Steigende Kosten schränken den Betrieb der Begegnungsstätten für Senior:innen in Bergisch Gladbach ein, bisherige Fördermaßnahmen für Langzeitarbeitslose fallen dem Sparhaushalt zum Opfer. Die Stadt bereitet die Einführung einer Bezahlkarte für Geflüchtete vor. Wir fassen die wichtigsten Infos aus dem Sozialausschuss zusammen.

Die Mobile Homes auf dem ehemaligen Wohnmobilstellplatz am Kombibad Paffrath können in Betrieb genommen werden: Ab dem 15. April sollen dort voraussichtlich die ersten geflüchteten Menschen einziehen, teilte Fachbereichsleiterin Claudia Werker im Ausschuss für Soziales, Wohnungswesen, Demografie und Gleichstellung (ASWDG) mit.

Der Fokus liege demnach darauf, dass Familien dort einziehen. Im Unterschied zu den Hermann-Löns-Hallen (HLH) hätten diese dort zumindest einen geschützteren Rahmen. Die HLH seien als Erstaufnahmeeinrichtung und nicht als dauerhafte Unterbringung gedacht. Es würden aber nicht nur Familien die Mobile Homes nutzen, sondern vermutlich auch „Wohngemeinschaften“.

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Stadt stellt 20 Mobilheime für Flüchtlinge am Kombibad auf

Zum Jahreswechsel werden in Bergisch Gladbach alle verfügbaren Unterkünfte für Flüchtlinge belegt sein, prognostiziert die Stadtverwaltung. Mittel- und langfristig ist ein Ausbau an mehreren Orten geplant. Für den kurzfristigen Bedarf will die Stadt 20 „Mobile Homes“ kaufen und schon im Januar auf dem Wohnmobilparkplatz am Kombibad Paffrath aufstellen.

Wie die Flüchtlinge in den Hermann-Löns-Hallen leben

Sie wohnen zu viert in 18-Quadratmeter-Kabinen aus dünnen Spanplatten. Die Abteile sind nach oben offen, laute Heizgebläse pusten warme Luft hinein. Der Speise- und Aufenthaltsraum ist mit nackten Bierzeltgarnituren ausgestattet – der Brandschutz bremst jeden Versuch aus, die Flüchtlingsunterkunft in den Hermann-Löns-Hallen wohnlicher zu gestalten. Und dennoch sind viele der Menschen froh, eine Zuflucht gefunden zu haben. Wie geht es ihnen dort?

Die Verwaltung bereitet eine Ratsvorlage für die geplante Einführung einer Bezahlkarte für Geflüchtete vor. 

Die aktuelle Anzahl der Geflüchteten ist im Vergleich zu den Vormonaten gesunken, daraus lässt sich Werker zufolge aber noch kein Trend erkennen: Die Zahl der von der Stadt neu untergebrachten Geflüchteten lag im März bei 28 (im Februar waren es 42, im Januar 48), seit 1. April waren es 14. 

Gleichberechtigung

Der Frauenanteil in allen städtischen Führungspositionen konnte 2024 im Vergleich zum Vorjahr gesteigert werden:

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Judith Klaßen, ging mit Blick auf die Zusammensetzung des neuen Bundestages und dem Rückgang der dort vertretenen Frauen der Frage nach, warum sich nicht mehr Frauen zur Wahl aufstellen. Gründe seien demnach die schwierige Vereinbarkeit von Familie, Beruf und politischem Ehrenamt. Antifeminismus, tradierte Rollenbilder, Angriffe im Straßenwahlkampf und Cybergewalt seien weitere Probleme, die Frauen erleben und davon abhalten, sich politisch einzubringen. 

Ein Lösungs-Ansatz könnte ein Paritätsgesetz sein, dass die gleichberechtigte Vertretung von Frauen und Männern in politischen Ämtern und Gremien fördere, wie es diese in einigen Ländern bereits gebe. Auf kommunaler Ebene könnten familienfreundlichere Strukturen wie flexiblere Sitzungszeiten und digitale Beteiligungsmöglichkeiten hilfreich sein. 

Der Integrationsratsvorsitzende Redouan Tollih bezeichnete die Mitteilungsvorlage zu gleichstellungspolitischen Informationen als „nicht mehr zeitgemäß“, weil ihm die Perspektive von Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen mit Behinderung fehlen. Nach einer Diskussion beschloss der Ausschuss, ein Treffen zwischen Gleichstellungsbeauftragter, Inklusionsbeauftragter und Integrationsrat zu initiieren mit dem Ziel, den Anteil dieser Menschen in der Politik zu erhöhen.

