Das jahrelange Tauziehen um eine legale Nutzung des Waldgeländes in Nussbaum ist mit einem positiven Ergebnis für die Radsportler ausgegangen: Stadt und Dirt Stylers e.V. haben die offenen Fragen geklärt und eine zivilrechtliche Vereinbarung abgeschlossen.

Die Vereinbarung mit Bürgermeister Frank Stein sei im Januar getroffen worden, teilt der Dirt Stylers-Verein mit. „Durch eine organisierte Fläche wie in Nussbaum wirken wir stark gegen das wilde Fahren in unserem Wäldern. Sport an der frischen Luft (und immer mit Mindestabstand) stärkt unser Immunsystem,“ erklärte der Verein.

Die Sorge, dass eine Schließung der Strecke zu unkontrollierten Aktivitäten mit Risiken für Mensch und Natur führen würde, hatte auch die Stadtverwaltung umgetrieben. Daher begrüßt der Beigeordnete Ragnar Migenda die Einigung, nicht zuletzt mit Blick auf die engagierten Jugendlichen.

Im Vorfeld seien die letzten offenen Fragen geklärt worden, auch mit dem privaten Eigentümer angrenzender Flächen, berichtet Oliver Mathée, der die Öffentlichkeitsarbeit im neuen Vorstand übernommen hat. Der Verein trage die Verkehrssicherungspflicht und habe eine entsprechende Versicherung abgeschlossen,

Die Strecke im Buchenwald gilt als eine der schönsten in ganz Deutschland. Foto: Dirt Stylers

Konkret handelt es sich um eine zivilrechtliche Vereinbarung über die Nutzung von vier städtischen Parzellen im Wald, ergänzt die Stadtverwaltung. Der Verein erhalte zwar kein„Hausrecht“, könne aber Radfahrer:innen der Strecke verweisen, wenn sie sich nicht an die Regeln halten. Zudem muss der Verein für die Sauberkeit der Umgebung und die Unversehrtheit des Waldes einstehen.

Ausgedehnte Aufschüttungen, Hütte oder Streckenverläufe, die andere Nutzer:innen des Waldes belästigen oder gefährden, seien verboten, mahnt die Stadt. Die existierende Streckenführung und Geländebeschaffenheit dürfe nicht verändert werden. Vier „Lines“ (zwei Mountainbike-Parcours und zwei Übungsstrecken) wurden genehmigt.

Das Gefälle und viele Kuhlen ergeben ein perfektes Trainingsgelände für den Nachwuchs. Foto: Dirt Stylers

Die großen Starttürme und Sprungschanzen waren nach einem Konflikt schon 2017 abgebaut worden. Seither war die Nutzung trotz einiger erfolgloser Legalisierungsversuche informell geduldet worden; in 2021 hatte die Stadtverwaltung klar gemacht, dass es so nicht mehr lange weitergehen könne.

Zur Sache: Der Dirt Stylers e.V. übt die „Bergabrennen“ in vier sogenannten Gravity Disziplinen aus: Dirt, Slopestyle, Enduro und Downhill. Das gesamte Training findet im Nussbauerm Wald statt, in der Vergangenheit hatten einige Mitglieder des Vereins an der Spitze der deutschen Mountainbike-Szene gestanden. Mehr Infos und Kontakt auf der Website

Der Verein, der 2007 formell gegründet worden war, habe derzeit rund 120 Mitglieder, die den „Nutbush Forest“ als Trainigsgelände nutzen. Der respektvolle Umgang mit der Natur und die Pflege des Geländes spiele dabei eine wichtige Rolle.

Auch mit den Spaziergänger:innen und Jogger:innen gebe es ein gutes Verhältnis, einzelne Konflikte seien die absolute Ausnahme. Neue Infotafeln sollen in der nächsten Zeit aufgestellt werden.

Neuer Vorstand übernimmt

In einer digitalen Mitgliederversammlung wählte der Verein Ende Januar einen neuen Vorstand. Die bisherigen Führung mit Sascha Bamberg und Ingo Braun, die noch die Duldungsvereinbarung ausgehandelt hatte, trat sich mehr an.

