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Das Deutsche Jugendinstitut hat die Empfehlungen zur Taschengeldhöhe angepasst. Ein guter Anlass, sich mit dem Thema zu beschäftigen: Wie viel darf es in welchem Alter sein? Warum soll man überhaupt Taschengeld geben? Und wie handhaben das andere Eltern in Bergisch Gladbach?

Das erste eigene Geld. Das bekommen Kinder nicht, wenn sie anfangen zu arbeiten, sondern dann, wenn sie zum ersten Mal Taschengeld erhalten. Aber wie viel soll es sein? Dazu veröffentlicht das Deutsche Jugendinstitut (DJI) etwa alle vier Jahre eine Expertise, die das Bundesfamilienministerium sowie viele Jugendämter und Kommunen als Orientierung übernehmen – auch der Rheinisch-Bergische Kreis.

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Eltern sind gesetzlich nicht dazu verpflichtet, Taschengeld zu geben. Allerdings macht es in vielerlei Hinsicht Sinn, wie Martin Zender von der Evangelischen Beratungsstelle Bensberg erklärt: „Kinder lernen dadurch, wie dieser Tauschhandel funktioniert. Sie merken, wenn sie etwas ausgeben, ist es weg. Sie entwickeln ein Gefühl dafür, wie sie mit Geld umgehen müssen, damit sie am Ende noch etwas haben.“

Allerdings sei es ist nicht so, dass alle Kinder ihr Taschengeld gleich auf den Kopf hauen würden. Manche geben es lieber in eine Spardose – und müssen mitunter sogar daran erinnert werden, sich etwas zu kaufen, sagt Zender. Denn: Nur, wenn sie das Geld auch benutzen, lernen Kinder damit umzugehen.

„Sie sind keine Impulskäuferinnen“

Auch die Töchter von Kathy aus Hebborn legen ihr Taschengeld eher zurück. Die Achtjährige bekommt einmal in der Woche drei Euro, die Sechsjährige zwei Euro. „Meistens sparen sie es einige Zeit und kaufen sich dann etwas Größeres dafür. Beide überlegen vorher erst genau, was sie sich kaufen möchten und vergleichen verschiedene Dinge. Sie sind also bisher keine Impulskäuferinnen – wir Eltern übrigens auch nicht.“

Manchmal würden sie beim Einkaufen fragen, ob sie etwas haben könnten, zum Beispiel eine Süßigkeit. Wenn die Eltern daraufhin vorschlagen, dass sie es von ihrem Taschengeld kaufen könnten, überlegen sie es sich oft anders, weil es ihnen dann doch zu teuer ist.

Was die Kinder von ihrem Geld kaufen, ist ihnen freigestellt. Das empfiehlt auch Martin Zender, in einem altersentsprechenden Rahmen.

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Was dürfen Kinder kaufen?

Natürlich sollten Kinder keine Verträge abschließen dürfen oder ähnliches, aber abgesehen davon sollen Eltern nicht vorschreiben, was gekauft werden darf und was nicht. Kinder sollen sich mit dem Taschengeld ihre ganz persönlichen Bedürfnisse erfüllen.

Denn genau darum geht es: Sie dürfen im kleinen Rahmen lernen, etwas zu ihrer freien Verfügung zu haben, ganz autonom. „Sinnvolle“ Anschaffungen würden ohnehin meist von Eltern gedeckt. Zender empfiehlt, nicht zu erwarten, dass Kinder vernünftig mit dem Taschengeld umgehen.

Und was, wenn sie sich beispielsweise ständig Süßigkeiten kaufen? „Dann sollte man mit den Kindern ins Gespräch gehen und versuchen herauszufinden, warum das so ist und gemeinsam überlegen, was es sonst noch gibt.“

„Unsere Kinder bekommen alles, was sie brauchen“

Süßigkeiten sind das einzige, was Alex‘ vier Kinder nicht von ihrem Taschengeld kaufen dürfen. Ansonsten ist alles erlaubt, auch wenn er und seine Frau „es noch so nutzlos finden“, wie der Vater aus Schildgen mit einem Zwinkern sagt.

Er hat sich selbst eine Tabelle erstellt, in der er notiert, wie viel Geld jedes Kind in welchem Alter erhält, weil es ihm wichtig war, dass alle vier im gleichen Alter das gleiche bekommen. Die Kinder sind zwischen fünf und 14 Jahre alt.

