Foto: Thomas Merkenich

Der Rheinisch-Bergische Kreis gehört weiterhin zu den sichersten Kreisen in NRW – und konnte seine Position im Ranking sogar noch etwas verbessern. Auch in Bergisch Gladbach ist die Kriminalität gesunken. Sorge bereitet der Polizei die Zunahme von Körperverletzungen und die Tatsache, dass die Zahl der tatverdächtigen Kinder kontinuierlich steigt.

Der Rheinisch-Bergische Kreis ist im landesweiten Vergleich einer der sichersten Kreise in Nordrhein-Westfalen. Statistisch lebt es sich nur in den deutlich ländlicher geprägten Kreisen Lippe, Olpe und im Oberbergischen sicherer. Und Bergisch Gladbach ist die drittsicherste Großstadt in Deutschland. 

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Das sind zwei Erkenntnisse aus der Polizeilichen Kriminalstatistik, die Kriminaloberrat Marc André Linden Kreispolizeibehörde (KPB) Rhein-Berg am Mittwoch vorstellte.

Im Jahr 2024 wurden demnach im Rheinisch-Bergischen Kreis 13.597 Straftaten registriert. Das sind 73 Straftaten weniger als im Vorjahr und ein Rückgang um 0,5 Prozent. Nachdem die Anzahl der Straftaten seit 2019 kontinuierlich angestiegen war, ist sie damit erstmals wieder gesunken. Im Landesvergleich belegt der Kreis Platz 4 von 47 (im Vorjahr war es noch Platz 5).

Hohe Aufklärungsquote

Zugleich ist die Aufklärungsquote (in der Grafik die graue Kurve) wie bereits im Vorjahr weiter leicht gestiegen und erreicht mit 57 Prozent den höchsten Wert im Zehn-Jahres-Vergleich. NRW-weit beträgt die Aufklärungsquote knapp 54 Prozent. 

„Das ist insgesamt ein sehr erfreuliches Ergebnis“, sagt Linden. Die gestiegene Aufklärungsquote sei ein Nachweis für die „sehr gute Ermittlungsarbeit“. 

Aussagekräftiger als die nackte Fallzahl ist die sogenannte Häufigkeitszahl: Sie zeigt an, wieviel Straftaten für jeweils 100.000 Einwohner bearbeitet wurden – und drückt damit die Wahrscheinlichkeit aus, Opfer zu werden. Oder anders ausgedrückt: Wieviel Prozent der Menschen tatsächlich im entsprechenden Jahr getroffen werden.

Im vergangenen Jahr hat sich diese Quote im Kreis leicht verringert befindet sich auch in der 10-Jahres-Sicht auf dem Rückzug: Lag diese „Gefahrenquote“ 2014 noch bei 5,5 Prozent, so sind es jetzt 4,7 Prozent. In NRW liegt diese Quote mit 7,7 Prozent deutlich höher – ist im Vergleich zum Vorjahr aber ebenfalls leicht gesunken (2014 lag sie in NRW noch bei 8,5 Prozent).  

Bergisch Gladbachs Sonderrolle

Vergleicht man die Kommunen innerhalb des Kreises, wird wie bereits in den Vorjahren ein starkes Stadt-Land-Gefälle sichtbar: Die Stadt Bergisch Gladbach schneidet bei den Häufigkeitszahlen am schlechtesten ab – und auch deutlich schlechter als der gesamte Kreis.

Besonders sicher ist man in den Gemeinden Odenthal und Kürten. Die Wahrscheinlichkeit, Opfer von Kriminalität zu werden, sank in Bergisch Gladbach allerdings von 5,9 auf 5,8 Prozent.

Im Ranking aller 83 Großstädte in Deutschland – und gemessen an ihrer Einwohnerzahl gehört Bergisch Gladbach dazu – belegt die Kreisstadt bundesweit Platz 3. Nur Fürth und Erlangen schneiden besser ab, betont Linden und bezeichnet das als ein „herausragendes Ergebnis“. 

Rückgang bei Wohnungseinbrüchen

In Bergisch Gladbach wurden im Jahr 2024 insgesamt 6500 Straftaten registriert, das sind 203 beziehungsweise 3 Prozent weniger als im Vorjahr. Zurückgegangen ist vor allem die Anzahl der Wohnungseinbrüche. Diese haben sich um knapp ein Viertel verringert: 2024 gab es 145 (im Vorjahr: 192). Auch die Anzahl der Raubdelikte hat sich um 22 (bzw. um 31 Prozent) auf nun 48 Taten reduziert.

