Die Stadt Bergisch Gladbach verspricht, dem im Februar nach einer Unterspülung gesperrten Wander- und Radweges im Strundtal rechtzeitig bis zum Strundetal-Fest am 1. September wieder zu öffnen. Der ADFC nimmt diese positive Nachricht zum Anlass, den Zustand des Strunderadwegs von der Quelle in Herrenstrunden bis zur Stadt­grenze Köln zu untersuchen. Herausgekommen ist eine kritische Wegeschau.

Wir veröffentlichen einen Beitrag des ADFC Rhein-Berg/Oberberg

Soviel vorweg: Das Ergebnis ist sehr unbefriedigend, insbesondere hinsichtlich der für Orts­unkundige extrem mangelhaften Beschilderung des Strundradwegs und der in einigen Abschnitten durch über­wüchsige Sträucher auch für Spaziergänger massiv eingeschränkten Passierbarkeit.

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 Der Streckenführung ist 2014 im Rahmen des Regionale-Projektes „Regiogrün“ als „Erlebnis­route Ost“, abseits von Hauptverkehrsstraßen, möglichst Bach- und Naturnah und entlang der historischen Mühlenstandorte, umgesetzt worden. Wo die bach-nahe Führung nicht mög­lich war, führt der Weg über öffentliche Straßen (insb. zwischen Zanders und Finanzamt). Die resultierende Strecke mit vielen „Points of Interests“ ist sehr reizvoll, aber an vielen Stellen nicht intuitiv zu finden. Nur mittels des von der Tourismus-Abteilung der Stadt herausge­ge­benen Flyers mit Karte ist eine Orientierung halbwegs zielführend. 

Als zusätzliche Orientierungshilfe wurde 2014 eine wegweisende Beschilderung an Kreuzun­gen und Einmündungen mit Angabe der jeweiligen Richtung „Rhein“ bzw. „Quelle der Strunde“ etabliert. Ohne spezifisches Kartenmaterial ist die aktuelle Beschilderung aber wenig hilfreich. Denn die Schilder sind an entscheidenden Stellen oft nur für eine Richtung vorhanden oder fehlen völlig.

Manchmal sind sie auch falsch, wie z.B. an der Hauptstraße, wo man angeblich an der Gnadenkirche der steilen Straße auf den „Quirlsberg“ folgen soll, um zur Quelle der Strunde zu gelangen (Bild 2). Die Wegweisung in Richtung Rhein sucht man vergeblich. Falsch ist auch die Beschilderung an der Einmündung Vollmühlenweg, wo man auf dem Weg zur Quel­­le über die viel befahrene Landesstraße statt an der autofreien Strunde entlang geschickt wird (Bild 3). 

Vorschlag zu alternativer Streckenführung: Hier wäre es u.E. sinnvoll – nachdem im Rahmen des „Strunde-hoch-vier-Projektes“ auf schöner Weise die Offenlegung der Strunde im Bereich der Buchmühle erfolgt ist – zukünftig die Strecke näher an der Strunde entlang zu führen, d.h., weg von der Hauptverkehrsstraße und stattdessen über „Am Mühlenberg“, „An der Strunde“ und Buchmühlenplatz bis zur Strundebrücke an der Villa Zanders.

Viele Wegweisungslücken gibt es auch zwischen dem Schlodderdicher Weg und dem Thielen­bruch. Wenn die Strunde hier der Beschilderung folgen müsste, würde sie den Rhein nicht finden und – wie bereits im Mittelalter – hier wieder versickern.

Bezüglich der Passierbarkeit des Weges fallen drei Abschnitte negativ auf: 

Der Abzweig in den Gierather Wald, parallel zum Gierather Weg bis zur Straße „Am Rodenbach“ auf der alten Straßenbahntrasse (Bild 4 und 5).

    Hier ist der Weg zunächst sehr schmal, matschig und durch eingewachsene Sträucher nahezu unpassierbar, ein unangenehmes Erlebnis. Ein schonender Rückschnitt und kleinere Ausbes­serungen der Fahrbahn sind hier dringend erforderlich, um eine Passierbarkeit sicherzustellen.

    Das Grünflächenamt der Stadt ist auf Anfrage sehr zögerlich, da der Abschnitt sich am Rande eines Naturschutzgebiets befindet. Der ADFC steht hier auf dem Standpunkt, dass – solange der Weg in Karten und durch Beschilderung vor Ort eindeutig als Strunderadweg ausgewiesen ist – auch eine sichere Passierbarkeit für Rad- und Fußverkehr gewährleistet werden muss.

