Olivia Meik. Foto: Thomas Merkenich

Nach nicht einmal einem Jahr der Parteizugehörigkeit wurde Olivia Meik vor einigen Monaten Vorsitzende des Ortsverbands der FDP in Bergisch Gladbach. Bei der Entscheidung, sich politisch ausgerechnet bei den Liberalen zu engagieren, hat die eigene Bildungsbiografie der 40-Jährigen eine bedeutende Rolle gespielt.

Olivia Meik ist 40 Jahre alt, gebürtige Kölnerin und lebt seit 14 Jahren in Bergisch Gladbach, genauer gesagt in Gronau. Die Diplom-Medienökonomin arbeitet als Assistentin der Geschäftsführung der Schulbau GmbH.

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Olivia Meik: „Ich bin im Sommer 2024 Mitglied der FDP geworden. Die Entscheidung, in eine Partei einzutreten, ist aus meinem Wunsch entstanden, mich nicht nur über Dinge zu ärgern und zu motzen, sondern selbst etwas zu ändern und gehört zu werden. 

Die Entscheidung für die FDP war für mich die einzig logische: Mein Steckenpferd ist das Thema Bildung. Bildung ist für mich der Ursprung von allem. Und ich hatte und habe das Gefühl, das Thema Bildung ist bei der FDP sehr stark vertreten. 

Ich konnte nicht verstehen, wie eine Partei wie die AfD in den letzten Jahren immer stärker werden konnte, und eine Partei wie die FDP schrumpft, die sich für die Zukunftswerte Bildung, Digitalisierung und Freiheit einsetzt.

Schwieriger Bildungsweg

Ich selbst habe einen schwierigen Bildungsweg hinter mir: Ich musste oft die Schule wechseln, weil meine Familie mehrfach umgezogen ist. Außerdem wechselte ich vom Gymnasium auf die Realschule, musste zweimal eine Klasse wiederholen. Am Ende verließ ich die Schule mit einem einfachen Realschulabschluss, also ohne Qualifikation für das Fachabitur.

Dazu muss man wissen: Ich habe polnische Wurzeln, meine Eltern stammen aus Polen – und dort wird das Abitur quasi erwartet. Ich habe schließlich meine Qualifikation nachgeholt, hatte super Lehrer und war plötzlich Einser-Kandidatin. Auf den Rat meiner Lehrer holte ich auch noch das Fachabitur nach.

Ich wollte unbedingt etwas mit Medien machen und studierte an einer privaten Fachhochschule Medienökonomie. Meine Mutter war alleinerziehend und konnte mich zwar finanziell nicht unterstützen, hat mich aber sehr darin bestärkt. Sie hat mir immer vermittelt, dass Bildung das Wichtigste im Leben und die Grundlage für alles ist. 

Um die hohen Studiengebühren zu finanzieren, jobbte ich sieben Tage in der Woche im Einzelhandel und in der Gastronomie – neben einem Vollzeitstudium. Wenn man diesen Weg gegangen ist, weiß man, was Bildung bedeutet. 

Hinweis der Redaktion: Politik wird von Menschen gemacht. Menschen, die sich in Parteien engagieren. Einige treten in der Öffentlichkeit in Erscheinung, kandidieren für Ämter. Andere agieren eher im Hintergrund, bringen sich an der Parteibasis ein. 

Vor der Kommunalwahl am 14.9. stellen wir Menschen vor, die sich erst seit kurzem politisch engagieren und neu in eine Partei eingetreten sind. Wir lassen sie erzählen, was ihre Beweggründe sind, warum sie sich für die jeweilige Partei entschieden haben, was sie sich wünschen und vorgenommen haben:

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Neu bei der CDU: „Bergisch Gladbachs Potenzial besser nutzen“

Als vierfacher Familienvater, der oft mit dem Lastenrad unterwegs ist, entspricht Friedrich Zapf nicht dem typischen CDU-Mitglied, wie der 40-Jährige selbst amüsiert feststellt. Doch nach ersten persönlichen Kontakten hat sich der Bergisch Gladbacher entschieden, in die Partei einzutreten. Und dann auch gleich für den Stadtrat zu kandidieren.

