Die Notaufnahme am Marien-Krankenhaus Bergisch Gladbach ist auf neurologische Notfälle spezialisiert. Foto: Redaktion

Drei Krankenhäuser mit drei allgemeinen Notaufnahmen gab es bislang in Bergisch Gladbach. Inzwischen sind es noch zwei – eine am Evangelischen Krankenhaus und eine am Vinzenz Pallotti Hospital – sowie eine weitere am Marien-Krankenhaus, die sich allerdings auf neurologische Notfälle spezialisiert. Die Umstrukturierung wirkt sich auch auf den Rettungsdienst aus.

Die Ankündigung des Klinikums Leverkusen, künftig die Notfallversorgung für Schildgen und Odenthal zu übernehmen, weil diese in Bergisch Gladbach nicht mehr erfolgen könne, sorgt für Verunsicherung und Verwirrung. Wir klären die Fakten und erläutern, was sich für Patient:innen geändert hat. 

Welche Änderungen gibt es?

Der Rheinisch-Bergische Kreis ist der Träger des Rettungsdienstes und hat die sogenannten Notfallaufnahmebereiche neu abgegrenzt. Diese regelt die Versorgung von Patient:innen, wenn Krankenhäuser ausgelastet sind.  Das Klinikum Leverkusen wurde jetzt als Pflichtversorger neu in die Planung für diese Notfallaufnahmebereiche aufgenommen, wie der Kreis mitteilt.

Für alle Gemeinden und Stadtteile des Kreises ist festgelegt, in welches Krankenhaus ein Rettungswagen von dort aus fährt – wenn keine spezialisierte Versorgung (wie etwa bei einem Schlaganfall) nötig ist. Auch bei Überlastung der jeweiligen Notaufnahme „besteht dann die Pflicht zur Versorgung“, teilt die Kreisverwaltung mit.

Bislang war für Odenthal und Schildgen das Marien-Krankenhaus in Bergisch Gladbach als Notfallaufnahmebereich vorgesehen, nun ist es das Klinikum Leverkusen.

Das Vinzenz Pallotti Hospital in Bensberg gehört wie das Marien-Krankenhaus zu den GFO-Kliniken Rhein-Berg. Foto: Thomas Merkenich

Hintergrund ist die Neuordnung der Notfallversorgung der GFO Kliniken Rhein-Berg, die das Marien-Krankenhaus Bergisch Gladbach (MKH) und das Vinzenz Pallotti Hospital Bensberg (VPH) betreiben:

Seit dem 15. März gibt es am MKH keine allgemeine Notaufnahme mehr. Aus der bisherigen „Zentralen Notfallaufnahme“ wurde eine neurologische Notfallambulanz, die sich – wie der Name schon sagt – ausschließlich um neurologische Notfälle wie Schlaganfälle kümmert. 

Die Zentrale Notaufnahme am Evangelischen Krankenhaus (EVK) hingegen bleibt weiter bestehen.

Was hat sich für Patient:innen geändert?

Laut Kreisverwaltung spielt die neue Zuordnung der Notfallaufnahmebereiche für Patient:innen keine Rolle. Es handele sich lediglich um eine interne strukturelle Veränderung, die ausschließlich für den Rettungsdienst relevant sei. Sie greift auch nicht pauschal, sondern soll sicherstellen, dass ein Patient auch bei einer Überlastung des Systems einen Anspruch auf eine bestimmte Klinik hat. Und auch nur dann, wenn keine spezialisierte Behandlung erforderlich ist. 

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Panikraum und Alarmknöpfe gehören zum Alltag in der Notaufnahme

Übergriffe auf das Personal in Krankenhäusern nehmen zu. John-Paul Gietz arbeitet in der Notaufnahme des EVK in Bergisch Gladbach. Dass Beschimpfungen zum Alltag gehören, hat er akzeptiert – und aus Eigenschutz einen Selbstverteidigungskurs gemacht. Für Bedrohungssituationen gibt es im Evangelischen Krankenhaus weitere Schutzmaßnahmen.

