Neu gebaut wird in Bergisch Gladbach fast nur noch zu hohen Preisen - und in der Regel nicht für Vermietungen. Foto: Thomas Merkenich

Der neue Mietspiegel bestätigt, dass sich auf dem Markt für Mietwohnungen in Bergisch Gladbach so gut wie nichts bewegt. Da es kaum bezahlbare Alternativen gibt, zieht selten jemand um. Neu gebaut wird kaum. Kräftig steigende Nebenkosten halten Vermieter von Mieterhöhungen ab. Nur ganz unten und ganz oben auf dem Wohnungsmarkt ist es deutlich teurer geworden.

Eigentlich ist der Mietspiegel „nur“ ein probates Mittel, Frieden zwischen Mieter:innen und Vermieter:innen zu schaffen: Er bildet die ortsübliche Miete ab und verhindert damit zuverlässig rechtliche Auseinandersetzungen über Mieterhöhungen. Das betonen Sylvia Schönenbröcher, Geschäftsführerin von Haus & Grund, und Hans Jörg Depel, ihr Gegenüber beim Mieterverein, bei der Vorstellung des Mietspiegels 2026 übereinstimmend. Wer daraus ableiten wolle, was den lokalen Wohnungsmarkt aktuell (nicht) bewege, der müsse differenziert hinschauen.

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Über viele Gebäudejahrgänge und Größen hinweg weist der Mietspiegel tatsächlich nur geringe Erhöhungen der Nettokaltmieten aus – zwischen null und fünf Prozent über zwei Jahre hinweg aus. Das ist deutlich weniger, als die allgemeinen Lebenshaltungskosten gestiegen sind. Die Mieten sind damit auch „weit weniger stark gestiegen, als die Kosten für Bau und Unterhalt von Wohnungen“, sagt Schönenbröcher.

Stellten den Mietspiegel vor: Sylvia Schönenbröcher (Haus & Grund), Hans Jörg Depel (Mieterverein), Ellen Lindner (Rheinische Immobilienbörse), Rolf Buchholz (H & G, Sachverständiger) und Julia Fritsch (Gutachterausschuss der Stadt). Foto: Redaktion

Ein Grund dafür seien die massiven Erhöhungen der Nebenkosten: Da die Vermieter:innen sähen, wie stark ihre Mieterinnen belastet würden, hielten sie sich mit eigenen Nachforderungen sehr zurück.

Extreme Steigerungen am Anfang und Ende

Es gebe aber auch „sehr prägnante“ (Schönenbröcher) bzw. „extreme Steigerungen“ (Depel). Die finden sich ganz am Anfang und ganz am Ende des Mietspiegels.

Einerseits sind es die kleinen Wohnungen in Altbauten (vor 1960), die um 8,5 Prozent teurer geworden sind und im Mittelwert auf 8,80 Euro pro Quadratmeter bzw. 9,30 Euro mit besonderer Ausstattung kommen.

Für diesen deutlichen Anstieg gebe es zwei Gründe: die starke Nachfrage in diesem Segment, weil es sonst nichts mehr gibt, sowie Modernisierungen, die einen Aufschlag begründen.

In den folgenden Gebäude-Jahrgängen von 1960 bis 2017 liegen die Preise zwischen 8 und 10 Euro, in einzelnen Segmenten werden für kleine Wohnungen auch 11,50 Euro (Baujahr 1977 bis 1989) bis 12,10 Euro (Baujahr 2005 bis 2007) ausgewiesen.

Mieten unter 7 Euro weist der Mietspiegel überhaupt nicht mehr aus, Mieten unter 8 Euro sieht man nur noch in mindestens 50 Jahre alten Gebäuden in nicht so guten Wohnlagen. Auf dem Markt verfügbar sind sie aber so gut wie nicht.

Der gesamte Mietspiegel steht kostenlos auf der Website der Rheinischen Immobilienbörse zum Download bereits. Die gedruckten Exemplare sind für eine Schutzgebühr von vier Euro bei Haus und Grund (Paffrather Straße28 ) sowie beim Mieterverein (Paffrather Straße 30) erhältlich.

Deutlich teurer wird es in Neubauten, die nach 2018 fertig geworden sind. Hier sind, ebenso wie bei den besonders alten Gebäuden, die Vergleichsmieten um bis zu gut 10 Prozent geklettert und liegen jetzt zwischen 11 und 13,30 Euro.

