Wie entstehen Respekt, Toleranz und gegenseitige Wertschätzung? Beim World Café des LiebevollIch e.V. unter dem Motto „Ich bin ich und du bist du“ tauschten sich die Teilnehmenden in vier Gesprächsrunden über persönliche Wahrnehmung, das Miteinander und gelebte Würde aus. Dabei ging es auch um den Umgang mit Konflikten und unterschiedlichen Sichtweisen.

Wir veröffentlichen eine Mitteilung von LiebevollIch e.V.

Unser World Café war wieder ein voller Erfolg. Bei traumhaftem Wetter kamen gut gelaunte Menschen zusammen, um miteinander ins Gespräch zu kommen, neue Perspektiven zu entdecken und sich mit einem wichtigen Thema auseinanderzusetzen: „Ich bin ich und du bist du.“

Schon zu Beginn und am Ende sorgten lustige Spiele für ein wenig Verwirrung – und vor allem für jede Menge Lachen. Denn manchmal braucht es genau das: die eigene Perspektive kurz infrage zu stellen, sich überraschen zu lassen und gemeinsam über die kleinen und großen Irritationen des Lebens zu lachen.

Jeder Mensch hat seine eigene Wahrheit

Im Mittelpunkt unseres diesjährigen World Cafés stand die Erkenntnis, dass jeder Mensch seine ganz eigene Wahrnehmung und damit seine eigene Wahrheit hat.

Kein Mensch auf dieser Welt besitzt die eine Wahrheit, die für alle anderen gleichermaßen gilt. Jeder von uns betrachtet die Welt durch seine eigene Brille. Unsere Wahrnehmung wird geprägt durch unsere Biografie, unsere Erfahrungen, unsere Erlebnisse und durch die Menschen, die uns im Laufe unseres Lebens begleiten und beeinflussen.

Wenn wir diese Erkenntnis wirklich annehmen und gleichzeitig unserem Gegenüber zugestehen, seine eigene Wahrheit und Wahrnehmung zu haben, kann etwas Wichtiges wachsen: Respekt, Wertschätzung und Toleranz.

Und genau darin liegt für uns ein wesentlicher Teil gelebter Würde.

Wenn uns jemand „triggert“

Besonders spannend wurde es bei der Frage, wie wir mit Situationen umgehen können, in denen uns ein anderer Mensch ärgert, provoziert oder sogar mit unschönen Worten beschimpft.

Eine einfache, aber wirkungsvolle Methode kann dabei sein, körperlich einen Schritt zur Seite zu gehen.

Dieser kleine Schritt schafft Abstand. Abstand zu der Situation, zu der Energie, die gerade zwischen den Menschen entstanden ist – und vor allem Abstand zu dem Impuls, diese Energie sofort in sich aufzunehmen.

Man kann sich dann innerlich fragen:

„Was liegt hier gerade für eine Energie auf der Erde – und gehört sie überhaupt zu mir?“

Wenn wir erkennen, dass die Wut, die Beschimpfung oder die Bewertung des anderen zunächst einmal dessen Wahrnehmung und dessen Emotion ist, müssen wir sie nicht automatisch zu unserer eigenen machen.

Wir können ruhig bleiben, durchatmen und unserem Gegenüber seine Beschwerde gewissermaßen zurückgeben.

Denn: Es ist seine Meinung. Nicht meine.

Das bedeutet nicht, dass wir Kritik ignorieren oder uns nicht mit unserem eigenen Verhalten auseinandersetzen sollen. Es bedeutet vielmehr, dass wir die Verantwortung für die Gefühle und Bewertungen anderer nicht automatisch übernehmen müssen.

Vom Ich zum Wir

In insgesamt vier Gesprächsrunden beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit unterschiedlichen Fragen:

  • Was bedeutet es, ich zu sein?
  • Was bedeutet es, ein Wir zu leben?
  • Und wie wichtig ist das Miteinander für unsere Gesellschaft?

Dabei wurde deutlich: Wir können uns selbst nicht vollständig ohne unser Gegenüber kennenlernen.

Der andere Mensch ist gewissermaßen unser Spiegel. Erst durch Begegnung, Reibung, Gemeinsamkeiten und Unterschiede erfahren wir, wer wir selbst sind, was uns wichtig ist und wo unsere Grenzen liegen.

Nur wenn wir ein Gegenüber haben, können wir uns selbst erkennen.

Genau dazu sollte unser World Café Raum geben: zur Begegnung, zum Zuhören, zum Nachdenken und dazu, die eigene Sichtweise einmal durch die Augen eines anderen Menschen zu betrachten.

Würde bedeutet auch, den anderen sein zu lassen

Am Ende des Nachmittags war deutlich zu spüren, wie zufrieden und bereichert die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren.

Vielleicht ist genau das eine der schönsten Erfahrungen, die ein World Café schenken kann: Man muss am Ende nicht dieselbe Meinung haben. Man muss nicht davon überzeugt sein, dass die eigene Sichtweise die einzig richtige ist.

Es reicht manchmal schon, zu erkennen:

Ich bin ich.
Du bist du.
Und wir dürfen beide so sein.

Wenn daraus Respekt, Wertschätzung, Toleranz und echtes Interesse am anderen entstehen, dann sind wir mitten in dem, was für uns gelebte Würde bedeutet.

Ein herzliches Dankeschön

Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle unserem großartigen Orga-Team. Immer wieder helfen alle fleißig mit, planen, organisieren, bauen auf, begleiten und sorgen dafür, dass solche Veranstaltungen überhaupt möglich werden.

Vielen Dank für eure Zeit, eure Energie und euer Herzblut!

Ohne euch wäre unser World Café nicht das, was es ist: ein Ort der Begegnung, des Austauschs, des Lachens und der Würde.

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