Seit 20 Jahren gibt das Kindergartenmuseum in Bergisch Gladbach einen Einblick in die Geschichte der öffentlichen Kinderbetreuung. Zu sehen sind aber auch jede Menge historische Spielsachen: Zeittypische Puppenstuben, Stofftiere und Bauklötze wecken nostalgische Erinnerungen bei erwachsenen Besucher:innen. Wir haben uns das weithin unbekannte Museum etwas genauer angeschaut.
Text: Kathy Stolzenbach. Fotos: Thomas Merkenich
Es ist ein Ort, an dem sich auch Erwachsene zurück in ihre Kindheit versetzt fühlen. Ein Ort, der Erinnerungen wachruft und Nostalgie versprüht. Es ist auch ein Ort, der viel lehrt über die Lebensbedingungen von Kindern und die Geschichte ihrer Betreuung. Die Rede ist vom Kindergartenmuseum NRW in Bergisch Gladbach.
Es feiert in diesem Jahr ein Doppeljubiläum: Der tragende Verein wird 30 und das Museum selbst 20 Jahre alt. Gefeiert wird das in einem Festakt am 11. November. Das haben wir als Anlass genommen, uns von der Vereinsvorsitzenden Brigitte Holz-Schöttler durch das Museum führen zu lassen.
Das kleine, aber feine Museum fristet ein etwas verstecktes Dasein, obwohl es im Zentrum der Stadt liegt: Es befindet sich seit seiner Gründung im Jahr 2004 im Untergeschoss des Jugend- und Kulturzentrums „Q1“ am Quirlsberg.
Dort war der 1994 gegründete Museumsverein fündig geworden, um die institutionelle Kinderbetreuung von den Anfängen bis in die Gegenwart zu präsentieren. Passenderweise waren die Räume zuvor als Kindergarten und Hort genutzt worden.
Im Eingangsbereich bekommen die Besucher:innen einen Einblick in die frühe Kinderbetreuung des 17. und 18. Jahrhunderts. 1802 wurde in Detmold die erste „Aufbewahrungs-Anstalt für kleine Kinder“ gegründet. „Dort konnten ärmere Kinder spielen und den Tag verbringen, damit ihre Mütter arbeiten gehen konnten“, erklärt Holz-Schöttler.
Schautafeln mit historischen Abbildungen zeigen die weitere Entwicklung und stellen Wegbereiter des Kindergartens vor: Von Theodor Fliedner, der 1835 nahe Düsseldorf eine „Kleinkinderschule“ und eine Ausbildungsstätte für „Kleinkinderlehrerinnen“ gründet, hin zu Friedrich Fröbel, der 1840 den ersten Kindergarten einrichtet.
Kurze Zeit später werden Kindergärten in ganz Deutschland eröffnet – der Bildungsgedanke steht nun im Vordergrund.
In DDR-Krippen wurden schon Babys betreut
Die Museumsräume sind thematisch gegliedert. Der Raum „Krippe“ ist der gleichnamigen Einrichtung aus der DDR nachempfunden: Ausgestellt sind etwa ein alter Waschbottich und ein Krippenwagen, auf dem bis zu zehn Kinder spazieren gefahren werden konnten.
„In der DDR-Krippe wurden schon Babys ab einem Alter von acht Wochen von spezialisierten Erzieherinnen betreut, damit die Mütter nach der Geburt möglichst schnell wieder arbeiten konnten“, weiß Holz-Schöttler.
Der Raum „1970er Jahre“ dürfte manche Besucher in die eigene Kindheit zurückversetzen. Ausgestattet mit zeittypischen Spielsachen, Büchern und Möbeln wird hier das klassische „Raumteilverfahren“ mit Bau-, Spiel-, Puppen- und Leseecke imitiert.
Überall im Museum finden sich Exponate, die einen Einblick in die jeweilige Zeit geben: Etwa das dreistöckige Metallhochbett aus einem Refrather Kindergarten aus den 1950er Jahren oder ein Bild von einem „Kinderaufbewahrungsfass“, in dem Kinder – ähnlich wie später in einem Laufstall – sicher aufgehoben waren, wenn die Eltern oder Erzieher sie einige Zeit lang nicht im Blick hatten.
Reggio- und Pikler-Pädagogik
Ein kleines Atelier widmet sich der Reggio-Pädagogik aus Italien, die ab 1963 der Bedeutung von Kunst für das Lernen in den Vordergrund rückt. In einem Regal sind typische Materialien, die „Strandgüter des Alltags“ ausgestellt: Kronkorken, leere Klorollen, Muscheln, Zahnstocher. Dieser neue Museumsbereich wird beim Jubiläumsfest offiziell eröffnet.
Ein weiterer neuen Bereich gibt einen Einblick in die Pikler-Pädagogik, die sich unter anderem durch das freie Spiel und freie Bewegungsentwicklung auszeichnet.
Der Raum „Pädagogen“ stellt die drei bekanntesten Konzepte der Kleinkindpädagogik von Fröbel, Montessori und Steiners Waldorfpädagogik vor. In Vitrinen sind die jeweiligen Spielmaterialien ausgestellt – darunter die Fröbel’schen Holzbaukästen.
Ausbildung im Wandel der Zeit
Im Raum „Ausbildung“ erfahren die Besucher, wie sich das Berufsbild und die Ausbildungsinhalte im Laufe der Jahrzehnte verändert haben. Lebensgroße Schaufensterpuppen sind im Stile der jeweiligen Zeit gekleidet: Die „Kleinkinderlehrerin“ mit Haube, die „Kindergärtnerin und Hortnerin“ mit weißer Schürze sowie moderne Erzieher:innen.
„Ich war so eine Kindergärtnerin mit weißer Schürze“, erzählt Brigitte Holz-Schöttler, die 40 Jahre lang als Erzieherin und Kindergarten-Leiterin in Rösrath gearbeitet hat. „Damals musste jede von uns ein Instrument spielen können.“
Besonderer Höhepunkt bildet der „Schätzchenraum“: Hier sind unter anderem Puppenstuben und Puppenwagen aus dem 19. Jahrhundert ausgestellt, Käthe-Kruse-Puppen sitzen in Vitrinen oder liegen in alten Bettchen.
Der Festakt zum Jubiläum des Kindergartenmuseums beginnt am Montag, 11. November, um 12 Uhr: NRW-Familienministerin Josefine Paul eröffnet die beiden neuen Bereiche Reggio und Emmi Pikler.
Ab 14 Uhr folgt der Fachtag zur aktuellen Situation der Frühen Bildung mit einem Impulsreferat von Prof. Armin Krenz zum Thema „Kinder brauchen eine qualitätsorientierte Kita und keinen bindungslosen Aufenthaltsort“. Nach einer Podiumsdiskussion schließt um 17 Uhr ein „Get Together“ an.
Öffnungszeiten: dienstags von 10 bis 13 Uhr und nach Vereinbarung
Eintritt: Erwachsene 4 Euro, Kinder (4-14 Jahre) 2 Euro
Führungen müssen angemeldet werden.
Kindergarten-Museum e.V.
Quirlsberg 1
51465 Bergisch Gladbach
0 22 02 / 24 36 40
www.kindergarten-museum.de
Hinweis der Redaktion: Die Audio-Version des Textes (Sie finden sie weiter oben) ist mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft worden.


























So versteckt!
Noch nie hatte ich von diesem Museum gehört. Da werden wir auf alle Fälle hingehen.
Danke für den Beitrag.