Symbolfoto: Pixabay

Schere und Stift halten, sich selbst anziehen, zuhören: Viele Erstklässler tun sich heutzutage mit Dingen schwer, die sie früher in der Kita (oder zu Hause) gelernt haben. Weil deswegen viele Kinder ein Jahr länger in der Grundschule bleiben, werden die Klassen größer. Bergisch Gladbacher Schulleitungen geben einen intensiven Einblick in ihren Alltag.

Immer mehr Kinder wiederholen in der Grundschule die erste oder zweite Klasse. „Die Anzahl der Kinder, die drei Jahre in der Eingangsphase verbleiben, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen“, sagt Manuel Blum, Schulleiter der Concordiaschule in Schildgen

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Diese Erfahrung machen auch viele seiner Schulleiterkolleg:innen, wie eine Abfrage des Bürgerportals bei Bergisch Gladbacher Grundschulen zeigt. Die Stadt selbst führt über die Wiederholungen keine Statistik, wie sie auf Nachfrage mitteilt, daher haben wir dazu alle 20 Grundschulen angefragt.

Die sogenannte flexible Schuleingangsphase, die es in NRW seit 2005 gibt, umfasst die Klassen 1 und 2. Sie kann in einem Jahr, in zwei oder drei Jahren absolviert werden – abhängig vom Lernstand des Kindes. Das dritte Jahr wird nicht auf die schulische Laufbahn angerechnet, weil es nicht als „Sitzenbleiben“ zählt.  

Planung der Schulplätze

Doch je mehr Kinder in der Eingangsphase bleiben, desto größer wird die Anzahl der Kinder an einer Grundschule. Die Schulleiter müssen jetzt schon überlegen, bei welchen Kindern der 2. Klasse die Versetzung gefährdet ist, um zu planen, wie viele Schulplätze sie zum kommenden Schuljahr vergeben können.

Während die Erstklässler:innen noch dabei sind, sich in der Schule einzuleben, sind die Schulleitungen bereits mit dem Anmeldeverfahren für das kommende Schuljahr beschäftigt. 

Die vorschulische Bildung, die früher in den Kitas geleistet wurde, wurde in die Lehrpläne der Schuleingangsphase integriert. „Wir müssen in der Grundschule viel nachholen, womit wir früher rechnen konnten“, sagt Blum. Dabei geht es um sogenannte Vorläuferfähigkeiten – bestimmte sprachliche, motorische und kognitive Fähigkeiten und Grundlagen, die für den Schulstart nötig sind und Kinder überhaupt erst dazu befähigen lesen, schreiben und rechnen zu lernen.

Neben Dingen wie Reime erkennen, einem Bewusstsein für Silben und Laute als auch für Mengen und Formen gehören auch soziale und emotionale Fähigkeiten dazu – und ein gewisses Maß an Selbstständigkeit.

Wir haben bis zu fünf Kinder in einem Jahrgang, die keine Kita besucht habenBirgitt Sprafke-Zucker, GGS Refrath

„Immer häufiger kommen Kinder ohne Vorläuferfähigkeiten in die Schule“, berichtet Birgitt Sprafke-Zucker, die die GGS Refrath leitet. Kinder hätten Schwierigkeiten sich selbst anzuziehen, sich zeitlich und räumlich zu orientieren, manchmal sogar beim Toilettengang. Manche Kinder könnten keine Schere und keinen Stift halten oder die Zahlen auf einem Würfel erfassen, ist die Erfahrung einiger Schulleiter.

Aus Sicht von Manuel Blum erschwert es den Schulalltag, wenn Kinder nicht abwarten, zuhören, sich an Regeln halten, Frust aushalten oder die eigenen Bedürfnisse zurückstellen können. „Im Sportunterricht führt das zum Beispiel dazu, dass von einer Doppelstunde nur 28 Minuten tatsächlich Sport stattfindet und in der übrigen Zeit Regeln aufgestellt oder Konflikte gelöst werden müssen“, so Blum. 

Auch die massive Nutzung von Smartphones und anderen digitalen Geräten wirkt sich nach Auffassung der Schulleiter auf das Verhalten der Kinder aus, etwa auf die Konzentrationsfähigkeit. In den Familien wird weniger miteinander gesprochen, viele Kinder bekommen kein Buch mehr vorgelesen, sie bewegen sich weniger.

Fehlender Kita-Besuch

Und dann ist da noch die Sache mit den Kitas. Jedes Jahr werden Kinder eingeschult, die nie in der Kita waren. „Wir haben bis zu fünf Kinder in einem Jahrgang, die keine Kita besucht haben“, berichtet Sprafke-Zucker. 

