Der Stadtrat tagte im Rathaus Bensberg. Foto: Redaktion

Die Kindertagespflege in Bergisch Gladbach fühlt sich von der Verwaltung und der Politik zu wenig gesehen und bei Entscheidungen nicht berücksichtigt. Dabei herrscht im Jugendhilfeausschuss Einigkeit über die unverzichtbare Arbeit der Tagesmütter und -väter. Der Kampf um einen Sitz in dem Gremium geht dennoch weiter. Wir fassen zusammen, was sonst noch debattiert und beschlossen wurde.

Die Kindertagespflege spielt eine gewaltige Rolle in Sachen Kinderbetreuung in Bergisch Gladbach: Rund ein Drittel aller Kinder unter drei Jahren werden in der Kindertagespflege betreut. Über den Stellenwert dieser Betreuungsform herrschte am Donnerstag im Jugendhilfeausschuss in vielen Wortbeiträgen der Mitglieder Einigkeit. Gleich zwei Tagesordnungspunkte, die sich mit der Kindertagespflege beschäftigen sollten, wurden vertagt und ins neue Jahr verschoben.

Die Verwaltung hatte eine Satzung für die Kindertagespflege vorgelegt, die die rechtliche Grundlage und Rahmenbedingungen der bisher geltenden Richtlinien ersetzen soll. Diese war erarbeitet worden, ohne die Interessengemeinschaft (IG) Kindertagespflege anzuhören. 

Die IG ist ein Zusammenschluss von Tagespflegepersonen in Bergisch Gladbach. „Es besteht noch Gesprächsbedarf mit der IG Tagespflege“, sagte Fachbereichsleiterin Claudia Werker zur Begründung der Verschiebung. Die Vorlage war bereits ins Ratsinformationssystem eingestellt worden. Grüne, CDU und SPD kritisierten, dass die IG nicht im Vorfeld mit einbezogen worden war. 

Die Vertreter der Kindertagespflege kämpfen schon seit geraumer Zeit nicht nur für eine bessere Bezahlung, sondern auch für mehr Wertschätzung. Dazu gehört für sie auch ein Sitz im Jugendhilfeausschuss.

Einen entsprechenden Antrag hatten CDU- und FDP-Fraktion gemeinsam gestellt: So sollte zunächst der Jugendhilfeausschuss und dann der Rat über die Aufnahme der IG Kindertagespflege als beratendes, nicht stimmberechtigtes Mitglied im Jugendhilfeausschuss. 

Im Antrag wird die Kindertagespflege als „wichtige Säule der frühkindlichen Bildung“ bezeichnet, die gerade in Zeiten fehlender Kita-Plätze für viele Eltern die einzige Chance der Betreuung darstelle. Die Interessen der Tagespflegepersonen, die die IG vertrete, sollen demnach im JHA gehört und berücksichtigt werden.

Dem widersprach die AG Jugendhilfe: Die Kindertagespflege werde bereits von der AG Jugendhilfe vertreten. Man solle mit einer gemeinsamen Stimme sprechen, statt mit vielen einzelnen. Die AG fürchtet, dass auch andere Disziplinen oder Leistungsträger einen Sitz für sich beanspruchen könnten und ein Aufweichen der bestehenden Strukturen. 

Nach einer längeren Diskussion über mangelhafte Kommunikation und das daraus resultierende Gefühl von fehlender Wertschätzung stimmte der Ausschuss auf Vorschlag der AfD mehrheitlich dafür, der anwesenden IG Kindertagespflege Rederecht einzuräumen, um deren Standpunkt zu hören. 

Laut Kinderbildungsgesetz (Kibiz) sei die Kindertagespflege mit den Kitas gleichgestellt, „aber das spüren wir aktuell noch gar nicht“, sagte Jenni Löllgen, erste Vorsitzende der IG. Die freien Träger hätten völlig andere Interessen und Perspektiven als Tagesmütter und -väter, was auch mit deren Status als Selbstständige zusammenhänge. 

„Es ist klar geworden, dass wir miteinander sprechen müssen“, schlussfolgerte Fachbereichsleiterin Werker, die bereits vor der Sitzung ein Gespräch mit der IG Tagespflege vereinbart hatte. Die Kindertagespflege und Kitas seien ergänzende und keine konkurrierenden Systeme. Das gemeinsame Ziel aller sei es, für eine gute Kinderbetreuung in Bergisch Gladbach zu sorgen.

Mehrheitlich stimmte der Ausschuss dafür, den Antrag über eine Aufnahme der IG Kindertagespflege zu vertagen.  

