Die alten Stadthäuser stehen zwischen Marktplatz und Gohrsmühle. Foto: Thomas Merkenich

In einer Stellungnahme zur Sitzung des Stadtplanungsausschusses am Donnerstag fordern die Klimafreunde Rhein Berg den Erhalt der alten Stadthäuser. Ihre Argumente sind der Klimawandel, die Ressourcenknappheit und die wirtschaftliche Vernunft.

Wir veröffentlichen eine Mitteilung der Klimafreunde Rhein-Berg

Der Erhalt der Stadthäuser in Bergisch Gladbach ist nicht nur kulturhistorisch sinnvoll, sondern auch aus ökologischer und ressourcenpolitischer Perspektive ein Gebot der Zeit. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels und der zunehmenden Knappheit natürlicher Ressourcen muss die Stadtentwicklung auf Nachhaltigkeit, Effizienz und verantwortungsvolle Bestandspflege ausgerichtet werden.

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1. Klimaschutz durch Erhalt statt Abriss

Die ökologisch wirksamste Form des Bauens ist die Nutzung des bereits vorhandenen Gebäudebestands. Abriss und Neubau verursachen enorme Mengen an CO₂, vor allem durch Betonherstellung, Transportwege und Baumaschinen. Studien zeigen, dass allein der Abriss eines typischen Wohngebäudes so viele Emissionen freisetzt, wie durch Jahrzehnte energieeffizienten Betriebs eingespart werden könnten.

Der Erhalt der Stadthäuser vermeidet diese „grauen Emissionen“ und trägt somit unmittelbar zur Erreichung kommunaler und nationaler Klimaziele bei. Eine energetische Sanierung im Bestand ist in der Regel deutlich klimafreundlicher als ein Abriss mit anschließendem Neubau – selbst wenn dieser nach modernsten Standards erfolgt.

2. Ressourcenknappheit und Wert vorhandener Bausubstanz

Rohstoffe wie Sand, Kies und bestimmte Metalle werden weltweit knapp. Die Bauwirtschaft gehört zu den ressourcenintensivsten Branchen überhaupt. Der Schutz bestehender Gebäude ist daher ein zentraler Bestandteil einer zukunftsorientierten Kreislaufwirtschaft.

Die Stadthäuser stellen eine bereits verbaute Ressource dar: ihre Materialien, ihre Struktur und ihre Lage sind wertvoll. Durch Modernisierung, Umnutzung oder Teilumbau lassen sich ökologische Belastungen erheblich reduzieren. Der Erhalt nutzt das vorhandene „Graue Gold“ und vermeidet unnötigen Verbrauch neuer Rohstoffe.

3. Stadtbild, Identität und soziale Nachhaltigkeit

Neben den ökologischen Argumenten stärken die Stadthäuser das charakteristische Stadtbild und die kulturelle Identität Bergisch Gladbachs. Nachhaltigkeit umfasst nicht nur Umwelt, sondern hat auch soziale und kulturelle Dimensionen. Der Bestand prägt das Gemeinschaftsgefühl, schafft Orientierung und hat hohen identitätsstiftenden Wert für die Bürgerinnen und Bürger.

Ein Abriss zugunsten großer Neubaukomplexe birgt das Risiko einer Vereinheitlichung der Stadtstruktur, während die Sanierung bestehender Häuser zur Vielfalt, Lebendigkeit und menschlichen Maßstäblichkeit der Innenstadt beiträgt.     

4. Wirtschaftliche Vernunft

Sanierung und Erhalt sind häufig kostengünstiger als Abriss und Neubau – vor allem, wenn man Lebenszykluskosten, klimabedingte Folgekosten und steigende Materialpreise einbezieht. Zudem stärkt eine nachhaltige Bestandsentwicklung das lokale Handwerk und bindet Wertschöpfung vor Ort.

5. Beitrag zur klimaresilienten Stadtentwicklung

Bestandsgebäude können gezielt an ein sich wandelndes Klima angepasst werden: bessere Dämmung, grüne Fassaden, Regenwassermanagement, Verschattung und moderne Haustechnik verbessern Komfort und senken Energieverbrauch. Gleichzeitig bleibt die historische bauliche Struktur erhalten – ein wichtiger Faktor für eine identitätsstarke, lebendige und widerstandsfähige Stadt.

Fazit: Der Erhalt der Stadthäuser in Bergisch Gladbach ist aus ökologischen, sozialen und ökonomischen Gründen klar zu bevorzugen. Er schützt wertvolle Ressourcen, vermeidet CO₂-Emissionen, erhält die kulturelle Identität der Stadt und ermöglicht eine klimaangepasste Weiterentwicklung der Innenstadt. In Zeiten von Klimawandel und Ressourcenknappheit ist der verantwortungsvolle Umgang mit bestehender Bausubstanz ein unverzichtbarer Bestandteil nachhaltiger Stadtplanung.

Wir fordern: 

  • Die Beschluss Vorlage Drucksache 0652/2025 abzulehnen bzw. dahingehend zu ändern, dass kein Leitbild zum Abriss abgeleitet werden kann.
  • Konzeptvergabe mit Zieldefinition Teil bzw. Vollerhalt
    Bewertungsmatrix: Gemeinschaftsorientierung, Nachhaltigkeit, Ressourcen schonend.
  • Das gesamte Grundstück der alten Stadthäuser in öffentlicher Hand zu behalten.
  • Kein Abriss der alten Stadthäuser.

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