Die stolzen Eltern Deborah und Pascal Limbach mit Baby Malou, dahinter v.l.: Dr. Barbara Florange (Geschäftsführerin GFO), Dr. Ulrich Hennig, (Chefarzt Frauenklinik), Luisa Tomadini (Hebamme), Johanna Heppe (Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW), Katrin Aulenkamp (Kaufm. Direktorin). Foto: GFO

Im Bensberger Vinzenz Pallotti Hospital können Frauen ihr Kind in einem Kreißsaal entbinden, in dem sie ausschließlich von Hebammen begleitet werden. Ärzt:innen schreiten nur dann ein, wenn es Komplikationen gibt. Die ersten Babys haben dort schon das Licht der Welt erblickt. Die Nachfrage ist groß.

Das Vinzenz Pallotti Hospital (VPH) geht neue Wege in der Geburtshilfe: Neuerdings gibt es dort einen Hebammenkreißsaal. Dort werden gesunde Schwangere, bei denen eine komplikationslose Geburt zu erwarten ist, während der Entbindung ausschließlich von Hebammen begleitet. Ärzte kommen nur dann hinzu, wenn eine unerwartete medizinische Situation eintritt.

Voraussetzung für die Entbindung im Hebammenkreißsaal ist ein unauffälliger Schwangerschaftsverlauf und keine Besonderheiten. Für Zwillingsgeburten oder Mütter mit bestimmten Risikofaktoren ist er beispielsweise nicht geeignet. Bei der Anmeldung zur Geburt und in Vorgesprächen mit der Hebamme wird geklärt, ob eine Geburt unter der alleinigen Begleitung durch eine Hebamme möglich ist.

Familiäre Atmosphäre

Malou ist das erste Baby, das im Hebammenkreißsaal zur Welt kam: Am 16. Februar wurde die Tochter von Deborah und Pascal Limbach geboren. „Wir hatten uns vorab für das Konzept entschieden, weil ich eine unkomplizierte Schwangerschaft hatte“, berichtet Deborah Limbach. „Ich habe die Geburt als sehr entspannt erlebt. Das wäre sicher anders gewesen, wenn noch etliche Leute um mich herum gewesen wären.“

Begleitet wurden die Eltern aus Rösrath von Hebamme Luisa Tomadini. „Es war eine kraftvolle gute Geburt“, erinnert sich Tomadini. Obwohl es das erste Kind für die Mutter war, sei es ziemlich schnell gegangen. „Wir waren nur zwei oder drei Stunden im Kreißsaal“, berichtet Vater Pascal Limbach. „Es war eine sehr familiäre Atmosphäre und wir haben uns sehr gut aufgehoben gefühlt.“ 

Eine Hebamme begleitet eine Geburt

Inzwischen haben schon fünf Babys im neuen Kreißsaal das Licht der Welt erblickt. Wobei es sich nicht um einen neuen Kreißsaal im baulichen Sinne handelt: Die hebammengeleiteten Geburten finden in den bisherigen Kreißsälen des VPH statt, in dem pro Jahr über 1700 Kinder geboren werden. 

Das Besondere ist eine 1:1-Begleitung: Eine Hebamme begleitet eine Frau während des Geburtsvorgangs. Zu dem Zeitpunkt, zu dem normalerweise ein Arzt hinzugeholt wird, kommt eine zweite Hebamme hinzu – unmittelbar bevor das Kind auf der Welt ist. Nur dann, wenn etwa die Herztöne des Kindes schwächer werden, Komplikationen auftreten oder die Frau Schmerzmittel wünscht, kommt ein Arzt oder eine Ärztin dazu.

Sollte das der Fall sein, ist kein Ortswechsel nötig – die Schwangere bleibt im Kreißsaal, ebenso die Hebamme als Bezugsperson. Und sollte kurzfristig ein Kaiserschnitt nötig sein, befindet sich der Operationsbereich nur zwei Türen entfernt.