Seniorenbegegnungsstätten

Die Leiterinnen der Begegnungsstätten für Senior:innen gaben einen anschaulichen Einblick in ihre Arbeit und das sehr umfassende Programm. Der Fokus der Einrichtungen liegt auf der Begegnung, dem lebenslangen Lernen und der sozialen Vernetzung und der Prävention von Einsamkeit. 

Der Erhalt aller fünf Begegnungsstätten verteilt im Stadtgebiet sei wichtig, damit sie möglichst viele Senior:innen erreichen können, die nur noch eingeschränkt mobil sind, erläuterte Dagmar Wies, Leiterin des Refrather Treffs. Sie schilderte Beispiele von hochbetagten Menschen, die nach der Pflege und dem Tod ihres Ehepartners in einer der Begegnungsstätten wieder neue Kontakte geknüpft und Lebensfreude gewonnen hätten.

Die Begegnungsstätten fördern zudem das ehrenamtliche Engagement von Senior:innen, die beispielsweise für den Mittagstisch für andere Senior:innen kochen oder selbst Kurse veranstalten. „Einige unserer Referenten sind selbst schon über 80“, sagte Wies, darunter eine Tanzlehrerin, die es liebe, barfuß zu tanzen. Das Ehrenamt habe für viele eine sinnstiftende Funktion und helfe auch beim Übergang in die Rente. 

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Sparzwang: Senioren sorgen sich um ihr „zweites Zuhause“

Die Seniorenbegegnungsstätte „Mittendrin“ ist ein Ort, an dem sich Menschen treffen, anfreunden und einander im Alter unterstützen. Die Kosten für den Betrieb sind stark gestiegen, mehr Geld gibt es von der Stadt aber nicht. Daher ist der Fortbestand – ebenso beim „Treffpunkt im Anna-Haus“ – gefährdet. In einem ersten Schritt kürzt die Caritas nun den Einsatz der hauptamtlichen Kräfte massiv. Kathy Stolzenbach und Thomas Merkenich haben sich vor Ort umgeschaut.

„Ohne Ehrenamt wäre unser Programm nicht möglich. Aber Ehrenamt funktioniert nur mit Hauptamt“, sagte die Leiterin. „Wir brauchen feste finanzielle und räumliche Zusagen, um langfristig planen zu können.“ 

Zum Hintergrund: Die Stadt einen Teil der gesetzlichen Altenhilfe auf die vier Träger – Caritas, Deutsches Rotes Kreuz, Progymnasium Bensberg, evangelische Kirchengemeinde – übertragen und unterstützt diese finanziell. 

Während die Kosten und die Anzahl der Senioren steigen, reichen die finanziellen Zuschüsse nicht mehr aus. Einige der Folgen trugen die Leiterinnen vor: Im Refrather Treff musste einer Aushilfskraft gekündigt werden, weil man sich diese nicht mehr leisten konnte. Die Caritas-Begegnungsstätten „Mittendrin“ und „Treffpunkt Anna Haus“ mussten ihre Öffnungszeiten um mehr als die Hälfte kürzen

Langzeitarbeitslose

Von Kürzungen sind auch Langzeitarbeitslose in Bergisch Gladbach betroffen: Durch Sparmaßnahmen im Bundeshaushalt hatte das Jobcenter Rhein-Berg Ende 2024 angekündigt, Eingliederungsmaßnahmen für Langzeitarbeitslose „massiv zurückzufahren“, heißt es in der Mitteilungsvorlage.

Die gemeinnützige GL Service gGmbH setzt sich als Arbeitnehmer für die Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen ein. In mehr als 20 Fällen gelang das in den vergangenen Jahren.

„Die Kürzungen bedeuten faktisch das Ende dieses Instruments zur beruflichen sozialen Integration von Menschen, die es schwer haben. Das ist sehr tragisch“, sagte Andreas Kuhlen, Generalhandlungsbevollmächtigter der Gesellschaft. Für GL Service bedeute das einen großen Verlust und betreffe gemeinnützige Arbeiten, die künftig wegfielen.

Für die Betroffenen, die künftig nicht mehr als Förderfälle gemäß des Teilhabechancengesetzes beschäftigt werden könnten, stelle das nicht nur einen finanziellen Verlust dar. Zudem werde ihnen werde eine Tagesstruktur genommen. „Und letztlich geht es nicht nur um einzelne Menschen“, so Kuhlen. „Da hängen ganze Familien dran.“

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Die “Bezahlkarte” für Geflüchtete ist weder sozial noch finanziell sinnvoll, sondern lediglich ein Zeichen für Populismus und Aktionismus.
    Nicht umsonst wird sie von vielen Kommunen und Städten wieder abgeschafft.