    Auch der Abschnitt zwischen Igeler Mühle und Hombach liegt übrigens innerhalb eines Natur­schutzgebietes. Radverkehr und Naturschutz sind auf einer solchen „Erlebnisroute“ sehr gut vereinbar. Mountainbiker wurden im Abschnitt des Gierather Waldes bisher nicht gesichtet.

    Im folgenden Abschnitt bis zu „Am Rodenbach“ ist der Weg, von Bäumen unter einer Hoch­spannungsleitung freigehalten, zwar ausreichend breit. Aber auf dem Fels-steinigen Unter­grund der alten Straßenbahntrasse werden Radfahrende, Kinderwagen, Rollstühle und Rollatoren kräftig und unsanft durchgeschüttelt (Bild 6 und 7). 

    Konflikte mit dem Naturschutz sehen wir auch hier nicht. Seit langem wünschen sich die Nutzer auf diesem Abschnitt zumindest für ihre Radfahrzeuge eine Rolleigenschaft analog zu einer wasser­gebun­denen Deckschicht, wie sie ja auch auf dem Radweg am Rückhaltebecken zwischen Rodenbach und dem Finanzamt angelegt wurde.

    Der Abschnitt zwischen Igeler Mühle und Einmündung des Hombachs in die Strunde ist nicht betroffen von der aktuellen Sperrung. Dieser Abschnitt ist auch Teil des Lyrik-Pfades. Hier hat sich das Drüsige Springkraut als invasiver Neophyt stark ausgebreitet. Es wird generell als Bedrohung für ganze heimische Pflanzengesellschaften in deren Lebensraum betrachtet. Am Strundeweg nimmt das mehr als 2 m hohe Kraut natürlich keine Rücksicht auf Fuß- oder Rad­verkehr und macht ein Passieren oder ein Genießen der Lyrik nahezu unmöglich (Bild 8+9). 

    Das Grünflächenamt hat hier bereits zugesagt, die Passierbarkeit bis zum Strundetal-Fest wieder herzustellen. Der derzeitige Zustand besteht aber schon seit einigen Wochen und der Strundeweg sollte ganzjährig und unabhängig vom Strundetal-Fest passierbar sein. Dazu wäre ein mindestens 1-maliges Abmähen im Juni oder Juli erforderlich und u.E.  auch machbar.

    Der Abschnitt zwischen Vollmühlenweg und dem Papier-Museum Alte Dombach. Hier gibt es offensichtlich regelmäßige Unterhaltungsmaßnahmen mit Beseitigung umge­stürzter Bäume. Trotzdem fallen aktuell aber 2 Problemstellen auf: Bild 10 zeigt zwei zu weit in den Weg reichenden umgestürzte Baumstämme, die auf Kopfhöhe von Radfahrenden enden.

    Die tagsüber gut sichtbare Stelle kann zwar bei Helligkeit einfach und sicher umfahren werden. Bei Dunkelheit entziehen sich die zwei Baumstämme jedoch dem auf den Boden ausge­rich­teten Fahrrad-Scheinwerfer und stellt ein Verletzungsrisiko dar. Die Gefährdung kann mit einfachen Mitteln beseitigt werden. 

    Wenig weiter im Bereich der Anhöhe gibt es eine Stelle, die nicht barrierefrei ist und die Passierbarkeit für Radfahrzeuge aller Art einschränkt (Bild 11, oben). Die Deckschicht des Weges wird an mehreren Stellen der Anhöhe durch ursprünglich zur Entwässerung eingebaute Stahl-Rinnen unterbrochen.

    An der im Bild gezeigten Stelle ist die Deckschicht durch Starkregen besonders stark ausgewaschen und hat zu einer bergauf schwer zu überwindenden Kante geführt. Auch hier sollte es mit einfachen Mitteln möglich sein, die Fahrbahndecke an der zu hohen Kante anzugleichen.

    Fazit: Der Strunderadweg ist eine attraktive Möglichkeit für Einwohner und Touristen, die Natur und die Geschichte der Strunde zu erleben. Leider ist die Strecke insgesamt sehr schlecht aus­geschildet und an einigen Stellen nicht ausreichend unterhalten.

