Fünf Schulneubauten müssen zum Start des Schuljahres am Mittwoch fertig sein. Die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren (G9) hatte die Raumnot an den Bergisch Gladbacher Gymnasien weiter verschärft, Erweiterungen wurden dringend nötig. Auf den Baustellen wird bis zum Schulstart gearbeitet – an manchen auch noch einige Zeit darüber hinaus.
Das Schuljahr, das am Mittwoch beginnt, ist in mehrfacher Hinsicht ein besonderes. Durch die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren (G9) verbleibt ein gesamter Schüler-Jahrgang zusätzlich an den Gymnasien. Außerdem gibt es erstmals einen Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz – in diesem Jahr zunächst für alle Erstklässler, die weiteren Jahrgänge folgen sukzessive.
Weil die Raumnot an den meisten Bergisch Gladbacher Schulen ohnehin groß ist, sollen Erweiterungsbauten Abhilfe schaffen. Im Eiltempo ließ die Schulbau-Gesellschaft an vier Gymnasien Erweiterungsbauten errichten, um Platz für den zusätzlichen G9-Jahrgang zu schaffen. An der GGS Hand ließ sie ein Klassenhaus mit Mensa und OGS-Räumen bauen.
Zur Erinnerung: Die Umstellung auf G9 war im Juli 2018, der Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz im September 2021 beschlossen worden.
Fünf Neubauten müssen also zum Schulstart am Mittwoch fertig und nutzbar sein – eine Mammutaufgabe für die Schulbau GmbH, die Bauunternehmen, die Schulgemeinschaften und alle weiteren Beteiligten.
Wir gehen davon aus, dass alle Gebäude zum Schuljahresbeginn betriebsbereit sein werden.Stadtverwaltung
Laut Stadt befinden sich sämtliche G9-Erweiterungsbauten auf der Zielgeraden. „Nach aktuellem Stand gehen wir davon aus, dass alle Gebäude zum Schuljahresbeginn betriebsbereit und für den Schulbetrieb nutzbar sein werden“, teilte die Stadtverwaltung auf Nachfrage mit.
Das gilt demnach ausdrücklich auch für das Albertus-Magnus-Gymnasium (AMG), bei dem die Bauarbeiten als letztes begonnen hatten und bei dem der Zeitplan daher besonders knapp war.

Arbeiten bis zur letzten Minute
Allerdings: Die Voraussetzung für die Inbetriebnahme sind laut Stadt abschließende sicherheitsrelevante Freigaben, unter anderem durch technische Sachverständige und die Feuerwehr sowie eine Beprobung und Freigabe des Trinkwassers. Bauabnahmen und Schlussbegehungen fänden noch bis zum Schulstart statt.
Gearbeitet wird also buchstäblich bis zur letzten Minute – und bis zum Schluss bleibt es entsprechend spannend.
Verzögerungen und Improvisation
Das AMG selbst stellte sich Ende der vergangenen Woche noch darauf ein, das neue Gebäude noch nicht zum Schuljahresbeginn genutzt werden kann. „Man hatte uns von der Schulbau GmbH mitgeteilt, dass wir voraussichtlich vier Wochen in Verzug sind“, berichtete Schulleiter Rolf Faymonville. „Wir werden natürlich etwas improvisieren müssen und zunächst die Oberstufen-Aufenthaltsräume in dieser Zeit zweckentfremden.“
Ein Teil der Räume sind bereits auf- und eingeräumt, auf anderen Etagen herrschte am Montag aber noch großes Durcheinander. Fotos: Thomas Merkenich
Improvisieren muss zunächst auch das Gymnasium Herkenrath. Auf dem Gelände des Schulzentrums, zu dem auch die Realschule gehört, entsteht im Zuge von G9 ein Neubau. Allerdings wird diesen nicht das Gymnasium, sondern ausschließlich die benachbarte Realschule nutzen. Das Gymnasium erhält im Gegenzug die komplette dritte Etage des Hauptgebäudes.
Dazu muss man wissen: Realschule und Gymnasium teilen sich den Standort und bislang auch ein Gebäude. Künftig soll es eine klarere räumliche Trennung beider Schulen geben. Lediglich naturwissenschaftliche Räume und solche für den Kunst-Unterricht werden sich beide Schulen auch weiterhin im Hauptgebäude teilen.