Dazu kämen Personalmangel und Notbetreuung in vielen Kitas, was dazu führe, dass Kinder nicht ausreichend gefördert werden. „Das hat sich in den vergangenen Jahren verschärft. Dadurch gibt es mehr Kinder, die nicht schulreif sind, die man aber trotzdem aufnimmt.“ Weil sie keinen Kita-Platz haben oder dort nicht entsprechend gefördert werden.

Solche Kinder sind es häufig, die ein Jahr länger für die Schuleingangsphase brauchen. „Und die selbst danach noch erhebliche Rückstände haben“, so Sprafke-Zucker. Ebenso wie einige ihrer Schulleiterkolleg:innen spricht sie sich für eine Kita-Pflicht aus – „mindestens für ein Jahr, besser wären zwei“.

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Kita-Engpass: In diesen Stadtteilen ist der Mangel besonders groß

Für das kommende Kita-Jahr plant Bergisch Gladbach mit weniger Betreuungsplätzen als im Vorjahr – obwohl die Stadt einige neue Kitas baut. Diese Bauprojekte haben sich aber verzögert oder liegen ganz auf Eis. Auch der Fachkräftemangel verzögert den Ausbau der Kita-Kapazitäten. Für das nächste Jahr fehlen daher mehr als 500 Plätze.

Personalnot in Kitas: verzweifelte Eltern, überlastete Erzieher

Der Fachkräftemangel führt auch in Bergisch Gladbacher Kitas häufig zu Einschränkungen der Betreuung: Kinder dürfen nur an bestimmten Tagen in den Kindergarten, Eltern müssen sie früher abholen. Aktuelle Zahlen zeigen, dass sich die Situation in Rhein-Berg weiter verschlechtert hat. Das hat nicht nur für die Familien massive Folgen.

Nach Auffassung von Antje Voss, stellvertretende Leiterin der GGS Hand, macht eine Kita-Pflicht allerdings nur Sinn, wenn in der Kita „die Vorläuferfähigkeiten täglich trainiert werden.“ Der Mangel an Vorläuferfähigkeiten sind neben dem fehlenden Besuch einer Kita und einer mangelnden Lernförderung durch die Familie die Hauptgründe dafür, dass Kinder eine Klasse wiederholen müssen.

Smartphones und Sprachprobleme

Ein weiterer Grund sind sprachliche Probleme. Dem Rheinisch-Bergischen Kreis zufolge haben rund 25 Prozent der Kinder, die eingeschult werden, „behandlungsbedürftige Sprachauffälligkeiten“, das zeigen die Daten der Schuleingangsuntersuchungen der vergangenen zwei Jahre. In NRW traf das zuletzt sogar auf 33 Prozent der Kinder zu, Tendenz steigend.

Damit müssen die Grundschulen dann umgehen. Und so kommt es, dass in einer 1. Klasse manche Kinder kein Deutsch sprechen und andere schon flüssig lesen können. „Wir erleben eine breiter werdende Schere zwischen Kindern, die schon vor der Schule extrem gut gefördert wurden und denen, die wenige Fertigkeiten mitbringen“, sagt Susanne Heuckmann, Leiterin der GGS Paffrath.

Klassen und Förderbedarfe werden größer

Die Klassen werden größer und heterogener. Die Richtzahl für Schuleingangsklassen liegt bei 21,6 Kindern. In der Realität sitzen in manchen Bergisch Gladbacher Grundschulklassen 29 Kinder, davon etliche mit Lernschwierigkeiten, ADHS oder Autismus. „Das führt zu einer Zerreißprobe für die Lehrkräfte, weil sie nicht allen Kindern gerecht werden können“, sagt Heuckmann.

„In Sachen Heterogenität sind wir wie Gesamtschulen. Aber anders als bei den Gesamtschulen gibt es für Grundschulen keine Obergrenze für Kinder mit Förderbedarf“, beklagt Heike Bahr-Müller, Leiterin der GGS Katterbach. Allein die Eltern entscheiden darüber, ob ihr Kind eine Regel- oder eine Förderschule besucht. 

„Ich finde das Prinzip des Gemeinsamen Lernens weiterhin gut. Aber die personellen und räumlichen Rahmenbedingungen müssen dieses Lernen auch ermöglichen“, kritisiert Blum. An seiner Schule etwa gebe es keine sozialpädagogischen Fachkräfte. Ginge es nach den Schulleitungen, müsste es die an jeder Schule geben, im Idealfall in jeder Jahrgangsstufe. 

