Foto: Thomas Merkenich

Soziale Gerechtigkeit und gleiche Chancen für alle Menschen – das ist das Herzensthema von Sarah Shakil, für das sie sich bei der Kommunalwahl einsetzt. Im Gespräch erzählt die 30-Jährige, wie es nicht nur zu ihrem Eintritt in die SPD kam, sondern auch dazu, dass sie nun sogar für den Stadtrat von Bergisch Gladbach kandidiert.

Sarah Shakil wohnt mit ihrer Familie in Moitzfeld und arbeitet als Wirtschaftsjuristin. Bei der Kommunalwahl kandidiert die 30-Jährige nicht nur für den Stadtrat, sondern auch für den Integrationsrat. In Bergisch Gladbach lebt die gebürtige Kölnerin, seit sie sieben ist.

+ Anzeige +

Sarah Shakil: „Ich bin seit Februar Mitglied bei der SPD. Auslöser dafür war die Bundestagswahl und das Geschimpfe von allen Seiten: So viele Menschen haben sich beschwert, waren unzufrieden mit der Politik. Gemeckert wurde von links, gemeckert wurde von rechts. Statt mitzumeckern, wollte ich lieber selbst aktiv werden. 

Ich interessiere mich schon lange für Politik und Geschichte und komme aus einer klassischen Arbeiterfamilie, bin mit einer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen. Sozialpolitik ist für mich daher von zentraler Bedeutung – gleiche Bildungschancen von Anfang an, bezahlbarer Wohnraum für alle. Und so habe ich mich für die SPD entschieden. 

Vor meinem Eintritt habe ich Gespräche mit Mitgliedern geführt, um zu erfahren, wie es ist, in einer Partei zu sein und wie groß der zeitliche Aufwand sein würde. Neben meinem Vollzeitjob engagiere ich mich nämlich auch noch bei der Bono-Direkthilfe. Es nimmt in der Realität nun doch mehr Zeit in Anspruch als vorher gedacht. 

Kandidatur als Chance

Aber es war auch nicht mein Ursprungsplan, für den Stadtrat zu kandidieren. Doch kurz nach meinem Parteieintritt stellte sich heraus, dass die bisherige Kandidatin für Moitzfeld bei der Kommunalwahl nicht mehr antreten würde. 

Ich wohne seit meiner Kindheit in Moitzfeld. Trotzdem hatte ich zuerst die Sorge, mich politisch nicht genug auszukennen oder etwas falsch zu machen. Aber man wächst mit seinen Aufgaben. Außerdem habe ich die Unterstützung und Hilfe aus der Partei. Ich sehe das nun einfach als Chance. Wichtig ist mir nur, dass es mir Spaß macht und ich in meinem Engagement einen Sinn sehe. 

Die Treffen der Partei, der Arbeitsgruppen und der Jusos laufen sehr wertschätzend ab. Es fühlt sich inzwischen wie Treffen im Freundeskreis an – man freut sich richtig aufeinander. Ich habe mich ernsthaft gefragt, warum ich erst so spät in die SPD eingetreten bin. Die Themen haben mich immer schon interessiert, bei Feiern habe ich gern über Politik diskutiert.

Hinweis der Redaktion: Politik wird von Menschen gemacht. Menschen, die sich in Parteien engagieren. Einige treten in der Öffentlichkeit in Erscheinung, kandidieren für Ämter. Andere agieren eher im Hintergrund, bringen sich an der Parteibasis ein. 

Vor der Kommunalwahl am 14.9. stellen wir Menschen vor, die sich erst seit kurzem politisch engagieren und neu in eine Partei eingetreten sind. Wir lassen sie erzählen, was ihre Beweggründe sind, warum sie sich für die jeweilige Partei entschieden haben, was sie sich wünschen und vorgenommen haben.

Neu bei der FWG: „Kinder sind mein Hauptantrieb“

Stephany Assel steht nicht gern im Mittelpunkt. Sich dennoch in der Politik zu engagieren und für die Freie Wählergemeinschaft bei der Kommunalwahl zu kandidieren, ist der Bergisch Gladbacherin alles andere als leicht gefallen. Im Gespräch berichtet sie, warum sie sich trotzdem dazu entschieden hat und was sie sich davon verspricht.