Grundsätzlich bringt der Rettungsdienst Patient:innen laut Kreisverwaltung in das „nächstgelegene geeignete“ Krankenhaus. Das bedeute, dass nicht immer das nächstgelegene angefahren werden. Rettungskräfte oder Notärzt:innen entschieden, welcher Standort für die Behandlung geeignet ist. 

Ein Patient aus Rösrath mit Herzinfarkt werde beispielsweise nicht ins nächstgelegene Vinzenz Pallotti Hospital nach Bensberg gebracht, sondern ins Evangelische Krankenhaus in Bergisch Gladbach oder ins Krankenhaus Köln-Merheim, weil diese darauf spezialisiert seien, so die Kreisverwaltung.

Wohin bei Notfällen in Bergisch Gladbach?

Bislang gab es in Bergisch Gladbach sowohl am Evangelischen Krankenhaus (EVK) als auch am Marien-Krankenhaus (MKH) eine Zentrale Notaufnahme. Am EVK bleibt sie bestehen und wurde in den vergangenen Monaten „gezielt personell und strukturell ausgebaut, um auf die stark steigenden Patientenzahlen reagieren zu können“, wie das Krankenhaus mitteilt. 

Eingang des Evangelischen Krankenhauses auf dem Quirlsberg. Foto: EVK

Aus der Zentralen Notfallambulanz am MKH wurde eine neurologische Notaufnahme, die etwa bei Verdacht auf Schlaganfall zuständig ist. Am VPH in Bensberg gibt es auch weiterhin eine Zentrale Notfallambulanz für alle weiteren Notfälle. Was sich sonst an den beiden GFO-Standorten geändert hat, haben wir bereits ausführlich berichtet.

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GFO Kliniken stellen Notfallversorgung in Rhein-Berg neu auf

Der Krankenhausplan des Landes NRW wirkt sich auch in Bergisch Gladbach aus: Die GFO Kliniken nutzen die Reform des Gesundheitssektors, um ihre Leistungen in der stationären, teilstationären und ambulanten Versorgung an jeweils einem Standort zu konzentrieren. Damit stehen weitere Umzüge zwischen dem MKH und dem VPH sowie eine Neuordnung der Notfallversorgung an – und einige Baumaßnahmen.

„Die Krankenhausplanung in Bergisch Gladbach ist Teil der NRW-weiten Reform, die seit April 2025 geregelt umgesetzt wird“, erklärt Barbara Florange, GFO-Geschäftsführerin. „Bedauerlich für Patienten und Familien ist, dass die Reform in der derzeitigen Phase zu mehr Verunsicherung als Klarheit führt.“

Durch die Gemeinschaft der Krankenhäuser von MKH, VPH und EVK sei „die gesamte Versorgung einschließlich aller Notfälle“ aber gesichert, betont Florange.

Was ist mit der Notfallpraxis?

Die Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ist weiterhin am MKH angesiedelt. Dorthin können Patient:innen gehen, die außerhalb der regulären ärztlichen Sprechstundenzeiten ein akutes gesundheitliches, aber nicht lebensbedrohliches Problem haben – abends, an Wochenenden oder Feiertagen.

Solche Nofallpraxen, die es in vielen Städten gibt, sind direkt an oder neben einem Krankenhaus angesiedelt, das bei Bedarf die Patient:innen behandeln oder aufnehmen kann. Laut EVK gibt es Gespräche mit der KV Nordrhein über eine Verlegung ans EVK, die „kurz vor dem Abschluss“ stehen.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Ich finde diesen Beitrag in Teilen nicht klarstellend, sondern weiterhin verunsichernd. So war ich nach Lesen dieses Artikels der Meinung, dass für Schildgen nun die Notfallaufnahme des Klinikums Leverkusen zuständig sei.