Der lange Weg zur Schulbegleitung

Ein weiteres Problem: „Es dauert viel zu lange, bis Unterstützungsmaßnahmen für Kinder mit Auffälligkeiten greifen“, bemängelt Heuckmann. Nach dem Schulstart vergehe oft ein Jahr, bis eine Schulbegleitung für ein Kind bewilligt wird. 

Häufig müssten zunächst die Eltern von der Notwendigkeit überzeugt werden, bevor sie die Schulbegleitung beim Jugendamt beantragen. Und schließlich brauche es ein fachärztliches Gutachten – doch die Wartezeiten auf eine Diagnostik seien lang. Wenn es besonders dringend ist, greifen die Schulleiter:innen schon mal selbst zum Telefonhörer. 

Zahl der Rückstellungen steigt

Wenn die Schulleitungen schon vor der Einschulung den Eindruck haben, dass ein Kind zu große Defizite in der Entwicklung aufweist, können sie das Kind um ein Jahr zurückstellen. Auch die Zahl solcher Rückstellung ist in Bergisch Gladbach den vergangenen Jahren gestiegen – von 40 im Schuljahr 2021/22 auf 67 im Schuljahr 2024/25. 

„Früher waren es häufig die Eltern, die ihr Kind lieber ein Jahr länger zu Hause behalten wollten“, erinnert sich Bahr-Müller. „Heute sind die Rückstellungen wegen sprachlicher, motorischer oder sozial-emotionaler Defizite oft notwendig.“ Sie geben dem Kind ein Jahr mehr Zeit, um Entwicklungsverzögerungen aufzuholen. Sofern sie einen Kita-Platz haben – und in der Kita auch tatsächlich Bildung und nicht nur Betreuung stattfindet.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. “Institutionen zeitgemäß aufzustellen”

    Ich habe eine Frage. Gibt es ein Portal der Bundesregierung, wo jemand (ernsthaft) eine Idee einbringen kann, wie man z.B. die Rentenkasse (zusätzlich?) auffüllen könnte – ohne hierfür die jüngere Generation dafür in Anspruch nehmen zu müssen oder (schlimmstenfalls) Gelder für Bildung gekürzt werden müssen?

  2. Es gibt so viele verschiedene Faktoren, die das Lernen beeinflussen:

    – Bewegung/ Psychomotorik: Nimmt stetig ab:

    a) durch erhöhten Medienkonsum/ Digitalisierung;

    b) veränderte Mobilität (Elterntaxis, Bequemlichkeit, Ängste);

    c) zu wenig Sport (u.a. auch durch fehlendes Fachpersonal/ Ressourcen/ Schwerpunkte an Schulen/ Bildungspolitik, Institutionen, etc.);

    – Bindungs-/ Beziehungsqualität in früher Kindheit in den Herkunftsfamilien nehmen kontinuierlich ab:

    a) durch veränderte Familienstruktur, falsche/ andere Prioritäten (Job, Handynutzung, “Outsourcing” von Bindungs-/Beziehungserfahrungen, zunehmenden gesellschaftlichen Narzissmus, etc.);

    b) immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich und somit auch weniger gesellschaftlicher Teilhabe/ Möglichkeiten einiger Kinder;

    c) gesellschaftliche Spaltung durch Krisen;

    – Schul- und Bildungspolitik

    a) nicht genug intrinsisches Lernen (projektbezogener/ ergebnisoffener Unterricht – Skandinavien lässt grüßen), stattdessen extrinsisches Lernen nach Lehrplan (was im übrigen die Individualität unserer Kinder zusätzlich untergräbt – Wer möchte denn schon gerne in eine Schablone gepresst werden?)

    b) zu wenig finanzielle Ressourcen (Teilweise “Dreckslöcher” und Baustellen ohne Heizung als Lern-/ Lehrorte)

    c) schwache und starre Systeme (große Schulklassen, kaum Bezug zu neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen (Intrinsik vs. Extrinsik; verschiedene Bindungsmuster der Kinder und daraus resultierend, unterschiedliche didaktische Lehransätze, um den bestmöglichen Lernerfolg zu gewährleisten;

    d) kaum homogene Schulklassen (Gesellschaftslicher Wandel, Sprachbarrieren, etc.)