Zugenommen haben hingegen Erpressungen: Es wurden 33 Fälle bekannt; im Vorjahr waren es 15, damit haben sich die Fälle mehr als verdoppelt. Auch die registrierten Sexualstraftaten sind von 128 auf 143 gestiegen.

Der Rückgang der Wohnungseinbrüche deckt sich mit der kreisweiten Entwicklung: In Rhein-Berg hat sich die Zahl der Wohnungseinbrüche wieder verringert, nachdem sie in den beiden Vorjahren gestiegen waren. Die Aufklärungsquote hat sich bei diesen Taten wieder erhöht.

„Der Trend geht in die richtige Richtung“, so Kriminaloberrat Linden. Die Polizei habe diesbezüglich ihr Beratungsangebot und ihre Präventionsarbeit intensiviert, so dass es häufig beim Einbruchsversuch bleibe.

Mehr Gewalttaten in Rhein-Berg

Während die Gewaltkriminalität in NRW im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 Prozent gesunken ist, stieg sie im Rheinisch-Bergischen Kreis um knapp 3 Prozent gestiegen. Hierzu zählen unter anderem Mord, Totschlag, Raub, gefährliche und schwere Körperverletzung sowie Vergewaltigung. In Bergisch Gladbach hingegen ist die Anzahl der Gewaltdelikte um 23 Taten gesunken (das entspricht einem Rückgang von 8,6 Prozent).

Bei Raubstraftaten verzeichneten sowohl der Kreis als auch Bergisch Gladbach einen Rückgang.

Direktionsleiter Linden führt das auch darauf zurück, dass bei Maßnahmen gegen Taschendiebstahl zivile Ermittler im Bereich Busbahnhof und in der Fußgängerzone erfolgreich gegen Intensivtäter vorgehen konnten. „Wenn jemand, der viele Taten begeht, in Haft genommen oder abgeschoben wird, macht sich das schnell bemerkbar“, erklärt Linden. 

Mehr Körperverletzungen

Die Zahl der Körperverletzungen ist weiter gestiegen – ein Trend, der kreisweit seit dem Jahr 2019 steil nach oben geht. 1813 solcher Fälle wurden 2024 registriert (+2,5 Prozent), davon waren rund ein Drittel – nämlich 626 – Fälle von häuslicher Gewalt mit Körperverletzung.  Kreisweit stieg auch die Zahl der gefährlichen und schweren Körperverletzungen (orangefarbene Kurve).

Zur gefährlichen Körperverletzung wird eine Tat, wenn sie gemeinschaftlich oder mit einer Waffe (dazu reicht bereits ein Schuh bei einem Fußtritt) begangen wird. Von schweren Körperverletzungen spricht man, wenn sie zu erheblichen Verletzungen führen. 

„Wir spüren immer noch die Auswirkungen der Pandemie“, erklärt Linden. Konfliktlösungen auf kommunikativer Ebene hätten viele Menschen verlernt. „Das bekommen wir im täglichen Miteinander mit Menschen zu spüren.“ 

Kinder und Jugendliche als Tatverdächtige

Das schlage sich auch bei der Jugendkriminalität nieder. Mit Sorge beobachte die Polizei der „massive Anstieg“ der Anzahl der tatverdächtigen Kinder unter 14 Jahren, die seit dem Jahr 2020 von 107 auf inzwischen 267 Tatverdächtige erhöht hat. „Es handelt sich hierbei um strafunmündige Tatverdächtige“, erläutert Linden.

Die Polizei setzt dabei auf das Projekt „Kurve kriegen“, bei dem zwei Polizisten und zwei Pädagogen die auffälligen Kinder sehr intensiv betreuen.

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Wie kriminelle Kinder die Kurve kriegen

Seit 2020 steigt die Zahl tatverdächtiger Kinder unter 14 Jahren rasant an. Kriminalhauptkommissar Stefan Lurz hat ein paar Ideen, woran das liegen könnte. Vor allem aber weiß er, wie man dem entgegenwirken kann: Seit 2022 betreut er im Rheinisch-Bergischen Kreis die Initiative „Kurve kriegen“. Sie unterstützt besonders gefährdete Kinder individuell dabei, aus der Kriminalität auszusteigen. Denn, so Lurz: „Man wird nicht kriminell geboren.“

Leichter Anstieg bei Sexualdelikten

Im Bereich der Sexualstraftaten hatte es in den vergangenen Jahren aufgrund von riesigen Tatkomplexen und Gesetzesänderungen einige Sonderentwicklungen gegeben, wodurch die Zahl der Fälle sprunghaft gestiegen war. Nachdem es im Vorjahr einen leichten Rückgang gegeben hatte, stiegen die registrierten Fälle nun wieder leicht an auf 335.