Dabei, das betont Schönenbröcher, handele es sich aber eben nicht um die am Markt verlangten Mieten für aktuelle Neubauprojekte – für die der Mietspiegel gar nicht gilt und die auch nicht der Mietpreisbremse unterliegen. Bei solchen Wohnungen würden oft 16 bis 18 Euro verlangt: „Aber wer kann das noch bezahlen?“

Neu gebaut werden nur Eigentumswohnungen

Selbst in diesem gehobenen Segment wird offenbar kaum noch für den Mietermarkt gebaut. Die Bauprojekte, die man im Stadtbild sieht, erstellen in aller Regel Eigentumswohnungen, die hochpreisig verkauft werden. Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte der Stadt Bergisch Gladbach beobachte in diesem Bereich einen Anstieg der Verträge um 20 Prozent, berichtet Julia Fritsch, Geschäftsführerin des Ausschusses.

Zur Sache: Der Mietspiegel für Bergisch Gladbach und Umgebung

Alle zwei Jahren schreiben Haus und Grund Rhein-Berg, der Mieterverein Köln, der Gutachterausschuss und die Rheinische Immobilienbörse den Mietspiegel für frei finanzierte Wohnungen im Stadtgebiet Bergisch Gladbach und des Umlands“ fort. Dafür werden laufend neu abgeschlossene Mietverträge und Mieterhöhungen der vergangenen sechs Jahre zusammen ausgewertet – und daraus eine sogenannte ortsübliche Miete für die verschiedenen Altersklassen von Gebäuden berechnet.

Der Mietspiegel gilt auch für die Umlandgemeinden, nur für Kürten wird ein Abschlag von zehn Prozent vorgenommen.

Betriebskosten werden nicht berücksichtigt.

Der Mietspiegel bietet damit den Mietpartnern eine Orientierungsgröße, um in eigener Verantwortung die Miethöhe zu vereinbaren. Nicht zuletzt bei der Vermeidung von gerichtlichen Auseinandersetzungen spielt der Mietspiegel eine wichtige Rolle.

Der Mietspiegel erfasst die Preise der vergangenen sechs Jahre und bildet mit seinen Nettokaltmieten immer die Vergangenheit ab. Davon anzugrenzen sind sogenannte Angebotspreise, die in Immobilienanzeigen aufgerufen werden – am Markt aber nicht immer erzielt werden.

Dabei spiele die Attraktivität der Stadt Bergisch Gladbach im Speckgürtel Kölns mit relativ guter Verkehrsanbindung eine große Rolle, sind sich die Immobilienfachleute einig. Gerade junge Familien würden dadurch gelockt, die hier vor Ort aber so gut wie keine Angebot mehr fänden.

Senior:innen, die sich gerne kleiner setzen würden, machen ihre großen Wohnungen nur selten frei – weil sie keine kleineren Wohnungen auf dem Markt finden, berichtet Depel.

Kritik an hohen Gebühren und Grundsteuer

Einig sind sich die Experten in der Kritik an ausufernder technischer Vorschriften und Standards (die die Baukosten antreiben) und an den stetig wachsenden kommunalen Gebühren inklusive der Grundsteuererhöhung. Das belaste Vermieter wie Mieter übermäßig und blockiere den Wohnungsmarkt.

„Jede Erhöhung der Grundsteuer trifft am Ende direkt Mieterinnen und Mieter und verschärft die Wohnraumknappheit durch die Hintertür, da Wohnen insgesamt teurer wird“, kritisiert Depel.

Schönenbröcher ergänzt: „Vermieter haben auf diese Kostensteigerungen keinen Einfluss, in der Summe mit anderen kommunalen Abgaben und Energiekosten erreichen sie aber die finanzielle Belastungsgrenze vieler Haushalte.“

Die Politik müsse daher den Nebenkosten mehr Beachtung schenken, um Bergisch Gladbach als Wohnstandort attraktiv und bezahlbar zu halten.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Stillstand beenden: Wohnraum jetzt gemeinsam schaffen

    Wohnraum gesucht? – Hier werden wir fündig! E i n e weitere konkrete Möglichkeit – insbesondere in unseren Quartieren – liegt in der gezielten Aktivierung des vorhandenen Wohnungsbestands. Genau hier setzt die Bürgergenossenschaft für Wohnraumschaffung Bergisch Gladbach (i. Gr.) an.

    Bringen auch Sie sich ein, machen Sie mit: Wir sind jetzt in der Gründungsphase. Es ist dringend, es ist machbar – und es braucht Menschen aus den Quartieren, die Verantwortung übernehmen.

    Danke!

    Johannes W. Ditsche
    Initiator – Bürgergenossenschaft für Wohnraumschaffung Bergisch Gladbach

    https://in-gl.de/2026/01/14/genossenschaft-fuer-mehr-wohnraum-sucht-vorstandsmitglieder/
    https://in-gl.de/2026/01/06/genossenschaft-fuer-mehr-wohnraum-sucht-aufsichtsraete/

  2. hallo,
    ich bin eine der unmittelbar betroffenen.
    Fehlender Wohnraum, steigende Mieten, kalt qm-Preis kennt auch nur eine Richtung, nach oben, egal in welchem Zustand die Immobilie ist, steigende NK.
    da ist es mit dem “Recht auf wohnen” weit her.
    Was mich, aus persönlicher Betroffenheit, besonders interessiert, Ihr Vokabular:
    Wohnraumschutzsatzung
    Was ist das konkret? Wer wendet bei wem diese Satzung an?

