Große Müllbehälter lassen sich kostengünstig bewirtschaften, kleine Tonnen sind umweltfreundlich, aber teuer

Container lassen sich günstig bewirtschaften, kleine Tonnen sind umweltfreundlich, aber teuer

Das Urteil des Kölner Instituts für Wirtschaft ist schmerzhaft: Bergisch Gladbach landet auf der Rangliste der teuersten Müllmetropolen Deutschlands auf Platz vier. Nur in Leverkusen, Moers und Karlsruhe müsse die Bürger noch mehr bezahlen, so die IW-Vergleichsstudie im Auftrag von „Haus & Grund” (Dokumentation siehe unten). Beim Normal-Szenario, dem „14-tägigen Teilservice” reicht es sogar für den dritten Platz.

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In absoluten Zahlen ausgedrückt: Ein Normalhaushalt (zwei Erwachsene, zwei Kinder, 60 l Restmüll und 20 l Biomasse pro Woche) zahlt in Bergisch Gladbach 370 Euro im Jahr für seine komplette Müllentsorgung. Der gleiche Haushalt käme demnach in Wolfsburg mit 140 Euro davon, beim Vergleichssieger Chemnitz in dieser Kategorie sogar mit nur 116 Euro.

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Sind diese Zahlen korrekt berechnet? Sind sie aussagekräftig?

Die kurze Antwort der Stadtverwaltung: Ja, die Berechnung stimmt weitgehend – aber die Zahlen geben dennoch ein falsches Bild wider. Die meisten Bergisch Gladbacher Haushalte bezahlen deutlich weniger. Zudem gibt es ein paar Argumente, warum die Kosten hier höher ausfallen als anderswo.

Die lange Antwort fällt etwas länger aus. Aber wenn es Sie interessiert sollten Sie weiterlesen.

Laut städtischer Abfallgebührensatzung (Dokumentation ganz unten) bezahlt ein wenig umweltbewusster Haushalt in Bergisch Gladbach exakt das, was die IW-Studie ausweist: Eine 120-Liter-Restmülltonne, die alle zwei Wochen geleert wird, kostet 328 Euro, hinzu kommt eine braune 120-l-Biotonne für 42 Euro.  Macht also 370 Euro im Jahr.

Aber, und darauf weist Wilhelm Carl, der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB), ausdrücklich hin: Es geht mit eine wenig Willen zum umweltbewussten Trennen auch deutlich billiger. Schon seit 20 Jahren setze die Stadt darauf, die Müllmenge zu reduzieren und biete zahlreiche Varianten an:

  • Ein 2-Personen-Haushalt, der konsequent die Abfälle trennt, könne seinen Müll auf 60 Liter im Monat reduzieren. Dafür bezahlt er schlanke 82 Euro im Jahr. Und wenn er selbst kompostiert, dann wäre das auch schon die gesamte Gebührenrechnung  in der Version XS. Denn Papiermüll ist kostenlos. Und auch die Kosten für Sperrmüll, Elektroschrott und Weihnachtsbaum sind eingeschlossen. Die Variante XS wird von immer 3741 Haushalten genutzt.
  • Ein 4-Personen-Haushalt wird wenigstens die S-Version benötigen: dabei wird die graue 60-Liter-Tonne alle zwei Wochen geleert, hinzu kommt eine 120-l-Biotonne. Das kostet insgesamt 206 Euro – und wird von knapp 10.000 Haushalten gebucht.
  • Wer (noch) mehr Restmüll hat kann in 30-Liter-Schritten für jeweils 82 Euro aufstocken. Die M-Version (90 l Rest + 120 l Bio) kostet demnach 288 Euro. Dieses Preismodell gibt es in 6448 Fällen. Dabei können sich auch mehrere Haushalte die Tonnen teilen, denn sie werden tatsächlich nicht pro Haushalt, sondern pro Grundstück zur Verfügung gestellt.
  • Und erst mit der L-Version (120 Rest + 120 Bio) erreicht man mit 370 Euro den Wert, den das IW in seiner Studie als Regelwert angegeben hatte. Genutzt wird die L-Variante von 4.097 Kunden.
  • Darüber hinaus gibt es für Mehrfamilienhäuser weitere Varianten bis hin zu XXXL (1100 Liter wöchentlich), doch die spielen zahlenmäßig keine große Rolle.
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Das erste Fazit lautet also: Wer massiv sortiert und auf Teufel komm raus Müll vermeidet kann seine Rechnung drastisch reduzieren.