Weniger Schmerzmittel nötig

„Der Hebammenkreißsaal ist das Modell der Zukunft“, glaubt Damaris Fritschle, Hebamme und Projektleiterin. Es sei wie eine Hausgeburt im Krankenhaus. Durch die intensive Begleitung durch eine Hebamme seien weniger Schmerzmittel nötig. „Das Konzept ermöglicht Frauen, interventionsarm zu gebären, aus der eigenen Kraft ihres Körpers.“

Eine selbstbestimmte und familienorientierte Geburtshilfe sei im VPH schon lange Standard, erklärt Fritschle. Dazu gehöre unter anderem die 2:1-Begleitung der Schwangeren: Eine Hebamme ist maximal für zwei Schwangere während der Geburt zuständig. „In anderen Kliniken betreut eine Hebamme manchmal vier oder fünf Frauen gleichzeitig.“

Förderung durch NRW-Gesundheitsministerium

Der Hebammenkreißsaal wurde am Mittwoch feierlich eröffnet. Katrin Aulenkamp, kaufmännische Direktorin der GFO Kliniken Rhein-Berg, zu denen das VPH gehört, nannte den neuen Hebammenkreißsaal als „Meilenstein“ für die Geburtshilfe im VPH. Aulenkamp betonte die Bedeutung der Geburtshilfe für die Region: Seit Bestehen des VPH seien dort rund 84.000 Babys geboren und 355 Hebammen ausgebildet worden.

Das Projektteam um Hebamme Fritschle berichtete von der ersten Idee im Frühjahr 2023 bis zur ersten Geburt im Februar 2025. Ulrich Hennig, Chefarzt der Frauenklinik im VPH, habe die Bensberger Hebammen von Anfang an unterstützt. Für Niedrig-Risiko-Schwangeren, bei denen eine unkomplizierte Geburt zu erwarten sei, „ist die Hebamme das ausgebildete Fachpersonal“, sagt Hennig.

Mehr zum Thema

Menschen in GL: Die Geburts-Philosophin

Wenn man sich mit Lilly Braun über Geburtshilfe unterhält, stellt man fest, wie viel unser Umgang damit über unsere Gesellschaft verrät. Braun ist Hebamme, fünffache Mutter, Natur-Fan und Kommunalpolitikerin. Das Porträt einer vielseitigen Frau.

Der Hebammenkreißsaal wurde vom NRW-Gesundheitsministerium mit 25.000 Euro gefördert. Die Landesregierung hat bislang 46 Geburtskliniken in NRW dabei unterstützt, einen hebammengeleiteten Kreißsaal einzurichten – laut Ministerium ist das etwa jede vierte Geburtsklinik in NRW. Dadurch solle die geburtshilfliche Versorgung verbessert werden. Auch die Arbeitsbedingungen für Hebammen würden dadurch verbessert.

Damaris Fritschle bestätigt das: „Auch für uns Hebammen ist es eine intensive und besondere Erfahrung, wenn wir eine Geburt so eng begleiten und uns voll auf eine Frau konzentrieren können.“ Der Hebammenkreißsaal erfreue sich schon großer Beliebtheit: Aktuell gebe es 15 Anmeldungen von Schwangeren, die demnächst hier entbinden wollen.


Sie finden diesen Artikel gut? Sie sind mit unserer Arbeit zufrieden? Dann können Sie uns gerne mit einem Einmalbeitrag unterstützen. Das Geld geht direkt in die journalistische Arbeit.

Oder Sie werden Mitglied im Freundeskreis, erhalten exklusive Vorteile und sichern das Bürgerportal nachhaltig.


ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

3

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Dass der Beitrag an Weiberfastnacht erscheint, gibt doch zu denken.
    Ist die Nabelschnur am Ende die Urform der Krawatte?

  2. Das gab es vor 20 Jahren auch schon im VPH. Nannte sich damals Geburtshaus. Ich habe damals keinen Arzt zu Gesicht bekommen.

    1. Kenne ich auch so. In den 90er Jahren war die Geburtshilfe des VPH für ein sehr ähnliches Konzept wie hier vorgestellt überregional bekannt.