    Ich meinerseits kenne bisher ein
    Wohnraumschutz Gesetz, welches in Bergisch Gladbach, meiner Heimatstadt, keine Anwendung findet, bis zum letzten Sommer noch keine Zuständigkeit innerhalb der Behörde hatte. Mir meine Stadt leider leider nicht helfen konnte / kann und somit mein Vermieter scheinbar Narrenfreiheit walten lassen darf ..

    es ist ein wirklich abgefahrenes Gefühl der Verlorenheit, des alleine gelassen Werdens, wenn ich selbst als Gebürtige keine Unterstützung erhalte.

    .. (und dann lesen darf wem so alles womit geholfen wird.. was alles möglich sein kann.. – für Zugezogene ..
    ich spreche deren Hilfe nicht ab! – ich würde ‘nur gerne’ auch Hilfe erfahren)
    Besten Dank

    1. Bergisch Gladbachs Wohnraumschutzsatzung ist nach einem Jahr ein zahnloser Papiertiger geblieben, so wie es die Kritiker:innen von Anfang an befürchtet haben.

      Trotz Beschluss 2024 fehlen in der Veraltung Personal, Kontrollen und Ergebnisse. Über 900 Wohnungen stehen leer, während die Mieten steigen. Tatsächlich hat diese Alibi-Satzung nichts erreicht und die Verwaltung hat auch keine einzige Fläche, die zweckentfremdet wurde, wie in Wohnraum zurückgeführt oder andere Maßnahmen, Strafen oder sonstige dazu getan. Faktisch ist die Wohnraumschutzsatzung eine Propagandatrick des Stadtrats gewesen, um sich vor eine wirklich wirksamen Wohnungsmarktpolitik zu herumdrücken. Es war eben Wahlkampf und das Thema ist bei der Stadtverwaltung nun wieder in der Schublade gelandet, wie an der der Bilanz 2025 und beim neuen Entwurf des Haushalts zu sehen ist. Aktive Bekämpfung der Wohnungsnot in Bergisch Gladbach: Leider totale Fehlanzeige!

      Die Politik muss jetzt handeln: Leerstand erfassen, Personal aufstocken, 1.500 Sozialwohnungen bis 2030 bauen!

      Siehe dazu: https://www.santillan.de/2025/10/30/ein-jahr-wohnraumschutzsatzung-bergisch-gladbach-viel-beschlossen-nichts-passiert/

      Tomás M. Santillán
      Mitglied im Stadtrat Bergisch Gladbach Die Linke

  3. Schönfärberei der Wohnungslage in Bergisch Gladbach

    Die Aussage, die meisten Mieten würden „nur mäßig steigen“, beschönigt die eigentlich schlimme Realität der Menschen. Die angebliche Stagnation zeigt vor allem eines: Die Mieten sind längst so hoch, dass sich kaum noch jemand einen Umzug leisten kann. Wer eine noch halbwegs bezahlbare Wohnung hat, bleibt notgedrungen – weil es keine Alternativen gibt.

    Das ist der Beweis, dass Mietpreisbremse und Wohnraumschutzsatzung GL gescheitert sind. Sie haben weder überhöhte Mieten verhindert, Wohnraum geschaffen noch die Wohnungsnot gelindert. Gleichzeitig liegt der Bau neuer bezahlbarer Wohnungen in Bergisch Gladbach praktisch bei fast null. Der sogenannte freie Wohnungsmarkt funktioniert nicht – er produziert Profite für Eigentümer, aber keinen bezahlbaren Wohnraum für Alle.

    Statt gegenzusteuern, hat der Stadtrat zuletzt im Dezember sogar Müll- und Abwassergebühren massiv erhöht, was die Nebenkosten weiter und deutlich in die Höhe treibt. Diese Kosten werden fast vollständig auf Mieter abgewälzt. Entscheidend ist die Warmmiete – und die steigt weiter und weiter und weiter …

    Die Politik muss endlich handeln: kommunaler Wohnungsbau, mindestens 1.500 bezahlbare Wohnungen bis 2030, Priorität für das Zanders-Areal und die Umwandlung leerstehender Gebäude wie des alten Stadthauses. Alles andere ist weiteres unsoziales Wegsehen der Mehrheit im Stadtrat.

    Tomás M. Santillán
    Mitglied im Stadtrat Bergisch Gladbach Die Linke