    Zudem erscheint es auch gar nicht erwünscht zu sein, mehr finanzielle Ressourcen in unsere Bildung zu stecken. Anders lässt es sich kaum erklären, warum ein so reiches Land, wie die Bundesrepublik es noch nicht einmal in “goldenen Zeiten”, wie wir sie noch vor wenigen Jahren hatten schafft, Gelder in die Hand zu nehmen, um Institutionen zeitgemäß aufzustellen/ zu sanieren und Fachpersonal entsprechend zu fördern/ zu honorieren. Da sollten wir uns dann jetzt auch nicht wundern, wenn uns in Krisenzeiten und zunehmendem Wohlstandsverlust alles um die Ohren fliegt.
    “Wer den Wind sät, wird Sturm ernten.” Hosea 8, Vers 7 AT

  3. Die Stadt Bergisch Gladbach sollte diesen Artikel zum Anlass nehmen, endlich mal Statistiken über ‘Wiederholer’ der Eingangsphase anzulegen. Passiert in Köln seit langem und ist jährlich medial ein Aufreger. Sorgt auch dafür, dass dieses wichtige Thema gesellschaftlich angemessen bearbeitet wird (‘Das betrifft acht Prozent der Kinder. In Brennpunktgrundschulen sind es vielerorts ein Viertel. KSTA).

    Was lernen wir aus dem Vergleich? Richtig, die Korrelation zwischen Sozialer Ungleichheit, Segregation und Armut insbesondere an Brennpunkteschulen. Davon gibt es meiner Ansicht nach max. 2/20 Grundschulen in ganz Bergisch Gladbach… Kein Vergleich zu manch anderen Kölner Viertel.

    Die Kinder wachsen heute in superdiversen Milieus auf.
    https://youtu.be/6_A__nMNCi4?si=9Z3BiS3dP4Mbp3Yj Hier wird es sehr gut erklärt

    Die Kitas sind die erste Institution, die es mit eben jener Superdiversität zu tun bekommt. Ein unglaublich wichtiger Job.

  4. Die geringere Anzahl von Rückstellungen in 2021/2022 könnten mit der Corona-Pandemie erklärt werden. Zum einen hat das Gesundheitsamt weniger Schuleingangsuntersuchungen durchgeführt und teilweise die Schuleingangsuntersuchung nach (!) der Einschulung vorgenommen. Weil die Kitas viel geschlossen waren, konnte auch hier keine professionelle Einschätzung der Kinder vorgenommen werden. Wichtiger ist aber das Gesundheitsamt. Formal entscheidet nach Schulgesetz zwar die Schulleitung über die Annahme eines Kindes. De facto erscheint es mir aber so zu sein, dass die Entscheidung des Gesundheitsamtes maßgeblich ist.

  5. Die grundsätzliche Problematik liegt im Elternhaus und nicht in den betreuenden Einrichtungen. Es ist Schade, dass der Diskurs darin besteht sich gegenseitig Fehlverhalten zu unterstellen. Ich arbeite selbst in einer Kita und beobachte in den letzten Jahren ebenfalls eine gravierende defizitäre Entwicklung. Kinder die ich in der Eingewöhnungsphase und weiter begleite, fehlen Grundlegende altersentsprechende Fähigkeiten. Fähigkeiten im Sozialverhalten, der sprachlichen Entwicklung, der emotionalen Reife, in Bereichen der Selbständigkeit und der Regulation. Hinzu kommt eine bedenkliche Entwicklung der Motorik und sensorischen Integration.
    Die Mammutaufgabe all diese Bereiche unter desatrösen Bedingungen zu fördern, das ganze sehr gerne mit wenig Personal oder finanziellen Mitteln; kommt ja aufs selbe raus.
    Der Personalschlüssel stimmt in anbetracht der vor Uns liegenden Aufgaben schon lange nicht mehr. Ein “normaler” Kita oder Schultag sind eher Ausnahme als Regel.
    Natürlich Schrauben wir Fachkräfte an den Kompetenzen die wir unter den oben genannten Faktoren noch weitervermitteln können. War früher ein Kind mit 2-3 Jahren “trocken”, hat sich diese Altersgrenze auf 3,5-5,5 Jahren verschoben.
    Eltern sollten heute eine engere Beratung zu den jewiligen Lebensphasen ihrer Kinder bekommen sowie möglichkeiten diese in den elementaren ersten zwei – drei Lebensjahren ausreichend zu begleiten.
    Anstatt dessen wird eine kommerzielle und wirtschaftliche Sicht auf frühkindliche Bildung projiziert, die auf dem Rücken eben dieser ausgetragen wird. Von den immer jünger werdenden Säuglingen in Großeinrichtungen ganz zu schweigen. Die Folgen sind deutlich spürbar.
    Zuweilen ertappe ich mich dabei, wenn ich ein regelentwickeltes Kind begleite, ihm besondere Fähigkeiten zu unterstellen. Eine wirklich erschreckende Entwicklung.

