Momentan bin ich einige Stunden pro Woche für die Grünen im Einsatz und finde es spannend, den Wahlkampf so nah mitzuerleben. Samstags werde ich in den nächsten Wochen auf dem Markt in Bensberg stehen und am Tag vor der Wahl werde ich auch beim Zwölf-Stunden-Wahlkampf dabei sein. Das wird ein wichtiger Tag.

Ich hoffe, dass unser gemeinsamer Kandidat in die Stichwahl kommt und schließlich neuer Bürgermeister wird. Und natürlich, dass die Grünen im kommenden Stadtrat stark vertreten sind. 

Betreuungsplätze und ÖPNV-Ausbau

Für Bergisch Gladbach wünsche ich mir eine klima- und familienfreundliche Stadtplanung. Dazu gehörend genügend und verlässliche Betreuungsplätze in Kitas und OGS, sanierte Schulen, sichere Wege und der Ausbau des ÖPNV, damit der Umstieg vom Auto leichter wird. Ökologische Aspekte müssen bei der Stadtentwicklung stärker berücksichtigt werden, etwa beim Umbau des Zanders-Geländes.

Egal, wie die Wahl ausgeht: Ich möchte mich auch danach weiter einbringen und mitgestalten. Als ich zum ersten Mal mit anderen Grünen in der Fußgängerzone stand, hat es mich berührt zu erleben, wie Mitglieder gegnerischer Parteien miteinander umgehen. Man spricht miteinander, begrüßt sich, schüttelt sich die Hand. 

Der Austausch und der demokratische Diskurs mit andersdenkenden Menschen sind so wichtig. Menschen, die sich vor Ort in einer demokratischen Partei einbringen eint am Ende doch das eine Ziel: Sie alle ringen um die besten Ideen und Lösungen für eine gute und lebenswerte Stadt.“

Unser Chatbot zur Wahl in GL: Wir haben eine Künstliche Intelligenz mit den vollständigen Programmen der Parteien in Bergisch Gladbach gefüttert. Nun können Sie in einem Chat Ihre Fragen stellen. Probieren Sie es aus, fragen Sie nach Übereinstimmungen mit eigenen Präferenzen, lassen Sie die Aussagen der Parteien zu bestimmten Themen vergleichen, …

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

1

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.