Der Klimawandel stellt auch die Bergisch Gladbacher Feuerwehr vor neue Herausforderungen: Im Hochwasser oder bei Waldbränden kommt sie mit konventionellen Fahrzeugen womöglich nicht weit genug heran. Daher hat sie jetzt einen ohnehin anstehenden Austausch genutzt und drei neue, hochmotorisierte und geländegängige Fahrzeuge angeschafft. Wo auch die nicht mehr durchkommen sollen Drohnen helfen. Unser Fotograf war bei der Präsentation dabei.

Neun Jahren hatten der Kommandowagen, der Einsatzleitwagen und ein Mehrzweckfahrzeug schon auf dem Buckel, den Austausch nutzte die Feuerwehr Bergisch Gladbach jetzt für einen echten Qualitätsschub. Die neuen Fahrzeuge, die speziell für den Einsatz in unwegsamem Gelände konzipiert sind, ermöglichen es der Feuerwehr, schneller und effektiver auf Notfälle in Wald- und Bergregionen zu reagieren.

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Einsatzleitwagen, Kommandowagen, Mehrzweckfahrzeug und Drohne: Die Feuerwehr GL stellt ihr neues Gerät im Waldgebiet Hardt vor. Foto: Thomas Merkenich

Mit einer modernen Ausstattung und leistungsstarken Motoren sind der Landrover und zwei Mercedes Springer bestens gerüstet, um auch unter extremen Bedingungen zuverlässige Hilfe zu leisten, sagt Feuerwehrchef Jörg Köhler bei der Vorstellung des neuen Fuhrparks: „In einer Stadt wie Bergisch Gladbach, die von Waldgebieten und hügeligem Gelände geprägt ist, sind wir oft mit Herausforderungen konfrontiert, die den Einsatz von Spezialfahrzeugen erfordern. Die neuen Fahrzeuge werden uns helfen, schneller vor Ort zu sein und effektiver zu agieren.“

Der neue Einsatzleitwagen, das Mehrzweckfahrzeug und der Kommandowagen werden aber nicht nur für Spezialaufträge, sondern ganz normal im täglichen Einsatzdienst genutzt. Dank ihrer Geländefähigkeit können sie aber für ein viel breites Spektrum an Einsätzen dienen.

Sie sind aber auch deutlich stärker motorisiert und haben – wie bei Geländewagen üblich, eine viel höhere Bodenfreiheit. Die Feuerwehr spricht von einer „Watfähigkeit“ – und denkt an Einsätze bei Überflutungen. Beim Hochwasser im Juli 2021 habe man noch viele Erkundungstouren zu Fuß erledigen müssen, weil die alten Fahrzeuge in den Wassermassen nicht mehr voran kamen.

Wir schauen uns die Fahrzeuge mal etwas genauer an:

Kommandowagen (KdoW)

Der Kommandowagen (KdoW) war einmal ein Landrover Defender, ist für die Feuerwehr GL aber sehr individuell konfiguiert und ausgestattet worden. Damit fährt der übergeordnete Einsatzleiter (A-Dienst) zur Einsatzstelle. Diese Stelle ist rund um die Uhr besetzt, darum fährt der jeweilige Einsatzleiter mit dem auffälligen Fahrzeug auch nach Hause.

Der Landrover dient aber auch der Erkundung bei Flächen- und Unwetterlagen und kann zur Not auch einen Anhänger mit Material an unwegsames Gelände bringen.

Technische Daten: Land Rover Defender 110. 6 Zylinder Dieselmotor Mild Hybrid; 2.997 cm3 ,183 KW Drehmoment 570 Nm (1.250 – 2.500 U/min) Der Motor ist für die Nutzung von paraffinischem Kraftstoff nach DIN EN 15940 geeignet.

8-Gang Automatikgetriebe, permanenter Allradantrieb. Elektronisch geregeltes und mit Sensoren überwachtes Luftfahrwerk. Assistenzsystem zur flexiblen Steuerung sämtlicher wichtiger Fahrzeugsysteme unter allen Bodenbedingungen.

Die umfangreichen Assistenzsysteme sind größtenteils in einem doppelten Boden im Kofferraum untergebracht.


Einsatzleitwagen 1 (ELW 1)

Der genormte Einsatzleitwagen 1 (ELW 1) ist das Standard-Führungsfahrzeug der Feuerwehr Bergisch Gladbach und wird im 24-Stunden-Dienst durch einen Mitarbeiter des Einsatzführungsdienstes (B-Dienst) und einem Führungsassistenten besetzt. Das Fahrzeug steht auf der Feuer- und Rettungswache 1 und ersetzt einen Einsatzleitwagen aus dem Jahr 2015.

