So sollen die Gebäude des Wohnprojekts in Herkenrath aussehen. Visualisierung: raum für Architektur/FormFest

Seit siebeneinhalb Jahren planen die Mitglieder der Christlich-Ökologischen Wohngemeinschaft CÖW ein gemeinschaftliches und klimagerechtes Wohnprojekt in Herkenrath. Nach vielen Rückschlägen feierten die Mitglieder mit beteiligten Akteur:innen nun den Spatenstich. Sie suchen noch weitere Mitbewohner:innen für ihr „Mikro-Dorf“ auf der grünen Wiese.

Es geht voran in Herkenrath. Bald starten die Bauarbeiten für das innovative Wohnprojekt: Auf einer großen Wiesenfläche unterhalb der Kirche St. Antonius Abbas entsteht ein gemeinschaftliches, ökologisches und klimaangepasstes Mehrgenerationen-Konzept mit zehn Wohnmodulen für 18 Erwachsene und ihre Kinder. 

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Nun feierten die künftigen Bewohner:innen den symbolischen Spatenstich des Christlich-ökologischen Wohnprojekts (CÖW) – mit Projektbeteiligten, Anwohner:innen und Vertreter:innen von Stadt und Kreis, darunter Landrat Arne von Boetticher und Bergisch Gladbachs Erster Beigeordneter Ragnar Migenda. „Danke an alle, die an uns geglaubt und uns in den zurückliegenden siebeneinhalb Jahren unterstützt haben“, sagte Mitbegründer Christian Weingarten.

Künftige Bewohner:innen, Projektbeteiligte sowie Vertreter:innen von Kreis und Stadt auf dem Grundstück des Wohnprojekts in Herkenrath. Foto: Redaktion

Von der Vision zum Spatenstich

Es war ein sehr langer Weg von der ersten Idee – besser gesagt Vision – bis zur Umsetzung, wie Weingarten skizzierte: Begonnen hatte alles im September 2018 mit einem Treffen von fünf Menschen „auf der Schwelle zum Erwachsenenleben“ und der Frage „Wie wollen wir wohnen?“

Sie erarbeiteten ein Konzept, suchten nach geeigneten Grundstücken. Im Mai 2019 gab es die ersten Kontakte zur katholischen Kirchengemeinde, der das „herausfordernde Grundstück“ in Hanglage gehört.

„Wir hatten mit drei verschiedenen Bergisch Gladbacher Bürgermeistern zu tun“, berichtete Weingarten. In der Verwaltung habe es anfangs geheißen: „Tolles Projekt, aber nicht auf diesem Grundstück.“

Eine erste Projektgruppe von 22 Mitgliedern hatte sich im Laufe der Jahre wieder aufgelöst. „Es gab viele Rückschritte und Tiefpunkte.“ Zu den Höhepunkten zähle die Unterzeichnung des Erbpachtvertrags zwischen der inzwischen gegründeten Genossenschaft und der Kirchengemeinde im Dezember 2024. Die Baugenehmigung lag im November 2025 vor. 

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Mikro-Dorf auf Stelzen

In ressourcenschonender Modulbauweise entsteht in den kommenden Monaten auf dem 4500 Quadratmeter großen Grundstück ein autofreies, naturnah gestaltetes „Mikro-Dorf“ mit elf Wohnungen. Davon sind neun sozial gefördert. Die einzelnen Module sind über Holzstege barrierefrei miteinander verbunden. 

Im Zentrum des Projekts steht die Idee, dass es weniger private Fläche pro Person gibt, dafür Räume und Flächen gemeinschaftlich genutzt und geteilt werden. Die Wohneinheiten sind in sich abgeschlossen und haben eine Größe von 40 Quadratmetern für Alleinstehende bis zu 95 Quadratmeter für eine fünfköpfige Familie. 

Alle Wohnungen haben ein Badezimmer mit Dusche. Darüber hinaus gibt es ein „Gemeinschaftsmodul“: Das hat ein Badezimmer mit Wanne, eine große Küche, eine Waschküche und einen weiteren großen Raum für Feste und Versammlungen. Außenanlagen und Garten nutzen die Bewohner:innen gemeinsam. 

Auf dieser Wiese unterhalb der Kirche entsteht das „Mikro-Dorf“. Foto: Redaktion

Die Module werden zu großen Teilen im Werk vorgefertigt – „sogar die Bäder inklusive Toilettenpapierhalter“. So sollen Baustellenemissionen, Abfälle und Eingriffe in den Naturraum minimiert werden.

