Ein Abstecher in die Bergische Stube im Kardinal Schulte Haus lohnt sich doppelt: für knusprigen Flammkuchen – und für den weiten Blick über Bensberg. Selbst wer kein großer Fan der Elsässer Spezialität ist, kommt auf seine Kosten. Die Mischung aus rustikalem Hüttenflair, Tagungsgästen aus aller Welt und der besonderen Lage macht den Besuch zu einem kleinen Ausflug.
Früher sind wir als Familie öfter spontan essen gewesen. Seit der Pandemie kochen wir meistens zuhause. Der Frühling macht allerdings Lust, mal wieder auszugehen. „Lass uns doch heute ins Flammkuchen-Restaurant gehen“, schlage ich meinem Mann vor.
Die Bergische Stube befindet sich im Kardinal Schulte Haus in Bensberg. An dem stattlichen Gelände, das zum Erzbistum Köln gehört, sind wir zwar schon oft vorbeigefahren, haben es aber noch nie betreten. Gespannt biegen wir in die Auffahrt ein und fahren durch das Steintor bis zur Schranke vor. Wir ziehen ein Parkticket und folgen der Straße, die sich Anhöhe hinaufwindet.

Der Parkplatz ganz oben ist gut gefüllt – das Tagungszentrum mit seinem großen Angebot an Veranstaltungsräumen, Hotelzimmern und diversen Restaurants scheint gut besucht zu sein.
Ein bisschen Restlicht haben wir noch, um die Aussicht von hier oben zu bewundern. Die Silhouetten des Bensberger Schlosses und des Rathauses sehen eindrucksvoll aus, auf der anderen Seite liegt die Silhouette von „Klein-Manhattan“.
Und wo geht es in die Bergische Stube? Einfach der Nase nach – es duftet schon nach Flammkuchen aus der unscheinbaren Holztür an der Seitenwand des mehrstöckigen Prachtbaus.

Als wir eintreten, begrüßt man uns freundlich. Das Ambiente ist rustikal und modern zugleich – eine Mischung aus Hüttenromantik und Komfort. Manche Wände bestehen aus bergischer Grauwacke, andere sind schlicht geweißt. Die Decke ist mit hellem Holz getäfelt, an den Wänden entlang sind Sitzbänke installiert. Einige Tische stehen frei im Raum.
Unser Tisch bildet mit drei anderen eine Art Separee, abgetrennt durch zwei Holzregale mit dekorativ angeordneten leeren Weinflaschen. Das sorgt für Gemütlichkeit, die von den tiefhängenden Lampen noch verstärkt wird. Hinter dem Raumtrenner, unterhält sich eine größere Gruppe lebhaft auf Französisch.
Das Flammkuchen-Angebot ist vielfältig: vegetarisch oder mit Fleisch, scharf oder süß. Zügig werden die Getränke gebracht: Zitronenlimo für meine Tochter (3,90 Euro), ein Viertel Elsässer Edelzwicker für meinen Mann (7,80 Euro) und ein Bergisches Landbier für mich (3,90 Euro).



Die Gruppe älterer Damen scheint ihren Stammtisch zu halten. Ein aufmerksamer Kellner fragt sie, ob es noch etwas sein darf. Kölsch und Landbier werden geordert, während das Gespräch weitergeht und sie herzhaft in ihre Flammkuchen beißen. In die Bergische Stube kommen Tagungsgäste, aber auch ein lokales Publikum, bestätigt der Kellner, laut Namensschild „Herr Baras“, später unseren Eindruck.
Früher war hier die Hotelbar „Alte Kneipe“ untergebracht, bevor sie 2021 in das Flammkuchen-Restaurant umgewandelt und im vergangenen Winter noch einmal grundsätzlich renoviert wurde. Die Bergische Stube hat dabei mehr zu bieten als Flammkuchen à la Carte: die Ladies Night lockt u.a. mit einem All You Can Eat Angebot und einem Aperitif für 32 Euro pro Person, es gibt Fondue-Abende für Gruppen ab sechs Personen und ein Oster-Buffet.
Während wir noch die hübschen Fotos von adrett renovierten Fachwerkhäusern an den Wänden bewundern, bringt unsere Kellnerin „Frau Stefer“ unsere Flammkuchen und den Salat. Der Boden der Flammkuchen ist hauchdünn. Obendrauf sieht es auch nicht unbedingt überladen aus. Ob wir davon satt werden?
Vorgeschnitten in handgroße Stücke, laden die Fladen dazu ein, sie direkt in die Hand zu nehmen. Meine Tochter kaut kurz darauf mit zufriedenem Gesichtsausdruck ihre „Elsässer Art“ mit Rahm, Speck und Zwiebeln (12 Euro), mein Mann lässt sich den „Roquefort-Spinat“ mit Rahm, Blattspinat und Roquefort schmecken (14,50 Euro). Alle Flammkuchen gibt es auch in einer „Petit“-Version – die ist jeweils zwei Euro günstiger.
Ich stürze mich zunächst auf die Salatbowl „Bergisch Gesund“ (15 Euro). Blattsalat, Gurke, Tomate, Paprika, rote Zwiebeln sind sehr frisch, Mais und Kidneybohnen stammen aus der Dose. Das Joghurtdressing kann mit einem guten, selbstgemachten Salatdressing wie im Brauhaus leider nicht mithalten. Hätten wir uns besser für die Vinaigrette entscheiden sollen?


