Das Kreishaus. Foto: Thomas Merkenich

Sowohl die Elterngeldstelle als auch das Straßenverkehrsamt verzeichnen eine hohe Zahl von Anträgen und leiden gleichzeitig unter Personalausfällen. Die Kreisverwaltung stellt neues Personal ein und passt das Angebot (auch im Internet) an – doch vorerst müssen die Bürger:innen mit längeren Wartezeiten rechnen. Mit der Pandemie hat das allenfalls indirekt zu tun.

Drei Monate müssen junge Eltern in der Regel warten, bis ihre Anträge auf Elterngeld in der Kreisverwaltung beschieden werden – doch im Moment dauert es vier Monate oder noch länger, räumt die Behörde auf Nachfrage ein. Der Grund dafür ist nicht etwa Corona, sondern die Langzeiterkrankungen von der Hälfte der Mitarbeiter:innen der Elterngeldstelle.

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Kurzfristige Abhilfe durch die Abordnung anderer Beschäftigten sei nicht möglich, weil für diese Arbeit nur qualifiziertes Fachpersonal geeignet sei. Genau danach suche die Kreisverwaltung zur Zeit mit Hochdruck. Zwar werde das Elterngeld nach der Bewilligung auch rückwirkend ausgezahlt – doch sei der Kreisverwaltung sehr bewusst, dass diese Bearbeitungszeiten nicht zu vertreten sind.

Längere Wartezeiten beim Straßenverkehrsamt

Noch eklatanter ist das Problem beim Straßenverkehrsamt. Auch hier muss man „mit längeren Wartezeiten für einen Termin warten”, warnt der Kreis. Das hängt vor allem mit der Umtauschpflicht für alte Führerscheine zusammen: Seitdem das im März 2019 offiziell bekannt gegeben wurde gingen bei der Kreisverwaltung rund 10.000 Anträge ein, fast 6.000 davon im vergangenen halben Jahr.

Im Straßenverkehrsamt spielt allerdings auch die Pandemie indirekt eine Rolle. Zum einen, weil die Vorschriften zum Gesundheitsschutz dafür gesorgt hatten, dass man Termine vorab online buchen muss; dadurch seien die Verarbeitungskapazitäten gesunken, erläutert der Kreis. Und auch hier gibt es Personalausfälle aufgrund von Erkrankungen.

Auf diesen Misstand reagiert die Kreisverwaltung mit mehreren Maßnahmen. So wird auch hier neues Personal eingestellt, zudem wird Personal hierhin versetzt. „Um die derzeit hohe Antragsflut im Straßenverkehrsamt bewältigen zu können, werden wir die Führerscheinstelle zeitweilig mit Personal aus anderen Bereichen des Dezernates unterstützen“, sagt Landrat Stephan Santelmann.

Im Internet vorab informieren

Gleichzeitig weitet der Kreis das Zeitfenster für die Termin vorübergehend aus und stellt viele Informationen auf seiner Website zur Verfügung, damit die Bürger:innen schon vorab offene Fragen klären und auf Anrufe oder Besuche verzichten können. Auf der Website führen unter dem Punkt „Dienstleistungen“ weitere Links zu verschiedenen Führerscheinthemen und entsprechenden Erläuterungen.

Termine für Zulassungsanliegen werden über das Online-Tool des Rheinisch-Bergischen Kreises oder per vorheriger E-Mail an zulassung@rbk-online.de vergeben. Führerschein-Angelegenheiten werden ebenfalls nach vorheriger Terminvereinbarung über das Online-Tool oder per E-Mail an fahrerlaubnisbehoerde@rbk-online.de bearbeitet.

Ergänzend bietet der Rheinisch-Bergische Kreis für Anrufer:innen künftig die Möglichkeit, Informationen zum Führerschein nach Themen sortiert abzurufen. Unter verschiedenen Menüpunkten lassen sich dann häufige Fragen auch ohne persönlichen Kontakt klären. Für individuelle Fragen sei ein persönliches Gespräch aber auch weiterhin möglich.

Zudem weist die Kreisverwaltung darauf hin, dass die Besitzer:innen der alten Führerscheine einen Beitrag zur Entlastung leisten können, wenn sie mit ihren Umtauschanträgen warten, bis ihr Jahrgang dran ist. Die Informationen dazu findet man ebenfalls auf der Kreis-Website.