    Das ist nicht so. Das Klinikum Leverkusen wurde lediglich als weitere Klinik verpflichtend dazu genommen, also kumulativ und nicht alternativ.
    Die Stellungnahme des EVK vom 30.05.2025 ist insoweit eindeutig:
    https://www.evk.de/beitrag/evk-bleibt-zentrale-anlaufstelle-fuer-notfaelle-in-bergisch-gladbach-und-im-landkreis

    Und wer der Meinung ist, im EVK sei die Notaufnahme dringend verbesserungsbedürftig, war wohl – glücklicherweise – noch nicht in anderen Kliniken, zum Beispiel im Klinikum Leverkusen.

  2. Vielen Dank, dass ihr dieses wichtige Thema aufgreift!

    Wenn ich es richtig verstanden habe, müsste ich bis zur Verlegung der Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung ans EVK noch weiterhin zum MKH gehen können. Das scheint aber jetzt schon nicht mehr der Fall zu sein.

    Die Qualität im MKH war zuletzt auch schon unterirdisch. (…)
    Ich hoffe außerdem sehr, dass sich die personelle Situation im EVK mit der Umstrukturierung grundlegend ändert, denn es ist uns bereits zwei mal passiert, (…).

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    Hinweis der Redaktion: Wir haben den Kommentar bearbeitet und Passagen mit individuellen Fall-Schilderungen gekürzt. Wenn Sie Hinweise auf Fehlverhalten oder Missstände haben, wenden Sie sich bitte an die zuständigen Aufsichtsbehörden oder schreiben Sie direkt an die redaktion@in-gl.de

  3. Tatsächlich ist die Versorgung von Notfällen in den letzten Jahren erheblich schlechter geworden. Ich habe zwei sehr sportbegeisterte Söhne und habe aufgrund multiple Sportverletzung immer mal wieder eine Notaufnahme anfahren müssen.

    Wir waren in diesem Jahr schon zweimal im EVK. Von einer Aufstockung des Personals oder anderweitigen Investitionen (zumutbarer Wartebereich) haben wir nichts bemerkt.

    (…)

    Ich verstehe ja, dass wir in einer Zeit sind, wo medizinische Versorgung kein Grundrecht mehr darzustellen scheint, sondern es ausschließlich um Gewinnmaximierung geht.
    Aber das auf Kosten des Personals und der Patienten halte ich für höchst fragwürdig.

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    Hinweis der Redaktion: Wir haben den Kommentar bearbeitet und Passagen mit individuellen Fall-Schilderungen gekürzt. Wenn Sie Hinweise auf Fehlverhalten oder Missstände haben, wenden Sie sich bitte an die zuständigen Aufsichtsbehörden oder schreiben Sie direkt an die redaktion@in-gl.de

    1. Nach meinen Erfahrungen mit dem EVK habe ich den Eindruck, dass es da weniger um Gewinnmaximierung geht, sondern dass es da gravierende organisatorische Probleme gibt – was natürlich unterm Strich für die unnötige Belastung der Patienten keinen großen Unterschied macht.

  4. Wie ist eigentlich momentan die Verkehrsanbindung des MKH geregelt – Abfahrt des Notarztes, Anfahrt der Rettungswagen in / aus Richtung Bensberger Straße und Schnabelsmühle? Die sonst übliche Strecke über den Konrad-Adenauer-Platz / Bushaltestelle ist zur Zeit mit Schaustellerwagen verstellt und davor steht ein Schild mit der Aufschrift (sinngemäß): “Keine Durchfahrt, auch nicht für Rettungswagen” (!). Kann hier die Redaktion bitte einmal nachfragen?

    1. Die Anfahrt erfolgt vermutlich, wie sonst auch, über Gertrudenstraße und Überm Rost. Alternativ über die Stationsstraße und dann den Hügel hoch.

      Es gilt eigentlich schon seit Jahren, dass auch Rettungsfahrzeuge nicht unbedingt über den Konrad-Adenauer-Platz fahren sollen. Es ist eigentlich Fußgängerzone, es laufen viele Menschen kreuz und quer. Außerdem kommt es relativ häufig vor, dass auf beiden Seiten Busse stehen. Die machen an dieser Stelle keinen Platz, es würde also zu Verzögerungen in der Durchfahrt kommen.