Neu bei Volt: „Für Europa und die Demokratie stark machen“

Andreas Pielasch ist im Herzen Europäer. Das ist einer der Gründe, warum der Bergisch Gladbacher sich jetzt dazu entschieden hat, Mitglied bei Volt zu werden. Im Gespräch berichtet der 55-Jährige, was ihn dazu antreibt, sich im Kommunalwahlkampf zu engagieren und was er sich für seine Partei wünscht.

Neu bei der Linken: „Mehr Toleranz allen Menschen gegenüber“

Sich selbst einbringen statt sich über die aktuelle Politik zu beschweren – das dachte sich Iwona Winterscheid im Wahlkampf zur Bundestagswahl. Kurz darauf trat sie bei der Linken ein. Bei der Kommunalwahl im Herbst kandidiert die 36-Jährige nun für den Stadtrat von Bergisch Gladbach.

Die Reaktionen aus meinem Umfeld sind größtenteils positiv: „Da passt du gut hin“, urteilen einige. Manche haben mir aber auch davon abgeraten, in der CDU-Hochburg Moitzfeld zu kandidieren. Mir ist natürlich bewusst, dass es schwierig für mich wird, ich bin nicht realitätsfern. Natürlich würde ich mich freuen, in den Stadtrat einzuziehen. Aber auch wenn es nicht klappt, werde ich in jedem Fall reicher an Erfahrungen sein. 

Leute, die mich bisher nicht kennen, reagieren eher skeptisch bis ablehnend. Ich bin ihnen zu jung, zu unerfahren, zudem eine Frau und habe eine internationale Familiengeschichte. Mein Vater stammt aus Pakistan, meine Mutter aus der Türkei. Meiner Meinung nach gibt es kein „zu jung“, um sich einzubringen.

Mein Herzensthema ist soziale Gerechtigkeit: Kinder, Jugendliche, Senior:innen, Alleinerziehende – diese Menschen dürfen wir nicht vergessen, für sie müssen wir eine soziale Politik gestalten. Es muss ausreichend Kita- und OGS-Plätze geben, alle Kinder und Jugendlichen sollen Zugang auch zu außerschulischer Bildung haben, zu Sportvereinen und Freizeitaktivitäten. 

Ich komme selbst aus einer einkommensschwachen Familie und setze mich daher für soziale Teilhabe ein. Gerade in Zeiten knapper Kassen muss das Geld für Menschen ausgegeben werden. 

Für Kinder und Jugendliche stark machen

Ich kämpfe für ein solidarisches Miteinander in der Gesellschaft und dafür, dass die Interessen von Kindern und Jugendlichen ernstgenommen und gehört werden. Wir alle waren mal jung. Mich interessiert, was sie bewegt und möchte beispielsweise in Jugendzentren mit ihnen reden. Sie sollen das Gefühl haben, dass ihre Wünsche genauso wichtig sind wie die von Erwachsenen. 

Mein persönliches Ziel habe ich erreicht, wenn ich einen Jugendlichen oder sogar mehrere davon überzeugen kann, wählen zu gehen und davon, dass Politik nicht langweilig ist. Sie lebt von der Beteiligung. 

Mit Blick auf die Kommunalwahl wünsche ich mir für meine Partei, dass der künftige Bürgermeister von der SPD gestellt wird. Und für Bergisch Gladbach, dass hier alle Menschen die gleichen Chancen haben – unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Status.“

Unser Chatbot zur Wahl in GL: Wir haben eine Künstliche Intelligenz mit den vollständigen Programmen der Parteien in Bergisch Gladbach gefüttert. Nun können Sie in einem Chat Ihre Fragen stellen. Probieren Sie es aus, fragen Sie nach Übereinstimmungen mit eigenen Präferenzen, lassen Sie die Aussagen der Parteien zu bestimmten Themen vergleichen, …

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

1

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Es ist sehr positiv dass Sarah Shakil in Moitzfeld für die SPD für den Stadtrat kandidiert. Wir brauchen junge Menschen, die sich für die Demokratie engagieren und sich und ihre Ideen einbringen. Ich wünsche ihr viel Glück und Erfolg!
    WOLFGANG Leuthe