Ein Polizist kontrolliert Autofahrer, die verbotenerweise in die Schulstraße Im Grafeld einfahren. Foto: Redaktion

Um das hohe Aufkommen von Elterntaxis rund um die Grundschulen in Hand einzudämmen, hat die Stadt drei Schulstraßen eingerichtet. Autos dürfen in den Bring- und Abholzeiten nur mit Ausnahmegenehmigung einfahren. Einige Eltern halten sich allerdings nicht daran und ignorieren das Verbot, wie ein Besuch vor Ort zeigt.

Die Ausreden sind immer die gleichen: „Wir sind so spät dran“, „Das ist heute eine Ausnahme“, „Mein Kind ist krank, daher musste ich es fahren“. Der Polizist hat diese Ausreden schon dutzendfach gehört. Gelten lässt er sie nicht. „Auch wenn hier keine Absperrungen und Helfer mehr stehen, ist es verboten reinzufahren“, sagt er und kassiert 50 Euro von einer Frau.

Die Mutter ist verbotenerweise von der Handstraße in die Straße Im Grafeld gefahren – in eine von drei Schulstraßen, die seit Januar im Umfeld der beiden Grundschulen GGS und KGS Hand und der Kita Rasselbande eingerichtet wurden, um die Zahl der Elterntaxis zu reduzieren und die Verkehrssicherheit für Kinder zu erhöhen.

Keine Absperrbaken mehr

Die Frau zeigt sich einsichtig, zahlt die Strafe ohne Diskussion. Eine Ausrede hat sie trotzdem parat. „Meinem Kind tut der Fuß weg. Normalerweise fahre ich ihn nicht vor die Schule“, erklärt sie. „Sie tun Ihrem Kind damit keinen Gefallen. Hier wird eine Generation erzogen, die es nicht mehr gewöhnt ist, mal eine Strecke zu Fuß zu laufen“, mahnt der Polizist.

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Drei Schulstraßen sollen Eltern in Hand zur Vernunft bringen

Elterntaxis stellen für Kinder die größte Gefahr auf dem Schulweg dar. Am Dienstag sind in Hand drei Schulstraßen eingerichtet worden, um die Sicherheit rund um die beiden Grundschulen und die Kita zu erhöhen – zunächst als Verkehrsversuch. Eltern in Warnwesten kommt dabei eine besondere Rolle zu.

Es ist Aschermittwoch und einer der ersten Tage, an denen keine Eltern mehr im Dienst sind, um Absperrbaken auf die Straße zu stellen und so andere Eltern am Einfahren in die Schulstraßen zu hindern. 

Ursprünglich waren diese Elterndienste zu den Bring- und Abholzeiten nur für die ersten drei Wochen des Verkehrsversuchs vorgesehen. Weil aber etliche Eltern weiterhin verbotenerweise in die Schulstraßen fuhren, wurden diese Dienste bis Karneval verlängert.

Eltern als Helfer:innen im Einsatz

„Es war allerdings zunehmend schwerer, die Elterndienste zu besetzen“, berichtet Barbara Dortmann, Schulleiterin der GGS Hand. Sechs Personen waren dafür jeden Tag nötig: Morgens und nachmittags waren jeweils drei Eltern für eine Dreiviertelstunde an der Sankt-Konrad-Straße, Im Grafeld und am Heimstättenweg im Einsatz. KGS und GGS hatten sich die Dienste im Vorfeld in Vormittags- und Nachmittagsschichten aufgeteilt. 

Die grünen Markierungen zeigen die Stellen, an denen die neuen Verkehrsschilder stehen. Screenshot: OpenStreetMap
Zur Sache: Schulstraßen in Hand

Die drei Straßen Im Grafeld, Sankt-Konrad-Straße und der Heimstättenweg sind montags bis freitags jeweils zwischen 7.30 und 8.15 Uhr sowie zwischen 14.30 und 15.15 Uhr für den Autoverkehr gesperrt. Anwohner:innen, Mitarbeitende der Schulen, der Kita und der OGS sowie Handwerker:innen haben Ausnahmegenehmigungen

Verkehrsschilder an den Kreuzungen Im Grafeld/ Handstraße, Im Grafeld/ Dellbrücker Straße und Heimstättenweg/ Handstraße weisen auf das Verbot hin und weisen die entsprechenden Zeiten aus. 

Bei den Schulstraßen in Hand handelt sich um einen zwölfmonatigen Verkehrsversuch. Er wird von der Stadt eng begleitet und evaluiert. Auf Grundlage der Erkenntnisse soll entschieden werden, ob und in welcher Form eine dauerhafte Regelung kommt. 

Die erste Schulstraße in Bergisch Gladbach ist – ebenfalls als Verkehrsversuch- Anfang September im Umfeld der KGS In der Auen gestartet. Die Einführung bewertet die Verwaltung bislang als erfolgreich.

