Die neue Awo-Kita Reiser ist zwar im August 2024 eröffnet worden, aber immer noch nicht vollständig belegt. Foto: Watzlawek

Für das kommende Kita-Jahr plant Bergisch Gladbach mit weniger Betreuungsplätzen als im Vorjahr – obwohl die Stadt einige neue Kitas baut. Diese Bauprojekte haben sich aber verzögert oder liegen ganz auf Eis. Auch der Fachkräftemangel verzögert den Ausbau der Kita-Kapazitäten. Für das nächste Jahr fehlen daher mehr als 500 Plätze.

Familien mit kleinen Kindern haben es in Bergisch Gladbach weiterhin schwer in Sachen Betreuung. Die Plätze in Kitas und bei Tagespflegepersonen reichen auch im kommenden Kindergarten-Jahr, das im August beginnt, nicht aus. Dazu besteht weiterhin ein eklatanter Fachkräftemangel, der zu eingeschränkten Betreuungszeiten führt. Und dazu, dass neu gebaute Kitas nicht oder nur teilweise öffnen können.

Die neuen Planungszahlen für die Kinderbetreuung, die im kommenden Jugendhilfeausschuss vorgestellt werden, zeichnen ein düsteres Bild. Im Vergleich zum Vorjahr stehen nun sogar weniger Plätze sowohl in Kitas als auch in der Tagespflege zur Verfügung – obwohl ein rascher Ausbau angestrebt ist.

Mangel an Kita-Plätzen wächst

Dadurch steigt auch die Zahl der fehlenden Betreuungsplätze. In ihren aktuellen Planungen beziffert die Verwaltung die Anzahl der fehlenden Kita-Plätze mit 296. Bei den Kindern unter drei Jahren (U3) gibt es demnach 124 Plätze zu wenig, bei denen über drei Jahren (Ü3) sind es 173. Das ist aber noch lange nicht alles.

Das sind die Pläne für das kommende Kita-Jahr 2025/26.

Denn erstens kommen 32 fehlende Plätze in der Tagespflege hinzu. Damit summiert sich der Mangel an Betreuungsplätzen schon auf 328.

Zum Vergleich: Bei der Planung für das aktuelle Kita-Jahr 2024/25 hatte die Verwaltung das Defizit mit lediglich 36 angegeben, die in der Tagespflege mit 2, also insgesamt 38.

Außerdem sind manche Kitas immer noch bereit, zusätzliche Plätze anzubieten. Im kommenden Kita-Jahr sind 65 solcher Überbelegungen geplant. Rechnet man zum zweiten diese Überbelegungen zu den fehlenden Betreuungsplätzen hinzu, summiert sich der Mangel an Betreuungsplätzen somit bereits auf 393.

Weniger Kita-Plätze stehen zur Verfügung

Wie kommt dieser wachsende Mangel zustande? Das hängt mit dem Rückgang der (geplanten) Platzzahlen zusammen. Für das Kita-Jahr 2025/26 rechnet die Verwaltung mit 4266 verfügbaren Kita-Plätzen und 378 Plätzen in der Tagespflege.

Zum Vergleich: Für das Kita-Jahr 2024/25 hatte die Verwaltung noch 4312 Plätze in Kitas und 389 Plätze in der Tagespflege geplant. (Das ist ein Rückgang der Anzahl der Kita-Plätze um 46 und in der Tagespflege um 11 Plätze).

So sahen die Pläne für das aktuelle Kita-Jahr 2024/25 aus.

Die Verwaltung begründet diesen Rückgang damit, dass neu geplante Einrichtungen nicht so schnell gebaut werden und öffnen konnten wie geplant. In ihre Planungen für das aktuelle Kita-Jahr waren beispielsweise bereits 50 Betreuungsplätze eingeflossen, die in der neuen Kita Am Fürstenbrünnchen in Lückerath auf der sogenannten Lena-Wiese geschaffen werden sollten. Inzwischen liegen die Pläne für das umstrittene Projekt auf Eis, die Plätze wurden aus dem Plan gestrichen.

