Beispiel für die Weiterentwicklung eines Einfamilienhauses in ein Vierfamilienhaus. Foto: gewo-gl

Der neue Verein „Gemeinschaft für Wohnen Bergisch Gladbach“ will vorhandene Potenziale besser nutzen und neue Wege zu bedarfsgerechtem Wohnraum entwickeln. Eigentümer und Menschen mit Fachexpertise sind zum Mitmachen eingeladen.

Wir veröffentlichen einen Beitrag des Gemeinschaft für Wohnen Bergisch Gladbach e.V.

In Bergisch Gladbach ist ein neuer gemeinnütziger Verein an den Start gegangen: Am 1. September 2026 wurde die Gemeinschaft für Wohnen Bergisch Gladbach e.V., kurz gewo-gl, gegründet. Zehn Personen haben die Vereinsgründung gemeinsam vollzogen. Dem dreiköpfigen Vorstand gehören Christel Irmen, Dr. Harald Fett und Oliver Knigge an.

Den Anstoß gab Anfang 2026 Johannes W. Ditsche. Seine ursprüngliche Idee war der Aufbau einer bürgerschaftlich getragenen Wohnungsgenossenschaft. In den folgenden Monaten wurde jedoch deutlich, dass die Aufgabe viel früher beginnt: Bevor Wohnprojekte entstehen können, müssen geeignete Immobilien und Flächen gefunden, Eigentümer angesprochen, unterschiedliche Wohnbedürfnisse verstanden, Fachwissen zusammengebracht und tragfähige Konzepte entwickelt werden. Daraus entstand die Idee, zunächst gewo-gl als gemeinnützigen Verein zu gründen.

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Vorhandene Möglichkeiten besser nutzen

Im Mittelpunkt steht eine einfache Frage: Wie kann in Bergisch Gladbach zusätzlicher und bedarfsgerechter Wohnraum entstehen, ohne dafür immer neue Flächen zu versiegeln?

gewo-gl sieht dafür erhebliche Möglichkeiten im Bestand: große Einfamilienhäuser, die heute nur noch von ein oder zwei Personen bewohnt werden, leerstehende oder nicht mehr benötigte Gewerbeimmobilien, sanierungsbedürftige Gebäude, Baulücken und bereits genutzte Flächen, auf denen zusätzlicher Wohnraum entstehen könnte.

„Wir gehen davon aus, dass in Bergisch Gladbach noch erhebliche Potenziale in bestehenden Gebäuden und bereits genutzten Siedlungsflächen liegen. Diese Potenziale möchten wir sichtbar machen, prüfen und gemeinsam mit den Menschen vor Ort entwickeln“, sagt Johannes W. Ditsche, Initiator von gewo-gl.

Dabei möchte der Verein Eigentümerinnen und Eigentümern nicht vorschreiben, was sie mit ihrer Immobilie tun sollen. Vielmehr will gewo-gl gemeinsam mit ihnen Möglichkeiten entwickeln: Kann ein inzwischen zu großes Einfamilienhaus künftig mehreren Haushalten Platz bieten? Lässt sich ein leerstehendes Gewerbegebäude zu Wohnraum umnutzen? Kann auf einem großen Grundstück zusätzlicher Wohnraum entstehen?

„Viele Menschen leben gerne in ihrem Haus, auch wenn es ihnen inzwischen zu groß geworden ist. Andere suchen dringend passenden Wohnraum. Wir möchten Lösungen entwickeln, die für beide Seiten attraktiv sind – freiwillig, gemeinsam und mit Blick auf die jeweilige Lebenssituation.“

Mehr als die klassische Wohnung

Gleichzeitig verändern sich die Wohnbedürfnisse. Nicht jeder Mensch benötigt in jeder Lebensphase dieselbe Wohnform und dieselbe Fläche. Neben klassischen Wohnungen können deshalb beispielsweise gemeinschaftliche Wohnformen, Mehrgenerationenwohnen oder Wohngemeinschaften eine Rolle spielen.

