Die Erweiterung der GGS Hebborn ist in Rekordzeit gebaut worden. Foto: Thomas Merkenich

Die Erweiterungen der Grundschulen an der Odenthaler Straße und In der Auen sollte nicht nur schnell gehen, sondern auch einigermaßen preiswert bleiben. Doch nachdem die Kinder ebenso wie die Lehrerpersonen über dicke Luft in den Klassen in den beiden „Sofortschulen“ klagen will die Stadt jetzt nachbessern: Beide Gebäude erhalten Lüftungs- und Klimaanlagen, für jeweils mehr als eine Million Euro.

Schnell, gut und günstig – das waren die Maßgabe für den Bau der zwei Gebäude an der Grundschule Hebborn und an der GGS In der Auen in Refrath, mit denen die Raumnot von Schule und OGS in beiden Stadtteilen gelindert werden sollte. Tatsächlich brachte die Schulbaugesellschaft die beiden sogenannten „Sofortschulen“ in weniger als einem Jahr an den Start. Doch jetzt zeigt sich, dass die Ausstattung für einen guten Schulbetrieb nicht ausreichend ist.

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Für gute Luft in den Klassenräumen, so die damalige Entscheidung, reiche eine Lüftung über das Öffnen der Fenster aus, auf eine teure technische Anlage könne man verzichten. Ohnehin waren die zunächst auf elf Millionen Euro geschätzten Baukosten am Ende bei 16 Millionen für beide Schulen angelangt.

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Tempo, Qualität, Kosten: Was man über die neuen Sofort-Schulen wissen muss

Die ersten Schüler:innen der KGS In der Auen haben am Montag die neuen Klassenräume bezogen, in der GGS Hebborn nehmen die I-Dötzchen heute die Schul-Erweiterung in Gebrauch. In sieben Monaten haben Stadt, Schulbau-Gesellschaft und Baufirma die beiden Modulbauten fertig gestellt – und für die gerade erst anlaufende Generalsanierung der Schulen Maßstäbe gesetzt. Wir schauen uns die „Sofortschulen“ und ihr Erfolgsrezept genau an.

Doch seit der Inbetriebnahme mehren sich die Beschwerden der Betroffenen. Von „Forderungen der Schulleitung und dringende Bitten der Eltern“ berichtet jetzt eine Vorlage der Verwaltung für den Schulausschuss. Daher sei die Luft in den Klassen untersucht worden.

Dabei habe sich herausgestellt, dass der empfohlene Grenzwert für Kohlendioxid (CO2) von 1000 ppm (parts per million) schon „nach kurzer täglicher Nutzungszeit überschritten wird“. Zudem steige die Raumtemperaturen an heißen Tagen rasch auf bis zu 23 Grad an. Damit habe sich das ursprüngliche Konzept (Fensterlüftungen und außenliegender Sonnenschutz) als organisatorisch problematisch und nicht ausreichend erwiesen.

Zur Sache: CO2-Grenzwerte

Je mehr Menschen in einem Raum, desto schneller reichert sich die Luft mit Kohlendioxid an, es müffelt. Das Umweltbundesamt beurteilt Konzentrationen unter 1000 ppm Kohlendioxid in der Raumluft als unbedenklich, Konzentrationen zwischen 1000 und 2000 ppm seien hygienisch auffällig und Konzentrationen über 2000 ppm nicht akzeptabel. Der Wert von 1000 ppm werde gerade in Schulklassen regelmäßig erreicht, könne aber im Allgemeinen durch konsequentes und richtiges Lüften in den Griff bekommen werden. Quelle: Gesundheitliche Bewertung von Kohlendioxid in der
Innenraumluft, Umweltbundesamt

Daher schlägt die Verwaltung nun eine Nachrüstung vor, um das Raumklima im Sommer und Winter zu verbessern, das Personal in der Schule zu entlasten und die Lernbedingungen für die Schülerinnen und Schüler nachhaltig zu stärken.

