Günther Schöpf bei seiner Haushaltsrede 2023 im Stadtrat. Der AfD-Mann kandidiert für den Stadtrat und das Amt des Bürgermeisters. Foto: Thomas Merkenich

Bei der Wahl des Stadtrats und des Kreistags will die AfD ihre bislang relativ geringen Stimmanteile in Bergisch Gladbach und Rhein-Berg deutlich vergrößern und hat auch für die Ämter des Bürgermeisters und des Landrats Kandidaten aufgestellt.

Der Ortsverband der AfD Bergisch Gladbach hat ihren Fraktionsvorsitzenden Günther Schöpf auf Platz eins der Reserveliste für die Wahl des Stadtrats am 14. September gewählt und erneut als Bürgermeister-Kandidaten nominiert. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen, teilt Carlo Clemens in seiner Funktion als Pressesprecher des AfD-Kreisverbands mit.

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Bei der Wahl 2020 hatte Schöpf 4,16 Prozent der Stimmen erreicht, im Stadtrat hatte die AfD mit 4,6 Prozent drei Ratsmandate gewonnen, eins davon aber Ende 2021 durch den Austritt von Fabian Schütz verloren. Bei der Wahl am 14. September wolle die AfD ihr Ergebnis verdreifachen, kündigt der 54-jährige Diplom-Informatiker (FH) Schöpf in der Pressemitteilung an.

Schöpf präsentiert sich in der Pressemitteilung als „bergischer Bayer in Bensberg“ und trägt im Stadtrat Schlips und Krawatte. In sehr legerer Kleidung führt er jeden Montagabend eine knapp zehnköpfige Gruppe von „Montagsspaziergängern“ an, die aus der Corona-Zeit übrig geblieben ist. Dabei trägt er eine Deutschland-Fahne mit einer aufgenähten übergroßen Banane und distanziert sich so von der demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik.

Hinweis der Redaktion: Bei den anderen Parteien haben wir uns bislang darauf beschränkt, die jeweiligen Kandidaten-Listen für die Kommunalwahl zu veröffentlichen. Bei der rechtsextremen AfD ist ein solches Vorgehen nicht gerechtfertigt, hier ist der Kontext für eine Einordnung der Personen und Aussagen erforderlich.

Auf der Reserveliste für den Stadtrat folgen auf Schöpf Florian Fornoff (der ebenfalls ein Ratsmandat hat und als stellvertretender Fraktionsvorsitzender firmiert), Frank Cremer, Jürgen Niemann und Hermann-Josef Conen. Weitere Reservelisten-Kandidaten oder die Kandidaten für die Wahlbezirke hat die AfD auch auf Nachfrage nicht veröffentlicht.

Cremer ist als Geschäftsführer bei der AfD-Fraktion angestellt und vertritt als Sachkundiger Bürger die Fraktionsmitglieder in fast allen Sitzungen der Fachausschüsse des Stadtrats. Niemann und Conen erscheinen ebenfalls als Sachkundige Bürger in einzelnen Ausschüssen.

Wie sich die AfD im Stadtrat verhält

Im Stadtrat selbst verhält sich die zweiköpfige AfD-Fraktion seit einiger Zeit unauffällig. Bei umstrittenen Themen stimmt sie in der Regel mit CDU und FDP, hin und wieder aber auch auf Seiten von Grünen und SPD. Bei den meisten einvernehmlichen Abstimmungen trägt sie den allgemeinen Konsens mit.

Gleichzeitig nutzen die AfD-Vertreter regelmäßig Gelegenheiten, den von Menschen verursachten Klimawandel zu negieren und rechte Kulturkampfthesen zu vertreten. Sie stimmten gegen den kommunalen Wärmeplan und gegen den Bau von Unterkünften für Flüchtlinge.


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In diesem und im vergangenen Jahr hat die AfD (mit Ausnahme von zwei formalen Anträgen zur Umbesetzung in Ausschüssen) keinen Sach-Antrag im Stadtrat gestellt. 2023 ging es ihr in einem Antrag darum, die „Nutzung von Insekten als Nahrungsmittel an Schulen, Kitas“ auszuschließen und „Gendern konsequent (zu) unterbinden“. 2022 hatte sie sich in Anträgen mit der KfW-Förderung und der Blackout-Prävention befasst. 2021 stellte sie einen Antrag zur „Förderung der Zucht und Erhaltung gefährdeter Bergischer Landhühner“.

