Der neu gestaltete Lehrergarten am Schulmuseum Katterbach. Fotos: Annette Voigt

Schülerinnen und Schüler der OGS Katterbach haben den früheren Lehrergarten am Schulmuseum neu gestaltet. Gemeinsam mit dem Museumsteam und einigen weiteren Unterstützer:innen pflanzten sie historische Sorten, lernten etwas über Gartenbau vor 100 Jahren – und schufen einen Ort, der Natur, Geschichte und praktisches Lernen verbindet.

Raus aus der Schulstube, rein in die Natur. So lautete um 1900 die Devise für den Naturkundeunterricht. Sie trifft aber auch auf die Schüler:innen der OGS Katterbach zu, die jetzt den früheren Lehrergarten umgestaltet haben. Der Förderverein des Schulmuseums Bergisch Gladbach bot diese Pflanzaktion in den Osterferien Kindern an, die sich für das Gärtnern interessierten.

+ Anzeige +

Die kleinen Gärtner setzten gemeinsam mit Dominik Olbrisch, dem Leiter des Schulmuseums, und der Autorin dieses Beitrags historische Pflanzsorten ein, die bereits vor 100 Jahren bekannt waren. Narzissen, Blutstorchenschnabel, Waldmeister, Schlüsselblumen, Akeleien und Erdbeeren usw. verschönern nun die kleine Gartenfläche. Unterstützt wurde die Aktion von einigen weiteren Akteuren.

Obwohl es in einem Lehrergarten damals mehr Nutzpflanzen (z. B. Kartoffeln und Obst) als Zierpflanzen gab, fokussierte sich die aktuelle altersgerechte Gartenarbeit auf mehrjährige und pflegeleichte Stauden. Die vorhandenen Lichtverhältnisse, schattig bis halbschattig, lassen das Anpflanzen von Obstgehölzen nur bedingt zu. Für den Anbau von Kartoffeln ist die Fläche zu klein. 

Die Ausgangssituation.

Der neue Lehrergarten, ein Gemeinschaftswerk

Da damals in einem Lehrergarten zur Selbstversorgung überwiegend Obst angebaut wurde, pflanzten die kleinen Gärtner stellvertretend dafür eine Johannisbeere, eine Heidelbeere und den Kaiser-Wilhelm-Apfelbusch.

Michael Müller mit dem Apfelbusch.

Bewusst wurde eine Johannisbeere wie auf einer alten Unterrichtstafel in Rot gewählt. Den Beerenstrauch brachte Michael Müller (Ernährungsrat Bergisches Land e. V.) mit.

Als Kenner alter Apfelsorten half er, den Apfelbusch fachgerecht einzupflanzen. Es war der Lehrer Carl Hesselmann aus Witzhelden, der diese Apfelsorte züchtete und nach Kaiser Wilhelm benannte.

Das Foto des Kaiserpaars bestaunten die Kinder im historischen Unterrichtsraum des Schulmuseums. Die Geschichte der alten Volksschule ließ sich somit anschaulich mit der Geschichte des Gartens verbinden.

„Blühendes-GL“ setzt sich seit 2017 für mehr Artenvielfalt in Bergisch Gladbach ein. Daher freuten sich die Aktiven dieser Initiative, dass durch das Engagement des Schulmuseums und der Freiwilligen der Lehrergarten wie früher mit heimischen Pflanzen neu aufgebaut wurde. „Es ist uns eine Freude, diese Aktion mit der Finanzierung der Pflanzen zu unterstützen“, sagte Markus Bollen, der die Pflanzenspende ermöglichte.

Dominik Olbrisch und Markus Bollen mit einem Teil der Pflanzenauswahl.

Bei der Pflanzenauswahl und dem standortgerechten Pflanzen beriet die Gärtnerin Steffi Krampe-Koppenhagen der Gärtnerei Findling bei Wipperfürth. Die Pflanzen wurden auf Raten des Bienenzuchtvereins bei der Klostergärtnerei Alexianer in Köln-Porz bestellt.  

