Der Ausschuss für Schulen und Gebäudewirtschaft tagt im Rathaus Bensberg. Foto: Redaktion

Im Ausschuss für Schule und Gebäudewirtschaft ging es u.a. um eine Notmaßnahme, gegen die sich der Schulleiter wehrt und wofür die Politik dennoch einstimmig fast eine Million Euro bewilligte. Zudem wurden der Stand bei NCG und IGP besprochen, über Standards für Sporthallen gestritten und den Problemen der Schulen gelauscht.

Wir fassen die wichtigsten Debatten und Entscheidungen der Sitzung des Ausschusses für Schule und Gebäudewirtschaft (ASG) in einem ad-hoc-Protokoll zusammen.

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Stromleitungen angeschmort, 60 Prozent der Beleuchtung ausgefallen und selbst die Sicherheitsbeleuchtung in Teilen defekt: Dieser Zustand wurde bei der jährlichen TÜV-Überprüfung im Oktober in der Sporthalle der Nelson-Mandela-Gesamtschule festgestellt, die Halle daraufhin aus Sicherheitsgründen sofort gesperrt. Diese Details berichtete die Stadtverwaltung am Mittwoch im ASG – und legte eine „Notmaßnahme“ vor, um den Betrieb der Halle bis zum Herbst wieder möglich zu machen.

912.273 Euro koste diese Reparatur der elektrischen Anlage – und dabei handele es sich keinesfalls um eine gründliche Sanierung, sondern eine schnelle Lösung „auf dem Putz“, betonte Dezernent und Kämmerer Thore Eggert. Der Ausschuss zeigte keinen Zweifel an der Notwendigkeit und votierte einstimmig für diese Ausgabe.

Nicht überzeugt ist dagegen Schulleiter Dieter Will. Er sehe keine Mängel, die die Schließung rechtfertigen, berichtete Felix Bertenrath als Vertreter der weiterführenden Schulen im Ausschuss. Dabei berufe sich Will auch auf einen zweiten. TÜV-Prüfer, der jetzt in der Halle war und diese Zweifel bestätigt habe.

Der zweite Prüfer, erläuterte Fachbereichsleiterin Alexandra Meuthen, sei von der Stadt als vertrauensbildende Maßnahme in die Schule geschickt worden. Sein Bericht liege der Stadt aber noch nicht vor. Oft, so Meuthen, sage der schriftliche Bericht etwas anderes aus, als was der Prüfer vor Ort erzähle. Dass zwei TÜV-Leute so weit auseinander liegen, sei dagegen äußerst selten. Wenn sich die Schäden tatsächlich als harmlos herausstellten sei niemand glücklicher als die Verwaltung, die dann viel Geld und Zeit einsparen könne.

Wirklich Hoffnung machte Meuthen dem Ausschuss in dieser Sache aber nicht. Das wurde auch von den Fraktionen gar nicht verlangt – sondern ein möglichst rasches Handeln, damit ein sicherer Sportunterricht schnell wieder stattfinden kann.

Wie es bei NCG und IGP weitergeht

Zwei sehr viel größere Sanierungsprojekte standen ebenfalls auf der Tagesordnung, wurden aber relativ schnell abgehandelt.

Beim NCG sei seit einem dreiviertel Jahr ein neuer, hoch qualifizierter Projektleiter am Werk, der das Dauervorhaben aufgeräumt und den nun vorgestellten neuen Zeitplan erarbeitet habe.

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Den Zeitplan für das Nicolaus-Cusanus-Gymnasium passt die Stadt ein weiteres Mal an. Der Ausfall einzelner Handwerksfirmen hat weitere Kettenreaktionen ausgelöst. In Abstimmung mit der Schule gibt es jetzt einen neuen Ablaufplan und Licht am Ende des Tunnels: Der neue Nordtrakt und die Aula sollen spätestens bis Jahresende fertig werden, der sanierte Mitteltrakt ein Jahr später.

Zu den Kosten der erneuten Verzögerung könne die Stadt erst im April etwas sagen, räumte Meuthen ein. Die Mehrausgaben könnten aber aus den Mitteln finanziert werden, die für den Etat 2026 vorgesehen sind.

Zum NCG gab es keine weiteren Nachfragen des Ausschusses – wohl aber die Erwartung, dass die letzten Schritte zur Sanierung der Schule an der Reuterstraße jetzt reibungslos über die Bühne gehen.

Noch am Anfang stehen die Überlegungen für Abriss und Neubau der Integrierten Gesamtschule Paffrath (IGP). Hier legte die Stadt jetzt zwar Varianten vor, wie der Interimsbau auf das Gelände hinter der Schule platziert werden kann. Einige davon sehen vor, auch Parkplatzflächen vor dem Kombibad zu beanspruchen – und damit weit weg von der Schule.