Neuer 1. Vorsitzender wurde Michael Berkenpeter, 2. Vorsitzender Nils Hölzer. Beisitzer sind Michael Stöcker, Patrick Scholz und Oliver Mathée.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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26 Kommentare

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  1. Abgesehen von der jetzt auf einmal rechtlichen Änderung der Situation, freu ich mich für die Radfahrer. Ich verstehe, bzw. unterstütze ab auch die Aussagen von Sandra.
    Manche Radfahrer verhalten sich sowohl im Wald, als auch der Strasse wie die “Wildsäue”, wohlgemerkt nicht alle.
    Wir Reiter werden aber immer dafür verantwortlich gemacht, das die Waldwege matschig geritten werden, es sind aber auch die Mountainbiker und Forstsfahrzeuge , die daran mitwirken.
    Also lasst uns doch alle unsere Sportarten ausführen wo es möglich ist, aber RÜCKSICHTNAHME ist in jeden Fall angesagt.

  2. Das wurde auch Zeit sich mal pro-Jugend zu positionieren!
    Beschämend die jahrelange Zauderei!
    Auch von mir Glückwunsch Dirt Stylers!!!
    Das Ihr verantwortungsvoll mit „Eurem“ kleinen Reich umgeht, habt Ihr ja längst bewiesen.
    Carsten

  3. Glückwunsch!
    Das freut mich!
    Ich, als Spaziergängerin mit Hund, befürworte die sportliche Aktivität und Dank der gegenseitigen Rücksichtnahme funktioniert das auch!

  4. @Sandra L.
    …..ach ja das Reitervolk. Bei uns in Kürten ist dieses Volk dafür verantwortlich,
    das manche Wanderwege nicht mehr begehbar sind.
    Und es wird sich auch Null um die unterwegs „gefallenen“ Hinterlassenschaften gekümmert.

    Der Sinn Ihrer Worte ? Keine Ahnung was Sie meinen. Sollte Ihr Beitrag eher ironisch sein?
    Dann hat es nicht geklappt.

    1. Hallo Herr Kraus,
      Sandra L. wollte wohl eher darauf hinweisen, dass auch andere Personengruppen (Vereine, private Gruppierungen) demnächst viel Verständnis erwarten und trotz gesetzlicher Verbote ein gezieltes Wegsehen der Behörde (und somit eine Duldung) wünschen wenn nicht gar fordern werden.

      1. Da können sie viel erwarten, wünschen oder fordern. Wenn in einem Fall eine individuelle Güterabwägung zu einem bestimmten Ergebnis führt, wäre es absurd, daraus einen Anspruch auf eine gleichlautende Individualentscheidung in einem anderen Fall abzuleiten.

        Und gerade dann, wenn die Reiter davon ausgehen, dass die Entscheidung für die Mountainbiker zu Unrecht gefallen ist, können sie sich darauf nicht berufen. Das verhindert der Rechtsgrundsatz, dass es keine Gleichheit im Unrecht gibt – bekräftigt vom Bundesverwaltungsgericht beispielsweise in Urteilen vom 6. Juni 1975 (Az. II C 68.73) und vom 21. Juli 1994 (Az. 2 WD 6/94).

  5. Als Anwohner kann ich bestätigen, dass die Aktivitäten mit Verein definitiv gesitteter ablaufen als ohne. Für mich war das Argument auch immer einleuchtend: nur weil man dem Verein die Nutzung untersagt heißt das ja nicht, dass die Jugendlichen dann nicht auf eigene Faust dort fahren und das dann ohne Aufsicht. Jetzt höre ich natürlich dass die Stadt denen das dann halt verbieten müsste. Ja wie denn? 24/7 Überwachung? Privater Sicherheitsdienst? Zuhause einsperren?
    Nein, so ist es für alle das Beste denke ich. Außerdem wird wohl niemand abstreiten dass die Teilnehmer an der frischen Luft besser aufgehoben sind als den ganzen Tag vor der Spielkonsole, zumal durch Corona ja fast alle Jugendfreizeit-Einrichtungen geschlossen sind/waren.

    @Sandra L.
    Das ist doch jetzt pure Missgunst nach dem Motto „was ich nicht haben kann, soll niemand haben.“, zumal die meisten Reitvereine mit Sicherheit finanziell deutlich besser gestellt sind als die „Dirt Stylers“.

