Eclaires, Croissants, Tartes, Baguettes: Liebhaber:innen von französischem Gebäck finden im neu eröffneten Café im Strundepark in Bergisch Gladbach eine große Auswahl. In den früheren Räumen der seit Jahren geschlossenen Back Company an der Kürtener Straße hat Eren Bayrakacan eine Patisserie und Bäckerei im besonderen Ambiente des ehemaligen Fabrikgebäudes eröffnet.

Auch die Wespen lieben das neue Café im Strundepark. Kein Wunder, angesichts der süßen Verlockungen hinter der langen gläsernen Theke. Wer zum ersten Mal hier ist, kann sich kaum satt sehen an den Küchlein, die wie Kunstwerke anmuten, geschweige denn entscheiden. 

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„Der Franzose“ hat ein beeindruckendes Sortiment an süßen Tartlettes, Eclaires, Flans und Croissants. Wer es herzhaft mag, findet eine große Auswahl an üppig belegten Baguettes (5,80 bis 8,50 Euro) oder mit Käse überbackenen Toasts, Frankreich-Kennern als „Croque Monsieur“ bekannt (4,20 Euro).

„Was darf es sein, Madame?“, fragt Eren Bayrakacan mit charmant-französischem Akzent. Vom Geschwirre der lästigen Tiere lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen, wedelt sie mit seiner Hand vorsichtig von sich, während er ein Törtchen mit Brombeeren auf einem Teller platziert. 

Eren Bayrakacan hat das Café „Der Franzose“ Mitte Juni eröffnet und damit „ein Stück Frankreich mitten in Bergisch Gladbach“, wie er sagt beziehungsweise mithilfe einer Übersetzungsapp auf seinem Handy mitteilt. „Mein Deutsch ist eine Katastrophe“, fügt er – ohne Übersetzungshilfe – entschuldigend hinzu. 

Foto: Thomas Merkenich

Lange Suche nach geeigneten Räumen

Der 33-Jährige stammt aus der französischen Kleinstadt Lons-le-Saunier, in der Nähe von Dijon bezeichnet sich selbst als „Entrepreneur“ und ist seit vielen Jahren in der Gastronomie tätig, führte in Frankreich unter anderem eine Brasserie. „Ich spürte, dass es Zeit für eine berufliche Veränderung war. Und ich wollte nicht für immer in meiner Heimatstadt leben“, übersetzt das Handy. 

Der Franzose nahm sich eine berufliche Auszeit, kam nach Deutschland, wo Verwandte von ihm leben. „Ich liebe Deutschland einfach, das war schon als Kind so. Ich weiß auch nicht, warum“, erklärt Bayrakacan. Schon in Frankreich hatte er den Plan, ein eigenes, neues Café zu eröffnen, warum sollte er es nicht in Deutschland versuchen? 

Einige Zeit suchte er vergeblich nach den perfekten Räumen für ein Café mit Backstube. Es sollte drinnen und draußen viel Platz und genügend Parkmöglichkeiten für die Kunden bieten. Ein Bekannter hat das leerstehende Lokal im Strundepark entdeckt: In dem Fabrikgebäude einer ehemaligen Wollspinnerei war bis zum Hochwasser im Sommer 2021 das Café Back Company zu finden.

„Als ich das Gebäude zum ersten Mal betrat, habe ich mich sofort verliebt und sah gleich vor mir, wie ich den Raum gestalte“, schwärmt Bayrakacan. Sein Bruder ist Architekt und hat ihm bei der Einrichtung geholfen. 

Industrieller Charme trifft auf Gemütlichkeit

Entstanden ist ein eindrucksvolles Ambiente mit einer Mischung aus industriellem Charme und Gemütlichkeit. Weiße Sprossenfenster lassen viel Licht in das alte Gemäuer scheinen. Einige der Backsteinwände sind weiß gestrichen, die Möbel in Braun-, Grau- und Beige-Tönen gehalten. 

„Der Franzose“ ist Bäckerei, Patisserie und Café in einem. Kund:innen kommen zum Frühstück, für Kaffee und Kuchen, für einen herzhaften Snack und um Baguettes oder süßes Gebäck mitzunehmen.

