Der Pianist Roland Vossebrecker setzt sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Holocaust auseinander. Foto: DeVi

Bei einem Gedenkvortrag zum internationalen Holocaust-Gedenktag hat sich Roland Vossebrecker mit der Frage beschäftigt, wie „richtiges“ Gedenken geht. Und schlug dabei den Bogen in die heutige Zeit.

Wir veröffentlichen einen Beitrag des  Vereins Bergisch Gladbach für Demokratie und Vielfalt

„Die ganze Prozedur dauert zwanzig Minuten – und der Körper verwandelt sich in Asche.“ Mit diesem Zitat von Salmen Gradowski, einem Mitglied des jüdischen Sonderkommandos Birkenau, begann Roland Vossebrecker vom Verein Bergisch Gladbach für Demokratie und Vielfalt im Begegnungscafé Himmel & Ääd seinen eindrucksvollen Vortrag zu der Frage: Wie geht „richtiges“ Gedenken.

Vossebrecker zeichnete in seinem Vortrag die Geschichte der Erfurter Firma Topf & Söhne nach – jenes Unternehmens, das als „Ofenbauer von Auschwitz“ für den Bau und die technische Weiterentwicklung der Krematorien mitverantwortlich war. Er zeigte, wie Ingenieure und Techniker daran arbeiteten, die Vernichtung, den Mord an 1,1 Millionen Menschen immer effizienter zu gestalten. Die dadurch erzielten persönlichen und ökonomischen Vorteile waren bescheiden und können das große Engagement nicht erklären. Und dass, obwohl die Firmeninhaber keine Nazis waren. 

In seinen Ausführungen ließ Vossebrecker Täter selbst zu Wort kommen, unter ihnen Adam Hradil, Fahrer im Konzentrationslager Auschwitz, der sagte: „Ich habe deshalb immer versucht, nicht richtig hinzusehen.“

Mit einem weiteren Zitat Gradowskis – „…und bald, in zwanzig Minuten, bleibt kein Andenken an sie“ – schloss Vossebrecker seinen Vortrag. Das Publikum verharrte lange in nachdenklichem Schweigen.

„Einsatz für die Opfer von heute“

In der anschließenden Gesprächsrunde bot Vossebrecker eine Antwort auf die Frage an, was „richtiges“ Gedenken heute bedeuten kann: „Vielleicht ist das beste Gedenken für die Opfer von damals der Einsatz für die Opfer von heute.“

Aus dieser These entwickelte sich ein intensives Gespräch, in dem sich viele Besucherinnen und Besucher auch selbstkritisch mit Verantwortung und Haltung auseinandersetzten. Stimmen aus dem Publikum sprachen das aus, was viele fühlten:

„Nicht nur gedenken, sondern handeln.“

„Es macht mir Mut, dass es solche Veranstaltungen gibt, in denen Menschen gemeinsam gegen das Vergessen einstehen.“

„Es war ein bewegender Abend“, resümierte Achim Rieks vom Café Himmel & Ääd und Moderator des Abends. „Die große Beteiligung und das intensive Gespräch zeigen uns: Die Menschen in Bergisch Gladbach wollen hinsehen, sie wollen was tun für die Opfer von heute.“

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.