Nach längerer Pause ist Leo Chirico zur Freude seiner Stammgäste in die Gastronomie zurückgekehrt. In Refrath hat er mit dem „Leo Cucina Italiana“ ein kleines, sorgfältig geführtes Restaurant eröffnet. Auf der Karte stehen Gerichte aus dem Süden Italiens, ländlich geprägt und handwerklich verfeinert. Dass diese Küche ihren Preis hat, erscheint folgerichtig.
Als wir kurz nach 18 Uhr im Restaurant „Leo Cucina Italiana“eintreffen, ist noch nicht allzu viel los: Zwei Damen, eine Vierergruppe und eine dreiköpfige Familie mit Säugling verteilen sich in dem kleinen Lokal mit zwei Räumen und 12 Tischen. Eine Stunde später ist das Lokal gut gefüllt. Als das Baby zwischendurch weint, bringt das niemanden in Verlegenheit.
Ein freundlicher Kellner begrüßt uns und weist uns zu unserem Tisch. Der ist mit einer kleinen Stehlampe und einer echten Rosenblüte im Glas geschmückt. Ein Dekoteller mit Olivenzweigen hängt an der Wand darüber. Vorher befand sich hier ein griechisches Restaurant. Die Architektur der Räume erinnert noch daran. Die Einrichtung ist schlicht aber durchdacht und mutet freundlich an.
Wir drei, meine Tochter, mein Mann und ich – wollen an diesem Abend Dinge probieren, die wir noch nicht kennen. Pizza gibt es in diesem Lokal der gehobenen italienischen Küche nicht. Der Blick in die Speisekarte und auf die Tafel weist klassisch italienisch vier Gänge aus: Vorspeise, Primi – ein Pastagericht, Secondi – ein Gericht mit Fleisch oder Fisch und natürlich Dessert. Wir wollen drei Gänge essen. Zunächst einmal brauchen wir jedoch Starthilfe, denn einige Gerichte stehen nur auf Italienisch auf der Tafel und in der Speisekarte.



Unser Kellner geht bereitwillig die Gerichte mit uns durch – und erklärt die Besonderheiten der Küche Apuliens. Das Leo Cucina Italiana bringt wie sein Vorgänger L‘Angolo D’Oro, das der Gastronom Leo Chirico zuvor in Bensberg betrieben hat, eine regionale, ländliche Küche vom Absatz des italienischen Stiefels nach Refrath.
Die Tomatensauce zum Beispiel werde über Stunden mit verschiedenen Fleischsorten eingekocht, damit das Fleischaroma in die Sauce übergehe, wie bei den Orecchiette al Ragu Pugliese, erklärt unser Kellner. Orecchiette sind Nudeln in der Form kleiner Ohren.
Als Vorspeise wählt unsere Tochter Burratina con Crudo (18 Euro) – ein sehr cremiger Mozarella, typisch für die Provinz Brindisi in Apulien, in einem Bett aus luftgetrockneten Rohschinken. Ich entscheide mich für frittierte Sardellen (17,50 Euro), mein Mann mit seinem Faible für ungewöhnliche Wurstwaren wählt die Crostone alla Cegliese (12 Euro). Sie ähneln Bruscetta, werden aber noch mit scharfen Mortadella-Scheiben bedeckt und mit geriebenem Parmesan garniert.
Zum Aperitif trinke ich ein kleines Schreckenskammer-Kölsch aus der Flasche. Mein Mann kann sich nicht zwischen zwei Rotweinen entscheiden – und bekommt deshalb eine Kostprobe. Er entscheidet sich für einen kräftigen Primitivo.
Dann werden wir mit einem Gruß aus der Küche überrascht: Gemüsecouscous in kleinen Keramikschälchen. „Lecker!“, kommentiert unsere Tochter. Eine würzige, knallrote Peperoncini setzt dem kleinen Leckerbissen kulinarisch und optisch das i-Tüftelchen auf. Wie die Einrichtung ist auch das Geschirr schlicht, aber geschmackvoll, im Stile ländlicher Keramik.



Als wir gerade feststellen, wie gut das leicht aufgewärmte Ciabatta in Kombination mit dem aromatischen Olivenöl aus Apulien schmeckt, werden die Vorspeisen serviert. Die frittierten Sardellen sind mild und etwas knusprig, für Einsteiger optimal. Allerdings sind es doch zu viele Sardellen, wenn man sie solo isst. Die kleine Portion angemachter Salat mit Rettich ist schnell verputzt. Und so unglaublich lecker das Brot ist, will ich mich damit nicht vollstopfen.
Meine Tochter umwickelt anfangs ein Häppchen Burratina mit einer Schinkenscheibe, bevor sie sich ganz auf den Burratina konzentriert. Den Großteil des hauchdünn geschnittenen Schinkens lässt sie liegen. Mein Mann kann dabei kaum zusehen und verzehrt die köstlichen Reste.
Als Hauptgericht hat unsere Tochter Ravioli Brasato in Salbeibutter (20,50 Euro) gewählt, selbstgemachte Ravioli mit Bratenfüllung vom Kalb. Ich habe mich gegen den Saibling auf Kräuter gebraten (29,50 Euro) entschieden, weil ich die typische Tomatensauce mit Fleisch der Orecciette al Ragu Pugliese (18,50 Euro) probieren will. Mein Mann hat sich für die Kalbsleber in Salbeibutter (26,50 Euro) entschieden.
Das Ragu Pugliese erinnert an Gulasch, allerdings mit einer deutlichen Tomatennote. Meine Tochter kriegt große Augen. Umgekehrt schiele ich neidisch auf die großen, offenbar selbstgemachten Ravioli auf ihrem Teller. Nach wenigen Bissen tauschen wir: Die Ravioli sind weich, aber nicht zu weich. Die Füllung ist zart und würzig, der Salbei gibt dem ganzen noch eine intensive, leicht bittere Note.