Konkret sollen nun doch die bereits in den ersten Überlegungen vorgesehenen dezentralen Lüftungsgeräte eingebaut werden, die zusätzlich mit einer Kühlfunktion versehen werden. Für gut eine Million Euro pro Schule. Die Aufträge sollen nach der Zustimmung durch den Schulausschuss ausgeschrieben werden.

Die Vorbereitungen laufen bereits, damit die Geräte nach einem entsprechenden Beschluss „schnellstmöglich“ eingebaut werden können, stellt Sebastian Rolko, Geschäftsführer der Schulbau GmbH klar (siehe Korrekturhinweis unten).

Nachgefragt: Wann kommt der „Bolzplatz“ in Hebborn zurück?

Noch immer wartet die Elternschaft und die Kinder an der GGS Hebborn darauf, dass der für den Bau der Sofortschule geräumte Bolzplatz wieder hergerichtet wird. Das war auch von Anfang an geplant – und zwar in Form einer modernen „Multicourtanlage“.

Die Verspätung gehe unter anderem darauf zurück, dass im Rahmen des gesamten Projektes eine neue Trafostation erforderlich war. Zuletzt hatten auch alle Gebäude auf dem Gelände an diese Station angeschlossen werden müssen, erklärt Sebastian Rolko, Geschäftsführer der Schulbau GmbH.

Inzwischen gebe es für den Multicourt eine Baugenehmigung, die Auswahl der Sport- und Spielgeräte sei mit der Stadt abgestimmt, daher könne der Bau in der zweiten Jahreshälfte 2025 endlich losgehen. Wenn der Platz fertig sei werde ganz zum Schluss noch der Verbindungsweg über das Schulgelände ertüchtigt.

Der nun gewählte Weg bringe „zwei Vorteile zusammen: eine dauerhaft verbesserte Luftqualität und spürbare Erleichterung an besonders heißen Tagen“, wird Alexandra Meuthen, Fachbereichsleiterin für Immobilien, Liegenschaft und Stadtgrün, in einer vorbereiteten Pressemitteilung der Stadt zitiert. Damit reagiere die Verwaltung in einer zeitgemäßen Form „auf die gestiegenen Anforderungen an Lernumgebungen“.

„Rückblickend aus damaliger Sicht richtig“

In der Pressemitteilung bemüht sich die Stadt, sowohl die damalige Spar-Entscheidung als auch die jetzt vorgeschlagene Kehrtwende zu begründen.

Die bewusste Entscheidung gegen Lüftungsanlagen sei Folge „einer intensive Abwägung zwischen Nutzen und Kosten“ und „rückblickend aus damaliger Sicht richtig“ gewesen, betont Meuthen. Der Wärmeschutz im Sommer habe durch die Bauweise der Gebäude nachgewiesen werden können, die Vorgaben zum Luftaustausch seien durch Fensterlüftung „theoretisch erfüllbar“ gewesen. Immerhin 190.000 Euro je Schule habe man mit dem Verzicht einsparen können.

In der Praxis habe sich jedoch gezeigt, „dass der betriebliche und organisatorische Aufwand einer dauerhaften Fensterlüftung durch Lehrkräfte und Hauspersonal nicht dauerhaft tragbar ist,“ so Meuthen weiter.

Eine Haltung, die auch Thore Eggert in seiner Doppelrolle als Kämmerer und Schulbau-Dezernent bekräftigt: „Wir reagieren auf die Realität im Schulalltag – mit einer Lösung, die praktikabel und nachhaltig ist. Die Maßnahme zeigt, dass wir bereit sind, unsere Entscheidungen dynamisch weiterzuentwickeln, wenn sich neue Anforderungen oder Erfahrungen ergeben.“

Indirekt lässt Eggert erkennen, dass die Investition auf Basis der Vorgaben des Umweltbundesamtes nicht nötig wären: „„Mit dem Vorschlag zur Nachrüstung stellen wir sicher, dass gute Lernbedingungen nicht an formalen Mindeststandards enden.“ Auf Nachfrage bestätigt die Verwaltung, dass die Grenzwerte „bei ausreichender Lüftung (Öffnung der Fenster)“ nicht überschritten werde. Allerdings könne es in den Klassen bei offenen Fenstern laut und heiß werden.

