Jan Kauber am Snooker-Tisch. Foto: Billard Club

Der 14-jährige Jan Kauber ist nicht nur ein großes Billard-Talent, sondern auch ein Beispiel für herausragende Eigeninitiative. Im Gespräch berichtet er über den Beginn seiner sportlichen Aktivitäten, seine Entwicklung und seine Ambitionen. Er trainiert in den Räumen des Bergisch Gladbacher Billard Clubs in der IGP – doch wie es damit nach 2027 weiter geht ist völlig offen.

Wir veröffentlichen einen Beitrag des Bergisch Gladbacher Billard Club 1926 e.V.

Der Raum im Bergisch Gladbacher Billard Club ist dunkel. Sechs Lampen leuchten einen riesig wirkenden Tisch, mit grünem Tuch aus, auf dem fünfzehn rote, eine schwarze, blaue, gelbe, grüne, braune, pinke und weiße Kugel aufgestellt sind. Wir treffen Jan Kauber, 14 Jahre alt und seit etwa einem Jahr Snooker „addicted“.

Während viele seiner Freunde ihre Zeit mit Tiktok, Snapchat oder Instagram verbringen, trainiert Jan, wenn es möglich ist zweimal am Tag für sein großes Ziel. Was das große Ziel ist, fragen wir ihn?

In Bad Wildungen finden jährlich die zentralen deutschen Meisterschaften statt. An diesen möchte Jan bald teilnehmen. Der Wunsch ist klar formuliert, nur wie er den Weg dorthin finden will wirkt noch ein wenig unsicher. Ob eine Qualifikation über die Teilnahme an Mannschaftsmeisterschaften oder Einzelturniere erfolgen kann, weiß weder sein Vater noch Jan selber.

Raus aus den Spelunken und Hinterzimmern

Jans Vater ist regelmäßiger Sparringspartner, wenn es die knappe Zeit zulässt, er gibt aber auch zu, dass er spielerisch seinem Sohn lange nicht mehr das Wasser reichen kann. Er unterstützt ihn nach besten Kräften bei seinen Ambitionen und hält trotzdem auch die elterlich schützende Hand über seinen Sohn.

Das Image der dunklen Spelunken und Hinterzimmer in denen Billard, wozu Snooker ebenso gehört, gespielt wird, konnten die medienwirksam stattfindenden Turniere, wie die jährlich ausgetragene Snooker-Weltmeisterschaft in Sheffield bisher nicht vollständig beseitigen. Auch wenn die Clubräume des Bergisch Gladbacher Billard Club 1926 e.V. weit vom Bild einer Spelunke entfernt sind, bleiben die Sorgen der Eltern doch bestehen.

Wie er zu diesem, doch sehr zeitraubenden und schweren Hobby gekommen ist möchten wir wissen? Er hat es im Fernsehen gesehen und sich dafür interessiert. Sein Cousin, der die Spielregeln kennt hat ihm das Spiel dann gezeigt. Weil die Tischmieten in den Clubs und Lokalen in Köln aber teuer und die Snookertische oft besetzt sind, haben sie nach einer anderen Möglichkeit gesucht und sind auf den Bergisch Gladbacher Billard Club gestoßen.

Mit aktuell nur einem Snookertisch kann der Club noch keinen aktiven Spielbetrieb realisieren, aber es finden sich zusehends mehr Begeisterte die die Chance, jederzeit spielen zu können genießen. Jan zieht sich regelmäßig, fast schon täglich, aber mindestens fünfmal die Woche zum Training in die Clubräume zurück.

Ausbildung mit YouTube

Wer hat Dir denn neben den Regeln, die Technik, wie man richtig am Tisch steht, wie man richtig stößt und alles andere beigebracht, wollen wir von Jan wissen? Youtube, ist die knappe Antwort, die uns fasziniert zurück lässt. Youtube-Videos mit technischen Erklärungen und Übungen sind Jans Inspiration und Quelle des Trainings. Darüber hinaus nimmt er sein Training hin und wieder auf Video auf und studiert die Aufnahmen im Nachhinein um daraus Verbesserungen abzuleiten.

Zusätzlich nutzt er kostenlose Trainingsstunden, die in einem Club in Köln-Nippes angeboten werden. Hier kann Jan sich gemeinsam mit anderen Snookerspielern intensiv im Gemeinschaftstraining auf den aktiven Ligaspielbetrieb vorbereiten und mit gestandenen Snookerspielern fachsimpeln.

Was passiert, wenn die IGP saniert / abgerissen wird?

Solche Möglichkeiten, einschließlich eines Ligaspielbetriebs wird es auf absehbare Zeit im Bergisch Gladbacher Billard Club, auch auf Grund der unklaren Raumsituation nicht geben. Gegenwärtig wird damit gerechnet, dass der Club die Räumlichkeiten bis Ende 2027 verlieren wird, da die IGP entweder abgerissen oder saniert werden soll. Eine Perspektive konnte die Stadt Bergisch Gladbach bisher nicht aufzeigen und Alternativen zeichnen sich auch nicht ab.

Für den seit Jahrzehnten national erfolgreichen Club und alle mit ihm verbundenen Billardsportler, einschließlich aufstrebender Talente wie Jan ist diese Situation nicht schön. Fraglich ob Billard in Bergisch Gladbach auch über das Jahr 2027 hinaus eine Zukunft hat.

Von diesen dunklen Vorzeichen lässt sich Jan, bei der Verfolgung seiner Ziele jedoch nicht beirren, sondern er will die jetzt verfügbaren Möglichkeiten intensiv nutzen. Offensichtlich macht das Internet es heute realistisch im Selbststudium selbst schwierige und komplexe Spiele wie Snooker zu erlernen.

Komplexität und Vielfalt des Spiels

Geduld, Engagement und Beharrlichkeit sind die essentiellen Grundbedingungen von denen Jan überzeugt ist diese mitzubringen. Für einen Snooker-Außenstehenden erschließt sich nicht ohne weiteres woraus seine Leidenschaft resultiert.

Jan beschreibt, dass ihn die Komplexität und Vielfalt des Spiels fasziniert. Das Einlochen der Kugeln, die Positionierung der Kugeln für den nächsten Stoß, die Taktik, zu entscheiden wann Risiko richtig oder Angriff falsch ist, der Flow wenn alles wie automatisch funktioniert und, und, und.

Es ist einfach ihm zu zuhören wenn er über Snooker schwärmt und gleichzeitig die typische Ruhe eines erfahrenen Spielers ausstrahlt. Natürlich hat Jan auch ein Vorbild unter den professionellen Snookerspielern. Nicht weniger als Judd Trump, aktuell erster der Snooker Weltrangliste ist sein Vorbild.

Bei so vielen sportlichen Ambitionen eines 14-Jährigen muss unsere Frage nach der Schule erlaubt sein. Etwas verlegen und mit einem Seitenblick des Vaters muss Jan eingestehen, dass Snooker ab und an in den Hintergrund treten muss, wenn die Leistungen in der Schule grade mal nicht passen.

Ausgiebig machen sich die beiden darüber aber keine Sorgen, denn schon ist ein nächstes Ziel ins Auge gefasst. Ein schulischer Aufenthalt in England. Zur Verbesserung von Jans Englischkenntnissen? Ja, natürlich! Und mit einem Augenzwinkern, kommt der Zusatz „und vielleicht zur Verbesserung meines Snookerspiels im Snooker-Mutterland“.

Wenn es irgendwie möglich ist wird ihn der Bergisch Gladbacher Billard Club mit Kontakten und Hilfen dabei unterstützen und vielleicht irgendwann auch eine nationale Adresse im Snooker werden. 

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