Gemeinsam nähen, Sprache lernen, Kontakte aufbauen. Fotos: Leo Wulf

Im Frühjahr 2026 musste die Nähstube des Fluchtpunkt Kürten schließen – es fehlten eine Führungsperson und ein Raum. Jetzt hat sie einen Neustart in Spitze hingelegt und ist lebendig wie eh und je.

Wir veröffentlichen einen Beitrag des Fluchtpunkts Kürten

Jeden Donnerstag schnurren in Spitze die Nähmaschinen, es wird gelacht und geredet. Bis zu acht Frauen verschiedener Herkunft und Religion kommen zusammen, um zu nähen. Die jüngste ist 27, die älteste etwa 80 Jahre alt, bei lebhaften Gesprächen, Tee und Kaffee und dem ein oder anderen Stück Kuchen nähen sie gemeinsam. Ganz nebenbei funktionieren hier auch Spracherwerb und soziale Interaktion.

Mittlerweile nimmt die Nähstube in auch wieder Aufträge von Bürger:innen und auch Institutionen entgegen. Die Nähstube des Fluchtpunkt Kürten (FPK) ist lebendig wie eh und je.

Dabei schien noch vor ein paar Monaten alles vorbei: Leni, die vor zehn Jahren die Nähstube gegründet hatte, um geflüchteten Menschen in Kürten eine Beschäftigung und einen Treffpunkt zu bieten, zog sich mit stolzen 91 Jahren aus der Führung zurück. Eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger waren zunächst nicht in Sicht, dann musste die Nähstube auch noch die Räume in Bechen verlassen. Nähmaschinen und jede Menge Material wurden vorerst eingelagert.

Neuer Ort, neue Organisatorinnen

Doch im August 2026 ging es wieder los: Die Nähstube ist in eins der kleinen Häuser in Spitze gezogen, die die Gemeinde Kürten als Unterkunft für Geflüchtete aufgestellt hat. Das Haus dient als Sozialraum und der Beratung durch Mitarbeitende des Sozialamts der Gemeinde.

Die Nähstube darf den Raum mitnutzen, die Gemeinde hat dem Verein einen Mietvertrag gewährt. So wird der Raum besser genutzt. Träger der Nähstube und damit verantwortlich ist der Fluchtpunkt Kürten.

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Mehrere Frauen teilen sich in die Organisation. Wie früher treffen sich die Nähbegeisterten jeden Donnerstag von 16 bis 18 Uhr. Wer eine Hose kürzen, Sachen enger machen oder Reißverschlüsse einnähen lassen möchte, kommt vorbei. Auch Gardinen und Vorhänge gehören zum Repertoire, genauso wie Leseknochen, Herzkissen für Patient:innen, Taschen, Rucksäcke, Untersetzer, Topflappen und und und.

Kostenlos, Spenden willkommen

Die Arbeiten sind grundsätzlich kostenlos, Spenden für den Aufwand sind willkommen. Und natürlich kann für die Nähstube an den FPK gespendet werden, der Verein stellt Spendenquittungen aus. Auch Sachspenden nehmen die Nähstubenmitglieder gern entgegen. So wird ein Standspiegel für die Anprobe gesucht, es fehlen zwei helle Stehleuchten als Strahler, Zickzack- und Schneiderscheren, Nähmaschinennadeln und neuwertige Stoffbahnen.

Wer mitnähen möchte, ist herzlich willkommen. In ihrem neuen Zuhause ist die Nähstube nicht nur für Kürtener interessant, sondern auch für EinwohnerInnen von Herkenrath und Herrenstrunden: Die Flüchtlingsunterkunft Spitze und mit ihr die Nähstube liegen verkehrsgünstig an einem Knotenpunkt der Buslinien 426 (Bergisch Gladbach-Wipperfürth) und 454 (Bensberg-Bechen).

Die Nähstube ist offen für alle Menschen, ob mit oder ohne Migrationshintergrund, reich oder arm, jung oder alt. Kontakt gern auch über den Fluchtpunkt Kürten e. V.

Hintergrund Fluchtpunkt Kürten e. V.: Angesichts der Welle fliehender Menschen aus dem Iran, Irak und Syrien entstand aus einer Bürgerinitiative 2014 das bürgerschaftliche Netzwerk Fluchtpunkt Kürten. Ihre Aufgabe sehen die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen des Fluchtpunkt Kürten in der Betreuung, Beratung und Unterstützung der geflüchteten Menschen bei allen Fragen der Integration. Seit 2025 ist der Fluchtpunkt Kürten ein eingetragener Verein.

www.fluchtpunkt-kuerten.de

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