Neue Kitas müssen erst gebaut werden

Auch von den nun geplanten 4266 Kita-Plätzen werden längst nicht alle zu Beginn des Kita-Jahres am 1. August bereitstehen: Denn in diese Zahlen sind schon 190 Plätze eingerechnet, die durch drei Neubauprojekte bis zum Sommer 2026 realisiert werden sollen – wenn alles nach Plan läuft. Und das ist bei Bauprojekten selten der Fall. 

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Kita-Ausbau kommt deutlich langsamer voran als geplant

Bergisch Gladbach braucht dringend weitere Kita-Plätze. Eigentlich sollten 333 zusätzliche Plätze im laufenden Kindergartenjahr in fünf neuen Einrichtungen geschaffen werden. Bauverzögerungen, der Fachkräftemangel und Proteste von Anwohnern bremsen das städtische Ausbauprogramm aber aus und sorgen dafür, dass lediglich ein Bruchteil der geplanten Plätze bis Sommer 2025 entsteht.

Trägersuche und Anwohner-Sorgen: So steht es um die Kita-Neubaupläne

Fünf neue Kitas sollten in Bergisch Gladbach im aktuellen Kindergartenjahr eröffnen und 333 Plätze entstehen. Die Neubauprojekte kommen langsamer voran als geplant, aus unterschiedlichen Gründen. Aber es gibt auch einige Fortschritte zu vermelden. Die Zukunft einer der geplanten Einrichtungen ist allerdings völlig ungewiss.

Insgesamt 583 fehlende Betreuungsplätze

Diese Neubauprojekte waren auch schon in den Planungen von vor einem Jahr aufgeführt: So sollte etwa die Kita Schulstraße in Sand mit 70 Plätzen ursprünglich schon in diesem März öffnen. Nun wird die Inbetriebnahme für Februar 2026 angepeilt. Die Kita Nittumer Weg in Schildgen mit 50 Plätzen soll im April 2026 öffnen, die Kita Jakobstraße in der Innenstadt mit 70 Plätzen im Juni 2026.

Da zu Beginn des Kita-Jahres alle diese 190 Plätze noch nicht existieren, summiert sich der Mangel an Betreuungsplätzen aufgrund dieses dritten Faktors auf 583 Plätze.

Große Unterschiede in den Stadtteilen

Beim Blick auf die einzelnen Stadtteile zeigen sich teils große Unterschiede: Besonders groß ist der Mangel an Kita-Plätzen – wie auch in den Vorjahren – im Bezirk 6, zu dem Refrath, Kippekausen, Frankenforst und Lustheide gehören. Dort fehlen insgesamt 128 Plätze. Werden die 21 Plätze der Überbelegung hinzugerechnet, erhöht sich der Mangel hier sogar auf 149.

Im Bezirk 1 (Schildgen, Katterbach, Nußbaum, Paffrath und Hand) fehlen insgesamt 103 beziehungsweise 122 Plätze, wenn man die Überbelegungen mit einbezieht. Berücksichtigt ist bereits die neu geplante Kita am Nittumer Weg mit 50 Plätzen. Sollte diese nicht im kommenden Kita-Jahr öffnen, beträgt das Defizit 172 Plätze. 

Auch in den Bezirken 4 und 5, zu denen unter anderem Herkenrath, Lückerath, Bensberg und Moitzfeld gehören, bleibt die Versorgung mit Betreuungsplätzen angespannt: Insgesamt fehlen dort 95 Plätze, zusammen mit 7 Überbelegungen sind es 102 Plätze. Eingerechnet sind außerdem schon 93 Plätze der neuen Kita Reiser. Tatsächlich sind aktuell aber nur 50 davon belegt. Damit erhöht sich der Mangel auf 145 Plätze.