  6. Sorry aber ich bin Erzieherin und jedes Jahr steigt der Anspruch daran das die Kita den Kindern ALLES beibringen soll. Beginnend mit der Sauberkeitserziehung , Schuhe anziehen und binden, Jacke anziehen, am Tisch mit Besteck essen, Regelspiele am Tisch, uvm. der Mangel an Fachkräften steigt aufgrund von langzeiterkrankungen, unattraktives Berufsfeld, da gibt es super viele Gründe. Man fühlt sich,als würde man nur noch verwahren und nicht mehr bilden und wenn wir bilden, dann grundlegende Dinge, aus dessen Verantwortung sich Eltern einfach raus ziehen. Allein eure Schlagzeile ist ziemlich frech.

    Ist nicht so als würde man es nicht leisten wollen, vielmehr kann die Masse dessen, was geleistet werden soll bei gruppengrössen die dank der neuen kibiz-Reform noch größer werden soll, einfach nicht mehr möglich. Erstmal ist man drei Jahre mit dem Fundament beschäftigt und dann kann vllt alles weitere gestärkt werden.

  7. Meines Wissens gibt es…Moment, wie heißen sie doch gleich? Ach ja – Eltern, die solch basale Kompetenzen wie Schuhe binden oder sich anziehen vermitteln sollten. Aber das ist wohl zuviel verlangt! Können ja andere übernehmen….

  8. Der fehlende Kita-Besuch stellt ein ernstzunehmendes Problem für die frühkindliche Entwicklung und die schulische Eingliederung dar. Kinder, die keine Kita besucht haben, starten oft mit erheblichen Defiziten in den Schulalltag, was sich in längeren Eingangsphasen und anhaltenden Rückständen widerspiegelt. Dies liegt nicht nur an der fehlenden frühkindlichen Förderung, sondern auch an strukturellen Problemen wie Personalmangel und eingeschränkter Notbetreuung in den Kitas, die eine angemessene Förderung erschweren.

    Die Kita-Infrastruktur muss verbessert werden, um den Bedarf zu decken und eine qualitativ hochwertige Betreuung zu gewährleisten. Ohne ausreichende Personalressourcen und Förderangebote bleibt eine Kita-Pflicht jedoch nur ein halber Schritt. Eine ganzheitliche Strategie, die sowohl den Zugang als auch die Qualität der frühkindlichen Bildung sichert, ist entscheidend, um langfristig bessere Bildungsergebnisse zu erzielen und soziale Ungleichheiten abzubauen.

    Insgesamt zeigt sich, dass der fehlende Kita-Besuch nicht nur individuelle Bildungsnachteile schafft, sondern auch das Bildungssystem vor größere Herausforderungen stellt. Eine verbindliche Kita-Zeit in Kombination mit verbesserten Rahmenbedingungen ist ein sinnvoller Ansatz, um diese Problematik nachhaltig zu adressieren.

    1. Wenn das die seligmachende Lösung wäre … ich halte das eher für eine Scheinlösung, die sich auch nicht so einfach durchsetzen lassen dürfte. Ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, in denen der Kitabesuch eher die Ausnahme als die Regel war – und trotzdem waren die oben geschilderten Probeme in den Grundschulen bei weitem nicht in diesem Ausmaß zu beobachten.

      Das spricht eher dafür, dass wir es mit einem gesellschaftlichen Problem und nicht mit einem Bildungsproblem oder einem Problem der Einrichtungen zu tun haben.

      (In dem Zusammenhang sind noch nicht einmal die Kinder berücksichtigt, die von ihren Eltern eine bessere Förderung als in der Kita bekommen. Die würden dann in dieser staatlich verordneten Vorschule auf das Durchschnittsmaß zurechtgestutzt. Das kann es auch nicht sein.)

      1. Hey Drucker,

        Die Herausforderungen im Bildungsbereich lassen sich nicht auf ein singuläres Problem reduzieren, sondern resultieren aus einem komplexen Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Die Zeiten, in denen der Kitabesuch eher die Ausnahme war und dennoch die beschriebenen Probleme in den Grundschulen nicht in diesem Ausmaß auftraten, zeigen deutlich, dass die Ursachen tiefer und vielschichtiger sind.

        Die Bildungspolitik hat sich im Vergleich zu früher grundlegend verändert. Strukturelle Veränderungen, gesellschaftliche Entwicklungen und veränderte Rahmenbedingungen spielen eine zentrale Rolle. Es handelt sich weniger um ein isoliertes Bildungsproblem oder ein Problem der Einrichtungen, sondern vielmehr um ein gesellschaftliches Phänomen, das sich in den Schulen widerspiegelt.

