Bis zum 7.9 lädt das Basement16 in Bensberg zur Kunstmesse „Eine Zeitreise“ – untermalt mit einem Begleitprogramm. Dazu gehört auch ein Porträtzeichnen. Wir haben mit drei Künstlerinnen der Alanus-Hochschule über die Faszination am Zeichnen vor Ort gesprochen – und die Aktion verfolgt.

Es ist sicher ein komisches Gefühl, von einer fremden Person minutenlang intensiv angeschaut und bis in die kleinste Falte studiert zu werden. Leonie Puschmann, Francesca Amodeo und Yuna Drüner sitzen hochkonzentriert im Ausstellungsraum des Basement16.

An diesem Freitagnachmittag sitzen Ihnen zufällige Besucher der Messe-Ausstellung gegenüber – still, ein bisschen unsicher, aber ebenso konzentriert. Auf der Vernissage und im Flyer angekündigt: ein live gezeichnetes Porträt – aber nicht alle Gäste trauen sich, manche wollen nur zusehen.

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Zwar ist die Veranstaltung nur mäßig besucht, doch für die Arbeit an den Zeichnungen scheint die Ruhe im Kunstraum sehr förderlich. Zwischen den drei Künstlerinnen und ihren Zeichenmodellen herrscht sichtlich eine meditative und sehr intime Stimmung.

Yuna Drüner; Foto: Thomas Merkenich

Arbeiten im Galeriebetrieb

Die Künstlerinnen hat Gabriela Hain, Initiatorin und Messeorganisatorin, beim Porträtzeichnen während einer Benefizveranstaltung an der Alanus-Hochschule im Fabrik 45 im Rahmen der Soli-Kunst-Bonn kennengelernt. Wie viele der Besuchenden dort war sie begeistert und lud sie nach Bensberg zur nunmehr zweiten „Zeitreise“-Messe ein, um hier live Porträts von den Gästen zu zeichnen, erzählt die Bonnerin.

Zwar haben sie im Studium durchaus Aktzeichnen am Modell geübt, doch zumeist wurde nach Fotos gezeichnet. Schon daher sei das Angebot, live Porträts zu zeichnen, eine willkommene Übung – zudem mit echten Modellen, die zudem völlig fremde Personen sind, eine echte „Challenge“. „Wir wussten im Vorfeld nicht, was passiert“, sagt Leonie Puschmann.

Ich bin primär Porträtmalerin, ich habe eine Faszination für das menschliche Gesicht.“

Ganz klassisch, mit einer Handvoll Bleistifte und Radierer, versuchen die Künstlerinnen, jede auf ihre Art die charakteristischen Merkmale ihres Gegenübers zu erfassen. Viel Zeit ist nicht, denn jede noch so bequeme Pose im Stillsitzen ist auf Dauer anstrengend – erst recht für ungeübte Modelle.

„Gerade Kindern fällt das schwer“, sagt Puschmann und erzählt von dem Jungen, der nervös hin- und herrutschte. Doch man merkt: Die drei Künstlerinnen dieses Nachmittags sind Profis. Schnell haben sie in etwa 10 bis 15 Minuten in wenigen Strichen die Person deutlich erkennbar skizziert.

Nach dem Motto „Wie sehe ich aus?“ auf der einen und „Erkennst du dich wieder?“ auf der Seite der Künstlerinnen.

„Ich finde es schön, fremde Menschen zu zeichnen, schon wegen der neuen Gesichtszüge mit jeder Zeichnung – man weiß zunächst nicht, worauf man sich beim Zeichnen fokussieren kann.“

Puschmann erzählt, dass viele Leute sagten, dass es eine Herausforderung sei, sich live zeichnen zu lassen; das sei viel intimer, als fotografiert zu werden. Hinzu komme der Stil der Künstler, der sich schon bei den drei Künstlerinnen unterscheide, findet Puschmann.

KUNSTMESSE 2026 „Eine Zeitreise“
21. August bis 07. September 2026
Video von der Vernissage

„Ich finde es schön, dass das Porträtzeichnen dieses Merkmal hat, das es herausstellt, dass der eigene Stil hindurchschimmert.“ Die Künstlerinnen haben bewusst für ihre Arbeit, die die Porträtierten mitnehmen durften, einen Mindestbetrag in Höhe von 10 Euro eingefordert, sagt die Künstlerin.