      1. Ich muss zugeben, dass auch bei mir ihr Kommentar sehr ähnlich ankommt, wie es @Thomas Boschen beschreibt. :-(

  6. Solange die Herrschaften Rücksicht nehmen ist doch alles in Ordnung, besser als wenn Sie den ganzen Tag am Busbahnhof abhängen.

  7. Man darf sich wundern.
    Haben sich die Rechtsgrundlagen plötzlich verändert?
    Oder gab es eine Weisung aus dem Steinschen Büro, Rechtswidriges zu genehmigen/dulden?
    Da kommen ja nun mannigfaltige und eigentlich nicht gemehmigungsfähige Nutzungen auf die Wälder zu.
    Und noch eine Frage:
    Wer haftet bei Unfällen?

    1. Das steht im Text: Der Verein übernimmt die Verkehrssicherungspflicht und hat eine Versicherung abgeschlossen.

  8. Ich bin Mitglied eines Reitvereins mit ca. 120 Mitgliedern. Leider nicht in Bergisch Gladbach, aber das lässt sich ja ändern. Wir haben nämlich auch viele Kinder und Jugendliche. Reiten findet ebenfalls an der frischen Luft statt und fördert das Immunsystem. Liebe Stadt und lieber Ragnar Migenda, welchen Wald stellen Sie uns aus Paritätsgründen denn zur Verfügung, wo wir durchs Unterholz galoppieren und Rennen veranstalten können? Ach, mehrere Parcours hätten wir auch gern… Wir suchen uns einfach irgendwo etwas aus und machen das so lange, bis es dann auch offiziell geduldet wird. Der Mensch lernt schnell! Bestimmt gibt es auch noch viele andere Vereine, die einige Waldparzellen für spektakuläre Freizeitbeschäftigungen brauchen können. Macht Euch alle da breit, wo es Euch gefällt in Bergisch Gladbach! Die Stadt unterstützt das hier

    1. Frau L., Sie unterliegen einem verbreiteten Irrtum: Wenn man einem anderen etwas gibt oder erlaubt, nimmt man Ihnen damit nichts weg.

      Und es ist schon ein Unterschied, ob sich Fahrradfahrer durch den Wald bewegen oder (inkl. Reiter) eine halbe Tonne Pferd mit deutlich breiterer und höherer Silhouette.

    2. Wir wollen auch nicht unerwähnt lassen das es sich beim Reiten um sportliche Aktivitäten der Pferde handelt! Und dafür muss man nicht die schönen Waldwege zerstören lassen. Die Reiter*innen hingegen, sollten sie Interesse an Bewegung haben, können dann natürlich auch diese Wege nutzen.

  9. Das haben die sich verdient.
    So viel Arbeit…
    Schade das nicht mehr übrig bleiben konnte.

  10. Klasse gemacht – so einfach verar… äpplt man also den Bürgermeister!
    Rumnerven, fordern, Opferrolle… zum Schluß noch drohen, dass man dann halt ohne Genehmigung durch den Wald rast und in Kauf nimmt, dass Mensch und Natur zu Schaden kommt.

    1. Es ist bewiesen das Mountainbiken dem Wald genau so ,,viel“ schadet wie andere Aktivitäten. Ich verstehe ihr Problem nicht ganz, mir macht große Freude den Jungs und Mädels beim fahren zu zuschauen. Vielleicht überdenken sie nochmal ihre Meinung.

      1. Mal aus reiner Neugier: Wo und von wem wurde das bewiesen? Dazu haben Sie doch sicher eine Quelle.

      2. @Drucker: Haben Sie eine Quelle, dass es schadet? Also mehr als Jäger, Wanderer, Forstmaschinen und andere Tätigkeiten im Wirtschaftsraum Wald?

      3. Herr Schreiner, da haben Sie wohl etwas missverstanden. Ich habe nach der Quelle für die Aussage von „Gustav“ gefragt, und er hat seine Quelle freundlicherweise benannt (die in Form einer Äußerung von zwei Naturschützern zumindest eine Glaubhaftmachung darstellt, immerhin). Damit weiß ich jetzt, worauf er sich stützt.

        Dass ich solch eine Frage nur stellen dürfte, wenn ich selbst das Gegenteil bewiese (das ich übrigens nie behauptet habe), wäre mir neu. Also was haben Sie daran auszusetzen?