Konkretes dazu könne man dazu jedoch nicht sagen, antwortete Meuthen auf Fragen von SPD und CDU. Man stehe noch mitten in der Projektentwicklung, weit vor einer Planung. Die nächsten Schritte würden im Stadtplanungsausschuss behandelt, der ASG aber auch in diesem Jahr noch einmal damit befasst.

Standards oder nur Leitlinien für Sporthallen?

Lange debattierte der Ausschuss über die „Standards für den Bau und die Sanierung von Sporthallen“. Nachdem 2025 solche Standards für Schulgebäude verabschiedet wurden hatte die Verwaltung jetzt ein 86 Seiten langes, zum Schluss deutlich erweitertes Papier vorgelegt – das im Ausschuss auf erheblichen Widerstand traf.

Bei diesen „Standards“ würden im Detail Dinge festgelegt, die vielleicht wünschenswert, aber nicht notwendig seien und damit zu nicht zu beherrschenden Kostensteigerungen führen könnten, sagte Andreas Ebert (SPD).

Martin Kraus, Helga Kivilip und Christian Buchen schlugen für die CDU in die gleich Kerbe. Wenn bei Urinalen Sensoren statt Drücker zum Standard erhoben werden, dann werde es teurer. Sie wiesen auf viele Maßgaben aus dem Umwelt- und Artenschutz hin, die nicht in diese Standards gehörten; die lange Wiedergabe von gesetzlichen Vorschriften könne man sich sparen.

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Unfreiwillig hatte die Verwaltung durch einen redaktionellen Fehler offengelegt, wie diese Ergänzungen in das Papier gelangten: Die Überschrift für Kapitel 9 lautet: „Möchte (Fachbereich) 7-36 rein haben“. Dazu zählt u.a. der Unterpunkt „Vogelschlag an Glasfassaden“.

Dezernent Eggert versuchte, vom Begriff „Standard“ weg zu kommen – eigentlich handele es sich ja nur um „Leitlinien“. Fachbereichsleiterin Meuthen argumentierte, dass ein solches Set von Standards vor allem die Arbeit mit externen Auftragnehmern (und dazu gehört auch die Schulbaugesellschaft) erleichtere und die Schulsanierung beschleunigen könne.

Am Ende vertagte der Ausschuss – auch hier einstimmig – eine Entscheidung und trug der Verwaltung auf, so schnell wie möglich, ein deutlich abgespecktes Konzept vorzulegen.

Die Probleme aus den Schulen

Im Bericht von Felix Bertenrath als Vertreter der weiterführenden Schulen ging es ausdrücklich nicht um den Schulbau, sondern um die Schulen selbst. Er verwies auf Probleme und Herausforderungen, die den Unterrichtsbetrieb erheblich erschwerten. Zum Beispiel in der Frage, wie die Schüler:innen aus den Sprachfördergruppen oder Integrationsklassen beim Übergang von der Grundschule verteilt werden. In der Regel kämen Sie „obendrauf“, vergrößerten also die Klassen.

Zudem müssen alle Schulen (mit Ausnahme der Gymnasien) Schüler:innen mit besonderem Förderbedarf aufnehmen, bis zu drei pro Klasse – wobei die Gesamtzahl dann auf 27 abgesenkt werde. Das habe an einer Bensberger Schule dazu geführt, dass ein Geschwisterpaar an eine Schule in Kürten verwiesen wurde. Anfahrten bis zu 90 Minuten gelten als zumutbar, seien in der Praxis aber „problematisch“.

Die vier Realschulen in Bergisch Gladbach würden dadurch herausgefordert, dass sie erstens alle Schüler:innen aus Overath und Rösrath aufnehmen müssen, die diese Schulform wünschen. Und zweitens auch alle Schüler:innen aus Overath und Rösrath, die das Gymnasium verlassen müssten. Die Realschulen würden sich bei der Aufnahme zwar abstimmen, kämen aber an ihre Grenzen.

Die Gesamtschulen, berichtete Bertenrath, hätten ihr vorgezogenes Anmeldeverfahren gerade abgeschlossen; beide Schulen hätten nach eigenen Angaben Schüler:innen abweisen müssen. Dem widersprach Fachbereichsleiterin Barbara Kirschner, wollte die konkreten Anmeldezahlen aber nur im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung nennen.

Last but not least verwies Bertenrath auf die „lebensgefährlichen“ Verkehrsverhältnisse im Umfeld fast aller Schulen. Er appellierte an die Politik, im Rahmen der Haushaltsberatungen Geld für mehr Personal zur Verfügung zu stellen, um das Problem der Elterntaxis endlich in den Griff zu bekommen.

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Dezernent Eggert bedankte sich ausdrücklich für diese Hinweise. Zwar sei formal der Verkehrsausschuss zuständig, der Stadt seien die Probleme aber bewusst und sie würden angegangen.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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