Kleine Gärtner, große Wirkung

Bei dem schönen Wetter strebten die kleinen Gärtner nach draußen ins Beet, sodass die thematische Einführung mithilfe von Sammlungsobjekten aus dem Museum auf ihren Tatendrang angepasst wurde. Sie wollten unbedingt pflanzen und alles auf einmal. Pflanzplan und Gartenskizze gaben jedoch den emsigen Helfern eine Struktur vor. 

Historische Gartenbücher aus dem Museumsarchiv offenbarten, dass damals in Lehrergärten Pflanzen in Flächen angeordnet wurden. Somit wurden auch hier im neu gestalteten Garten die einzelnen Sorten in kleine Parzellen aufgeteilt. Am ersten Tag pflanzten die Kinder Blühendes wie Narzissen und Schlüsselblume, bevor sie in der Sonne welk wurden.

Am zweiten Tag wurden große Mengen an Erde aufgeschüttet, damit Erdbeeren und Waldmeister im stark verwurzelten Boden unter der alten Linde besser gedeihen. Akeleien und Storchenschnabel folgten zuletzt. Es war für die Kinder spannend zu verfolgen, wie sich der kleine Garten Fläche für Fläche füllte. „Wir werden später beide zusammen Gärtner“, begeisterten sich zwei achtjährige Jungen. 

Hintergrund: Mit der Serie „Mehr Grün für die Stadt“ …

… will unsere Autorin Annette Voigt auf Musterbeispiele für grünes Engagement in Bergisch Gladbach und im Rheinisch-Bergischen Kreis aufmerksam machen. 

Angesichts der zunehmenden Negativauswirkungen des Klimawandels wie Hitze -und Trockenperioden, Starkregen und Hochwasser ist der Erhalt von Grünflächen und die Neuanpflanzung klimaresistenter und schattenspendender Pflanzen, Bäume und Gehölze notwendiger denn je. In Zeiten knapper werdenden Wasserressourcen gilt es auch hier umzudenken und einzusparen, z. B. indem Rasenflächen zu blühenden Blumenwiesen umgewandelt werden. Möglichst viel Grün gehört in die Stadt, denn das sind die grünen Lungen der Bergisch Gladbacher Bevölkerung, unsere Sauerstoffproduzenten.

Doch statt dessen ersetzen Schottergärten und durchgeflieste Flächen ehemals grüne Vorgärten. Sie wirken der Biodiversität entgegen und berauben den Insekten und Kleingetier ihren Lebensraum. Da es von der Stadt keine Verfügungen gibt, die diese grauen „Steinwüsten“ verbieten oder zumindest reglementieren, können diese Beispiele dazu beitragen, an die grüne Vernunft zu appellieren.

Eine Reihe von Gartenprojekten haben wir bereits vorgestellt; Sie finden sie unter diesem Artikel.

Kennen Sie weitere Projekte dieser Art? Melden Sie sich gerne bei der Autorin.

Es war für die Kinder oft mühevoll, Pflanzlöcher in den verwurzelten und harten Boden zu graben. Sie gaben jedoch nicht auf. Vorsichtig setzten sie die Pflanzen ein, um die bereits vorhandenen Winterlinge, Iris, Christrosen und Gräser nicht zu verletzen. Die Kinder lernten, vorsichtig auszutopfen und nicht auszurupfen, um die Wurzeln nicht zu beschädigen.

Sie wussten genau, dass die Pflanzen ohne Wurzeln nicht wachsen können. Es war für sie eine Herausforderung, wenn die Wurzel im Topf feststeckte. Am liebsten füllten sie Erde auf, gruben mit Spaten und Kralle um und gossen kannenweise. Unliebsame Arbeiten waren dagegen aufräumen und fegen. 

Das Schulmuseum Katterbach.