Sie können dazu beitragen, vorhandenen Wohnraum besser zu nutzen und zugleich Begegnung und gegenseitige Unterstützung zu ermöglichen. Auch der zunehmenden Vereinsamung kann auf diese Weise entgegengewirkt werden – ohne dabei auf individuelle Rückzugsmöglichkeiten und Privatsphäre zu verzichten.

gewo-gl fasst diesen Anspruch in drei Leitgedanken zusammen:

Zukunft bauen. Quartiere gestalten. Gemeinschaft leben.

Bestehendes soll möglichst erhalten, vorhandene Flächen besser genutzt und zusätzliche Versiegelung vermieden werden. Neue Wohnprojekte sollen sich gut in ihr Umfeld einfügen und dieses möglichst aufwerten.

Und dort, wo Menschen gemeinschaftlicher wohnen möchten, sollen Begegnung und gegenseitige Unterstützung möglich sein, ohne die Privatsphäre des Einzelnen einzuschränken.

Menschen, Immobilien, Ideen und Fachwissen zusammenbringen

gewo-gl versteht seine Aufgabe zunächst darin, Menschen, Immobilien, Ideen und Fachwissen zusammenzubringen und aus ungenutzten Potenzialen neue Möglichkeiten für bedarfsgerechten Wohnraum zu entwickeln.

Der Verein kann Hinweise auf geeignete Immobilien und Grundstücke aufnehmen, Möglichkeiten gemeinsam mit Eigentümern untersuchen, Fachleute zusammenbringen, Konzepte entwickeln und geeignete Wohnprojekte vorbereiten. Die spätere Umsetzung kann auf unterschiedlichen Wegen erfolgen. Perspektivisch ist dafür unter anderem die Gründung einer eigenen Wohnungsgenossenschaft vorgesehen.

Die Stadthäuser aus den 1960er könnten für Wohnraum neu genutzt werden. Foto: Thomas Merkenich

Ein erstes größeres Vorhaben, an dem sich dieser Ansatz konkret erproben lässt, sind die Alten Stadthäuser in der Bergisch Gladbacher Innenstadt. Sie sind das Pilotprojekt des Vereins. Weitere Vorhaben und Ideen sollen folgen.

gewo-gl versteht sich dabei nicht als Konkurrenz zur klassischen Wohnungswirtschaft, sondern als Ergänzung. Hinter dem gemeinnützigen Verein stehen keine persönlichen wirtschaftlichen Interessen und keine Gewinnabsicht.

Ziel ist es, gemeinsam mit Eigentümern, Fachleuten, Stadtgesellschaft, Politik und Verwaltung Möglichkeiten für zusätzlichen bedarfsgerechten Wohnraum zu entwickeln.

Mitstreiterinnen und Mitstreiter gesucht

Mit der Vereinsgründung beginnt nun der Aufbau einer größeren Gemeinschaft. gewo-gl sucht deshalb ausdrücklich weitere Mitglieder, die sich mit ihren Möglichkeiten in die Arbeit des Vereins einbringen möchten.

Besonders angesprochen sind Eigentümerinnen und Eigentümer, die ein Gebäude oder Grundstück besitzen, bei dem sie sich eine andere oder intensivere Nutzung grundsätzlich vorstellen können. Auch wer eine solche Immobilie kennt oder einen ersten Gedanken dazu hat, kann sich an gewo-gl wenden. Es muss noch kein fertiges Projekt geben.

Ebenso sucht der Verein weitere Menschen mit Fachexpertise, die ihr Wissen ehrenamtlich einbringen möchten – beispielsweise aus Architektur, Bauingenieurwesen und Gebäudetechnik, Stadt- und Freiraumplanung, Immobilienwirtschaft, Finanzierung und Förderung, Recht, Kommunikation oder anderen für Wohnprojekte relevanten Bereichen. Bereits bestehende Arbeitsgruppen unterstützen die Entwicklung und Prüfung der Projekte.

Auch Bürgerinnen und Bürger, die die Ziele von gewo-gl unterstützen und sich aktiv an Projekten und an der weiteren Entwicklung des Vereins beteiligen möchten, sind als Mitglieder herzlich willkommen.