Doch wo bleibt der Rosato Primitivo, den ich zum Hauptgericht bestellt habe? Es dauert einen Moment, bis ich unseren Kellner auf mich aufmerksam gemacht habe. An der Theke scheint etwas Wichtiges zwischen dem Chef, unserem Kellner und dem Barkeeper besprochen zu werden. Als mir den Kellner schließlich den Primitivo Rosato bringt, entschuldigt er sich. Der Spüljunge sei ausgefallen, aber sie hätten das Problem schnell gelöst. Der Rosé ist sehr gut und passt ausgezeichnet zu den Ravioli.
Leo Cucina Italiana bietet eine überschaubare Anzahl von offenen Weinen und Flaschenweinen an, von denen ein Teil aus Apulien stammt. Die Weine müssten zu den Gerichten passen, erklärt Inhaber Leonardo Chirico – oder Leo, wie ihn seine Stammgäste nennen – auf meine Frage, wie er bei der Auswahl der Weine vorgehe. Wichtig sei ihm auch das Preis-Leistungsverhältnis. „Das muss stimmen.“ Eine Flasche sollte den Gesamtpreis nicht zu stark nach oben treiben.
Aus Apulien stammt auch Leos Familie. Allerdings – würde er die heimische Küche 1:1 hier servieren, wäre das für viele Gäste sehr ungewohnt, sagt der Gastronom. Sehr scharf durchgebratenes Fleisch, Innereien, Pferdefleisch, Schweineohren und sogar Schweinefüße – all das werde dort traditionell zubereitet. Deshalb habe er die Gerichte an die hiesigen Gaumen und Essgewohnheiten angepasst.
Meiner Tochter schmeckt das italienische Gulasch wie erhofft, während mein Mann seine Kalbsleber genießt. Sie sei unglaublich zart, sagt er. Als Beilagen hat er gebackene Aubergine, würzig angemachten Chinakohl, Gemüsecouscous umhüllt von einer gebackenen grünen Paprika und eine schwarze Knolle, die nach Kartoffel schmeckt, auf dem Teller.
Wir fragen nach: das seien lila Kartoffeln. Die Farbe schrecke Gäste ab, räumt unser Kellner ein. Doch sie hätten weniger Kohlenhydrate als normale Kartoffeln. Unsere Tochter kämpft bereits mit ihren Orecchiette. Die Portion Ravioli hingegen war genau richtig. Da bleibt noch Platz für Dessert.
Dafür stellt uns der Kellner eine kleine Tafel auf den Tisch. Ich muss nicht lange nachdenken, sondern entscheide mich für ein Tiramisu (8,50 Euro). Es ist fluffig und cremig zugleich und wahrt die Balance zwischen Kakao- und Kaffeegeschmack.



Mein Mann möchte das Zabaione (9,50 Euro) – aufgeschlagenes Eigelb mit Zucker und Marsala, das man längst nicht in allen italienischen Restaurants bekommt. Hier wird es noch mit einer Kugel Vanilleeis gepimpt. Köstlich, aber wegen des Alkohols nichts für Kinder.
Meine Tochter vereinbart mit dem Kellner, dass sie ein Duett Mousse (9,50 Euro) nur mit weißer Schokolade bekommt. Denn dem Schokoladenmuss sei ein Hauch Rum beigegeben, sagt er. Stattdessen steht kurz darauf ein Mandelparfait (10,50 Euro) vor ihr. Cremiges Sahneeis mit gebrannten Mandelsplittern – ein Gedicht. Sie verputzt es vollständig und vergisst darüber, dass sie eigentlich etwas anderes wollte.
Als dem Kellner sein kleiner Fehler auffällt, verspricht er ihr beim nächsten Besuch ein Dessert aufs Haus. Die Großen bekommen jetzt schon etwas aufs Haus, einen Absacker. Der Grappa ist karamellfarben und hat ein kräftiges Aroma.
Leo Cucina Italiana
In der Auen 5
Bergisch Gladbach-Refrath
geöffnet 16:30 bis 21:30 Uhr
Donnerstag ist Ruhetag
Telefon: 02204 4090596
Website
Unser Fazit: Ausgezeichnetes Essen, sehr guter Service, angenehmes Ambiente und ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis beim Wein. Die gehobene Küche hat zwar ihren Preis, doch der ist es wert.
Einen Minipunkt Abzug gibt es für die Website: Die Speisekarte ist dort nicht verfügbar. Und wer online reservieren will – Reservieren sei empfohlen – kann es nicht über ein Buchungssystem erledigen, sondern muss entweder anrufen oder per WhatsApp reservieren. Wir umschiffen das Problem auf einfache Weise: Wir reservieren gleich hier und jetzt für unseren nächsten Besuch.
Hinweis der Redaktion: Wir testen die Cafés und Restaurants anonym. Falls für die Geschichte erforderlich, geben wir uns nach dem Bezahlen zu erkennen. Die Rechnung zahlen wir selbst.


Leider sind die Öffnungszeiten von euch übernommen aus älteren Zeiten
Wenn dann bitte etwas genauer
Lg
Die im Artikel angegebenen Zeiten 16:30 bis 21:30 Uhr stimmen, Donnerstag ist zu. Wo ist das Problem?
Die Zeiten sind korrekt:
https://leo-cucina-italiana.de/kontakt-oeffnungszeiten/