    Es erweckt sich der Eindruck, dass in der Stadtverwaltung die Zuständigkeiten und Prozesse (z. B. regelmäßige Strecken­kontrollen) für den Strunderadweg nicht klar genug geregelt sind. Der Stunderadweg ist über unsere Stadtgrenzen hinaus eine hochkarätige Visitenkarte der Stadt. Auch in Zeiten knapper personeller Ressourcen sollte er daher eine höhere Priorität für Pflege und Erhaltung als bisher bekommen.

    Vielleicht gibt es auch Möglichkeiten einer zusätzlichen ehrenamtlichen Unterstützung aus der Bürgerschaft oder Vereinen (Wegepatenschaften)?

    Text: Bernhard Beckermann, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC

    des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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    1. Könnte die Redaktion bei der Stadt in Erfahrung bringen, welche Regularien an diesen Stellen für freiwillige Tätigkeiten (Rückschnitt, Rasenmähen etc.) besteht?

      Vielleicht kann an bestimmt Abschnitten eine Tafel “Erlaubte Freiwilligen-Dienste” angebracht werden. Rückschnittzeiten, Wegbreiten etc.

      Mit heutigen Akku-Werkzeugen ist da doch vielerorts sicherlich viel möglich.

        1. Ich finde nicht, dass der Weg, den man in Thüringen geht, zielführend ist. Aber anders, als Populisten uns weismachen wollen, glaube ich auch nicht, dass Menschen aus Drittländern hierher kommen, um es sich im deutschen Sozialsystem (welches hier Standard ist) gemütlich zu machen.
          Die möchten schnellstmöglich Zugang zum hiesigen Arbeitsmarkt haben, Geld verdienen, möglichst auch noch ihre Verwandten in der Heimat unterstützen, sonst nichts.
          Wenn die Stadt (oder andere Arbeitgeber) also Bedarf an Arbeitskräften hat, könnte sie meinetwegen einige Praktikanten einstellen, aber nicht für 80 Cent die Stunde zwangsverpflichten!
          Und wenn die nebenher die deutsche Sprache lernen müssen/wollen, sollte man ihnen dabei behilflich sein.

        2. Hallo Ulla,
          diese 80 Cent erhalt man auf die staatliche Transferleistung (egal ob das nun Arbeitslosengeld oder Asylleistungsgeld ist) obendrauf.
          Wenn ich also die Transferleistung erhalte und dann zusätzlich noch die 80 Cent ergibt sich doch ein ganz anderer Stundensatz.

          Unser Sozialstaat ist darauf aufgebaut eine Unterstützung durch die Gesellschaft zu erhalten, wenn man für seinen Lebensunterhalt nicht aufkommen kann. Damit finde ich es durchaus richtig, wenn arbeitsfähige Menschen der Gesellschaft etwas zurückgeben in Form einer Tätigkeit als Hilfsarbeit.
          Und ich glaube, dass diese meine Meinung auch eine Position ist die durch die “Mitte der Gesellschaft” unseres Staates vertreten wird. Ich bin politisch weder rechts noch links zuzuordnen.

        3. Das Bürgergeld ist kein Stundenlohn, sondern das zum Leben notwendige. Deshalb ist die kleine “Aufwandsentschädigung” darauf nicht anzurechnen. Außerdem gibt es ganz klare Abgrenzung zum regulären Arbeitsmarkt, damit keine sozialvers. Jobs in Konkurrenz stehen. Auch das Ehrenamt wird so hoch gelobt, weil gerade im sozialen Bereich kein Geld dafür vorhanden ist. Das befürchte ich auch bei den GaLa-Arbeiten, für die keine Qualifikation notwendig scheint.

        4. Das Bürgergeld ist aber auch keine Rente. Eine Gegenleistung zu erwarten ist deshalb nicht abwegig.

    2. Und wo liegt das Problem?
      Ganz klar beim Grünflächenamt. Da ist dieser Radweg nur das kleine Übel. Schauen Sie sich mal die Spielplätze im Stadtgebiet an. Ein paar Vorzeige-Spielplätze und der Rest ist entweder teil-abgebaut oder wird nicht vernünftig gepflegt. Da könnte man auch eine Bilderserie zu machen – Potential gibt es genug.