Was sonst noch im Jugendhilfeausschuss passierte

„Dialogforum Offene Kinder- und Jugendarbeit“ 

Akteure der offenen Kinder- und Jugendarbeit stellten zu Beginn des Ausschusses ihre Angebote vor und gaben in Gesprächen mit den Ausschussmitgliedern einen Einblick in ihre Arbeit. Sie veranschaulichten, dass Jugendzentren Orte für Ideen, Freiheit und persönliche Entfaltung sind, aber auch für Bildung, Partizipation und gelebte Vielfalt. 

„Ich bin total beeindruckt“, sagte die Ausschussvorsitzende Brigitte Holz-Schöttler im Anschluss. „Hut ab vor der Arbeit, die Sie leisten – mit so wenig Personal. Klasse, wenn Jugendliche Menschen wie Sie als Vorbilder haben.“ 

Sachstand der Kindertagesbetreuung

Im Vergleich mit NRW und dem Rheinisch-Bergischen Kreis sieht sich die Verwaltung in Sachen Kindertagesbetreuung gut aufgestellt. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die aktuelle Realität aufgrund von 400 fehlenden Kita-Plätzen, Fachkräftemangel und Notbetreuung eine andere ist.

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Stadt hinkt bei Kita-Plätzen den eigenen Plänen hinterher

Die Stadt Bergisch Gladbach sieht sich in Sachen Betreuungsplätzen gut aufgestellt. Gemessen an den NRW-weiten Daten des Statistischen Landesamtes geht die Rechnung auf. Doch die selbst gesteckten Ziele werden verfehlt. Vor allem im Ü3-Bereich gibt es noch viel Luft nach oben. Wie viele Kita-Plätze aktuell tatsächlich fehlen, legt die Stadt nur indirekt offen.

„Wir Eltern können nicht mehr“, sagte Judith Häuser vom Jugendamtselternbeirat (JAEB), der die Interessen der Eltern von Kita-Kindern in Bergisch Gladbach vertritt. Wochenlange Notbetreuung statt stabiler und kontinuierlicher Betreuung sei in vielen Kitas Alltag. Regelmäßig höre sie sich den Frust anderer Eltern und Elternräte an, die kurz vor dem Kollaps stünden. „Wir brauchen Lösungen. Und zwar jetzt“, sagte Häuser. 

Elternbeiträge

Auch wenn die Kinder über längere Zeit wegen Personalnot nicht in die Kita gehen können, müssen die Eltern die Beiträge weiter zahlen. Eine Erstattung ist laut Elternbeitragssatzung nicht vorgesehen, erklärte die Verwaltung. „Für den Elternbeitrag ist es unerheblich, ob die Betreuung stattfindet oder nicht“, sagte Werker. 

Sanierung der Kita St. Laurentius

Einstimmig beschlossen wurde die Sanierung von Bergisch Gladbachs ältester Kita: St. Laurentius existiert seit mehr als 130 Jahren. Das Gebäude, in dem sie sich befindet, stammt aus Anfang der 1950er Jahre. Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, muss das Gebäude kernsaniert und den pädagogischen, räumlichen und baulichen Standards angepasst werden.

Es wird mit Kosten in Höhe von rund 4,3 Millionen Euro gerechnet, von denen die Kirchengemeinde rund 1,5 Millionen Euro übernehmen soll. Für die Zeit des Umbaus soll die Kita in das benachbarte Gebäude der katholischen Kirchengemeinde ausweichen. 

Ausschreibungen für OGS-Angebote

Jeweils einstimmig und ohne weitere Diskussion beschlossen wurden die Ausschreibungen für das europaweite Vergabeverfahren der Trägerschaft für die Offenen Ganztagsschulen (OGS) der GGS Hebborn, der GGS Herkenrath, der GGS Kippekausen und der KGS Frankenforst. 

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Zum Thema Sanierung der Kita St. Laurentius: bei einem jahresüberschuss 2023 in Höhe von 5 Millionen Euro (Quelle: https://www.erzbistum-koeln.de/erzbistum/finanzen/finanzbericht/index.html), von den Werten der Besitztümer ganz zu schweigen, ist es für mich nicht nachvollziehbar, dass hier nur ein geringerer Teil, etwas mehr als ein Drittel der Gesamtkosten, in Anbetracht der Finanznot der Kommune, vom katholischen Träger übernommen werden.
    Der großteils der Kosten von Kitas wird von den öffentlichen Hand übernommen. Mitspracherecht existiert aber leider zu wenig.

  2. Für die Eltern finde ich das richtig schlimm. Für die Kinder finde ich das noch viel viel schlimmer. Kitas sind Bildungseinrichtungen und nicht Betreuungs-Institutionen. Bildung ist der eigentliche Auftrag, Betreuung passiert dann zwangsläufig. Kitas werden größtenteils aus Steuergeldern finanziert. Demzufolge müssten auch wir alle, die wir dafür aufkommen, eine Rückzahlung erhalten, oder nicht? (Geht an den vorherigen Kommentar, der es unmöglich findet, dass keine Rückzahlung passiert.)

