Der Weihnachtsmarkt in der Stadtmitte von Bergisch Gladbach lockt seit einigen Tagen mit vielfältigem Kunsthandwerk und bodenständigen Genüssen. Wir haben uns angeschaut, welche Buden es in diesem Jahr gibt und welche Speisen und Getränke zu welchen Preisen angeboten werden. Neben Altbewährtem gibt es einige Neuheiten.
Es sind Stände wie der des Schraubenfigurenmachers, der für viele den besonderen Reiz des Weihnachtsmarktes in der Bergisch Gladbacher Innenstadt ausmacht. Hier wird Kunsthandwerk angeboten und auf Anfrage der Kund:innen angefertigt. Der selbst ernannte Schraubenfigurenmacher Heinz Schlößer kreiert Figuren, Skulpturen und Alltagsgegenstände wie Flaschenöffner, Klopapierrollenhalter oder Stifthalter aus Schrauben und Stahl.
„Ich bin der Metallfritze“, stellt sich Schlößer einem Mann vor. Er plaudert gut gelaunt mit seinen Kund:innen, fragt nach deren individuellen Wünschen, berät bei der Suche nach dem passenden Weihnachtsgeschenk.
Im Sortiment hat Schlößer auch Windspiele, Gartenstecker und Feuerkugeln, die mit Ethanol oder Brennpaste brennen. „Hier geht es einfach entspannter als in Köln zu. Da ist es mir zu voll und zu hektisch“, sagt eine Frau, die in aller Ruhe die Metallobjekte betrachtet.
Ein ähnliches Bild zeigt sich am Stand des „Steinmanns“, wie ihn die Enkelin einer Kundin liebevoll nennt. „Das ist bei uns schon Tradition, dass wir Ihren Stand besuchen“, sagt eine Frau, die mit ihrem Mann und ihrer Enkeltochter unterwegs ist. „Gehen wir auch zum Steinmann?“, habe das Kind schon zu Hause gefragt. Es sei toll zu sehen, wer die Werke fertigt und wie.
Die Werke sind Engel und Herzen aus Stein oder Holz in verschiedenen Größen, Tierfiguren aus Stein und Besteck sowie Dekoartikel aus Weinkorken, die teilweise live vor Ort kreiert werden.




Die Einen sagen: „Das ist doch jedes Jahr das gleiche!“ Für die Anderen ist es genau das, was den Charme des Marktes auf dem Konrad-Adenauer-Platz ausmacht. Weihnachten lebt von Traditionen. Und so verbinden viele mit dem Weihnachtsmarkt Beständigkeit und Erinnerungen, kennen ihn vielleicht schon seit ihrer Kindheit oder Jugend.
Tatsächlich gibt es Stände, die schon seit Jahrzehnten dabei sind. Dazu gehören der berühmte Stand mit Weihnachtsschmuck aus dem Erzgebirge, der unter anderem drehbare Pyramiden, Räuchermännchen, Krippenfiguren, Nussknacker und Lichtbögen im Sortiment hat.
Oder die Bude, die mit einer schier unendlichen Auswahl an Bonbon-Kreationen lockt. Und nicht zuletzt das Kinderkarussell.

Oh du geschäftige: Hinter den Kulissen des Weihnachtsmarktes
Die einen gehen in der Adventszeit Einkaufen, die anderen sorgen dafür, dass die Ware über den Ladentisch geht. Wie Anne Helgers auf dem Weihnachtsmarkt Stadtmitte. Die ehemalige Managerin verkauft Weihnachtsdeko aus dem Erzgebirge und lernt dabei auch einiges über die Wertschätzung für diese Beschäftigung. Wir haben sie bei ihrem „Mikroabenteuer“ an der winterfrischen Luft begleitet.
Trotz aller Traditionen: Genau gleich ist das Angebot des Weihnachtsmarktes nie. Jedes Jahr kommen ein paar neue Händler:innen dazu. Neu im Sortiment sind dieses Mal etwa Keramikreiben – zum Reiben von Zutaten wie Ingwer, Knoblauch oder Käse – und von Hand gefertigte Küchenhelfer aus Olivenholz: Salatbesteck, Mörser, Untersetzer, Schalen, Schneide- und Servierbretter. Die intensive Maserung macht jedes Produkt zu einem Unikat.
Gin und Lederwaren
Erstmals vertreten ist auch „Craft Circus“, eine Manufaktur für Gin und Liköre, ein Lederwarenhändler, der Taschen, Geldbörsen und Gürtel verkauft und ein Stand, der neben Parfums ein bunt gemischtes Sortiment aus Schmuck, Stofftieren und plüschigen Hüttensocken präsentiert.
Nicht dabei sind in diesem Jahr die Bude mit Gardinen und (Spitzen-)Tischdecken und die mit den leuchtenden Papiersternen.
Kulinarische Neuheit ist „Heißer Schafskäse im Fladenbrot“: Ein Viertel eines runden Fladenbrotes wird mit Schafskäse und weiteren Zutaten wie Salat, Tomaten, Preiselbeeren und Soßen befüllt und kurz gegrillt. Mit 8,50 bis 9,50 Euro (je nach Kombination) kein ganz günstiger Genuss.
