In knapp einem Jahr starten die Arbeiten zur Erweiterung der Grundschule und OGS an der Taubenstraße in Frankenforst. Jetzt stellten die Stadt, die Schulbaugesellschaft und das Bauunternehmen die Pläne der Anwohnerschaft im Detail vor – und konnten einige Vorbehalte in Zustimmung umwandeln.

Die KGS Frankenforst residiert seit rund 20 Jahren in der alten Belgischen Schule in der Taubenstraße, unter inzwischen sehr beengten Verhältnissen. Daher wird die Erweiterung durch ein modernes Gebäude mit einer Geschossfläche von 2200 Quadratmetern von der Schule sehr begrüßt und auch von der Anwohnerschaft nicht in Frage gestellt. Dennoch haben die direkten Anlieger einige Sorgen, mit Blick auf die Höhe des Gebäudes, Belastungen während der Bauarbeiten und einem erhöhtem Parkdruck im Viertel.

Das wurde jetzt bei einem Informationstreffen im Rittersaal der Schule deutlich. Dazu hatte die Stadt kurzfristig eingeladen. Sie stellte den aktuellen Stand der Planung vor und beantwortete alle Fragen.

Fast alle Fragen, denn bei diesem Termin gehe es ausschließlich um den Erweiterungsbau, stellte Thore Eggert, Kämmerer und Schulbaudezernent der Stadt, gleich zu Beginn klar. Die ebenfalls geplante, aber noch nicht konkret terminierte Sanierung des Altbaus sei ein eigenes, parallel laufendes Projekt.

Sebastian Rolko, Chef der Schulbaugesellschaft, entschuldigte sich für die sehr kurzfristig verschickte Einladung; was dazu geführt hatte, dass die Schulleitung an diesem Treffen nicht teilnehmen konnte. Termine mit der Schule würden aber folgen.

Gemeinsam mit einer Architektin und einem Projektleiter der mit dem Bau beauftragte Firma Hundhausen stellte Rolko erste Entwürfe und Grunddaten für den Neubau vor.

Die KGS Frankenforst war 1950 von den belgischen Besatzungskräften gebaut worden und steht unter Denkmalschutz. Foto: Thomas Merkenich

Was und wie wird gebaut?

Das Gebäude wird in der nordwestlichen Ecke des Grundstücks auf einer Freifläche gebaut – anders als viele der anderen aktuellen Projekte nicht mit Raummodulen. Das Kellergeschoss wird vor Ort aus Beton gegossen, die erste und zweite Etage werden dann aus vorfertigen Betonteilen aufgebaut und verkleidet.

Im Untergeschoss kommen Teile der Gebäudetechnik unter. Im Erdgeschoss wird es eine Frischkochküche und eine Mensa geben, in der 200 Kinder gleichzeitig essen können – bei 300 Kindern in der künftig dreizügigen Schule wird es hier also einen Schichtbetrieb geben. Die Aula soll nicht nur für die Schule, sondern auch für Veranstaltungen aus dem Stadtteil heraus genutzt werden können, stellte Eggert auf Nachfrage klar.

Alle Etagen werden mit verschiebbaren Wänden ausgestattet, damit das Gebäude möglichst vielseitig genutzt werden kann – vormittags für die Grundschule, nachmittags für den offenen Ganztag (OGS).

Zudem folgt es dem Cluster-Prinzip: es gibt keine starren Klassenräume, sondern vielfältig veränderbare Flächen. Dank eines Aufzugs natürlich barrierefrei. Die Grundrisse sei natürlich mit der Schulleitung abgestimmt worden.

Wie laut wird es?

Das Dach soll begrünt werden, erhält eine Photovoltaik-Anlage sowie eine Wärmepumpe und hier wird auch (ebenso wie im Keller) eine großen Belüftungsanlage stehen.