Der umgebaute Mercedes Springer verfügt über einen kompletten Schrankausbau zur Lagerung von Einsatzführungsmitteln sowie über einen PC-Arbeitsplatz, der in einem Funktisch intrigiert ist, für die Einsatzdokumentation und Recherche. Alle drei Sitze sind drehbar, wodurch eine Besprechungsmöglichkeit entsteht. Am Fahrzeug ist eine Gelenkarmmarkise über fast der gesamte Fahrzeuglänge verbaut, die Lagebesprechungen vor dem Fahrzeug bei mäßiger Witterung zulässt.

Neben diversen Funksystemen (Behördenfunk) ist das Fahrzeug mit einem Navigationssystem ausgestattet, auf welches die Leitstelle den Einsatzort direkt bei Alarmierung übermittelt. Eine Mobilfunk-Telefonanlage mit zwei unabhängigen Netzbetreibern für Telefonie und Internet sowie eine Satellitentelefonanlage stellt eine ausfallsichere Kommunikation sicher. Neben Car-PC und Laptop steht dem Einsatzleiter ein Tablet-PC als Führungsmittel zur Verfügung.

Technische Daten: Mercedes Benz AG, Model Sprinter 319 CDI, Allrad, Motorleistung 140 KW, 4 Zylinder Hubraum 1.950 cm³, Vollautomatik Getriebe.


Mehrzweckfahrzeug (MZF)

Das Mehrzweckfahrzeug dient dem Löschzug 5 – Schildgen als multifunktionales Einsatzfahrzeug für unterschiedliche Zwecke. Zu den Aufgaben gehören neben dem Mannschaftstransport insbesondere der geländetaugliche Transport und die Logistik der Flugdrohneneinheit mit Personal und Gerätschaften der Feuerwehr Bergisch Gladbach.

Weiterhin kann das Fahrzeug als Befehlsführungsstelle verwendet werden – und ist daher mit Funk- und PC-Technik sowie einem mobilen Tisch ausgestattet.

Weil konventionelle Rettungswagen nicht für den Einsatz in unwegsamen Gelände geeignet sind, ist es möglich, eine Schleifkorbtrage in das Fahrzeug einzuschieben. So können Patienten im Notfall geborgen und zum RTW gebracht werden. Der sichere Transport von medizinischen Geräten, wie Notfall-EKG oder einem Beatmungsgerät ist ebenfalls durch Schienensysteme sichergestellt.

Technische Daten: Mercedes Benz AG, Model Sprinter 319 CDI, Allrad 7 Sitze, davon 5 Einzelsitze im Fond Motorleistung 140 KW, 4 Zylinder Hubraum 1.950 cm³, Vollautomatik-Getriebe, sowie unzählige Assistenzsysteme.


Foto: Thomas Merkenich

Drohneneinheit

Weil manches Terrain aber auch mit den besten Geländefahrzeugen nicht erreichbar ist, wurde neben den drei neuen Fahrzeugen auch ein „Flugzeug“, ein Drohnensystem der Firma DJI angeschafft. Ihre hauptsächlichen Einsatzgebiete sind die Lokalisierung von Brandherden, inklusive der Aufklärung über die Ausbreitung von Brandgeschehen oder Überschwemmungen und die Suche nach vermissten Personen.

Darüber hinaus kann man mit ihr auch Brände in einer Höhe, die außerhalb der Reichweite der Drehleiter liegen, beurteilen. So musste man beispielsweise beim Brand im Rollenlager der Firma Zanders auf eine spezielle Drehleiter aus Köln warten, ehe man beurteilen konnte, wie weit sich der Brand auf das Dach der Halle ausgedehnt hatte.

Heute könnte man diese Informationen per Drohne innerhalb weniger Minuten sammeln und in Echtzeit auf die Tabletts der jeweiligen Einsatzleiterinnen und Einsatzleiter übertragen.

Die neuen Fahrzeuge wurden in den letzten Wochen in Betrieb genommen und die Feuerwehrkräfte entsprechend geschult, um die neuen technischen Möglichkeiten optimal nutzen zu können. Mit dieser Erweiterung der Fahrzeugflotte verstärkt die Feuerwehr Bergisch Gladbach ihre Leistungsfähigkeit in allen denkbaren Notsituationen.


ist der Fotograf des Bürgerportals. Mittlerweile wohnt er „im schönen Kürten" und liebt das Bergische Land. Aber das sieht man seinen Fotos ja auch an. Mehr Infos auf seiner Website www.thomas-merkenich.de

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