„Ich hätte vorher nicht damit gerechnet, dass manche Eltern so frech und unbelehrbar sind“, sagt Dortmann. Immer wieder habe sie beobachtet, wie einige einfach an den Absperrbaken und den Helfer:innen mit den neonfarbenen Warnwesten vorbeigefahren seien – „Mit den Kindern hinten drin. Dabei haben sie doch eine Vorbildfunktion!“ 

Manche Eltern fahren ihr Kind direkt vor die Schule. Foto: Redaktion

Insgesamt habe sich die Verkehrssituation vor den Schulen durch die Schulstraßen schon stark verbessert, findet Dortmann. Sie berichtet von vielen Eltern, die ihr Kind nun nicht mehr mit dem Auto bis vor die Schule fahren. „Die meisten halten sich an die neue Regelung.“ 

So nimmt das auch Lisa Schöffel wahr. Sie ist Mutter eines Schulkindes an der GGS Hand und Mit-Initiatorin der Schulstraßen. „Wir Eltern erleben eine deutliche Entspannung rund um die Schulen.“ 

Verbotsschilder werden ignoriert

Doch es gibt auch die Unbelehrbaren, die die Verbotsschilder ignorieren. „Das sind diejenigen, die ihr Kind am liebsten in die Klasse bringen möchten“, berichtet die Schulleiterin. Daher ist sie froh, wenn die Polizei vor Ort ist und Knöllchen verteilt: „Dann funktioniert es besser.“ 

Auch an diesem Tag bremsen einige Autofahrer:innen ab, als sie den Polizisten in neongelber Weste sehen. Sie halten an, lassen ihr Kind auf der Handstraße aussteigen oder halten auf dem Parkplatz der Gaststätte „Zum weißen Pferdchen“. Manche Eltern begleiten ihre Kinder zu Fuß, viele Kinder laufen allein oder in Gruppen oder fahren mit dem Rad. 

Diskussion und Drohung

Ein SUV-Fahrer biegt in flottem Tempo in die Straße Im Grafeld. Kurz vor dem Schulgelände stoppt er. Unfreiwillig. Der Polizist tritt auf die Straße und an sein Seitenfenster. Der Mann lässt seinen Sohn aussteigen und beginnt eine Diskussion, droht mit seinem Anwalt. 

Er habe selbst dabei geholfen, die Absperrbaken aufzustellen. „Warum werde ich jetzt bestraft?“, fragt er. „Sie wissen also, dass es eine Schulstraße ist und handeln vorsätzlich. Das kostet dann 100 Euro“, sagt der Polizist. „Ich dachte, das wäre nur für eine Woche“, behauptet der Mann. Sein Sohn steht auf dem Gehweg und beobachtet die Szenerie mit grimmigem Gesicht. „Wir sehen uns vor Gericht“, ruft sein Vater dem Polizisten zu, nachdem dieser seine Personalien aufgenommen hat. 

Die Kreuzung Handstraße/ Im Grafeld ist aus Sicht des Polizisten die kritischste des Verkehrsversuchs. Am Heimstättenweg habe er zuletzt keinen einzigen Verstoß festgestellt, obwohl dort weder Absperrungen noch Helfer:innen im Einsatz waren.

Neue Gefahrenstelle

Das ist auch die Erfahrung von Lisa Schöffel. An besagter Kreuzung sei „eine neue Gefahrenstelle entstanden“: Vor allem morgens sei die Situation unübersichtlich. „Viele Eltern halten direkt vor den Baken, um ihre Kinder rauszulassen“, andere parkten vor dem Restaurant „und rangieren rückwärts auf dem Bürgersteig“. 

Auch das ist an Aschermittwoch mehrfach zu beobachten. Nach den ersten Schulstraßen-Wochen hat Schöffel Eindrücke aus der Elternschaft beider Grundschulen gesammelt und an die städtische Mobilitätsabteilung geschickt. Demnach bringen manche Eltern ihre Kinder zu Fuß an der Gefahrenstelle an der Kreuzung vorbei. Ihre Autos parken sie währenddessen an der Handstraße. 

„An der Handstraße braucht es daher dringend weitere Elterntaxihaltestellen oder Parkplätze“, lautet eine Forderung an die Stadt. Außerdem sollten aus ihrer Sicht die Schulstraßen-Zeiten nach hinten ausgedehnt werden: „Zwischen 15.15 Uhr und 15.30 Uhr sind ebenfalls noch viele Kinder unterwegs.

Manche Eltern scheinen bis 15.15 Uhr zu warten, um dann mit dem Auto einzufahren“, so die Erfahrung der Mit-Initiatorin. Außerdem wünscht sie sich auch künftig stichprobenartige Kontrollen der Polizei.

Weniger Bring- und Holverkehr

Auf Nachfrage teilt die Stadtverwaltung mit, dass derzeit geprüft werde, „ob und in welcher Form die bestehenden Hol- und Bringzonen erweitert oder angepasst werden“. Den bisherigen Verlauf des Verkehrsversuchs bewertet sie positiv: „Bereits in den ersten Wochen hat sich die Situation unmittelbar vor den Schulen spürbar verbessert.“ Weniger Bring- und Holverkehr sorge für mehr Übersichtlichkeit und damit für mehr Sicherheit der Kinder. 

Gleichzeitig betont die Stadt, dass das Einfahren in die Schulstraßen mit Ausnahmeregelungen auch künftig erlaubt sei. Es gehe nicht darum, den Autoverkehr dort vollständig zu unterbinden. Rückmeldungen aller Beteiligten – Schulleitungen, Elternhelfer:innen und Polizei – fließen demnach fortlaufend in die Bewertung des Verkehrsversuchs ein.

„Wie im gesamten Straßenverkehr wird es auch hier nicht möglich sein, jeden einzelnen Verstoß zu ahnden“, heißt es weiter. Kontrollen der Polizei sollen aber weiterhin „konsequent“ stattfinden und bei Bedarf verstärkt werden.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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