Herzstück des Ladens ist die große Theke mit den französischen Backwaren. Neuen Kund:innen empfiehlt Bayrakacan gern die Zitronen-Tartelette (5,20 Euro) – ein fluffiges Mürbteig-Küchlein mit köstlich-zitroniger Creme. Auch „Flan Chocolat“ (5,20 Euro) überzeugt mit einer festen Schokocreme, die nicht zu süß ist, und einem Blätterteigrand.

„Wir backen alles selbst hier vor Ort, fast alle Zutaten stammen aus Frankreich, ebenso mein Bäcker“, sagt Bayrakacan und lacht. Er lacht häufig und herzlich. Bevor es neue Back-Kreationen in den Verkauf schaffen, testet der Franzose sie mehrfach selbst. „Ich habe auch schon mit etwas Kölsch im Teig gebacken. Ich liebe Kölsch!“

„Der Franzose“
Kürtener Straße 7
51465 Bergisch Gladbach 
Öffnungszeiten: täglich 8 bis 19.30 Uhr
Instagram

„Der Franzose“ ist barrierefrei zu erreichen und eingerichtet. Für Kinder gibt es eine Spielecke. Vor dem Café stehen reichlich Parkplätze zur Verfügung. Alle Backwaren und Getränke können mitgenommen oder vor Ort verzehrt werden. Auch vor dem Café gibt es etliche Tische. 

Eren Bayrakacan ist zufrieden damit, wie sein Café angenommen wird. „Ich bin sehr herzlich aufgenommen worden, auch von den Nachbarn aus dem Strundepark. Ich erlebe die Deutschen ohnehin als sehr gastfreundlich. Das hat mich überhaupt bewogen, diesen Wahnsinn zu wagen“, lässt er sein Handy übersetzen. 

Verstärkung gesucht

In seinen Augen ist es schier wahnsinnig, ein Geschäft ein einem Land zu eröffnen, dessen Sprache man nicht spricht. Doch bisher scheint der Plan aufzugehen, das Geschäft laufe gut, berichtet der Franzose. Für sein noch kleines Team sucht er Unterstützung. 

Bisher steht Bayrakacan immer selbst hinter der Theke, bedient Kundinnen und Kunden, berät sie bei der Auswahl – die Gebäcke tragen französische Namen – serviert Kaffee-Getränke (zum Beispiel Espresso 2,50 Euro, Cappuccino 3,80 Euro) aus einer Siebträgermaschine und bringt die Bestellungen zu den Tischen. 

Foto: Thomas Merkenich

Die Gäste sitzen auf gemütlichen Stühlen an kleinen Holztischen, die zu einer Tafel zusammengeschoben werden können. Von der hohen Decke hängen Lampenschirme, getrocknete Schilfpflanzen dienen als Raumtrenner.

Wie ein eigenes kleines Wohnzimmer gruppieren sich in einer Ecke ein Sofa und mehrere Sessel um einen kleinen Tisch. In der Raummitte steht ein langes Ledersofa, eine überdimensionale Mona Lisa an der Wand scheint das Geschehen zu beobachten. 

„Ob ich für immer in Deutschland bleibe, weiß ich noch nicht“, sagt der 33-Jährige. Für sein Lokal habe er noch viele Pläne, wolle viele Dinge ausprobieren. Als nächstes möchte Bayrakacan eine richtige Terrasse errichten. „Ich fühle mich wohl und bin glücklich. Ich liebe den Kontakt mit Menschen, auch wenn mein Deutsch noch nicht so gut ist.“


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ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Ein absolut fantastischer Bäcker, der wirklich etwas einzigartiges in die Region bringt. Wir erhoffen uns eine erfolgreiche Zukunft – und vielleicht eine kleine Zweigstelle in der Bensberger Schlossstraße… da ist ja auch viel Leerstand mittlerweile. ;-)

  2. Ich habe mich sehr gefreut, als ich dieses Café entdeckt habe. Der französische Bäcker in Untereschbach hat ja schon vor einiger Zeit geschlossen, seitdem suche ich Tarteletts oder auch nur Croissants in französischer Art und Qualität – hier habe ich sie gefunden. Ich nehme mir regelmäßig Leckeres für’s Wochenende mit!

  3. “Der Franzose” ist ein Highlight in der Gladbacher Gastronomieszene. Wie oft habe ich in französischen Patisserieen gestanden und gedacht, gäbe es doch sowas auch bei uns. Und jetzt gibt es einen fast vor der Haustür. In guter Qualität. Viel Erfolg!