In der Pressemitteilung kündigt Schöpf jetzt eine „weiterhin konstruktiv-kritische Opposition“ an. Sein „erfahrenes und eingespieltes Team“ stehe für „solide Finanzen, für öffentliche Sicherheit, für effizienten Schul- und Kita-Bau und vor allem dafür, dass Bergisch Gladbach Heimat bleibt!“

Zuletzt hatte die AfD Bergisch Gladbach für Empörung gesorgt, indem sie den Lokalhelden Charly Vollmann (der bei Kriegsende vor 80 Jahren einen Rückzug der letzten Soldaten verhandelte und die Stadt vor schweren Folgen bewahrte) bei einer „Gedenkveranstaltung“ im Rathaus für sich reklamierte. Conen widmete ihm sogar ein selbst komponiertes Lied.

Weirauch kandidiert für Amt des Landrat

Bei der Wahl des Landrats des Rheinisch-Bergischen Kreises tritt erneut Sebastian Weirauch an. Der 57-jährige Ingenieur und Landschaftsarchitekt ist Vorsitzender der dreiköpfigen Fraktion der AfD im Kreistag. Er strebe für den neuen Kreistag einen Anteil von 15 Prozent an, erklärte er. Die AfD-Fraktion wolle „das kommunale Kraftzentrum“ bilden. 2020 hatte die Partei 4,76 Prozent erreicht.

Auch für den Kreistag veröffentlicht die AfD nur die ersten fünf Plätze der Reserveliste. Hinter Weirauch stehen dort Manfred Schawohl aus Wermelskirchen sowie Evelyn Doris Musiol aus Burscheid. Auf den Plätzen vier und fünf finden sich erneut Jürgen Niemann und Frank Cremer, die auch für den Stadtrat in Bergisch Gladbach kandidieren.

In der Öffentlichkeit tritt der Kreisverband der AfD (angeführt von den beiden Bergisch Gladbachern Helmut Waniczek und Günther Schöpf sowie Sebastian Weirauch) deutlich offensiver auf. So hatte er mit der Einladung des extrem rechten MdB Matthias Helferich zum „populistischen Ascherfreitag“ deutlich gemacht, wo er innerhalb der AfD stehen.

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Mit Helferich rückt AfD Rhein-Berg weiter ins rechtsextreme Lager

Erneut hat die AfD Rhein-Berg zu ihrem „populistischen Ascherfreitag“ eingeladen, im Kulturbahnhof Overath, mit dem rechtsextremen Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich als Gastredner. Unser Autor Hartmut Schneider ist dort inzwischen gut bekannt und nahm es noch einmal auf sich, das alles anzuhören und zu dokumentieren.

In der Presseerklärung nennt Weirauch als thematische Schwerpunkte „eine tragfähige Haushaltsführung, wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen, die Wachstum, Innovation und Wohlstand garantieren, und eine effiziente Kreisverwaltung“. Auch er setzt auf den Heimat-Begriff: „Als patriotische Partei wollen wir den lebenswerten Charakter unserer bergischen Heimat bewahren!“


Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Oooops! Danke für die sachliche Information. “In der Öffentlichkeit tritt der Kreisverband der AfD deutlich offensiver auf.” Mich wundert dieses Aufkommen unangeleinter, großer und kleiner Hunde um den Kahnweiher von Refrath, nach diesem Artikel ein “klitzekleinesbischen” weniger. https://g.co/kgs/eMhqHLY

  2. Hallo, herzlichen Glückwünsch zur Nominierung für den Karl-Eduard von Schnitzler Preis.
    (Darf ich den Beitrag verwenden, um Ideologiegesteuerten Journalismus zu belegen, Danke)

    1. Ach Gott, was von den genannten Tatsachen erzürnt Sie denn dermaßen?
      Einzig die fehlende Beschreibung der Partei als gesichert rechtsextreme hat mir gefehlt.

    2. Ihr Kommentar ist ein schönes Beispiel dafür, dass sich Faschos immer als Opfer präsentieren werden, egal wie harmlos der Beitrag über sie ist.

  3. Gesichert rechtsextreme Partei – mehr muss man über diese A*D nicht berichten.

    1. Sagt ein hirnloser Mitläufer! Es ist wie damals, man sucht einen Sündenbock, den man entmenschlichen und mit haltlosen Verleumdungen überziehen kann, und läuft den echten Faschisten brav hinterher.