Wie im botanischen Garten

Der vollendete Lehrergarten erinnert nun an einen botanischen Garten, denn alle Pflanzensorten wurden auf Tafeln namentlich benannt und diejenigen gekennzeichnet, die essbar sind. 

Highlight des letzten Tages war es, einen Weg mit Natursteinen anzulegen, kleine selbst bemalte bunte Steine im Beet zu platzieren und die Auswertungsrunde in der alten Schulstube mit anschließender Kurzführung durch das Museum.

Die Kinder wussten genau Bescheid, dass der Lehrer in der Schule wohnte, einen eigenen Garten besaß, dass Obst nicht im Supermarkt zu kaufen und stattdessen selbst anzubauen war, dass die eingesetzten Pflanzsorten super alt sind und wie viele verschiedene Erdbeersorten es damals schon gab. Die Erdbeeren hatten teilweise lustige Formen wie ein Kürbis oder eine Zwiebel. Das fanden die Kinder in einer Übung heraus.  

Akribische Vorbereitung

„Die zeitintensive Vorbereitung und Planung dieser Aktion hat sich gelohnt. Der Eingang zum Museum spricht mehr denn je an und der Ersteindruck des Museums hat sich deutlich verbessert“, zog Olbrisch Bilanz. Bei der Pflanzauswahl orientierte er sich zusammen mit der Autorin dieses Beitrags an den historischen Gartenbüchern aus dem Museumsarchiv. Die ausgewählten Pflanzen waren dort zu finden und sind somit als historisch bestätigt.

Viele methodisch-didaktische Anschauungsmaterialien wurden vorbereitet und selbst gestaltet, um die Kinder spielerisch an die Gartenarbeit heranzuführen und für die historische Bedeutsamkeit der ausgewählten Pflanzensorten zu sensibilisieren. Wie lange sind 100 Jahre? Eine Schnur mit 100 Perlen diente zur Veranschaulichung, die jetzt den Apfelbaum, noch ohne Blüten und mit wenigen Blättern, schmückt. Anhand eines selbst entwickelten Memories konnten sich die Kinder die Pflanzennamen gut einprägen. 

Im Garten wohnen

„Am liebsten möchte ich hier im Garten wohnen“, meint ein Mädchen zum Abschluss. Ein schöneres Lob kann es für den Veranstalter, das Schulmuseum, nicht geben. 

Alle waren stolz auf ihren Garten. Der fertige Garten sieht jetzt nach Meinung der Kinder viel schöner und bunter aus. Begeistert wurde er den Eltern präsentiert. Ein Mädchen war überrascht, dass es so etwas Schönes in der Nähe des Schulhofs gibt. Bisher ging sie immer daran vorbei. Ein kleiner Junge erlebte konkret, dass Gärtnern von trüben Gedanken ablenken und Langeweile vertreiben kann. 

Viele möchten im Sommer weiter gärtnern und ihren kleinen Garten pflegen. Eine gute Idee, denn dann steht das Einpflanzen der Sommer-Blüher an. Auch der Bau eines Insektenhotels wird priorisiert. Viele planen das Erlernte zu Hause anzuwenden, wenn sie mal wieder bei Oma und Opa oder ihren Eltern im Garten helfen. Ein Mädchen hofft, ihren Vater von ihrer Gärtnerfähigkeit zu überzeugen. Es ist ihr sehnlicher Wunsch, im eigenen Garten mitarbeiten zu können. 

„Die Pflanzaktion verbindet auf wunderbare Weise historisches Lernen mit praktischer Erfahrung. Unser Ziel war es, den Lehrergarten als lebendigen Teil der Ausstellung erlebbar zu machen und Kindern wie Besuchern einen direkten Zugang zur Schul- und Alltagsgeschichte zu ermöglichen. Gleichzeitig wollten wir zeigen, dass wir auch mit einem kleinen Team und ohne großes Budget solche Projekte umsetzen und erfolgreich anstoßen können. Es scheint uns gelungen zu sein,“ resümiert Museumsleiter Olbrisch. 

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.