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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  1. Gut ein halbes Jahr nach diesem Beitrag ist es bei der Elterngeldstelle zu keinerlei Verbesserung gekommen. Ich habe letzte Woche nach dem Stand meines Antrages gefragt und die Aussage bekommen, dass man jetzt in der Bearbeitung bei KW15 angelangt sei. Absolut unglaublich.

  2. Was den Führerscheintausch betrifft, habe ich Anfang des Jahres eine positive Erfahrung gemacht. Ich habe an einem Wochenende sämtliche Antragsunterlagen inklusive altem Führerschein und neuem Foto in den Briefkasten der Kreisverwaltung geworfen. Am Mittwoch darauf hatte ich meinen alten Führerschein zurück, am Freitag von der Bundesdruckanstalt den neuen Führerschein.

  3. Vielleicht sollte man die 15-20 MA, die den Blitzer an der A1 bearbeiten, für andere Tätigkeiten umschulen.

    Dank Corona wurden so viele Unzulänglichkeiten in der Verwaltung aufgedeckt. Es ist erschreckend, was hier in den letzten Jahren verschlafen wurde.

    Oder liegt es an den darüber liegenden Strukturen, die aus Langeweile neue Verordnungen und Aufgaben generieren, ohne die Folgen zu bedenken?

  4. Wenn man sich die Stellenanzeige “Sachbearbeiter/in für den Bereich Elterngeld” vom Kreis anguckt, kriegt man nicht grade den Eindruck, dass dringend jemand gesucht wird…. Es ist eine einzige Stelle in Teilzeit ausgeschrieben, das ist ja wohl ein Witz.
    Anforderungen: eine abgeschlossene Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte/r bzw. die 1. Prüfung TVöD (vormals Angestelltenlehrgang 1) oder
    eine abgeschlossene Ausbildung als
    Sozialversicherungsfachangestellte/r oder
    Rechtsanwaltsfachangestellte/r oder
    Kauffrau/Kaufmann für Büromanagement
    mit mindestens 3 Jahren Berufserfahrung in der öffentlichen Verwaltung.

    Bei der Dringlichkeit könnte man doch sicher auf Berufserfahrung in der öffentlichen Verwaltung verzichten? In den 3 genannten Ausbildungsberufen sollte es nicht schwer sein jemanden zu finden, der einen sicheren Job beim Kreis haben möchte.
    Lächerlich.. und traurig, dass wir als junge Bald-Eltern jetzt schon am Sparen sind, um die erwartete Wartezeit finanziell überbrücken zu können.

  5. Langzeiterkrankungen bei der Hälfte der Mitarbeiter:innen sollten nachdenklich machen.
    Die AOK veröffentlicht jährlich einen Fehlzeitenreport. 2016 wurde unter rund 2.000 Beschäftigten durch den Wissenschaftlichen Instituts der AOK eine Befragung durchgeführt. Das Ergebnis war, dass eine schlechte Unternehmenskultur mit einem deutlich höheren gesundheitlichen Risiko für Mitarbeiter einhergeht.

    Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO und Mitherausgeber des Reports erklärte dazu: “Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen der Art und Weise, wie Beschäftigte ihre Arbeit erleben, und ihrer Gesundheit. Jedes Unternehmen, egal welcher Branche, sollte dieses Wissen nutzen.”

    Übrigens war den Mitarbeitern vor allem die Loyalität des Arbeitgebers (78 Prozent) wichtig, also die Frage, ob der Arbeitgeber hinter einem steht. An zweiter Stelle kam der Aspekt des Lobens (69 Prozent) im Arbeitsalltag.

    +++ Hinweis der Redaktion: Benno Nuding ist Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler

  6. Ich finde es ebenfalls eine Frechheit, so lange auf das Elterngeld zu warten. Es handelt sich hier wohlgemerkt um Arbeitsplätze in der allgemeinen Verwaltung und nicht etwa um Ingenieure, etc., wo Fachleute wirklich fehlen. Dieser Mangel ist mittlerweile auch schon sehr lange bekannt.

    Unser Kind ist im Oktober zur Welt gekommen und wir haben immer noch keine Elterngeld erhalten. Das muss man sich mal vorstellen! Die BezieherInnen bleiben mindestens 4 Monate komplett ohne Einkommen, bei fortwährenden laufenden Kosten.

