Rund 150 Menschen haben am Donnerstag den Opfern und Leidtragenden der Pogromnacht von 1938 am Holocaust-Mahnmal im Park der Villa Zanders gedacht. Lutz Urbach vom Städtepartnerschaftsverein Ganey Tikva und Bürgermeister Frank Stein stellten dabei einen Verbindung zwischen den Novemberpogromen der Nazis zum Terror der Hamas und der neuen Welle an Antisemitismus in Deutschland her.

Lutz Urbach, Vorsitzender des veranstaltenden Städtepartnerschaftsverein Ganey Tikva – Bergisch Gladbach, zeigte in seiner Ansprache zum Gedenken an die Reichspogromnacht vor 85 Jahren Parallelen zwischen jüdischen Schicksalen damals und heute auf. „Beleidigungen, Bedrohungen, Angriffe”, der Mob in Deutschland feiere die Massaker in Israel, antisemtisiche Vorfälle nähmen zu. „Von der Reichspogromnacht bis zum aktuellen Antisemitismus ist es nicht weit, dagegen positionieren wir uns hier und heute“, sagte Urbach.

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Gedenken wird zum Mahnen

„Es war eine Illusion, dass eine Gedenkveranstaltung wie diese nur rückblickend zu verstehen ist“, sagte Bürgermeister Frank Stein und zeigte auf, dass sich die Greuel von damals heute wiederholen würden. Nichts könne die Grausamkeiten rechtfertigen, weder damals noch heute, weder in Israel, noch hier in Bergisch Gladbach.

„Es darf kein Ja aber geben“, wandte sich Stein gegen Stimmen, die das Genozid der Hamas einzuordnen versuchten. Es gelte, den jüdischen Menschen in Deutschland Sicherheit zu vermitteln, „damit jüdische Identität hier einfach gelebt werden kann“, so der Appell des Bürgermeisters. Das jüdische Leben sei unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft und unserer Kultur.

Das Holocaust-Mahnmal vor der Villa Zanders ist mit einer Israel-Flagge bedeckt. Foto: Thomas Merkenich

Brücken bauen mit Musik

Schülerinnen und Schüler der Integrierten Gesamtschule Paffrath (IGP) gestalteten die Gedenkveranstaltung mit einem kurzen szenischen Spiel am Holocaust-Mahnmal im Park der Villa Zanders. Eindringlich machte es auf die Spaltung von Juden und Deutschland aufmerksam – im Alltag, unter Freunden. „Wer die Geschichte nicht erinnert, ist verurteilt, sie neu zu durchleben“, zitierten die Schüler:innen den spanischen Philosophen George Santayana.

Wie einfach Brücken zu bauen sind, zeigte ein kleiner Chor von Fünftklässlern der IGP. Sie sangen zwei Lieder: Eines in türkischer Sprache (Üsküdar’a), sowie das Friedenslied Lo yisa goy auf Hebräisch.

Zur Gedenkveranstaltung waren lokale Politiker:innen aller Parteien aus dem Stadtrat sowie Vertreter:innen von Kunst, Kultur und Wirtschaft gekommen. Neben dem veranstaltenden Städtepartnerschaftsverein Ganey Tikva – Bergisch waren auch Mitglieder des Partnerschaftsvereins Beit Jala sowie des Faireinskultur e.V. mit der „Nie wieder“-Kampagne vor Ort.

Ebenfalls zum Gedenken an die Pogromnacht im aktuellen Umfeld fand am Donnerstagabend auch ein Konzert, eine Ausstellung und ein Podiumsgespräch im Bergischen Löwen statt, organisiert von Roman Salyutov mit einer überregionalen Gruppe von Vereinen und Institutionen. Im Mittelpunkt stand Janusz Korczak, der Leiter des jüdischen Waisenhauses in Warschau.

Die traditionelle Mahnwache des DGB im Gedenken an die Reichspogromnacht ist für Samstag ab 11 Uhr an der Kirche St. Joseph in Heidkamp angekündigt. Wie jedes Jahr positioniert sie sich gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus – und für Toleranz und soziale Gerechtigkeit. In diesem Jahr wollen die Veranstalter die Flagge gegen Antisemitismus, Hass und Hetze besonders hoch halten und stellen sich klar an die Seite Israels. Mehr Infos

war bis Anfang 2024 Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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