Die Module werden anschließend auf Stelzen errichtet. Das schütze den Boden, biete Schutz vor Starkregen und reduziere die Versiegelung auf ein Minimum, so Weingarten. 

Unter den Gebäuden entstehen schattige Aufenthaltsorte und Lebensräume für Insekten. Die Fassaden- und Dachbegrünung soll für ein angenehmes Mikroklima sorgen und das Gebäude im Sommer kühlen. 

Supervisorin begleitet das Wohnprojekt

Zu den künftigen Bewohner:innen zählen neben drei Familien mit insgesamt acht Kindern zwei Paare und vier Alleinstehende. Sie kommen aus Bergisch Gladbach, aber auch aus Bonn, Hamburg und dem Rhein-Erft-Kreis. „Die Gemeinschaft wächst schon richtig zusammen“, sagte Weingarten. Die Mitglieder treffen sich mindestens einmal im Monat für einen Gemeinschaftstag, machen Ausflüge, schmieden Pläne oder haben Supervision.

Eine auf Wohnprojekte spezialisierte Supervisorin begleitet die Gemeinschaft, berät zu Themen wie Selbstorganisation oder dem Umgang mit Konflikten. „Das Zusammenleben muss geübt werden. Hier kommen unterschiedliche Bedürfnisse zusammen.“

Zwei freie Wohnungen für Familien

Derzeit gibt es noch zwei freie Wohnungen für Familien. „Acht Familien waren im Laufe der Zeit schon kurz davor einzusteigen, sind dann aber wieder abgesprungen“, berichtete Weingarten. Manchen sei es vermutlich zu unsicher gewesen, ob und wann es wirklich losgeht. „Wenn die Bauarbeiten erst einmal gestartet sind und man etwas sehen kann, wird es vielleicht einfacher.“ Das Kennenlernen koste viel Zeit, es müssten viele Rahmenbedingungen passen. 

Bei Einzelpersonen hingegen sei die Nachfrage riesig. Es hätten sich auch Interessenten aus Freiburg und Dänemark gemeldet, berichtet Weingarten. Aktuell gebe es die Überlegung, eine der Wohnungen für Familien als WG für drei Alleinstehende zur Verfügung zu stellen. 

Regionale 2025 fördert das Projekt

Das Projekt wird (unter anderem wegen seines beispielhaften Umgangs mit Ressourcen) von der Regionale 2025 gefördert. Die Genossenschaft hat Gelder der Wohnraumförderung NRW erhalten. Zudem wird es als innovatives Bauprojekt vom Bundesbauministerium gefördert. 

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Die Technische Hochschule (TH) Köln begleitet das Vorhaben eng mit einem interdisziplinären Langzeit-Forschungsprojekt: Dabei werden die Auswirkungen der Wohnanlage auf Klima, Biodiversität, Energieeffizienz, Wasserkreisläufe und das Zusammenleben wissenschaftlich untersucht. 

Die Bauarbeiten sollen Ende März oder April starten, im Mai oder Juni die Wohnmodule aufgebaut werden. „Wenn alles klappt, könnten die ersten Familien Ende des Jahres einziehen“, so Weingarten. Das Außengelände mit Spielflächen, Sitzgelegenheiten, Gemüsegarten und Obstbäumen gestalten die Mitglieder anschließend gemeinsam. „Wir freuen uns schon riesig darauf!“


Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf der Internetseite der CÖW.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Herzlichen Glückwunsch allen Beteiligten für diese wichtigen Wendepunkt!
    Ich habe nie verstanden, wie einem solchen Projekt so viele Steine in den Weg gerollt werden. Mehr als 7 Jahre kämpfen die Protagonisten für diese Idee des gemeinsamen Wohnens. Warum geht das nicht einfacher? Warum rollt die Verwaltung ihnen nicht die Steine aus dem Weg. Solche Projekte wie auch das Mehrgenerationen Haus in Refrath müssten viel häufiger entstehen und viel stärker gefördert werden!

  2. Ein beeindruckendes Projekt, dem man weiterhin viel Erfolg wünschen kann. Es zeigt, dass gemeinschaftliches, nachhaltiges Wohnen im Kleinen funktioniert und damit auch ein Vorbild für größere Lösungen durch engagierte Bürger sein kann.

    Entscheidend ist, dass Menschen den Mut finden, selbst aktiv zu werden und solche Ideen gemeinsam voranzubringen.

    Danke!