Es wurden 35 Vergewaltigungen angezeigt (2 weniger als im Vorjahr). 18 Taten waren Fälle von häuslicher Gewalt, bei den übrigen kannten sich Täter und Opfer. Einzig in einem Fall könne man von einer „überfallartigen“ Vergewaltigung durch einen Fremden sprechen, so Linden.

Während beim sexuellen Missbrauch von Kindern ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist, gab es fast eine Verdopplung bei der Herstellung und Verbreitung von Kinderpornografie. „Und nach wie vor liegen noch viele Fälle auf den Schreibtischen der Ermittler“, sagt Linden. „Wir haben unsere personellen Ressourcen seit 2019 verzehnfacht.“

Ältere Menschen als Betrugsopfer

Nach wie vor erfolgreich sind Täter bei älteren Menschen (ab 60 Jahren) mit Maschen wie dem „Enkeltrick“ oder Schockanrufen: 47 Taten weist die Statistik auf (im Vorjahr waren es 39). Dabei beträgt der Schaden knapp 1,2 Millionen Euro. „Betrüger nutzen die Sorge um Angehörigen der Opfer schamlos aus“, so Linden.

Erfreulich nannte der Kriminaloberrat die Tatsache, dass es 2024 kein Geldautomat im Kreisgebiet gesprengt wurde. Im Vorjahr hatte es eine Sprengung in Burscheid gegeben, im Jahr davor waren es noch fünf.

Dokumentation

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Die Aussagen “Bergisch Gladbach ist die drittsicherste Großstadt in Deutschland.“ und “[…] drückt damit die Wahrscheinlichkeit aus, Opfer zu werden. Oder anders ausgedrückt: Wieviel (sic!) Prozent der Menschen tatsächlich im entsprechenden Jahr getroffen werden.” sind hochgradig irreführend. Der Bezug auf die Wohnbevölkerung ist nämlich nicht sinnvoll, weil weder Opfer noch Täter in Bergisch Gladbach wohnen müssen. Näheres dazu hier: https://www.mpib-berlin.mpg.de/unstatistik-hauptstadt-des-verbrechens

    Ich frage mich weiterhin, ob wir wirklich 267 verschiedene Tatverdächtige unter 14 Jahren haben. Haben wir hier wirklich eine Gruppe, mit der man neun Schulklassen füllen könnte? Oder sind es 267 Straftaten, bei denen der Tatverdächtige unter 14 Jahre alt ist? Mit Sicherheit gibt es auch Leute (z.B. sogenannte Intensivtäter), die in einem Jahr für mehr als eine Straftat verdächtigt werden.

    1. Abend Herr Andreas,
      das ist das berühmte Vatikan Prinzip in der Statistik. Vatikan-Prinzip weil -gemessen- an den Einwohnern der Vatikan die höchste Kriminalität der Erde hat. Das liegt an den Millionen Touristen unter denen der ein oder andere Taschendieb, Trickbetrüger und Randalierer ist. Da es aber innerhalb des Vatikanstaats erfasst und in die Statistik eingetragen wird ist es statistich ein größerer Kriminalitätshotspot an Straftaten als z.B. die Bronx oder Chicago.
      Und dennoch ist der Vatikan sicher :)
      Nette Grüße
      Fabian

      1. Tatsächlich wurden die gewichtigen Straftaten im Vatikan von Mitgliedern der Kurie begangen. So wurden in in jüngster Zeit Priester überwiegend wegen Betrugs und Korruption verurteilt, kürzlich (2024) ging ein Priesteramtskandidat wegen Mißbrauch von Kindern im Knabenseminar in’s Gefängnis.

      2. Und trotzdem ist der Bezug auf die Bevölkerungsgröße für die Beurteilung des Vatikans, von Köln oder von Bergisch Gladbach nicht sinnvoll. Darauf weist die Unstatistik schon lange hin. Ich würde es begrüßen, wenn die Polizei dies berücksichtigen würde.