Hier kommen die ersten Nachfragen aus dem Publikum: Wie laut werde die Belüftung denn sein? Natürlich würden alle Lärmschutzvorschriften eingehalten, die Anlage sei in den anliegenden Gebäuden nicht zu hören, sagt Rolko. Nach Norden, zu den direkt angrenzenden Nachbarn, gebe es auch nur sehr wenige Fenster.

Die Verbindung vom Neu- zum Altbau wird durch einen Gang aus Glas und schmalen Metallpfosten hergestellt; hier hatte sich der Denkmalschutz für eine klare optische Trennung zwischen Alt und Neu eingesetzt.

Einige der älteren Anwohner wiesen darauf hin, dass es auf dem Gelände einen verrohrten Bach, Schächte und Regenwasserbecken gebe. Das sei den Planern bekannt und werde berücksichtigt; Überraschungen im Boden seien bei einer Sanierung im Bestand aber im möglich, so die Planer. Ein Offenlegung des Baches sei, auch aus Sicherheitsgründen, nicht vorgesehen.

Auf dem Baugelände werden Büsche und einige Bäume gerodet; dabei werde die Stadt so vorsichtig wie möglich vorgehen; für gefällte Bäume werde Ersatz geschaffen.

Die Frage, ob eine Fassadenbegrünung vorgesehen sei, beantwortet Rolko mit einem Nein. Die hätte zwar klimatechnische Vorteile, erfordere aber einen sehr hohen Pflegeaufwand, daher sei sie (zunächst) nicht in der Beauftragung enthalten. Die Fassaden werden statt dessen ab dem 1. Geschoss mit Holz verkleidet.

Der Neubau wird in der nordwestlichen Ecke nahe an der Grundstücksgrenze gebaut. Rechts davon der Altbau, unten die Kita. Illustration: Hundhausen

Muss der Neubau so hoch werden?

Einige Anwohner weisen auf die Höhe des Gebäudes hin, das mit knapp 13 Metern noch einen Meter über den Altbau hinausrage. Das sei für die unmittelbaren Nachbarn nicht nur optisch ein Problem, sondern könnte auch bei künftigen Bebauungen im Viertel als Referenzgröße herangezogen werden.

Die Planer machen deutlich, dass sie um jeden Zentimeter Höhe kämpften. So sei das Gebäude schon ein Stück weit in den Untergrund abgesenkt worden; mehr gehe wegen des Grundwassers nicht. Die Höhe der einzelnen Geschosse sei notwendig, um in den Decken die (Entlüftungs-)Technik unterzubringen. Gegenüber den jetzt veröffentlichten Plänen sei das Gebäude schon um einige Zentimeter reduziert worden, einen ganzen Meter einzusparen sei aber völlig unrealistisch.

Was ist mit Verkehr und Parkplätzen?

Eine weitere Sorge der Anwohnerschaft betrifft die Parkplätze, bislang war die künftige Baufläche als provisorischer Parkplatz genutzt werden. Bei einem Anwachsen der Schule von 200 auf 300 Schüler:innen werde der Verkehr steigen, auch das Kollegium werde größer.

Bislang hätte die Schule eigentlich sechs ordentliche Stellplätze ausweisen müssen – die es aber faktisch gar nicht gab, berichtet die Architektin. Für den Anbau müsse sie nun Platz für weitere sechs vorgeschriebene Stellplätze finden. Aber auch damit, das betont Dezernent Eggert, lasse sich das Problem nicht lösen, die Stadt könne nicht jedem Lehrer einen eigenen Stellplatz bieten. Das gelte auch für Veranstaltungen in der Schule, die Fahrzeuge müssten sich im Viertel verteilen.

Für den Hol- und Bringverkehr werden die Mobilitätsmanager der Stadt ein Konzept entwickeln, dafür sei es jetzt aber noch zu früh. An anderen Schulen wurden Elterntaxiplätze oder ein „Schul-Express“ zu Fuß eingerichtet, auch Schulstraßen werden erstmals erprobt.

Wann und wie lange wird gebaut?