    Zur Hintergrundinformation: Die Träger erwirtschaften mit den Kitas keinen Gewinn. Das System Kita funktioniert fast gänzlich aus refinanzierten Geldern, was reingeht geht auch wieder raus.

    Die Eltern zahlen den Beitrag an die Stadt. Die Kitas bekommen nicht das was “ihre Eltern“ zahlen. Was Kitas erhalten, hängt von der Anzahl der Kinder ab (Kopfpauschale) und nicht davon, wie viel die Eltern zahlen. Sonst hätten Kitas, in denen die Kinder beziehungsweise Familien mehrheitlich vom Beitrag befreit sind gar keine „Einnahmen“

    Sollten also Träger finanziell in die Verantwortung genommen werden, bedeutet das unweigerlich den finanziellen Ruin der Träger und in der Konsequenz Konkurs und gegebenenfalls – wenn nicht Schließung- die Abgabe der Kitas an die Stadt.

    Würde in Bergisch Gladbach der Kita Besuch kostenlos sein wie in anderen Städten und Kommunen würde sich diese Frage überhaupt nicht stellen.

    Dass so viele Kitas wegen Personalmangel, teilweise und häufig nur eingeschränkt besucht werden können oder ganz zu sind, so möchte ich mal betonen, liegt an vielen Parametern und nicht, wie gestern teilweise gesagt wurde am schlechtem Betriebsklima. Das war ein Abwälzen der Schuld auf die, die versuchen, das kranke System noch aufrecht zu erhalten.

    Es kann genauso an einem Träger liegen, der schlecht bezahlt, an Eltern, die einem das Leben in der Kindertagesstätte schwer machen, an Inklusion, die gesellschaftlich gewollt ist, die der Kostenträger aber nicht bezahlen möchte, es liegt aber im Großen und Ganzen an einer Politik, die im Bildungsbereich Kita absolut versagt.

    Die einen Rechtsanspruch geschaffen hat, der nicht zu erfüllen ist und den Ausbau von Kitaplätzen vorantreibt dann aber die Träger in die Pflicht nehmen will die nicht genug Personal finden. Und das gerade in Bergisch Gladbach, die noch nicht mal eine eigene Kindertagesstätte haben! Das fand ich richtig frech!

    Soll die Stadt Bergisch Gladbach doch die Trägerschaft übernehmen, wenn das alles so leicht ist. Gibt sicherlich mehr Gründe als das Subsidiaritätsprinzip warum das nicht passiert. Im Prinzip ist die Stadt Bergisch Gladbach doch froh, wenn sie Träger findet, die überhaupt eine Kita übernehmen.

    Und wie viel Unwissen auch von Seiten der Kommunalpolitik über die Zusammenhänge herrscht schockiert mich jedes Mal aufs Neue.

    Wer das übrigens ausbadet sind nicht nur die Eltern, sondern auch die Mitarbeiter vor Ort und zwar auf vielerlei Art und Weise. Die werden nicht selten beschimpft, bedroht, gedemütigt. Darüber ist gestern gar nicht gesprochen worden. Sehr bedauerlich!

    Diese Art von Politik setzt sich bei den Mitarbeitern vor Ort fest. Und aus Erfahrung weiß ich das genau deswegen viele Fachkräfte die Brocken hinschmeißen und sich einem anderen Beruf zuwenden. Irgendwann möchte man nicht mehr Teil dieses absurden Systems sein, in dem Lösungen kostengünstig sein müssen und keiner Verantwortung übernehmen möchte.

    Ich kann jedem Kommunalpolitiker im JHA raten an der Unkenntnis zu arbeiten und nicht nur die ElternäPerspektive einzunehmen, wenn sie wollen, dass die vorhandenen Fachkräfte ihren Job gut, engagiert und überhaupt noch machen. The struggle ist real!

  3. Es ist ein Unding, dass Eltern bei Schließung der Kita wg. Personalnotstand trotzdem den vollen Kitabeitrag zahlen müssen. Die Eltern haben einen Betreuungsvertrag mit dem Träger über zu erbringende Leistungen. Werden diese Leistungen – aus welchem Grund auch immer – nicht erbracht, dürfte es auch meiner Sicht keine Gebühr in voller Höhe zu errichten sein! Immerhin müssen sich Eltern im Zweifel um adäquater Betreuung kümmern und diese dann evtl. auch noch bezahlen. So macht man das Kinderkriegen höchst unattraktiv. Ich kann jede Frau gut verstehen, die darauf in der Situation verzichtet.

    1. Aber was macht man, wenn das Kind in den beiden letzten beitragsfreien Kita-Jahren ist? Wie soll da die Erstattung aussehen?