Eine Kunstmesse als Chance

Im Hintergrund hängen die hochpreisigen Exponate der Messeausstellung, Werke renommierter Künstlerinnen und Künstler der Region und weit darüber hinaus sowie Präsentationen namhafter Galerien.

Noch sind sie vergleichsweise unbekannt: die Bachelorstudentin Yuna Drüner sowie Leonie Puschmann und Francesca Amodeo, die frisch ihren Master für Bildende Kunst, Schwerpunkt Malerei, in der Klasse für figurative Malerei an der Alanus-Hochschule absolviert haben – allesamt Studentinnen bei Prof. Andreas Orosz.

Foto: Thomas Merkenich

Wie es weitergeht? Mit dem Abschluss fällt auch das gestellte Atelier auf dem Alanus-Campus weg, dann kommt „die harte Realität“, erzählt Puschmann. Immerhin scheint sich eine Präsentation der drei Künstlerinnen im nächsten Jahr im Rahmen der „Zeitreise“ aufzutun; das hat Gabriela Hain ihnen angeboten.

Tendenziell suchen sie nach bezahlbaren Arbeitsräumen und hoffen auf Ausstellungsmöglichkeiten und Unterstützung wie diese.

Kommende Events – allesamt kostenfrei

Auf der Messe werden noch bis Montag, 7. September, ausgewählte Exponate aus Sammlungen und Nachlässen sowie Positionen zeitgenössischer Kunst gezeigt. Es gibt noch ein paar weitere interessante Veranstaltungen, schwärmt Gabriela Hain: die Piano-Painting-Performance am 2. September um 19.00 Uhr mit drei Generationen – Claudia Hecker, Karen Hesse und Marie Hesse – oder „Kunst & Gesang“ am 4. September um 17 Uhr von Julia Jüchter.

Besonderes Highlight ist die Finissage am Sonntag, 6. September: Während der literarischen Zeitreise ab 14 Uhr liest Wolfgang Kaes mit seiner Frau Helga Auszüge aus seinem Roman „Grauland“, erschienen im November 2025 – Auszüge aus der eigenen Familiengeschichte und zum Thema Nachkriegsgeneration, in Kooperation mit der Buchhandlung Funk in Bensberg.

Im Anschluss: eine poetische Klang/Lichtinstallation mit Holger Hagedorn und Wolfgang Heuwinkel.

Termine im Überblick

Piano-Painting Performance: 2. Sept. 19.00 Uhr mit 3 Generationen Claudia Hecker • Karen Hesse • Marie Hesse

Kunst & Gesang: 4. September um 17.00 Uhr von Julia Jüchter

Finissage: 6. September mit Lesung ab 14.00 Uhr eine literarische Zeitreise 3er Generationen

Helga & Wolfgang Kaes lesen Auszüge aus dem Roman „Grauland“ von W. Kaes, erschienen im November 2025 Klangkunst & Lichtimpressionen mit Holger Hagedorn & Wolfgang Heuwinkel Alle Infos finden Sie auch auf dem Flyer im Anhang oder auf basement16.de und gabriela-hain.de

Weitere Impressionen aus der Ausstellung

Öffnungszeiten: 
Donnerstag & Freitag: 15-18 Uhr
Samstag & Sonntag: 12-16 Uhr
Und nach Absprache: 02204 962245

Basement16
Bergisch Gladbach-Bensberg
Schlossstraße 16
www.basement16.de

Künstlerinnenseiten:
Francesca Amodeo:
https://www.francescaamodeo.com
Instagram: https://www.instagram.com/fr.a.ncesc.a.modeo.a.rt/

Leonie Puschmann:
www.artleonie.com 
Instagram: @artleonie

Yuna Drüner:
https://www.instagram.com/yunadr_art/

Video zur Ausstellung von Georg Divossen

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ist der Fotograf des Bürgerportals. Mittlerweile wohnt er „im schönen Kürten" und liebt das Bergische Land. Aber das sieht man seinen Fotos ja auch an. Mehr Infos auf seiner Website www.thomas-merkenich.de

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