Allerdings: wer zum Beispiel Windeln entsorgen muss, der wird mit den Miniversionen nicht auskommen. Und zahlt im Vergleich zu anderen Kommunen in Bergisch Gladbach deutlich mehr. Das diskutiert AWB-Chef Carl auch gar nicht weg, führt aber eine Reihe von Argumenten an, warum das so ist und warum die Stadtverwaltung an dieser Stelle die Kosten nicht weiter senken könne.

Argument 1: Teure Abfallbeseitigung

Die Stadt Bergisch Gladbach ist nur für das Einsammeln der Abfälle zuständig. Die Verwertung und Beseitigung übernimmt der Bergische Abfallwirtschaftsverband (BAV) – in Anlagen, die wiederum der AVEA in Leverkusen (Anteilseigner: Stadt Leverkusen und BAV) gehören. Die Kosten werden auf jeder Ebene von unabhängigen Wirtschaftsprüfern gecheckt und anteilig zum angelieferten Müll umgelegt. Rund die Hälfte der gesamten Müllgebühren muss Bergisch Gladbach auf dieser Grundlage an die BAV überweisen. In diesem Jahr sind das voraussichtlich 6,27 Millionen Euro. Nur ein Viertel der Kosten, so die Stadt, entfalle auf das eigene Personal und eigene Fahrzeuge, ein weiteres Viertel auf sonstige Fixkosten. Ein weiteres Einsparpotenzial gebe es hier nicht.

Ob die AVEA im Vergleich zu anderen Anlagebetreibern zu teuer ist, kann Carl nicht beantworten. Einfach den Müll woandershin zu liefern ist aber auch nicht möglich, weil Landesgesetze den Kreisen bestimmte Entsorgungsregionen zuordnet. Ein Mülltourismus wäre weder wirtschaftlich noch ökologisch sinnvoll.

Argument 2: Fläche und Topographie

Bergisch Gladbach hat eine Fläche von 82 Quadratkilometern und einige Hügel, daher ist das Einsammeln des Mülls aufwendiger, als in dicht besiedelten Städten mit vielen Hochhäusern. In Außenbezirken müssen die Mülllaster zum Teil einen Kilometer fahren, nur um eine kleine graue Tonne zu leeren.

Zudem müssen die Laster zur Entleerung bis Leverkusen (hin und zurück 30 km) oder Lindlar (60 km) fahren. Das erklärt auch, warum zum Beispiel Solingen so viel günstiger ist: Dort liegt die Müllverbrennungsanlage mitten in der Stadt.

Argument 3: Umweltschutz ist teuer

Die Tatsache, dass Bergisch Gladbach seinen Bürgern beim Mindestbehältervolumen auf 60 Liter Restmüll im Monat runtergegangen ist (siehe oben, Variante XS) und somit starke Anreize zur Müllvermeidung setzt, macht sich bei den Durchschnittskosten je Liter Müll bemerkbar. Der gesamte Müllberg der Stadt wird zwar kleiner, aber der größte Teil der Fixkosten bleibt gleich. „Bei einem Vergleich, in dem die Gebühren von 120-Liter-Tonnen verglichen werden, landet die umweltbewußte Stadt also wegen hoher Gebühren auf einem schlechten Platz”, kritisiert Carl. Eine andere Stadt, in der die Verwertung vernachlässigt werde, stehe als wirtschaftlicher Sieger da.

Daher, so das Urteil des AWB-Chefs, sei die IW-Studie „mehr als fragwürdig”.

Dokumentation: Die Abfallgebührensatzung und die IW-Studie

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. wir müssen unsere rest mülltonne zur volumenvergrösserung tauschen. kann ich die kleine in moitzfeld vorbeibringen und eine größere mitnhemen, , wo bekomme ich den seiten aufkleber für die tonnen dann her, gruss aus frankenforst