Theo Konrad Esser sorgte Anfang der 1950er Jahre mit seinem selbst gebauten „Ton-Wagen“ für die erste Beschallung eines Karnevalszugs in Bergisch Gladbach. Seine Tochter Heidi Esser erinnert sich gern an diese Zeit zurück und stellt einige alte Fotos aus ihrem Familienalbum zur Verfügung.

Fotos: Familie Esser

Wenn Heidi Esser heute die vergilbten Schwarz-Weiß-Fotos mit dem gezackten Rand betrachtet, bekommt sie sofort gute Laune: „Unglaublich, wie das früher war“, sagt sie und lacht. Ihr Vater ist auf einem dieser Fotos als Schutzmann verkleidet zu sehen. Er steht auf dem Dach eines Oldtimers. Darauf ist ein Lautsprecher befestigt, der an ein Megafon oder eine Vuvuzela erinnert.

Mit diesem selbst gebauten „Ton-Wagen“ erlebte Bergisch Gladbach Anfang der 1950er Jahre eine Premiere: Theo Konrad Esser – „er war allen nur als T.K. Esser bekannt“ – beschallte einen der ersten Gladbacher Karnevalszüge nach dem Zweiten Weltkrieg. So berichtet es seine Tochter dem Bürgerportal. „Mein Vater war eine stadtbekannte Person und hat an diesem Tag Geschichte geschrieben“, erinnert sich Heidi Esser, selbst sei sie „in den Achtzigern,“ wie sie sagt.

Lautsprecher auf dem Autodach

T.K. Esser fuhr selbst im Zug auf seinem Ton-Wagen mit. Mit einem Mikro in der Hand feuerte er die Zuschauer an und rief „Der Zoch kütt“, erzählt Heidi Esser. Über den Lautsprecher auf seinem Autodach wurde die Live-Musik einer Kapelle abgespielt. 

Weitere Lautsprecher hingen entlang der Strecke des Karnevalszugs. „So konnten auch die Leute die Musik hören, bei denen der Zug noch nicht angekommen ist.“ Um die Lautsprecher aufzuhängen, musste der Vater sich eine besonders lange Leiter leihen. Auf einem der historischen Aufnahmen ist zu sehen, wie T.K. Esser mit einem Helfer vom Autodach aus den Lautsprecher aufhängt.

Der Zug ging über die Hauptstraße durch die heutige Fußgängerzone bis zur Sander Straße. Kamelle seien damals nicht geworfen worden. Auf den Fotos sind auch längst nicht alle Menschen verkleidet.

Radiogeschäft eröffnet

Angeheuert worden war T.K. Esser vom „Motor Sport Club ADAC“, wie auch auf dem damaligen „Paradewagen“ zu lesen ist. „Zehn oder zwanzig Mark“ habe ihr Vater für die Teilnahme im Karnelvalszug bekommen. „Polizei Funk“ steht auf einer Holzplatte an der Seite des Wagens. Das Motto des Wagens spielt Heidi Esser zufolge darauf an, „dass die Polizei damals gerade sensationell mit Funk ausgestattet worden war“.

Ihr Vater sei ein sehr geselliger Mensch und gern unter Leuten gewesen, berichtet seine Tochter. Als „kölscher Jung“ wurde er 1912 geboren, zog von Köln nach Berlin und machte eine Ausbildung zum „Hochfrequenz-Ingenieur“ bei Telefunken. Später wurde er in den Krieg eingezogen, kehrte etwa 1947 aus der Gefangenschaft zurück.

1948 oder 1949, so genau kann Heidi Esser das nicht mehr sagen, habe ihr Vater sein Geschäft „Esser Radio“ in Bergisch Gladbach eröffnet. Er baute Antennen, reparierte Radios – nicht nur die, die Menschen in sein Geschäft brachten: Mit seinem Opel P4 fuhr er in die Umgebung, um Radios zu reparieren. 

„Eines Tages brachte ihm ein Freund aus Berlin einen monströsen Lautsprecher mit. Wir nannten ihn die Trööt“, erinnert sich Heidi Esser. „Die transportierte er auf dem Beiwagen auf seinem Motorrad. Das war ein Anblick!“

Aber auch der Lautsprecher selbst, mit dem T.K. Esser sein Auto in einen selbst ernannten „Ton-Wagen“ verwandelte, war seiner Tochter damals zufolge eine Sensation in Bergisch Gladbach. „So etwas gab es bisher nicht. Der Wagen fiel auch auf, weil die Trööt so laut war.“ 

Seine Beschallung des Karnevalszugs blieb allerdings eine einmalige Angelegenheit. Später machte sich T.K. Esser einen Namen als Tonmann und Live-Reporter. Er moderierte beispielsweise Seifenkisten-Rennen auf der Bensberger Schloßstraße oder Motorrad-Rennen rund um das Bayer-Kreuz in Leverkusen in den 1950er Jahren. 

Stimme des Nürburgrings

„Und mit seinem Ton-Wagen machte er Werbung für das Viktoria-Kino und andere Firmen. Als Werbeplakate dienten Bettlaken“, sagt Heidi Esser.

„Und er wurde zum Botschafter für den Motorsport und für viele Jahre zur Stimme des Nürburgrings.“ Von den 60er Jahren bis zu seinem Tod 1984 war T.K. Esser für die Beschallung bei Motorsport-Events auf dem Nürburgring verantwortlich. 

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Liebe Redaktion, das ist ein ganz wunderbarer Beitrag. Die Fotos sind einzigartige Dokumente. Man wünscht sich mehr davon zu sehen. Ich hatte die Ehre und die Freude mit Heidi Esser in den 70er Jahren bei EMI-Electrola in Köln zu arbeiten. Heidi selbst ist eine prominente PR-Lady aus der großen Zeit der Schallplatte (Vinyl). Der Apfel ist also nicht weit vom Stamm gefallen. Sie hat unzähligen Künstlern zu Prominenz verholfen und ihr eigenes Licht dabei stets unter den Scheffel gestellt. “Liebe Heidi, ich bin froh noch heute den Freund zu sein!” Liebe Grüße aus Hamburg, Udo Moelzer.

    1. Lieber Udo.
      Als Wegbegleiter der Electrola Zeit kann ich dir nur zustimmen. Heidi war und ist schon was ganz besonderes.

  2. Kreativität und Zivilcourage im Karneval… Als Immi lese ich mit Erstaunen diesen wunderbaren Beitrag. Jetzt kommt in mir die Frage hoch: Gibt es nicht mehr davon? Bilder die in Schubladen schlummern? Mit den dazu passenden Geschichten? Ich kann mir vorstellen, dass ein bemerkenswerter Bildband zusammenkommt.
    Und vielleicht findet sich der eine oder andere Nachahmer, der nicht nur mit der Menge mitläuft ;O)

  3. Ich erinnere mich auch noch gut und gerne an diese Zeit.
    Radio Esser war in unserer Nachbarschaft an der oberen Hauptstraße.

    1. So schön, diese wunderbare geschichte zu lesen,, besonders das seifenkistenrennen hier in bensberg

      lg wolfgang