Auch die RealStars des ESV trainieren und spielen in der Eissport-Arena. Foto: ESV

Nach der ersten Alarmmeldung wird die Lage der Eissporthalle etwas klarer. Der Eissport-Verein verfügt über ein aktuelles Gutachten, dass einen Betrieb der Halle bis zur Sanierung des Dachs für unbedenklich erklärt. Daher rechnet der Verein damit, dass die Bauaufsicht die Sperrung wieder aufhebt. Alles andere hätte gravierende Folgen für den Schul- und Vereinssport auf dem Eis.

Die Mitteilung war auch innerhalb der Verwaltung noch ganz frisch, als der Beigeordnete Stephan Dekker am Dienstagabend im Schulausschuss berichtete, die Bauaufsicht habe die Eissporthalle an der Saaler Mühle faktisch gesperrt. Aufgrund von Problemen mit der Dachkonstruktion habe die vor einem Jahr erteilte Ausnahmegenehmigung nicht verlängert werden könne – alles weitere müsse man noch klären.

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Damit löste Dekker überraschte Reaktionen aus. Auch der Eissport-Verein (ESV), seit sieben Jahren Eigentümer der Halle und für die Sanierung verantwortlich, zeigte sich verwundert. Der ESV-Vorsitzende Jörg Scholtz teilt mit, zwar Anfang der Woche von der Bauaufsicht über die Versagung informiert worden zu sein – danach sei aber ein Gutachten an die Behörde gegangen, das für den Weiterbetrieb der Halle spreche.

Ein Prüfingenieur, so Scholtz, habe eine schriftliche Freigabe für eine weitere Nutzung der Halle erteilt, da sich der Zustand gegenüber dem Vorjahr nicht verändert habe. Der Verein gehe daher weiterhin davon aus, dass die Eissport-Saison nach der endgültigen Prüfung starten kann.

Solange die Diskussion in und mit der Stadtverwaltung andauere, werde die Eissporthalle jedoch für den Schulsport, den Publikumslauf und das Eishockey- und Eiskunstlauftraining geschlossen bleiben. Erst am Montag war die Saison eröffnet worden, für nur einen Tag.

Die Eissporthalle an der Saaler Mühle in Bergisch Gladbach-Refrath
Die Eissporthalle an der Saaler Mühle. Foto: Archiv

Stadt erkennt Gutachten nicht an

Die Stadtverwaltung bestätigte am Mittwochnachmittag den Eingang des Gutachtens, erkennt es aber nicht an. Wie dem Verein bekannt, sei ein Testat eines „staatlich anerkannten Prüfstatikers“ erforderlich. Die vorgelegte Bescheinigung stamme dagegen von einem Ingenieurbüro und entspreche nicht den Voraussetzungen für eine Unbedenklichkeitsbescheinigung.

Die Stadtverwaltung betont jedoch, sie stehe „im engen Dialog mit dem Verein, eine Lösung für den Weiterbetrieb zu finden“. Auch der ESV geht laut Scholtz davon aus, dass die offenen Fragen „wie in der Vergangenheit auch, kurzfristig, konstruktiv und partnerschaftlich“ geklärt werden können.  

Gravierende Folgen für Vereins- und Schulsport

Der Verein warnt vor gravierenden Folgen, sollte die Bauaufsicht tatsächlich eine Schließung der Eissporthalle für diese Saison anordnen: „Der gesamte Eissport im Rheinisch-Bergischen Kreis stünde vor dem Aus“, heißt es in der Mitteilung des ESV. Damit ginge nicht nur der Eissportverein mit derzeit über 300 aktiven Mitgliedern verloren, sondern mit der Eissport-Arena an der Saaler Mühle auch eine beliebte Freizeiteinrichtungen der Region.

Hintergrund: Der ESV und die RealStars

Der ESV Bergisch Gladbach e.V. – genannt „RealStars“ – entstand 2002 durch die Neuausrichtung des damaligen Eislaufvereins. Er ist der einzige reine Eissportverein im Rheinisch-Bergischen Kreis. Der ESV konzentriert sich mit derzeit über 300 Mitgliedern ganz auf die Sportarten Eiskunstlauf und Eishockey, dabei vor allem auf die Jugend- und Nachwuchsarbeit.