        Insgesamt zeigt sich, dass einfache oder singuläre Lösungen nicht greifen können. Vielmehr braucht es ein ganzheitliches Verständnis und differenzierte Ansätze, die sowohl die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen als auch die individuellen Bedürfnisse der Kinder berücksichtigen.

  9. Wieviel Energie es kostet, eine funktionierende Förderung in der Kita aufrecht zu erhalten, bzw. stattfinden zu lassen, dürfte mittlerweile bei jedem angekommen sein. Hätte man Fachleute zum Thema Inklusion befragt oder gar es von Fachleuten begleiten lassen, wäre schnell aufgefallen, dass es so nicht funktionieren kann! Wieviele gute Schulen und Kitas wurden eingestampft? Politik hat an dieser Front nichts verloren! Inklusion kann funktionieren aber nicht wenn überall gestrichen wird!
    Eltern sind verzweifelt weil die Betreuung nicht ausreichend ist, Lehrer weil sie den Bildungsauftrag nicht leisten können, Erzieher weil sie alleine gelassen werden mit diesen absolut, immer höheren Anforderungen! An welche Adresse kann man das also richten?

  10. Es geht in diesem Artikel explizit um die Situation in den Grundschulen und nicht um eine Schuldzuweisung – und ist auch nicht die Intention der Autorin oder der Schulleitungen. Im Gegenteil: Betont wird die Bedeutung der Kitas für frühkindliche Bildung – die aber nicht stattfinden kann, wenn Kinder keine Kita besuchen oder dort Personalnot herrscht.

    Über die Situation in Kitas (Notbetreuung, Fachkräftemangel, Platzmangel etc.) haben wir zudem schon häufig berichtet. Gern sprechen wir weiterhin mit Erzieher:innen und Leiter:innen über das, was aus deren Sicht schief läuft. Melden Sie sich dazu gern per Mail bei uns.

    https://in-gl.de/schlagwort/kita/

    1. Schön, dass sie das jetzt klarstellen, aber wie Sie sicherlich an den Kommentaren erkennen konnten, transportiert die Überschrift und auch der Inhalt Vorwürfe an die Kitas. Ich frage mich jetzt, ob das ein Versehen war oder vielleicht doch ein bisschen so gewollt?!

      1. Diese Unterstellung weisen wir deutlich zurück. Wir berichten sachlich über real existierende Probleme, in diesem Fall in den Grundschulen – und die es in diesem Text ja geht. Die Überschrift haben wir in der Redaktion diskutiert und bewusst so gewählt – daher heißt es dort auch „was die Kitas nicht leisten können“.

      2. Ich habe den Text auch nicht als Schuldzuweisung an die Kitas verstanden sondern eher eine Kritik am System.
        Das sich bei Ihnen Frau Tatiana dicke Luft angesammelt hat, kann ich vollkommen nachvollziehen, daher habe ich verständnis für Ihre Worte, jedoch ist die Redaktion das falsche Ziel Ihres frustes.
        Während der Staat zwar so schön klingende Sachen raushaut wie “Recht auf Kitaplatz”/”Recht auf OGS Platz” und dann die Finanzierung nicht nachziehen, muss das System an seine Grenzen kommen.

  11. Für mich erschließt sich die Intention des Artikels nicht bis zum Ende hin. Natürlich kann ich über eine Sache berichten (Informationsfunktion), aber spätestens, wenn es in der Analyse um das Benennen von möglichen Ursachen, oder sogar um erste Lösungsansätze geht, kann die Darstellung nicht so undifferenziert und z.T. einseitig sein.
    Wie wäre es mit der Idee, neben den zwanzig Schulleitungen, u.a. entsprechende Kita-Leitungen anzuschreiben? Immerhin wird ihnen und ihrer Arbeit (relativ explizit) ein Defizit zugeschrieben.

    1. Vielen Dank für Ihren Kommentar – als Kita-Leitung bin ich doch erstaunt, was wir angeblich früher geleistet hätten und heute nicht mehr leisten. Das völlig undifferenziert aus Schulleitungssicht zu berichten ist für das Kita-Schul-Netzwerk eher hinder- als förderlich.

  12. Und die Kinder, die zu Hause gut erzogen werden und frühkindliche Bildung erhalten, leiden dann unter diesen miserablen Zuständen.

    Seht ihr auch den großen Elefanten im Raum?