    1. egal welches -geld von der Verwaltung beschieden wird, es ist ein Bescheid zu erstellen, der juristisch wasserdicht der Verordnungen entsprechen muss.
      Das ist nicht ganz das gleiche, wie an der Kasse zu kassieren….
      Die Unterversorgung mit Fachpersonal in der Städt. Verwaltung ist ggf. der Örtlichkeit geschuldet.
      Die Stadt will am liebsten Home-Office für alle, dann kann man als Kölner auch von Köln aus arbeiten….

  7. Vier Monate auf Elterngeld warten ist eine Frechheit. Dass die Bearbeitungszeiten so lang sind hat die Stelle schon im Oktober mitgeteilt. Ein Unding, dass bis heute immer noch nichts passiert ist. Das können nur Familien überbrücken, die eh zu wenig haben und sich an das Jobcenter melden können und die jenigen, die eben viel Geld haben.
    Das ist weder gute Werbung für die Stadt noch zeigt es den Familien genug Wertschätzung. Die Gebührenbescheide für dieses Jahr waren schnell da und sendet man ein SEPA Mandat an die Stadt ist zwei Tage später die Bestätigung im Briefkasten. Wenn Sie Geld bekommen kann ist die Stadt schnell.

    1. Danke! Nicht nur das ist schlimm genug. Erstmal wartet man nach der Geburt 5-6(!) Wochen auf die Geburtsurkunde um überhaupt mal einen Antrag stellen zu können. Und dann wartet man noch über 3-4 Monate auf das Elterngeld. Unser Sohn ist Ende September auf die Welt gekommen und die Geburtsurkunden kamen erst in der zweiten November Woche an. Ein Brief von der Elterngeldstelle kam dann am 10.11. das es momentan bis zu 12 Wochen dauert und man natürlich von Anfragen abrät. Bis heute nichts mehr gehört.

    2. Auch wenn das den Eltern nichts hilft: für das Elterngeld ist der Rheinisch-Bergische Kreis zuständig, nicht die Stadt Bergisch Gladbach.

      1. Das hilft in der Tat wenig, ob jetzt Stadt Bergisch Gladbach oder Kreis. Das man innerhalb eines halben Jahres nicht in der Lage ist neue Mitarbeiter einzustellen oder andere zu versetzen und entsprechend zu schulen zeigt wie wichtig die Familien den Verantwortlichen ist. Die Anträge zu bearbeiten ist bei allem Respekt keine Raketenwissenschaft. Da kann man innerhalb eines Monats speziell für die Bearbeitung oder zumindest zur Unterstützung jemanden schulen.

    3. Langzeiterkrankungen von der Hälfte der Mitarbeiter:innen? Das als gegeben und nicht änderbar zu akzeptieren könnte sich ein Wirtschaftsunternehmen gar nicht leisten! Scheinbar wurde hier nicht rechtzeitig das Gespräch gesucht, um zu versuchen, mehr über die Gründe für eine drohende Erkrankung herauszufinden. Laut der Stressstudie der TK aus 2021 haben die acht stärksten Belastungen im Job alle etwas mit der Arbeitsgestaltung und mit der Arbeitsorganisation zu tun.
      Daher ist es eklatant wichtig, mit Empathie und Wertschätzung Vertrauen zu schaffen, und im Gespräch Möglichkeiten zu finden, um die Situation für beide Parteien zu verbessern, und die drohende Erkrankung im besten Fall abzuwenden.

      Zumindest bei den verbleibenden Mitarbeitern wäre es hilfreich, die Arbeitsbedingungen zu hinterfragen, um die Arbeitszufriedenheit und die Motivation zu steigern. Wertschätzung ist der Schlüssel – in jeder Hinsicht. Wenn die Mitarbeiter dies aber, aufgrund des Drucks nicht nur nicht erfahren, sondern darüber hinaus jeden Tag nur Ungeduld und Kritik erleben, ist abzusehen, dass noch mehr Personal ausfallen wird. Als einzige Strategie die Nachbesetzung zu wählen, ist langfristig sowohl personell als auch finanziell nicht tragbar, denn solange sich nichts ändert, werden auch diese Mitarbeiter:innen über kurz oder lang ausbrennen.

      P.S. Großes Lob an die Mitarbeiter:innen, die jeden Tag ihr Bestes geben, um das aufzufangen, was versäumt worden ist. Ihnen gehört Wertschätzung und nicht Kritik, denn sie sind nicht verantwortlich für die langen Wartezeiten.