Mit den neuen Empfehlungen hat er die Werte nach oben korrigiert. Statt 50 Cent wird das jüngste Kind ab seinem sechsten Geburtstag nun einen Euro pro Woche bekommen, mit sieben Jahren werden es 1,50 Euro, mit acht Jahren zwei und so weiter.

Dass die jüngeren Kinder jetzt mehr kriegen als die Älteren in diesem Alter, findet er nicht ungerecht: „Das ist eben das Prinzip der Inflation.“

Grundsätzlich hat sich Alex am unteren Ende der Empfehlungen orientiert. „Unsere Kinder bekommen alles, was sie brauchen und mehr auch so. Das Taschengeld ist also wirklich rein für Dinge gedacht ist, die sie sich selber kaufen wollen.“

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Wann wie viel Taschengeld?

Kathy und ihr Mann haben vor rund eineinhalb Jahren angefangen, den Kindern Taschengeld zu zahlen. Auslöser war ein Urlaub mit Freunden gewesen, deren gleichaltrige Kinder sich etwas von ihrem Urlaubsgeld kaufen durften. Kathys jüngere Tochter war zu dem Zeitpunkt noch nicht sechs Jahre alt.

Martin Zender sagt, bei kleineren Kindern könne man durchaus spielerisch mit Taschengeld beginnen, etwa mit 50 Cent pro Woche. So richtig relevant werde das Thema aber erst mit dem Schuleintritt.

Das DJI empfiehlt, unter 6 Jahren durchaus schon ein bis zwei Euro pro Woche zu geben. Hier ist die ganze Tabelle:

unter 6 Jahren:1,00 – 2,00 Euro/Woche
6 – 7 Jahre: 2,00 – 3,00 Euro/Woche
8 – 9 Jahre: 3,00 – 4,00 Euro/Woche
10 – 11 Jahre: 15,00 – 25,00 Euro/Monat
12 – 13 Jahre: 20,00 – 30,00 Euro/Monat
14 – 15 Jahre: 25,00 – 45,00 Euro/Monat
16 – 17 Jahre: 40,00 – 60,00 Euro/Monat*
ab 18 Jahren: 55,00 – 75,00 Euro/Monat*

*ab 16 Jahren für Jugendliche, die wirtschaftlich ganz von den Eltern abhängig sind (z. B. Schüler:innen)

Im Vergleich zu den bisherigen Empfehlungen wurden die Spannbreiten vergrößert, damit auch Familien mit knapperen Budgets die Orientierung nutzen können. Das DJI betont, dass es sich um Orientierungswerte handelt, nicht um Vorgaben.

Hinweis: Die ganze DJI-Expertise gibt es hier zum Nachlesen.

Bar oder digital?

Wichtig sei ein fester Auszahlungsrhythmus: bei jüngeren Kindern am besten wochenweise, ab etwa zehn Jahren monatlich. Übergangsweise könne eine 14-tägige Zahlung dabei helfen, vom Wochen- auf den Monatsrhythmus umzustellen.

In den ersten Jahren empfiehlt das DJI, das Taschengeld bar zu geben. Später (zum Beispiel ab der Sekundarstufe) kann ein eigenes Konto dabei helfen, den Umgang mit dem digitalen Zahlungsverkehr zu erlernen. Auch ohne eigenes Konto gibt es Prepaid-Bezahlkarten, die Eltern mit einem festen Betrag aufladen können, für Kartenzahlungen und Online-Käufe.

Ab ungefähr zwölf Jahren können Kinder zusätzlich zum Taschengeld ein so genanntes Budgetgeld bekommen. Das ist ein fester Betrag für Anschaffungen einer bestimmten Kategorie, die bis dahin die Eltern übernommen hatten, wie zum Beispiel Kleidung.

Dass Kinder schon früh durch Taschengeld lernen, und zwar nicht nur, wie sie es am besten ausgeben oder sparen, zeigt diese Episode von Kathy: „Einmal hat meine ältere Tochter im Supermarkt einen Euro auf den Boden gelegt und gesagt: ,Dann freut sich ein armer Mensch darüber, wenn er das Geld findet. Ich habe doch genug.’“


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ist freie Reporterin des Bürgerportals. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg. Nach einem Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro glücklich zurück in Schildgen.

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