Kinderärztin Uta Römer. Foto: privat

Fisch ist ein wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung. Doch für manche Kinder kann Fisch zu einer ernsthaften Gesundheitsgefahr werden. Eine Fischallergie ist zwar seltener als andere Nahrungsmittelallergien, kann jedoch bereits im Kindesalter auftreten und mitunter schwere Reaktionen hervorrufen. In dieser Sprechstunde schreibt Kinderärztin Dr. med Uta Römer über die Ursachen, Symptome, Diagnosemöglichkeiten und den Umgang mit einer Fischallergie bei Kindern.

Bei einer Fischallergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf bestimmte Eiweiße im Fischfleisch, insbesondere auf das Protein Parvalbumin. Es produziert IgE-Antikörper nach Kontakt mit dem Allergen – als beim Essen von Fisch, das Einatmung von Dämpfen kann aber auch schon dazu führen.

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Beim erneuten Kontakt mit Fisch binden die IgE-Antikörper an Zellen und bewirken die Freisetzung von Histamin und anderen Substanzen. Diese setzen eine Reaktionskaskade in Gang, die über Histaminrezeptoren zu typischen Symptomen führt.

Symptome einer Fischallergie

Soforttyp-Reaktionen sind die häufigste Reaktion, sie treten typischerweise innerhalb von Minuten bis zu einer Stunde nach dem Verzehr von Fisch auf. Zu den häufigsten Symptomen zählen hier:

  • Haut: Juckreiz, Rötungen, Nesselausschlag (Urtikaria) oder Schwellungen im Gesicht.
  • Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Durchfall.
  • Atemwege: Niesreiz, Husten, Atemnot oder asthmatische Beschwerden.
  • Kreislauf: Schwindel, Blutdruckabfall bis hin zum anaphylaktischen Schock.

Spättyp-Reaktionen entwickeln sich hingegen verzögert, meist 12 bis 72 Stunden nach dem Kontakt mit dem Allergen. Bei Kindern mit Neurodermitis kann dies zu einer Verschlechterung des Ekzems am nächsten Tag führen.

Auch Magen-Darm-Symptome wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen können verzögert auftreten. In einigen Fällen kann es zu einer Nahrungsmitteleiweiß-induzierten Enterokolitis (FPIES) kommen, die mit blutigen Stühlen und Kreislaufbeschwerden einhergeht.

Alllergie gegen alle Sorten von Fisch

Das häufigste Allergen im Fisch, das Parvalbumin, ist hitzestabil und bleibt auch nach dem Kochen oder Braten aktiv. Das Besondere bei Fischallergien ist, dass bereits nach dem Verzehr kleinster Mengen Fisch eine heftige allergische Reaktion auftreten kann und dass meist eine Allergie gegen alle Sorten von Fischen besteht.

Allerdings gibt es Unterschiede in der Allergenität zwischen den Fischarten. Thunfisch enthält beispielsweise geringere Mengen an Parvalbumin und wird daher manchmal besser vertragen. Muscheln und Krabben haben andere Allergene, daher müssen Kinder mit Fischallergie nicht automatisch auch Muscheln und Krabben vermeiden. Dennoch können bei einigen Personen Kreuzreaktionen auftreten.


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Die Fischallergie betrifft meist Kinder, die genetisch vorbelastet sind oder bereits andere Allergien haben.

Diagnose: Wie wird eine Fischallergie festgestellt?

Wenn der Verdacht auf eine Fischallergie besteht, sollte eine allergologische Abklärung erfolgen. Die Diagnostik umfasst:

  • Anamnese: Detaillierte Befragung zu den Beschwerden, deren Auftreten und dem Zusammenhang mit dem Fischverzehr.
  • Hauttest (Pricktest): Aufbringen von Fischallergen auf die Haut, um eine Sofortreaktion wie eine Quaddel und Rötung zu beobachten.
  • Bluttest: Messung spezifischer IgE-Antikörper gegen Fischproteine.
  • Eliminationsdiät: Zeitweiser Verzicht auf Fisch, um zu beobachten, ob sich die Symptome bessern.
  • Provokationstest: Unter ärztlicher Aufsicht wird Fisch verabreicht, um eine Reaktion zu provozieren. Dieser Test birgt Risiken und sollte nur in spezialisierten Zentren durchgeführt werden.

Es ist wichtig zu beachten, dass ein positiver Prick- oder Bluttest ohne passende Beschwerden lediglich eine Sensibilisierung bedeutet. Das heißt, die Person hatte Kontakt mit diesem Allergen, hat Antikörper gebildet, aber keine Symptome. Daher macht es keinen Sinn, ohne Symptome einen Allergietest durchzuführen.

Therapie und Umgang im Alltag

Die wichtigste Maßnahme bei einer bestätigten Fischallergie ist der konsequente Verzicht auf Fisch und fischhaltige Produkte. Dabei ist Vorsicht geboten, da Fischbestandteile auch in verarbeiteten Lebensmitteln oder durch Kreuzkontamination in der Küche enthalten sein können.

Für Kinder mit einer schweren Fischallergie ist es essentiell, immer ein Notfallset dabeizuhaben, das Folgendes beinhalten sollte:

  1. Adrenalin-Autoinjektor
  2. Antihistaminikum
  3. Kortisonpräparat
  4. Evtl. Asthmaspray

Eltern, Betreuer:innen und Lehrer:innen sollten im Umgang mit dem Notfallset geschult sein (z.B. über die AGATE-Schulung). Außerdem sollte immer ein Anaphylaxie-Pass mitgeführt werden, der beschreibt, wann die Medikamente in welcher Dosis gegeben werden sollten.

Außerdem sollten wichtige Nährstoffe wie Omega-3-Fettsäuren und Jod, die sonst häufig über Fisch aufgenommen werden, anderweitig in der Ernährung ausgeglichen werden.

Prognose und Prävention

Im Gegensatz zu anderen Nahrungsmittelallergien wie Milch- oder Ei-Allergien, die Kinder häufig „auswachsen“, bleibt eine Fischallergie meist lebenslang bestehen. Jedoch kann eine frühe Einführung von Fisch in die Beikost das Risiko einer späteren Fischallergie senken und wird daher ab dem fünften Lebensmonat empfohlen.

Fazit

Eine Fischallergie kann das Leben betroffener Kinder und ihrer Familien erheblich beeinflussen. Mit einer genauen Diagnostik, konsequenter Allergenvermeidung mit Ausgleich der Nährstoffe durch andere Lebensmittel und einem gut vorbereiteten Notfallmanagement lässt sich jedoch ein sicherer Alltag gestalten.

Bei Fragen oder Unsicherheiten steht Ihnen Ihr Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin beratend zur Seite.

Bleiben Sie gesund!

Ihre Dr. med. Uta Römer und das Praxisteam

Weitere Informationen finden Sie auf Kinderärzte-im-Netz, Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB), Allergieinformationsdienst. Hier geht es zur Webseite meiner Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin in Refrath.


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Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Sie hat eine Praxis in Refrath.

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