Auf den Umstand, dass diese Lösung fünfmal so teuer ist wie das ursprüngliche, dann aber aus Spargründen verworfene Konzept ist, geht die Verwaltung nicht ein. Die Höhe der Kosten wird in der Pressemitteilung nicht genannt.

Über die Beschlussvorlage diskutiert und entscheidet der Ausschuss für Schulen und Gebäudewirtschaft in seiner Sitzung am 18. Juni.


Hinweis der Redaktion: Der Zeitpunkt des Einbaus der neuen Geräte war in der Beschlussvorlage fälschlicherweise mit „Schuljahr 2027/28“ angegeben worden, tatsächlich sollen die Geräte aber „schnellstmöglich“ kommen, so die Schulbau GmbH. Wir haben den Bericht entsprechend angepasst.


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Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Danke Herr Gall……
    irgendwie kommt mir das alles „etwas inkompetent“ vor…..was da so von „städtischer Fachkompetenz“ getrieben wird….
    Wenn ich an das „Zanders-Arreal“ denke wird mir „Angst und Bange“….. (siehe auch mal Artikel von Herrn Hahn im KStA…., Leute die offenbar Sachverstand haben werden nicht gefragt, und am Ende wird die IHP „abgerissen“, ein Wahnsinn bei leeren Kassen……

  2. Die Schulbaustandards würde ich auf Grundlage dieses Lerneffekts dahingehend anpassen, dass Lüftung und Kühlung bei immer dichteren Bauten und bei den geforderten aber zu großen Mindestflächen der Verglasungen in den Katalog aufgenommen werden. Die Gesamtkosten dieser “Sofortschulen”, die aus fadenscheinigen Gründen immer noch nicht wirklich fertig sind, sind völlig absurd. In der gleichen Zeit habe ich ein identisches Volumen für etwa die Hälfte gebaut. Im gehobenen Wohnungsbau sind die Anforderungen und technischen Ausstattungen sicherlich mindestens vergleichbar. Man sollte doch mal über sale&lease back nachdenken oder vergleichbare Rahmenbedingungen für private Investoren schaffen. Dann wäre auch der unsinnige Neubau der IGP Geschichte und die Vielzahl der Schulsanierungen in einer überschaubaren Zeit realisierbar.

    1. „Im gehobenen Wohnungsbau sind die Anforderungen und technischen Ausstattungen sicherlich mindestens vergleichbar.“ – Das ist tatsächlich nicht der Fall. Die Anforderungen an Schulgebäude, etwa beim Brandschutz, bei Rettungswegen etc. sind laut Schulbaurichtlinie deutlich höher. Und ich wüsste bei grober Durchsicht auch nicht, worauf man da guten Gewissens verzichten könnte.

      Nachzulesen hier: https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_bes_text?anw_nr=1&bes_id=44088

      1. Lieber Drucker, gehen Sie davon aus, dass ich auf diesem Fachgebiet über eine gewisse Kompetenz verfüge. Ich halte mich raus, wenn ich nicht über diese verfüge.

      2. Ja, Herr Gall, so geht es mir auch. Und u.a. beim Brandschutz, bei der Fluchtwegeplanung und -gestaltung oder hinsichtlich des Blitzschutzes gelten für Sonderbauten – hier Schulen – nun einmal höhere Anforderungen als im Wohnungsbau, ob nun gehoben oder nicht. Und es kommen damit auch weitere Gewerke ins Spiel, die in die Planung einbezogen und koordiniert werden wollen.

        Das ist für einen erfahrenen Planer sicher kein Hexenwerk, aber es bedeutet ebenso sicher höheren Aufwand und Zeitbedarf.