In diversen Altersklassen sind Mannschaften zum offiziellen Spielbetrieb des Eishockeyverbandes (EHV) NRW gemeldet, dazu werden auch gut besuchte Eislaufkurse für Anfänger und Fortgeschrittene und spezielles Eiskunstlauftraining angeboten. Seit September 2017 betreibt der Verein neben seinen sportlichen Aktivitäten auch die Eissportarena Bergisch Gladbach an der Saaler Mühle. 

Für die Schulen würde ausgerechnet in einer Zeit, in der die Angebote stark eingeschränkt sind und Sporthallen fehlen, eine wichtige Möglichkeit zur sportlichen Betätigung und Förderung von Kindern und Jugendlichen wegfallen.

Hintergrund: Problem bei den tragenden Balken

Im Sommer 2024 waren die tragenden Balken der Dachkonstruktion der Eishalle aufwändig überprüft und die Statik von einem Ingenieurbüro vermessen worden, erläutert der ESV. Dabei seien verschiedene Maßnahmen zur Sicherung und Sanierung empfohlen worden. Unter anderem müsse ein kleiner Teil einer der Balken ausgetauscht werden, da dieser durch die Feuchtigkeit in der Halle angegriffen ist. 

Die anderen im Prüfbericht empfohlenen Maßnahmen seien vom Verein bereits umgesetzt und ein Schneeräumkonzept erarbeitet worden. Unter diesen Voraussetzungen hatte die Bauaufsicht 2024 eine Ausnahmegenehmigung erteilt, diese aber auf ein Jahr begrenzt.

In dieser Zeit hätte der beschädigte Balken saniert werden sollen. Eine Arbeit, die jedoch einen längeren Vorlauf benötige, weil sie nur im Sommer bei Trockenheit und von einigen wenigen spezialisierten Firmen durchgeführt werden könne.

Das war für diesen Sommer geplant, war dann von der beauftragen Spezialfirma aber aufgrund von Terminproblemen abgesagt worden. Daraufhin habe der Verein den Prüfingenieur noch einmal um eine Einschätzung gebeten – die jetzt vorliegt und an die Bauaufsicht geschickt worden sei.

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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  1. Marcel Kreutz, Bürgermeisterkandidat von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD, hat sich mit einer Mitteilung zu Wort gemeldet:

    „Ich habe selbst in der Eissport-Arena an der Saaler Mühle Eislaufen gelernt. Der Eissport in unserer Stadt wird vor allem von ehrenamtlich Engagierten getragen. Die Sperrung bedeutet einen schweren Einschnitt für den Sport in unserer Stadt und trifft Vereine, Schulen, Kinder und Familien. Natürlich steht Sicherheit an erster Stelle – zugleich braucht es jetzt aber zeitnah Klarheit und eine tragfähige Lösung.
    Ich setze darauf, dass die Stadt und der ESV und alle weiteren Beteiligten jetzt partnerschaftlich eine vertretbare Lösung finden mit dem Ziel, schnellstmöglich wieder den Eissport in unserer Stadt zu ermöglichen. Das muss die oberste Priorität sein.“

  2. Werden Sie auch Gott sei Dank nicht müssen, Herr Wetter.

    Wieder einmal schließt da jemand von der Verwaltung ein für die Bevölkerung wichtiges Gebäude, wenn man an Schulsport, Meisterschaften, Training, Eistanz und privates Vergnügen denkt. Wie bei der Sperrung einiger Schul-Säle, in denen bald Karneval gefeiert werden soll, interessiert es die/den Entscheidenden nicht, welche Folgerungen das hat. Nein, man entscheidet streng nach den Vorschriften, was kümmern die Entscheidenden Probleme von anderen.

    Im Falle Eissporthalle ist diese Sperrung besonders lächerlich. 75 kg/qm Dachfläche sind gestattet, wenn das Dach die entsprechende Statik besitzt. Das tut sie laut Gutachten, das aber nicht von staatliche geprüften Organen kommt, woran sich Herr Deckert reibt. Sicher ein Relikt aus kaiserlicher Zeit, wo alles staatlich zu prüfen war, um Genehmigungen zu erhalten.