      1. Hallo MartinKroger, ich will Ihnen nicht widersprechen. Dennoch mal zu bedenken geben, dass sich möglicherweise (ich weiß es nicht) die Personaldecke beim Grünflächenamt in den letzten Jahren/Jahrzehnten nicht verändert hat jedoch immer mehr zu pflegende Flächen hinzugekommen sind.
        Es könnte auch sein, dass die Aufgabe nicht beim Grünflächenamt liegt. Aber auch in den anderen Bereichen der Verwaltung wird vermutlich der Personalbestand nicht an den benötigten Bedarf angepasst worden sein oder die Stellen können aufgrund fehlender Bewerber nicht besetzt werden.

    3. Betr: Strunderadweg
      Es gibt in Bergisch Gladbach genug Leute die kassieren ohne Leistungen zu erbringen.Mit entsprechender Anleitung wäre die Sache in ein paar Tagen erledigt.Es ist nur wie in ganz Deutschland auch.Keine Verwaltung zeigt auch nur den Hauch einer Initiative.Also wird auch dort nicht viel passieren!

      1. Hallo Winand Brück, wen meinen Sie mit “Leute die kassieren ohne Leistung zu erbringen”?

        1. Arbeitsfähige Menschen, die nicht in Lohn und Brot stehen. Egal welcher Herkunft.
          Die Stadt könnte Freiwilligen-Dienste anbieten und vermitteln.
          Sicherlich förderlich bei der Jobsuche. Als Arbeitgeber würde ich diese jedenfalls bei der Auswahl bevorzugen.

      2. “Leute die kassieren ohne Leistungen zu erbringen”
        Herr Brück meint evtl. rüstige Rentner, die sich bei solchen Arbeiten zum Mithelfen zur Verfügung stellen möchten.
        In unserer alternden Gesellschaft kommen wir vielleicht nicht mehr umhin, dieses Potential zu nutzen.
        Gibt es eine Liste, auf die man sich eintragen lassen kann?
        Ich wäre auf jeden Fall gerne dabei, ggf. auch Mithilfe beim Müll einsammeln auf Spielplätzen, in Park- und Grünanlagen.

        1. Die Idee finde ich super. Alle die von der “Rente mit 63” profitieren machen noch bis sie 67 Jahre alt sind diesen Aushilfsjob. (Ob da nun Ironie drin steckt darf nun jeder für sich selbst entscheiden.)

        2. Wieso nur bis 67. Da würde ich bereits rausfallen!
          Und ich meinte nicht als “Aushilfsjob” sondern ganz unbürokratisch “freiwillig”.

    4. Guten Tag Herr Beckermann,

      vielen Dank für den interessanten Bericht.

      Ihre Idee, die Pflege des Radweges durch ehrenamtliches Engagement zu unterstützen, finde ich prima. Da würde ich mitmachen und gerne Zeit investieren. Ob ein solches Engagement unter dem „Schirm“ des ADFC erfolgen kann?

      Vielleicht haben ja weitere LeserInnen Lust und Zeit mitzumachen…

      Freundliche Grüße
      Hanns Eberhard Schulze
      Bensberg

    5. Den Ausführungen des ADFC kann ich als Bürgerin der Stadt klar bei-pflichten. Die Pflege des ansonsten wunderschönen Rad/Wanderweg
      lässt sehr zu wünschen übrig. Ich möchte auch die Strunde im Buchmühlenpark erwähnen. Dort sieht alles sehr ungepflegt aus. Ich wohne An der Strunde und passiert täglich den Park. Schön ist anders. Wenn man schon so einen Park mit Offenlegung der Strunde anlegt, dann muss er auch gepflegt werden!

      1. “Buchmühlenpark” “sieht alles sehr ungepflegt aus”
        Da sieht man mal, wie unterschiedlich wir alle ticken. Wir gehen auch mehrmals die Woche dort entlang und freuen uns, wie schön die Anlage geworden ist (wenn man von dem Müll, den manche Leute dort hinterlassen, mal absieht).

        1. Hallo Ulla,
          da stimme ich voll zu. Es liegt an den Menschen, wie sie einen Platz hinterlassen und ob dieser dann schön ist. Leider ist es ein Problem unserer Gesellschaft, dass viele Personen ihren Müll einfach nur hinschmeißen und/oder liegenlassen. Gleichzeitig bemängeln dann aber viele dieser Personen, dass die Verwaltung zu wenig für die Reinigung und Pflege tut oder beklagen sich über immer weiter steigende Gebühren.