Neu bei den Grünen: „Wünsche mir eine klimafreundliche Stadtplanung“

Ökologische Aspekte sind Alice Semmler bei der künftigen Entwicklung von Bergisch Gladbach besonders wichtig – und einer der Gründe, warum sich die 49-Jährige bei den Grünen engagiert. Dass sie überhaupt in eine Partei eingetreten ist, hängt allerdings mit der Bundespolitik zusammen. Und mit Semmlers Sorge um die Demokratie.

Neu bei der SPD: „Einsatz für ein solidarisches Miteinander“

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Nach meinem Abschluss habe ich die Marketingabteilung der Rheinischen Fachhochschule mit aufgebaut. Das schönste ‚Produkt‘, für das man Marketing betreiben kann, ist in meinen Augen Bildung. Es muss nicht jeder studieren.

Mein Ziel war immer: Menschen einen Weg aufzuzeigen. Ich sehe Bildung als meine Mission. Und daher passt es auch wie die Faust aufs Auge, dass ich nun bei der Schulbaugesellschaft arbeite.

Digitalisierung voranbringen

Das zweite Thema auf meiner persönlichen Prioritäten-Agenda ist die Digitalisierung: Ich habe mit dem Kauf und der Kernsanierung eines alten Hauses erlebt, wie bürokratisch und umständlich viele Dinge sind, das beginnt schon mit der Ummeldung. Da muss vieles einfacher und schneller gehen.

Als ich in die FDP eingetreten bin, hatte ich seit kurzem meinen neuen Job. Daher war ich anfangs nur Zuhörerin und musste mich in die Themen, die für Bergisch Gladbach wichtig sind, erst einmal kennenlernen. 

Im Mai dieses Jahres wurde ich zur Vorsitzenden des FDP-Ortsverbands gewählt. Ich habe kandidiert, weil ich gern Herausforderungen annehme, die mit der anstehenden Kommunalwahl noch einmal größer ist. Ich bin für den Wahlkampf der FDP zuständig und habe so viele WhatsApp-Gruppen wie noch nie zuvor in meinem Leben.

Hinweis der Redaktion: Alle Beiträge zur Kommunalwahl in Bergisch Gladbach und Rhein-Berg finden Sie auf unsere Schwerpunktseite.

Ich hoffe, dass die FDP wieder sichtbarer wird und im Stadtrat vertreten ist, möglichst stark. Für Bergisch Gladbach wünsche ich mir, dass die Stadt lebenswert bleibt. Ich bin ein naturbewusster Mensch, bin mit meinem Hund gern im Grünen unterwegs. Bergisch Gladbach war für mich immer der grüne Ruhepol im hektischen Kölner Berufsalltag.

Ich habe das Gefühl, wir stehen gerade an einem Kipppunkt: Es kann in die eine oder andere Richtung gehen, was den Zustand der Straßen, des Stadtbildes und vieler anderer Bereiche angeht. 

Persönlich wünsche ich mir, dass ich dazu beitragen kann, etwas zum Positiven zu verändern. Auch wenn es eine Zeit dauert: Ich möchte irgendwann zurückblicken und sagen können: Daran war ich beteiligt.“

Unser Chatbot zur Wahl in GL: Wir haben eine Künstliche Intelligenz mit den vollständigen Programmen der Parteien in Bergisch Gladbach gefüttert. Nun können Sie in einem Chat Ihre Fragen stellen. Probieren Sie es aus, fragen Sie nach Übereinstimmungen mit eigenen Präferenzen, lassen Sie die Aussagen der Parteien zu bestimmten Themen vergleichen, …

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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