    1. Die leiden nicht unbedingt, sie ziehen oft auch einfach vorbei. Und dann kommen natürlich Stimmen, die ihre Privilegierung durch heimische Förderung in einem bildungszugewandten Elternhaus beklagen und am liebsten eine Zwangskitaisierung hätten, damit diese Kinder hübsch auf dem Niveau der anderen bleiben.

      Vor ein paar Jahren ging mal ein Rundbrief durch die Presse, den eine Berliner Grundschule an die Eltern verschickt hatte: Man solle doch den Kindern grundsätzlich Schuhe mit Klettverschlüssen anziehen, damit sich die Kinder, die keine Schleife binden können, sich nicht schämen müssten, wenn sie andere sähen, die das ganz selbstverständlich beherrschten – das illustriert die Einstellung recht gut.

      Mich wundert übrigens nicht, dass die Grundschulen sich wie oben geschildert über die Kitas äußern, denn sie bekommen im Grundsatz dasselbe von den weiterführenden Schulen gesagt (und die wieder dasselbe von Universitäten und Ausbildungsbetrieben). Da wird einfach Druck nach unten weitergegeben.

    2. Der große Elefant im Raum?
      Also ich bin glücklicherweise noch in einer Zeit aufgewachsen, als die Eltern noch den Ratschlägen und Empfehlungen der Schulen ihrer Kinder gefolgt sind.

      Heutzutage sind die Kinder, oft Einzelkinder, offenbar das neue “Statussymbol” der Eltern, die mit oft zu hohen Erwartungen ihre Kinder derart unter Leistungsdruck setzen, das es sich negativ auf ihre Kinder auswirkt.

      Hier einige fatale Auswirkungen von Erwartungsdruck auf Kinder (lt. KI)
      -Psychische Belastung
      Kinder können sich überfordert, gestresst und ängstlich fühlen, besonders im schulischen Bereich.
      -Verhaltensänderungen
      Überforderung kann sich in aggressivem Verhalten, Trotz oder Rückzug äußern.
      -Körperliche Symptome
      Anhaltender Druck kann zu Kopf- und Bauchschmerzen, Schlafstörungen oder Essstörungen führen.
      -Selbstwertproblem
      Das Gefühl, nur bei Erfolg geliebt zu werden, kann den Selbstwert des Kindes negativ beeinflussen.

      Wie Eltern Druck reduzieren können:
      -Eigene Ansprüche hinterfragen
      Eltern sollten ihre eigenen Erwartungen an das Kind überprüfen und überlegen, ob diese dem Kind schaden könnten.
      -Fokus auf Anstrengung und Fortschritt
      Anerkennen Sie die Bemühungen Ihres Kindes, nicht nur die Ergebnisse.
      -Vergleiche vermeiden
      Vergleichen Sie Ihr Kind nicht ständig mit anderen, da dies zusätzlichen Druck erzeugt.
      … und so weiter
      Also ich bin glücklicherweise noch in einer Zeit aufgewachsen, als die Eltern noch den Empfehlungen der Schulen ihrer Kinder gefolgt sind.

      Heutzutage sind die Kinder, oft Einzelkinder, offenbar das neue “Statussymbol” der Eltern, die mit oft zu hohen Erwartungen ihre Kinder derart unter Leistungsdruck setzen, das es sich negativ auf ihre Kinder auswirkt.

      Hier einige fatale Auswirkungen von Erwartungsdruck auf Kinder (lt. KI)
      -Psychische Belastung
      Kinder können sich überfordert, gestresst und ängstlich fühlen, besonders im schulischen Bereich.
      -Verhaltensänderungen
      Überforderung kann sich in aggressivem Verhalten, Trotz oder Rückzug äußern.
      -Körperliche Symptome
      Anhaltender Druck kann zu Kopf- und Bauchschmerzen, Schlafstörungen oder Essstörungen führen.
      -Selbstwertproblem
      Das Gefühl, nur bei Erfolg geliebt zu werden, kann den Selbstwert des Kindes negativ beeinflussen.

      Wie Eltern Druck reduzieren können:
      -Eigene Ansprüche hinterfragen
      Eltern sollten ihre eigenen Erwartungen an das Kind überprüfen und überlegen, ob diese dem Kind schaden könnten.
      -Fokus auf Anstrengung und Fortschritt
      Anerkennen Sie die Bemühungen Ihres Kindes, nicht nur die Ergebnisse.
      -Vergleiche vermeiden
      Vergleichen Sie Ihr Kind nicht ständig mit anderen, da dies zusätzlichen Druck erzeugt.
      … und so weiter

      1. Der Quatsch wird nicht besser, wenn sie ihn doppelt einkopieren ;)

        Fehlende Sprachkenntnisse und Konfliktpotential kommen sicherlich nicht von zu hohen Ansprüchen.

