Foto: Thomas Merkenich

Die Lage mitten im Wald ist idyllisch. Die Abgeschiedenheit des Naturfreundehaus Hardt hat aber ihren Preis: Es ist nicht an die öffentliche Kanalisation angeschlossen. Die bisherige Kläranlage muss erneuert werden, damit das Haus mit Biergarten, Restaurant und pädagogischem Angebot weiter betrieben werden kann. Die Eigentümer haben eine Spendenkampagne gestartet.

Für Familien, Wanderer und Naturliebhaber ist das Naturfreundehaus Hardt ein beliebtes Ausflugsziel. Mitten im Wald in der Nähe von Herkenrath gelegen, ist es Café, Biergarten und Lokal in einem, kann für Feiern gemietet werden und bietet erlebnispädagogische Angebote für Kinder und Jugendliche sowie Feriencamps mit Übernachtungen. 

Doch nun steht das Naturfreundehaus vor dem Aus. Die Eigentümer, die Kölner Ortsgruppe des Naturfreunde Deutschland e.V., haben für den Erhalt des Hauses eine Spendenkampagne gestartet. Für den Weiterbetrieb ist der Bau einer neuen Kläranlage nötig. Die Kosten schätzt der Verein auf 70.000 Euro – Geld, das die gemeinnützige Organisation nach eigener Aussage nicht hat.

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Ehemaliges Bergbaugebiet mit Altlasten

Dazu muss man wissen: Haus Hardt liegt in einem ehemaligen Bergbaugebiet, das durchzogen von alten Bergbauschächten ist. Auf dem heutigen Parkplatz befand sich früher ein Förderturm, das Haus selbst war das Steigerhaus der Grube Blücher. 

Die Naturfreunde hatten Haus Hardt 1958 erhalten, als Entschädigung für die Enteignung durch die Nationalsozialisten. Die Organisation der Naturfreunde war nach der Machtübernahme der Nazis 1933 verboten. 

„Als die Naturfreunde das Haus übernahmen, war der Rheinisch-Bergische Kreis ein großes Problem und eine tickende Zeitbombe los“, sagt Joachim Römer, Vorsitzender der Kölner Naturfreunde. Der Boden unter Haus Hardt berge Schwermetalle und andere chemische Rückstände. „Naturschutzbehörden sind verpflichtet, die Altlasten solcher Gebiete zu beobachten.“

Bei Wanderern und Ausflüglern ist das Naturfreundehaus sehr beliebt. Foto: Thomas Merkenich

Das Problem: Haus Hardt ist nicht an die öffentliche Kanalisation angeschlossen. Die bisherige Kleinkläranlage und Sickergrube des Hauses reicht nicht mehr aus und müssen erneuert werden. 

Seit Mai muss das Abwasser des Hauses per Tanklaster abgefahren werden. Dem Verein sind dadurch seitdem Mehrkosten in Höhe von 9000 Euro entstanden. „Unser kleiner Verein ist mit diesen Kosten überfordert“, so Römer. Zwar werde jahreszeitbedingt weniger Abwasser anfallen, weil in den kühleren Monaten weniger Gäste kommen. 

Kosten werden auf 70.000 Euro geschätzt

Der Rheinisch-Bergische Kreis bestätigt auf Anfrage, dass die bisherige Anlage des Hauses nicht mehr funktionsfähig sei. Das anfallende Abwasser könne nicht mehr ausreichend gereinigt und dem Untergrund zugeführt werden. Aktuell werde es nur in der Anlage gesammelt, aber nicht mehr gereinigt. Der Betrieb könne nur aufrechterhalten werden, weil die Anlage regelmäßig per Fäkalienwagen geleert werde. „Dies stellt aber keine dauerhafte Lösung dar“, so die Kreisverwaltung.

„Uns rennt die Zeit davon“, erklärt Römer. Bevor überhaupt mit dem Bau einer neuen Versickerungsanlage begonnen werden könne, müsse ein Gutachten inklusive Probebohrungen vorgelegt werden. Dieses entscheide darüber, wie groß die Versickerungsgrube sein muss und wo sie genau positioniert wird. 

Das Gutachten hätten die Naturfreunde vor über einem halben Jahr in Auftrag gegeben. „Die Arbeiten ziehen sich hin.“ Die Kosten in Höhe von 70.000 Euro seien eine Schätzung – „möglicherweise werden diese auch höher ausfallen. Das hängt letztlich alles von den Ergebnissen des Gutachtens ab.“ 

Foto: Thomas Merkenich

Für die Naturfreunde Köln als Eigentümerin steht fest: „Wir wollen Haus Hardt auf keinen Fall aufgeben! Wir sind sehr glücklich über die Pächter“, betont Römer. Das Ehepaar Benni Stapf und Tina Liebmann hatte den Betrieb 2014 übernommen und „mit viel Engagement und Herzblut ausgebaut“. 

Römer schwärmt von den umfangreichen naturpädagogischen Angeboten, den kulinarischen Angeboten, der selbstgemachten Limonade und der freundlichen Bewirtung. „Das alles wollen wir unbedingt erhalten. Die Städte werden immer heißer. Orte im Grünen für Familienausflüge und Klassenfahrten braucht es dringender denn je.“ 

Die Naturfreunde Köln hoffen, dass genug Spenden zusammenkommen, um „unsere Oase im Bergischen zu erhalten“.

Hier geht es zur Spendenkampagne und zur Internetseite des Naturfreundehaus Hardt.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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