Kinderärztin Dr. med Uta Römer. Foto: privat

Der Herbst ist da – und mit ihm die Erkältungszeit. In Kitas, Schulen und Familien nehmen fieberhafte Infekte jetzt wieder deutlich zu. Fieber ist eines der häufigsten Krankheitssymptome im Kindesalter. Doch keine Sorge: In den meisten Fällen ist es kein Notfall, sondern ein Zeichen dafür, dass sich der Körper erfolgreich gegen Viren und Bakterien zur Wehr setzt. Dr. med Uta Römer erklärt, wann Fieber harmlos ist, wann ärztliche Hilfe wichtig wird und wie Eltern ihr Kind in dieser Zeit bestmöglich unterstützen können.

Fieber ist eine erhöhte Körpertemperatur, in der Regel ab 38,5 °C (bei Säuglingen unter drei Monaten ab >38 °C rektal gemessen). Es ist keine Krankheit, sondern eine normale Reaktion des Körpers auf Infektionen. Durch die Temperaturerhöhung macht der Körper es Viren und Bakterien schwerer, sich zu vermehren, gleichzeitig arbeiten Immunzellen effektiver.

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Ein gesundes Immunsystem nutzt Fieber also gezielt, um Erreger zu bekämpfen.

Wie entsteht Fieber?

In den meisten Fällen sind Virusinfekte die Ursache von Fieber, z. B.: Erkältung, Grippe, Drei-Tage-Fieber, Magen-Darm-Viren, COVID-19.

Seltener kommen bakterielle Infekte wie Mittelohrentzündungen oder Impfreaktionen vor. Auch nach Zahnen kann die Temperatur leicht ansteigen lassen (meist aber <38,5 °C).

Da meist Viren Fieber auslösen, sollten nicht pauschal Antibiotika gegeben werden, die gegen Viren nicht wirksam sind. Auch bei bakteriellen Infektionen sind Antibiotika nicht unbedingt notwendig.

Wie misst man Fieber richtig?

Nicht jede Methode ist gleich zuverlässig. Die genauesten Ergebnisse liefern rektale Messung (im Po) und Ohrmessung (Trommelfell).

MethodeGenauigkeitHinweise
RektalSehr genauEmpfehlung für Babys und Kleinkinder
Ohr (Tympanal)Sehr genau (bei richtiger Technik)Gut ab ca. 1 Jahr
Mund (oral)MittelmäßigMöglich ab 6 Jahren, nur bei ruhigem Kind
Stirn/SchläfeUnzuverlässigNur als grober Richtwert
AchselNicht empfohlenZu ungenau – keine verlässliche Grundlage

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Wann sollten Eltern zum Arzt gehen?

In den meisten Fällen ist Fieber bei vorher gesunden Kindern kein medizinischer Notfall. Trotzdem gibt es Situationen, in denen ärztliche Abklärung notwendig ist:

  • Säuglinge unter drei Monaten: Temperatur ab 38,0 °C → sofort abklären
  • Fieber > drei Tage ohne erkennbare Ursache
  • Sehr schlechter Allgemeinzustand: Bewusstseinsstörungen, Atemnot oder sehr schnelles Atmen, Erbrechen, Trinkverweigerung
  • Starke Schmerzen
  • Austrocknung, über 12 Stunden keine Urinausscheidung
  • Auffälliger Hautausschlag, steifer Nacken, Krampf
  • Fieberkrampf – v. a. wenn erstmalig oder lang anhaltend

Wichtig ist also nicht nur die Zahl auf dem Thermometer – entscheidend ist, wie sich das Kind verhält: Ist es aktiv, trinkt gut, spielt – oder ist es schlapp, teilnahmslos oder auffällig krank?

Wenn Sie als Eltern ein ungutes Gefühl haben – holen Sie ärztlichen Rat ein.

Muss man Fieber senken?

Fieber ist keine Gefahr an sich, und es muss nicht automatisch gesenkt werden. Entscheidend ist, wie sich Ihr Kind fühlt.

Medikamente sind sinnvoll, wenn:

  • Das Kind nicht schlafen kann
  • Es unter Kopf-, Glieder- oder Ohrenschmerzen leidet
  • Es wenig trinkt, sich sichtlich quält oder erschöpft ist

Nicht empfohlen ist die Gabe allein wegen hoher Temperatur, ohne zusätzliche Beschwerden – etwa, „weil das Fieber über 39 °C ist“.

Wichtig zu wissen: Aspirin (ASS) darf nicht bei Kindern unter 12 Jahren gegeben werden! Es kann das gefährliche Reye-Syndrom auslösen, eine potenziell tödliche Leber-Hirn-Schädigung.

Was hilft dem Kind bei Fieber?

  • Flüssigkeit: Wasser, Tee, Brühe – bei Fieber steigt der Bedarf
  • Ruhe & Schlaf: Das Immunsystem arbeitet auf Hochtouren
  • Kleidung und Decken anpassen: Kind nicht überhitzen, aber auch nicht frieren lassen
  • Lüften: Frische Luft, Raumtemperatur 18–20 °C

Wadenwickel? Nur wenn das Kind warme Beine hat und nicht friert und nur unter Aufsicht.

Fieberkrampf – ein Schreck, aber meist harmlos

Etwa drei bis fünf Prozent der Kinder zwischen sechs Monaten und fünf Jahren erleben einmal einen Fieberkrampf. Dabei zuckt das Kind meist einige Sekunden bis Minuten, ist kurz bewusstlos – das sieht bedrohlich aus, ist aber in den meisten Fällen ungefährlich und selbstlimitierend.

Was tun?

  • Kind seitlich lagern, Uhr mitlaufen lassen
  • Nicht festhalten, nichts in den Mund stecken
  • Notarzt rufen, wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert
  • Immer: Kinderarzt zur Abklärung aufsuchen

Fiebersenkende Medikamente können Fieberkrämpfe nicht verhindern!

Kita, Krippe & Co – wann darf das Kind zurück?

  • Fieberfrei seit mindestens 24 Stunden
  • Guter Allgemeinzustand
  • Keine ansteckende Infektion mehr (ggf. ärztliche Rücksprache)

Ein Kind mit leichtem Schnupfen ohne Fieber kann – je nach Einrichtung – oft trotzdem teilnehmen.

Fazit für Eltern

  • Fieber ist ein natürlicher Teil der Immunabwehr
  • Nicht nur die Temperatur zählt, sondern das Verhalten des Kindes
  • Medikamente helfen hauptsächlich gegen Schmerzen und Unwohlsein
  • Bei Babys, anhaltendem Fieber oder schlechter Verfassung: lieber ärztlich abklären
  • Flüssigkeit, Ruhe und elterliche Zuwendung helfen am meisten

Kommen Sie gut durch die Fieberzeit,

Ihre Dr. Uta Römer und Praxisteam

Weiterführende Informationen: S3-Leitlinie Fiebermanagement bei Kindern (2025): AWMF-Register Nr. 027-074, DGKJ, Kindergesundheit-info.de (BZgA), Tropeninstitut – Ursachen von Fieber. Hier geht es zur Webseite meiner Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin in Refrath.


Haben Sie selbst eine Frage an unsere Expertinnen im Familienrat? Dann schreiben Sie uns bitte: redaktion@in-gl.de

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Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Sie hat eine Praxis in Refrath.

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