Mein Flammkuchen „Ziegenkäse“ – mit Rahm, Birnen, Ziegenkäse, Preiselbeeren und grobem schwarzem Pfeffer (15 Euro) ist hingegen erstaunlich geschmackintensiv. Die Mischung aus süßen Birnen, salzigem Ziegenkäse und süß-sauren Preiselbeeren macht‘s. Auch der Boden ist ausgesprochen knusprig. Leider ist die Petit-Variante gefühlt mit zwei Happs schon weg – und von dem Salat wollen auch Mann und Tochter noch etwas abhaben.
Unsere Tochter möchte jetzt noch einen süßen Flammkuchen probieren. Hin- und herüberlegt sie, welche Sorte es sein soll: „Apfel“ mit süßem Rahm, Äpfeln und Zimt-Zucker (12,50/10,50 Euro), „Schokomonster“ mit süßem Rahm, Banane und Kinderschokolade oder doch „Himbeere“ mit süßem Rahm, Himbeeren, Vanillezucker und (natürlich ohne) Himbeergeist flambiert (beide 13,50 Euro)? Frau Stefer nimmt sich Zeit für die Beratung und bietet an, den Belag zu mischen. Das ist die Lösung: „Schokomonster“ mit Himbeeren statt mit Banane!
Bergische Stube
Hotel Kardinal Schulte Haus
Overather Str. 51-53
51429 Bergisch Gladbach – Bensberg
Reservierung per Mail: info@k-s-h.de oder telefonisch: 02204 / 4080
Küchenzeiten: Mittwoch bis Samstag, 17 bis 21.45 Uhr.
Während der Biergartensaison ist die Küche an weiteren Tagen geöffnet.
Mein Mann und ich studieren die Rubrik „Feurige Gelüste“. Soll es „Jalapeno – Speck“ mit Rahm, Speck, Zwiebeln und Jalapenos (13,40 Euro) sein oder „Wild Beast“ mit Rahm, Chorizo, Jalapenos und Paprika (14 Euro)? Ganz ehrlich, wer kann einem Flammkuchen mit dem Namen „Wild Beast“ schon widerstehen?
Jalapenos sind mexikanische Chilli-Klassiker, heißt es erklärend in der Karte. Sie haben es in sich, das wird schnell klar, als „Wild Beast“ vor uns steht. Die Chorizo, eine eher pikante Wurst, erscheint fast mild im Vergleich. So dünn der Boden ist, schaffe ich meine Hälfte nicht mehr.
Apropos Boden: Er ist wirklich sehr lecker. Aber als wir erfahren, dass der Teig nicht selbstgemacht, sondern geliefert wird, sind wir schon ein wenig enttäuscht. Von einem Gourmet-Großhandel, betont Herr Baras. Das ist wahrscheinlich öfter der Fall als man denkt, sagt meine Nachbarin, als ich ihr am nächsten Tag davon erzähle.
Jetzt wollen wir rasch nach Hause, schließlich ist morgen Schule. Insgesamt bezahlen wir 99,50 Euro – plus Trinkgeld schon gut dreistellig. Für einen spontanen Flammkuchen-Imbiss kommt mir das eher teuer vor, auch wenn das Ambiente angenehm und der Service ausgezeichnet ist.
Trotzdem, so ein kleiner Tapetenwechsel tut gut. Und im Sommer, wenn man draußen auf der Terrasse sitzen kann, kommt ja auch noch die herrliche An- und Aussicht dazu – kostenlos.




Hinweis der Redaktion: Wir testen die Cafés und Restaurants anonym. Falls für die Geschichte erforderlich, geben wir uns nach dem Bezahlen zu erkennen. Die Rechnung zahlen wir selbst.


Leider sind die schönen alten Bäume gefällt worden – jetzt sitzt man im Sommer in der brütenden Sonne. Und ehrlich gesagt finde ich 15 Euro für eine Vorspeisen-Portion schon recht happig. Dafür die beste Aussicht aller Restaurants und Kneipen der Stadt!
Wir haben die gleiche Erfahrung gemacht: bei unserem ersten Besuch hat es uns sehr gut geschmeckt und wir haben uns vorgenommen, wieder zu kommen.
Dazu hatten wir dann Freunde mitgenommen, aber das war ein Fehler.
Wir konnten in die Küche schauen, von handgemachten Teig keine Spur; er kam aus dem Kühlschrank. Der Belag war lieblos und zwei von den vier Flammkuchen wurden kalt an den Tisch geliefert.
Unsere Lehre: immer mehrmals ein Restaurant ausprobieren, bevor man sich bei Freunden blamiert.
Am 23.01. wurde das Restaurant im KStA besprochen. Im Artikel findet sich die Textpassage:
“… die Gäste sollen essen wie Gott in Frankreich, denn alles ist in Handarbeit und mit hochwertigen Produkten zubereitet.
Um einen einzigen Teig auszurollen, braucht es Geduld
Das fängt beim Teig an, weiß Küchenchef Stefan Wagner: „Um einen einzigen Teig auszurollen, braucht es Geduld, um die drei Minuten, denn er zieht sich immer wieder zusammen“, verrät er aus dem neu gestalteten Restaurant,…”
Da war alles Handarbeit, warum nimmt man jetzt Fertigprodukte? Schade drum, da mache ihn den Teig doch lieber selber.