Eine renovierte Etage für das Gymnasium
Die bisherigen Realschulräume in der dritten Etage müssen vorher umfassend renoviert werden. Und genau dort hakt es, wie Schulleiterin Romina Matthes auf Nachfrage mitteilt. Mitte der Ferien wurde demnach bei Baggerarbeiten die Hauptstromzuleitung der Schule beschädigt. In der Folge waren Hauptgebäude und Neubau neun Tage lang ohne Strom – die Bau- und Renovierungsarbeiten verzögerten sich dadurch.
Dennoch betont Matthes: „Wir sind in weiten Teilen auf der Zielgeraden, zumindest, was die Aufnahme eines regulären Schulbetriebs angeht.“ Die noch ausstehenden Renovierungsarbeiten auf der dritten Etage sollen während der Herbstferien durchgeführt werden und bis November fertiggestellt sein.
Die bereits fertiggestellten Klassenräume präsentieren sich Matthes zufolge in einem deutlich aufgewerteten Zustand. „Gleichzeitig bleibt mit Blick auf die gesamte bauliche Situation noch einiges zu tun. Insbesondere die Gestaltung und Sanierung der Pausenhöfe ist weiterhin ein wichtiges Thema für das Gymnasium.“
Die teils umfangreichen Außenarbeiten (Bepflanzung, Wege- und Pflasterarbeiten etc.) an den einzelnen Standorten werden laut Stadt noch einige Zeit andauern.
Die fünf Bauprojekte im Überblick:
Albertus-Magnus-Gymnasium (AMG)
Auf einer Bruttogeschossfläche von 1200 Quadratmetern ist ein zweigeschossiges Klassenhaus aus Holz entstanden. Im Untergeschoss gibt es vier große Klassenräume für bis zu 32 Schüler:innen und einen Differenzierungsraum, im Obergeschoss zwei Physikfachräume, einen Materialraum und eine Informatikklasse. Insgesamt investiert die Stadt hier rund neun Millionen Euro.
Fotos: siehe oben
„Auf Mission G9“: Klassenhaus für AMG wird rechtzeitig fertig
In rascher Folge lässt die Schulbau-Gesellschaft neue Erweiterungsbauten an den Gymnasien errichten – um den neuen G9-Jahrgang unterbringen zu können. Das letzte Projekt in dieser Reihe ist der Modulbau für das Albertus-Magnus-Gymnasium, für das jetzt das Richtfest gefeiert wurde. Die Schule freut sich auf die dringend benötigte Entlastung – blickt aber mit Sorge weit darüber hinaus.
Schulzentrum Herkenrath

Der Neubau in Modulbauweise umfasst drei Etagen mit einer Bruttogeschossfläche von knapp 2000 Quadratmetern. Insgesamt ist darin Platz für zwölf Klassenräume, sechs Differenzierungsräume und ein Lehrerzimmer.
Der Neubau wird von der Realschule genutzt, das Gymnasium erhält dafür zusätzlich eine frei gewordene Etage im Hauptgebäude Die Kosten liegen bei 8,7 Millionen Euro.
„Leben als Sardine ist vorbei“: Neubau verschafft Schülern Platz
Am Schulzentrum Herkenrath entsteht ein Gebäude, das Platz für 18 Unterrichtsräume bietet. Obwohl die Realschule in den Neubau einziehen wird, profitiert auch das benachbarte Gymnasium unmittelbar davon – gerade noch rechtzeitig, denn nach den Sommerferien muss ein zusätzlicher G9-Jahrgang aufgenommen werden.
Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium (DBG)
Das Gebäude mit drei Etagen wurde in Holzmodulbauweise errichtet, auf einer Bruttogeschossfläche von 1500 Quadratmetern. Es bietet unter anderem Platz für acht Klassenräume für Oberstufenschüler:innen. Zwischen den Räumen gibt es Freiflächen zum selbstständigen Arbeiten. Die Stadt investiert rund 9 Millionen Euro.


Neues DBG-Klassenhaus schafft Platz für 120 weitere Schüler
Mit einem Richtfest haben Stadt, Schulbaugesellschaft und Baufirmen den Baufortschritt für das neue Klassenhaus des DBG gefeiert. Der Zeitdruck bleibt hoch, denn ab dem Sommer braucht die Schule dringend zusätzliche Räume für die Rückkehr zu G9. Der Neubau steht allerdings nur für eine begrenzte Dauer zur Verfügung.
Otto-Hahn-Gymnasium (OHG)
Auf einer Fläche von rund 1600 Quadratmetern wurde ein Klassenhaus mit drei Etagen errichtet. Im ersten und zweiten Stock befinden sich jeweils vier Klassenräume, die flexibel nutzbar sind. Im Erdgeschoss gibt es unter anderem einen Differenzierungsraum, ein Lehrerzimmer und Gemeinschaftsräume. In dem Gebäude sollen rund 240 Schüler:innen der Jahrgangsstufen 5 und 6 untergebracht werden. Die Kosten liegen bei 8,5 Millionen Euro.
Richtfest am OHG – Stadt präsentiert neues Klassenhaus
Am Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) hat die Stadt mit einem Richtfest den raschen Baufortschritt für das neue Klassenhaus für die Stufen fünf und sechs gefeiert. Wo früher eine Sportanlage war, wächst jetzt ein Gebäude heran, das nach dem Sommer für die Rückkehr zu G9 dringend benötigt wird. Auf rund 1600 Quadratmetern Fläche sollen 240 Schüler:innen untergebracht werden. Trotz des sehr engen Zeitfensters könnte der Plan aufgehen.
GGS Hand
Auf dem Schulhof der Grundschule ist auf einer Grundfläche von 822 Quadratmetern ein zweistöckiges Gebäude in Modulbauweise entstanden. Im Untergeschoss befindet sich die Mensa mit Frischküche.
Drei multifunktionale Räume im Obergeschoss dienen vormittags als Klassenräume und nachmittags dem Offenen Ganztag. Der Neubau hat rund 6,8 Millionen Euro gekostet.
Neubau beendet Jahre des Improvisierens an der GGS Hand
Aufatmen an der GGS Hand: Das neue Gebäude für die Mensa und den Offenen Ganztag kommt gerade noch rechtzeitig. Auch hier gilt ab dem Sommer der Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz. Die Bauarbeiten für die Erweiterung liegen im Zeitplan – Stadt, Schule und Baufirmen feierten jetzt Richtfest.
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