Auch das alte Wärterhaus am evangelischen Friedhof und der Parkplatz geht an das EVK (im Hintergrund zu sehen) Fotos: Redaktion

Die Evangelische Kirchengemeinde zieht sich weiter vom Quirlsberg zurück. Sie verkauft nicht nur die Kneipe Quirls, sondern weitere Grundstücke und Gebäude an das EVK. Nur die Gnadenkirche selbst, der Gemeindesaal und der Pfarrgarten bleiben im Besitz der Kirche.

Über den Kauf der Gaststätte Quirls und des Gebäudes der Kita Quirl hatten wir bereits berichtet, jetzt bestätigt das Evangelische Krankenhaus (EVK) weitere Verträge mit der Evangelischen Kirchengemeinde Bergisch Gladbach. Auch für das alte Pfarrhaus, das Friedhofswärterhaus und die Parkfläche am Friedhof seien Verträge abgeschlossen worden, teilte EVK-Geschäftsführer Sebastian Haeger am Freitag mit.

Die Übernahme der Immobilien stehe nur noch unter dem Vorbehalt, dass die Stadt Bergisch Gladbach ihr gesetzliches Vorkaufsrecht nicht ausübt, schränkte Haeger ein. Ein Interesse der Stadt an den Grundstücken oder Gebäuden gilt als unwahrscheinlich, auf Fragen dazu reagierte sie bislang nicht.

Das EVK werde mit dem Gesundheitscampus Quirlsberg Eigentümer und sichere damit den Fortbestand und Instandhaltung der Einrichtungen, betonte Haeger. An den Mietverträgen ändere sich nichts. Das Pfarrhaus ist bereits an die Stadt verpachtet, die Kita Quirl werde künftig an die Kirchengemeinde vermietet und von ihr unverändert betrieben.

Im alten Pfarrhaus hat die Stadt Flüchtlinge untergebracht.

Er sei froh, dass das EVK der Käufer sei, und nicht irgendein Investor, sagte Haeger. Ihm sei es wichtig, dass der gesamte Quirlsberg mit dem Gesundheitscampus karitativ ausgerichtet bleibe.

Der Gesundheitscampus Quirlsberg

… versteht sich als diakonischer Komplexträger mit medizinischen, pflegerischen und sozialen Einrichtungen, mit dem Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach im Mittelpunkt. Im Prinzip handelt es sich um eine Dachmarke, unter der alle Einrichtungen gemeinsam auftreten.  

Beim Quirls ist die Lage kompliziert. Mit den rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen Pächter Alexander Voßler und Kirchengemeinde hat der neue Eigentümer nichts zu tun. Der Pachtvertrag mit der Kirche läuft nach Voßlers Angaben bis 2032, war aber von der Kirche im Dezember kurzfristig gekündigt worden.

„Das Quirls wird kein Senioren-Café“

Haeger betont, dass es in seinem persönlichen Interesse und dem des Gesundheitscampus Quirlsberg liege, das Quirls als Jugendtreffpunkt und Kulturort zu erhalten. In welcher Form es in Zukunft betrieben werden soll, mit einem Pächter oder in eigener Verantwortung des EVK, könne er jetzt noch nicht sagen.

„Das Quirls liegt uns besonders am Herzen. Wir möchten die Gaststätte auch künftig als Anlaufpunkt insbesondere für junge Menschen betreiben und werden mit den Vereinen und Initiativen zusammenarbeiten, die dort für kulturelle Angebote sorgen,“ stellt der Geschäftsführer klar. Es werde „mit Sicherheit kein Seniorencafé.“

Das geplante Seniorenzentrum auf dem Gelände der Alten Feuerwache grenze auch gar nicht direkt an das Quirls und das benachbarte Haus Häuser (das bereits seit langem dem EVK gehört) an.

Das Quirls (rechts) und das „Haus Häuser“ bilden eine Einheit. Rechts schließt sich das Gelände der Gnadenkirche an, links liegt die Einfahrt zum Gelände der Alten Feuerwache. Foto: Redaktion

Ev. Kirche begrüßte „wertgebundene Lösung“

Als Vorsitzender des Presbyteriums erläutert Pfarrer Carsten Bierei, dass die Kirche als Gesellschafterin des EVK „ganz bewusst die Kompetenz und das Engagement unserer Kolleginnen und Kollegen für die Weiterentwicklung unserer Gemeindearbeit und für das Wirken in die Stadt“ nutze. Die Kirche habe sich bewusst gegen einen privaten Investor und „für eine wertegebundene Lösung“ entschieden.

Auch in Bergisch Gladbach bewerte die Kirche aktuell alle Liegenschaften, erläutert Bierei. Hintergrund ist ein Beschluss der evangelischen Kirche auf Landesebene, wonach die Gemeinden nur die Liegenschaften halten sollen, die sie unmittelbar für ihre Aufgaben benötigen. Alle Gebäude, die sie behält, müssen sie klimaneutral sanieren. Damit sind oft Investitionen verbunden, die die Gemeinden nicht stemmen können.

Das EVK ist laut Bierei jedoch unabhängig von dieser Entwicklung auf die Kirche mit einem Kaufinteresse zugekommen. Wichtig sei, dass der Gesundheitscampus Quirlsberg als starker und verlässlicher Partner die  Liegenschaften übernimmt und die diakonische sowie soziale Arbeit darin weiterführe und entwickele

Das Jugendzentrum Q1, rechts die Gnadenkirche.