      2. Na, wenn die KI das sagt, muss es ja stimmen…! Hauptsache, mal etwas posten. Schuhe binden ist schon ein kaum zu bewältigender Anspruch an ein Kind im Grundschulalter und Ausdruck einer Projektion versäumter elterlicher Chancen. Thema verfehlt, würde ich sagen!

      3. Der große Elefant im Raum? Damit kann unser Sam Urai eigentlich nur die Migration meinen. Sonst wäre es nicht der Sam Urai.

      4. @Sam Urai + VS
        Moment, oben ist doch auch die Rede von “soziale und emotionale Fähigkeiten” von Kindern,
        Kinder die nicht abwarten können, nicht zuhören können, sich nicht an Regeln halten,
        Frust nicht aushalten oder die eigenen Bedürfnisse nicht zurückstellen können.

        Sie beide lesen/sehen/verstehen auch nur das was Sie lesen/sehen/verstehen wollen oder?

      5. @VS,
        ich habe die KI für mich lediglich als “Formulierungshilfe” entdeckt! Deshalb der Hinweis (sicher ist sicher).
        Wenn man selbst z.B nicht besonders schreib- oder redegewandt ist, kann man sich mit KI weiterhelfen, und schneller geht es auch.
        Selbstverständlich habe ich den/die Texte nochmal überprüft, ob da auch drin steht, was ich eigentlich sagen will.
        Den “Käse” und Überflüssiges lässt man einfach weg und fertig!

  13. Wir freuen uns immer wieder, wenn Schule hingeht und uns in den Kitas sagt, was wir nicht leisten und was wir demnächst bitte täglich leisten sollen. Ich hätte da auch einigen Input an die Schulen, für besseren Unterricht, der scheinbar nie ausfällt wegen Personalmangel.(Sarkasmus aus)

    Gesellschaft hat sich verändert, und die Ursache liegt nicht alleine daran, dass Kinder in den Kitas nicht mehr so genannte Vorläuferfähigkeiten vermittelt werden (können)

    Es liegt daran, dass Bildung schon in den Familien nicht mehr so den Stellenwert hat, geschweige denn in der Gesellschaft unserer Gegenwart. Und damit ist neben der kognitiven Bildung eben die motorische gemeint, die sprachliche und die soziale. Wir haben mittlerweile Eltern in den Kitas, die uns fragen, wann wir mit der Sauberkeitserziehung anfangen. Früher waren nicht alle Kinder den ganzen Tag in der Kita, sondern wurden mittags abgeholt und man hatte nachmittags Zeit für AG‘s Vorschularbeit, oder die Vorbereitung, die wir jetzt zwischen Tür und Angel machen müssen, während zwölf Kinder beschäftigt werden möchten. (eigentlich wünsche ich mir die alten Zeiten nicht zurück, doch mit wachsender Überforderung meiner Kolleginnen fange ich mich doch an zu sehnen)

    Und jetzt kommt ein ganz wichtiger Satz: wir werden in den Kitas auf die Betreuung reduziert, es gibt noch nicht mal einen verbindlichen Personalschlüssel oder Konzepte, die in personell herausfordernden Zeiten eine Bildung der Kinder sicherstellen. Nein, es gibt Druck von Politik, Jugendamt, Elternbeirat, Eltern, Träger, und jetzt auch von Schule die Kitas offen zu halten. Also die eierlegende Wollmilchsau!?

    Kriegt erst mal da oben eure Arbeit auf die Reihe und schafft Rahmenbedingungen, die es den Kitas ermöglichen, täglich mit Ihnen die Stifthaltung und das schneiden, mit der Schere zu üben! Und solange Lehrer*innen immer noch Frontalunterricht machen, Kinder ein Jahr länger in den Kitas lassen wollen, Inklusion nicht wirklich leben, sondern Selektion betreiben, und Unterrichtsausfall auf OGS oder Eltern abwälzen ist es irgendwie schräg, andere Bildungseinrichtungen zu kritisieren. Kann man machen, entbehrt aber jeglicher Solidaritätsbekundung. Eigentlich müssten wir zusammenhalten, damit sich was zum besseren ändert.

    Kitapflicht würde ich mir zwar im Hinblick auf manche Familien wünschen, ist aber nicht durchführbar und löst auch nicht das Problem.