    Allerdings geht dieses Vorgehen Hand in Hand mit der neuesten Bestellung der Stadtverwaltung, die, bald eintreffend, 10 Schneeräumer und 10 Streuwagen gekauft hat, um den riesigen Schneemassen im nächsten Winter Herr werden zu können.

    1. Zuständig für die Genehmigung ist nicht der Beigeordnete Dekker, sondern die untere Bauaufsicht. Die untersteht nicht der Führung der Stadtverwaltung, sondern der Oberen Bauaufsicht beim Kreis.

    2. Hallo Herr Havermann, die Entscheidenden überdenken vermutlich schon sehr genau welche Auswirkung eine Entscheidung hat. Und ich kann nachvollziehen, dass man streng nach den Vorschriften eine Entscheidung trifft. Bedenken Sie mal, es würde anders gehandelt und einen Monat gäbe es ein Unglück (Dach bricht ein, Fluchtmöglichkeit aus der Aula besteht nicht oder man wird überrannt.)

  3. Ich würde die Entscheidung von Seiten der Stadt nicht rückgängig machen. Man denke an den Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall 2006 die mit einer ähnlichen Dachkonstruktion aus Holz ausgestattet war. Damals starben 15 Menschen und 34 Menschen wurden schwer verletzt. Aber ist ja wie immer am Ende geht das große Heulen los und die Schuldfrage wird hin und her geschoben. Ich möchte mir diesen Schuh nicht anziehen müssen!

    1. Dann holt man sich einen zweiten Statiker dazu, dann kann man mit ruhigen gewissen eine Entscheidung treffen. Wenn man dann noch sicher gehen möchte, lässt man die Halle bei größeren Neuschneemassen erstmal sperren, wäre ja nicht so, als würde uns Schnee heutzutage in Bergisch Gladbach noch überraschen.

    2. Ich hoffe, Herr Wetter , Sie haben zu Ihrer Zeit als Eismeister, die DSBG regelmässig und mit Nachruck auf die Mängel in der Halle hingewiesen, um eine Sanierung zu erreichen,sonst wäre Ihr “Ratschlag” an die Stadtverantwortlichen ein bisschen wohlfeil . Denn schliesslich war es ja die DSBG die die Halle systematisch hat verrotten lassen.
      Und der Eissportverein versucht seit einigen Jahren mit Mühe und Investitionen im 6stelligen Bereich die Halle wieder auf Vordermann zu bringen.
      Das jetzt alles stillzulegen, wäre neben dem Verlust der Sportstätte an sich, auch eine Abschreibung von diversen Fördermitteln, ohne die der Verein die notwendigen Investitionen gar nicht hätte tätigen können.
      Also lieber dem Verein mit “Insiderwissen” was die alte Technik betrifft, helfen, als hier den letzten Schubs noch zu geben – Danke!

  4. Seit Jahrzehnten liegt mir die Eissporthalle am Herzen, habe ich dort selbst Eistanz gelernt und mit Freude ausgeübt. Letztlich habe ich den heutigen ESV gegründet und war viele Jahre dessen Vorsitzende, heute bin ich dankbares Ehrenmitglied. In all meiner aktiven Zeit musste ich immer wieder für den Erhalt der Eissporthalle kämpfen. Nicht zuletzt auch für diesen Einsatz habe ich u.a. die Goldene Ehrennadel der Stadt erhalten. So möchte ich auch heute alle Beteiligten und alle Entscheider dringend darum bitten, ALLES zum Erhalt und zum Weiterbetrieb unserer Eishalle zu tun. Sie ist überregional für den Eissport unverzichtbar und gibt sehr vielen Jugendlichen eine sportliche Heimat. Auch der Schulsport ist auf die Eishalle angewiesen, und ich weiß aus eigener Erfahrung, wie sehr auch diese Möglichkeiten genutzt werden, Ich habe selbst vor Jahren mit Genehmigung der Bezirksregierung Eislaufunterricht im Schulsport gegeben. BITTE ERHALTEN SIE DIESE SPORTSTÄTTE !!!