Keine Pläne für das Q1

Weiterhin offen ist das Schicksal des Jugendzentrums Q1 auf dem Quirlsberg. Es gehört der Stadt Bergisch Gladbach und war bislang an die Kirche vermietet. Sie will sich aber im Oktober endgültig daraus zurückziehen, die Stadt sucht nach Ausweichlösungen.

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Stadt schiebt Entscheidung über Schicksal des Q1 auf

Nach wie vor gibt es keine Klarheit, ob und wie das Gebäude des Jugendzentrums Q1 und der dort untergebrachten Pfadfinder gerettet werden kann. Nach einer Ortsbegehung und vielen Gesprächen sieht die Stadtverwaltung zwei Optionen: eine sehr teure Generalsanierung oder eine teure Übergangslösung. Im März soll der Stadtrat entscheiden, noch bis Oktober hält die evangelische Kirche den Status Quo aufrecht.

Das EVK habe keine Pläne, das sanierungsbedürftige Gebäude des Q1 zu kaufen, bekräftigt Haeger erneut. Sollte sich die Stadt allerdings doch irgendwann für einen Verkauf entschließen, werde das EVK gerne mit am Tisch sitzen. Um mit darüber mitzureden, wie das Angebot aufrecht erhalten werden könne.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Warum übernimmt das EVK nicht auch direkt das Q1 und saniert es, was vielleicht eh seine Pflicht gewesen ist? Mir scheint, es werden nur die Rosinen rausgepickt…

  2. Wer in 20 Jahren über 30% an Mitgliedern verliert, muss sehen, wo das Geld herkommt. Und die Schiffe auf dem Mittelmeer müssen auch finanziert werden ;)

  3. Liebe Bürger,
    In den beiden Artikeln rund ums Quirls und in diesem Artikeln stehen viele Christliche Wörter. Evangelische Kirche (abgeleitet von Evangelium)
    Oder Evangelisches Krankenhaus oder Priester. Und viele weitere Begriffe.
    Aber die Worte sind genauso Irreführend wie die Schokolade Ritter-Sport.
    Kein Leistungssportler isst regelmäßig Schokolade und ob Reiter regelmäßig die Schokolade essen weiß Ich nicht. Bezweifel Ich aber auch.

    Das finde Ich traurig das sie diese Begriffe immer noch im Namen haben. Weil es vor allem um Politik, Machterhalt und Geld geht.
    Die evangelische Kirche scheint fast mehr Immobilien am Quirlsberg zu haben als aktive Mitglieder.

    Und es ist ihr anscheinend wichtiger von einem Millionendeal zum nächsten zu rennen als der Jugend unserer Stadt ihre wichtigen Räume zu lassen. Q1 und Quirls-Kneipe sind nur die Spitze eines Eisbergs.

    Machen wir uns nichts vor: Das kann sie alles machen. Nur Ich als Gläubiger Mensch finde es schade das immer noch mit christlichen Wörtern um sich geschmissen wird. Jesus ging es nicht um reich werden oder um Millionendeals.
    Er wollte Nächstenliebe und Gottesliebe.

    Und genau das wird in vielen Landeskirchen und in deren mächtigen Gremien nicht mehr verkündet. Es geht fast immer nur noch um Politik, Macht und Geld.
    Die Kirchen sind heutzutage knallharte Geschäftsleute und oder Arbeitgeber. Und haben Politisch eine ganz klare Linie.
    Schaut euch mal an worüber auf dem Kirchentag gesprochen wird. Über alles. Nur nicht über Jesus.
    Aber sind sie dann wirklich noch Kirchen ?

    Würde Ich die Meinung jetzt in irgendeinem Gemeinderat sagen dann wäre Ich schneller draußen als ich gucken könnte. Aber Ich sage sie dennoch:
    Ich finde in Kirchen sollte es vor allem um Jesus gehen und um das Evangelium. Man sollte Politik und Geld mal beiseite schieben und den Fokus auf das Heilige richten.

    Vielleicht gibt es deswegen auch immer weniger Mitglieder in den Landeskirchen. Während Freikirchen oft wachsen und wachsen.
    Jeder Gläubige Mensch der damit nicht einverstanden ist kann ja der Kirche austreten. Es gibt genügend Kirchen die noch ihren Fokus auf das Evangelium gerichtet haben.

    Dennoch sind Krankenhäuser enorm wichtig. Aber dieser ständige Verweis auf Evangelisch oder ähnliches das muss nicht sein.
    Ich finde es nicht gut wie man hier in Bergisch Gladbach der Jugend alles wegnimmt. (Ponnyhöfe schließen, Fußballplätze schließen, Skaterparks werden verhindert, Jugendkneipen werden gekündigt, Pfadfinder werden rausgeboxt)
    Und das mit Lupenreinen Phrasen versucht weißzuwaschen.
    So ein Verhalten ist nicht christlich. Das ist eine Ellenbogen-Mentalität von mächtigen Investoren.
    Wahre Christen würden an Lösungen Arbeiten die allen Nutzen bringen.

    Gebt der Jugend doch auch mal etwas zurück. Oder nennt euch im Namen um. Vielleicht ,,Institution Kirche´´.
    Ich denke wir sollten wirklich auch mal wieder was für die Jugend tun.

    1. Vielen Dank für dieses Statement! Es macht mich nicht mal mehr wütend was am Quirlsberg und auch sonst gerade im Namen des Evangeliums passiert, sondern nur noch traurig und resigniert.
      Unterstreichen möchte ich allerdings das Anliegen, der Jugend eben Platz und eine Stimme in zu geben.