„Wir möchten nicht einfach möglichst viele Wohnungen bauen. Wir möchten gemeinsam herausfinden, wie wir den vorhandenen Raum so nutzen können, dass mehr Menschen gut und bedarfsgerecht in Bergisch Gladbach wohnen können.“

Weitere Informationen, Mitgliedschaft und Kontakt: www.gewo-gl.de

Die Gemeinschaft für Wohnen Bergisch Gladbach e.V. (gewo-gl) setzt sich für bedarfsgerechten Wohnraum und alternative Wohnformen ein. Der gemeinnützige, unabhängige Verein bringt Menschen, Ideen und Fachwissen zusammen, um vorhandene Gebäude und Flächen besser zu nutzen und neue Wege des Wohnens...

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  1. !Glückwunsch Johannes!
    gewo-gl
    gemeinnütziger Verein
    ein guter Start
    und spannende Weiterentwicklung des ursprünglichen Gedanken

  2. Das Vorher-Nachher-Bild zeigt schon das Problem. Auf der selben Fläche leben nun 3 – 4 x soviele Menschen. Aber auf welcher Fläche entsteht dazu die entsprechende Infrastuktur. Mehr Menschen brauchen auch mehr Einkaufsmöglichkeiten, Straßen und Parkplätze, Spiel- und Freizeitflächen…

    Wenn das dann alles nur mit dem Auto erreichbar ist, wird das sowieso schon vorhandene Verkehrsproblem noch größer. Eigentlich ist es ganz einfach. Wir brauchen langfristig vernüftige Lösungen für neuen Wohnraum mit entsprechender Infrastruktur. Auf alten Mauern ein paar Wände hochzuziehen, ist nicht mal die halbe Lösung.

    1. Danke für den Kommentar. Ob das Glas halb voll oder halb leer ist – jeder neu geschaffene Wohnraum ist zunächst einmal ein Anfang.

      Natürlich müssen dabei Infrastruktur, Mobilität, Einkaufsmöglichkeiten sowie Spiel- und Freizeitflächen mitgedacht werden. Genau solche Fragen wollen wir bei gewo-gl gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern aufgreifen.

      Deshalb unsere herzliche Einladung: Nicht nur kommentieren, sondern mitmachen! Wer Ideen, Erfahrungen oder konkrete Vorschläge für sein Quartier hat, kann sich bei uns melden, an unseren Arbeitsgruppen beteiligen oder selbst ein Thema einbringen. Auch kritische Hinweise sind ausdrücklich willkommen.

      Denn gewo-gl soll genau davon leben: gemeinsam Ideen entwickeln und daraus Schritt für Schritt konkrete Projekte für Bergisch Gladbach machen.

      Danke!

      1. Das sehe ich etwas anders. Es gibt doch schon genug schlechte Beispiele für “zunächst einmal ein Anfang”. Die meisten dieser Projekte scheitern, wenn das Interesse nachlässt, sich das politische Umfeld ändert oder Unzufriedenheit und Ablehnung zunehmen, weil es eben doch nur eine halbherzige Lösung ist. Hier und da mal eine Lücke schließen oder Hinterland bebauen ist schon ok, aber das Wohnraumproblem ist viel größer, weil ja nicht nur Wohnraum fehlt – sondern weil massiv zeitgemäßer und energieeffizienter Wohnraum fehlt.

    2. @BOB – noch kurz zu Ihrer Antwort vom 27. September:

      Da sind wir gar nicht so weit auseinander. Das Wohnraumproblem wird weder durch das Schließen einzelner Baulücken noch allein durch Neubau gelöst.

      Gerade deshalb beschäftigt sich gewo-gl auch intensiv mit dem vorhandenen Gebäudebestand: Wie können Häuser sinnvoll weiterentwickelt, vorhandener Wohnraum flexibler genutzt, neue Wohnformen ermöglicht und gleichzeitig das unmittelbare Wohnumfeld und die notwendige Infrastruktur mitgedacht werden? Gerade in unseren Stadtteilen steckt hier viel Potenzial.

      Schauen Sie gerne einmal auf gewo-gl.de vorbei. Und noch besser: Bringen Sie Ihre Ideen ein. Wir haben sicher noch nicht auf alles eine Antwort – genau deshalb wollen wir gemeinsam Lösungen entwickeln und dabei auch ganz bewusst nach Möglichkeiten suchen, die sich zeitnah und konkret umsetzen lassen.

      Danke!