In den Bezirken 2 und 3 (Stadtmitte, Hebborn, Heidkamp, Gronau, Romaney Herrenstrunden, Sand) hingegen herrscht eine rechnerische Überversorgung mit 39 Plätzen – wobei in diese Zahlen bereits die beiden neuen Kitas in der Innenstadt und in Sand mit je 70 Plätzen eingerechnet wurden, die erst im Februar und Juni 2026 öffnen sollen. Zieht man diese aktuell noch nicht bestehenden Plätze und die Überbelegungen (18 Plätze) ab, ergibt sich ein rechnerisches Defizit von 119 Plätzen.

Neue Bevölkerungsprognose

Die Planungsvorlage wurde zum ersten Mal unter Berücksichtigung der neuen Bevölkerungsprognose erstellt, die von steigenden Kinderzahlen ausgeht. Bislang war als Berechnungsgrundlage jeweils die Einwohnerstatistik zum 30. Juni des Vorjahres zugrunde gelegt worden. Daher rechnet die Verwaltung damit, dass die berechneten fehlenden Plätze „nicht der tatsächlichen Betreuungssituation entsprechen werden“. 

Für das kommende Jahr plant die Verwaltung nach eigener Aussage im Hinblick auf das Ausbauprogramm „aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre restriktiver“. Daher tauchen die geplanten Kita-Projekte Am Fürstenbrünnchen, auf dem Carpark-Gelände in Lückerath und an der Odenthaler Straße in Hebborn nicht mit konkreten Zahlen und Terminen auf. 

Fachkräftemangel verschärft Kita-Lage

Laut Verwaltung spitzt sich die Situation auch aufgrund des „eklatanten Fachkräftemangels stetig zu“: Es könne weiterhin passieren, dass Gruppen (teilweise) schließen und Betreuungszeiten eingeschränkt werden müssen. Auch neue Kitas können möglicherweise nicht in vollem Umfang in Betrieb gehen.

So konnte im August die neue Awo-Kita Reiser zwar öffnen, aber bis heute ist sie wegen fehlenden Personals noch nicht im „Vollbetrieb“ und konnte nur mit einer reduzierten Gruppenanzahl starten. Aktuell werden laut Stadt 50 Kinder betreut, perspektivisch sollen es 93 sein. Doch dafür benötigt es entsprechend viel Personal.

Doch auch der Fachkräftemangel oder andere Schwierigkeiten entbindet die Stadt nicht von ihrer Pflicht: Das Jugendamt muss eine ausreichende Zahl von Betreuungsplätzen zu schaffen beziehungsweise bereitzustellen. (Da Bergisch Gladbach selbst keine Kitas betreibt, ist sie dabei auf freie oder kirchliche Träger angewiesen.) 

Es besteht laut Verwaltung aufgrund des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab einem Jahr „dringender Handlungsbedarf“, da Eltern dieses Recht zunehmend einfordern. Das Jugendamt sieht sich mit vielen Platzvermittlungsverfahren, massiven Beschwerdewellen und einem erhöhten Klageaufkommen konfrontiert. 

Ausbau der Tagespflege stockt

Aktuell gibt es 84 aktive Kindertagespflegepersonen, die formal bis zu 378 Kinder betreuen können. Dabei handelt es sich um Plätze gemäß Pflegeerlaubnis. Die Tagespflegepersonen dürfen eine bestimmte Anzahl betreuen (maximal fünf Kinder). Manche nehmen aber auch bewusst weniger Kinder auf – etwa weil sie ein Kind mit Behinderung oder ihr eigenes Kind zusätzlich betreuen. Tatsächlich werden aktuell (Stand Januar) 345 Kinder von Tagespflegepersonen betreut.

Zurzeit gibt es 21 Großtagespflegestellen, in denen jeweils acht bis neun Kinder von zwei bis drei Tagesmüttern oder -vätern betreut werden. Der Ausbau der Großtagespflege stockt laut Verwaltung, da es im Stadtgebiet immer schwieriger wird, geeignete Räume zu finden.

Bei der Kindertagespflege fehlen im kommenden Kindergartenjahr 32 Plätze. Die Versorgung ist je nach Stadtteil sehr unterschiedlich. Den größten Mangel weisen laut Verwaltung die Bezirke 4 und 5 auf.

Dokumentation

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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