Bei dieser Erweiterung handelt es sich um keine Sofortschule, der Zeitplan erstreckt sich ab jetzt über drei Jahre: Im Februar 2026 soll der Bauantrag gestellt werden, der eigentliche Beginn der Arbeiten ist für Oktober 2026 geplant, die Fertigstellung für den 22. November 2028 vereinbart.

Im kommenden Schuljahr, wenn für den ersten Schuljahrgang der Rechtsanspruch auf einen OGS Platz gilt, bietet dieses Projekt also keine Entlastung.

Belastungen für die Anwohner:innen entstehen vor allem bei der Anlieferung. Da das Untergeschoss vor Ort aus Beton gegossen wird, werden 3 x 1 Woche lang Betonmischer das Gelände anfahren. Die großen vorgefertigten Betonelemente werden später ebenfalls über einen Zeitrum von drei Wochen hinweg angeliefert.

Die Anlieferung erfolgt alleine über das abgesperrte Baugrundstück hinweg, der Schulhof werde davon nicht tangiert. Ein großer Kran werde aufgebaut, sich aber tagsüber nicht über das Schulgelände hinweg bewegen – nur nachts muss der Ausleger frei gestellt werden, damit er sich nach dem Wind ausrichten kann.

Für die reine Bauzeit kalkuliert das Unternehmen mit zehn Monaten für den Rohbau und acht Monaten für den Ausbau.

Im Gegensatz zu noch dringenderen Projekten hatte die Schulbaugesellschaft keinen reinen Modulbau vorgeschrieben, sondern die Bauweise offen gelassen.

Was kostet das Ganze?

Die Stadt hatte den Auftrag auf der Basis eines Leistungskataloges ausgeschrieben, nach Gesprächen mit vier Unternehmen war der Baufirma Hundhausen aus Siegen der Zuschlag erteilt worden.

Vereinbart wurde ein fixer Preisrahmen, die Kosten für das gesamte Projekt (inklusive Honorar für die Schulbaugesellschaft) liegt bei 17 Millionen Euro. Dabei sei eine Reserve bereits einkalkuliert – daher sei er zuversichtlich, dass der Rahmen eingehalten werden könne, sagte Eggert.

„Wir kriegen das hin!“

Zum Abschluss stellte Eggert klar, dass weitere Termine der Stadt mit der Schulleitung, dem Kollegium und auch der Elternschaft folgen. Wie bei jedem großen Bauprojekt werde es auch hier Belastungen geben – aber die Stadt werde „alles tun, um diese zu minimieren“.

Ein optimistischer Abschluss, der aus dem Publikum auf positive Resonanz stießt. „Wir kriegen das hin“, rief einer der unmittelbaren Nachbarn in den Rittersaal.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

2

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Ein Schulgebäude für 17 Mio. € und 2200qm Geschossfläche (etwa 1900qmNutzfläche) entspricht etwa 9000€ pro Quadratmeter. Das ist ein stolzer Wert und im Vergleich zum gehobenen Wohnungsbau mehr als das Doppelte. Dafür gibt es dann eine instandhaltungsaufwändige selbstkompostierende Fassade ohne Dachüberstände. Applaus. Weiter so.

    1. Die technische Gebäudeausstattung ist natürlich auch sehr ambitioniert geplant, aber so teuer nun auch wieder nicht, um auf diesen Preis zu kommen. Zumal die oberirdischen Geschosse im Grunde als Plattenbau errichtet werden sollen.

      Die Holzfassade halte auch ich für keine besonders prickelnde Idee. Da darf man dann nach wenigen Jahren schon nachlasieren – außer man nimmt Eiche oder Tropenholz, was entsprechend teuer wird und trotzdem eine Patina ansetzt, die das Erscheinungsbild deutlich verändert.

      Ein wesentlicher Dachüberstand ist schon am Altbau nicht zu erkennen. Das wäre aber tatsächlich eine sinnvolle Maßnahme zum Hitzeschutz gewesen, die man auch an einem Flachdach realisieren könnte – aber dafür lag der Schwerpunkt beim Entwurf wohl zu stark auf der Optik.