Foto: Gymnasium Herkenrath

Das Gymnasium Herkenrath veranstaltete einen Holocaust-Gedenktag. Die Schülerinnen und Schüler setzten sich einen Tag lang intensiv mit dem Thema der Massenermordung im Nationalsozialismus auseinander. Neben einem Blick zurück ging es auch um die Gegenwart und den zunehmenden Rechtsextremismus.

Wir veröffentlichen einen Beitrag von Charlotte Wanken (Gymnasium Herkenrath)

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Anlässlich des diesjährigen Holocaust-Gedenktages lag es dem Gymnasium Herkenrath (als zertifizierte „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“) ganz besonders am Herzen, dem Gedenken um die Millionen von im Holocaust ermordeten Menschen Zeit und Raum zu widmen.

Angepasst an den Wissens- und Entwicklungsstand haben alle Schülerinnen und Schülern ab der Jahrgangsstufe 8 sich – mit Hilfe von themenbezogenen Filmen – intensiv mit dem Thema der Massenermordung im Nationalsozialismus auseinandergesetzt. 

Die achten bis zehnten Klassen haben zuerst in der Aula den Film „Die Welle“ (2008) geschaut. Darin geht es darum, dass – trotz Wissen um die Geschichte – eine Manipulation von Menschen wie in einer Diktatur auch heute noch möglich ist. 

Engagierte Schüler der Schülervertretung lasen danach per Lautsprecher einen Text vor (siehe ganz unten), der auf eine Schweigeminute einstimmte. Sie wiesen darauf hin, dass man sich immer wieder bewusst machen solle, wohin Hass, Rassismus und Gleichgültigkeit führen können und dass der Holocaust schleichend begann, mit Ausgrenzung, Hetze und Diskriminierung. Sie appellierten an die Schülerschaft: „Es ist unsere Verantwortung, nicht wegzuschauen.“

Beitrag gegen Rechtsextremismus

Am Nachmittag schaute die Oberstufe „Die Unsichtbaren“, ein Doku-Drama aus dem Jahr 2017, welches sich in großem Stil mit den erheblichen Herausforderungen derjenigen befasst, die den Holocaust überlebt haben – wenn auch unter sowohl physisch als auch psychisch katastrophalen Bedingungen sowie immenser Todesangst. 

Um zusätzlich einen direkten Beitrag gegen zunehmenden Rechtsextremismus zu leisten, verkaufte die SV in den beiden großen Pausen in der Schulstraße sowie vor Raum 232 Kuchen und Waffeln. Unter dem Namen „Waffeln gegen Rechtsextremismus“ machte sich die Aktion in der Schülerschaft beliebt. Die dabei erworbenen Einnahmen von knapp 400 Euro werden an die Organisation „Prisma“ gespendet, einem Aussteigerprogramm für Rechtsradikale.

Auch die Schulleitung des Gymnasiums Herkenrath betont die Wichtigkeit des Gedenkens an die Opfer: „Der Holocaust-Gedenktag ist ein Tag der Erinnerung, aber auch ein Tag der Verantwortung. Unsere Schule sieht es als zentrale Aufgabe, jungen Menschen nicht nur Wissen über die Geschichte zu vermitteln, sondern auch die Werte von Menschlichkeit, Toleranz und Zivilcourage zu stärken”, betont Romina Matthes, stellvertretende Schulleitung.

Gedankt sei allen, die diesen besonderen Schultag genutzt haben, um einerseits über Vergangenes, andererseits aber auch über mögliche Schlüsse für die Zukunft unserer Gesellschaft nachzudenken.

Der Text der Schülervertretung zur Gedenkminute:

„Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Lehrerinnen und Lehrer,
vielleicht wisst ihr schon, warum wir diesen Tag heute so gestaltet haben. Letzte Woche Montag, am 27.01., war der Holocaust-Gedenktag. Das ist der internationale Gedenktag, um an den Holocaust und die Verfolgung von Millionen von Menschen während der Zeit des Nationalsozialismus zu erinnern. An diesem Tag vor 80 Jahren, am 27.01.1945, fand die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz statt.

Was den Menschen dort angetan wurde, war mitunter das Schlimmste, was je in der Geschichte geschehen ist. Millionen Jüdinnen und Juden, politisch Verfolgte, Homosexuelle, Menschen mit Behinderungen und viele andere wurden von den Nationalsozialisten systematisch entrechtet, gefoltert und ermordet. Damit das Leid dieser Menschen niemals vergessen wird, gibt es diesen Tag.

Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, an die Menschen zu denken, die gelitten haben, damit wir aus der Geschichte lernen. Damit wir uns immer wieder bewusst werden, wohin Hass, Rassismus und Gleichgültigkeit führen können. Der Holocaust war kein plötzlicher Ausbruch von Gewalt – er begann schleichend, mit Ausgrenzung, Hetze und Diskriminierung. Und er geschah nicht irgendwo weit weg, sondern hier, mitten in Europa, in Deutschland. Millionen Menschen haben weggeschaut und sind ihrem Alltag nachgegangen, als wäre nichts geschehen.

Es ist unsere Verantwortung, nicht wegzuschauen. Wir leben heute in einer Gesellschaft, die auf Demokratie, Menschenrechten und Respekt aufgebaut ist. Aber diese Werte sind nicht selbstverständlich. Sie müssen immer wieder aufs Neue verteidigt werden. Wenn wir uns gegen Antisemitismus, Rassismus und jede Form von Diskriminierung einsetzen, tragen wir dazu bei, dass sich solche Verbrechen nie wiederholen.

Verstehen wir den heutigen Tag daher nicht nur als Erinnerung an die Vergangenheit, sondern auch als Auftrag für die Zukunft. Jeder von uns kann in seinem Alltag ein Zeichen setzen – sei es durch Respekt gegenüber anderen oder einfach durch ein offenes Gespräch über die Geschichte. Deshalb bitte ich Sie und Euch, sich zu erheben und nach dem Gong für eine Minute zu schweigen.“

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