Glühweinpreis bleibt stabil
Was den Glühwein angeht, bleibt der Preis bereits seit 2022 bei stabilen 4 Euro (plus 1 Euro für Pfand oder Kauf der Tasse). Egal, ob weiß oder rot, mit oder ohne Alkohol. Zum Vergleich: Auf den großen Kölner Weihnachtsmärkten kostet der Glühwein (wie schon im Vorjahr) 5 Euro. Daneben gibt es jede Menge weitere warme Getränke.
Apropos Vergleich zu Köln: Den scheut Organisator Markus Stümper keineswegs. „Wir sind nicht so überlaufen.“ Und es gehe gemütlicher zu. Obwohl der Markt mit 57 Buden der größte im Rheinisch-Bergischen und im Oberbergischen Kreis sei. Das schätzten die Menschen der umliegenden Städte und Gemeinden.
Familie Stümper organisiert den Gladbacher Weihnachtsmarkt seit 1983, im Auftrag der Interessengemeinschaft (IG) Bergisch Gladbach-Stadtmitte. Markus Stümper hatte 2001 die Nachfolge seines Vaters übernommen.
Das Erfolgsrezept machen aus Stümpers Sicht neben den liebevoll gestalteten Buden, der dekorativen Gestaltung und dem Bühnenprogramm mit Live-Musik vor allem „das vielfältige und anspruchsvolle Angebot“ aus.
Schöne Weihnachtsmärkte in Bergisch Gladbach und Umgebung
Die Saison der Weihnachtsmärkte ist gestartet, mit den bekannten Treffpunkten in der Innenstadt und den Stadtteilen – und zum ersten Mal einem „Zanders Zauber“ in der Alten Zentralwerkstatt. Aber auch in der näheren Umgebung gibt es einige empfehlenswerte Weihnachtsmärkte, große und kleine.
„Zanders-Zauber“ ergänzt den Weihnachtsmarkt in der Stadtmitte
Die Interessengemeinschaft des Handels in der Stadtmitte lädt ab Donnerstag zum traditionellen Weihnachtsmarkt auf dem Konrad-Adenauer-Platz ein. Zum ersten Mal wird auch auf dem Zanders-Areal ein Weihnachts-Event angeboten.
Auch der Bergisch Gladbacher Weihnachtsmarkt kommt mit Klassikern wie Mützen, Schals und Schmuck daher, mit Adventskränzen, Windlichtern und Weihnachtsbaumschmuck – darunter mundgeblasener und handbemalter Glasschmuck aus Böhmen.
Es gibt Essige, Öle und Senf aus der historischen Senfmühle Monschau, Lammfelle und Kuscheltiere, Aromaöle mit Düften „für Raum und Seele“ sowie farbenfrohe Wollponchos und -jacken, kunstvolle Traumfänger, Schmuck und Panflöten aus Südamerika.
Öffnungszeiten:
Bis zum 23. Dezember täglich von 11 bis 20 Uhr, samstags bis 21 Uhr
Glühwein und Imbissstände täglich bis 21 Uhr.
Den traditionellen Abschluss bildet das Turmblasen am 24.12. um 17 Uhr, mit dem gemeinsamen Singen auf dem Konrad-Adenauer-Platz. Dafür bleibt der Glühweinstand neben dem Weihnachtsbaum einen Tag länger stehen.
Das Bühnenprogramm finden Sie hier.
Am Stand der Schwarzwald-Brennerei „Wild“ können Besucher:innen Eierlikör aus „besten Freilandeiern nach Oma Hildas Rezept“ probieren, bei der Bäckerei Müller im Steinofen gebackene Natursauerteigbrote und schlesische Mohnrolle.
Das kulinarische Angebot
Die Palette der Speisen reicht von Klassikern wie Reibekuchen (3 Stück für 4,50 Euro, mit Apfelmus 5 Euro), Spießbraten (6,50 Euro), Pommes (kleine Portion 3, große 4 Euro), Krakauer oder Currywurst (jeweils 5 Euro) hin zu Backfisch (8 Euro), Folienkartoffeln (mit Sauerrahm oder Kräuterbutter, 5 Euro), Pfannenchampignons und gebackenem Blumenkohl mit verschiedenen Soßen (je 7 Euro).
Freunde von Süßspeisen haben unter anderem die Wahl zwischen Poffertjes mit Puderzucker (4 Euro), Dampfnudeln mit Vanillesoße (5,50 Euro), Churros in verschiedensten Variationen (5 bis 7 Euro) und Schokofrüchten – neben Trauben, Äpfeln und Bananen gibt es auch Chilischoten, Milchschnitten und Marshmallows mit Schoko-Überzug.
Zum Sicherheitskonzept möchte sich Organisator Markus Stümper auf Anfrage nicht äußern. Wie schon im Vorjahr werden die beiden zentralen Eingänge des Marktes mit großen Fahrzeugen abgeschirmt. Neben Mitarbeitenden des Stadtordnungsdienstes sind zusätzlich Kräfte eines Sicherheitsdienstes auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs.
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