Neu gebaut wird in Bergisch Gladbach fast nur noch zu hohen Preisen - und in der Regel nicht für Vermietungen. Foto: Thomas Merkenich

Die Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen begrüßen die rechtlichen Möglichkeiten, die der Wohnungsbau-Turbo den Kommunen ermöglicht. Angesichts des massiven Mangels an bezahlbarem Wohnraum fordern sie vor der Sitzung des Stadtplanungsausschusses eine entschlossene Umsetzung.

Wir veröffentlichen einen Beitrag der Fraktionen von SPD und Grünen im Stadtrat

Über die Jahre ist ein feingliedriges Geflecht an Regeln beim Planen und Bauen entstanden, das oft am Ziel vorbei geht: Bezahlbares, dauerhaft qualitätvolles Bauen sicherzustellen. Mit dem neuen Bau-Turbo können Kommunen bis Ende 2030 von bestehenden Bauplänen abweichen. Damit können Bauvorhaben schneller und unbürokratischer realisiert werden

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Wir begrüßen den Bau-Turbo als Instrument, um dort mit den Regeln flexibel umzugehen, wo die Folgewirkungen und der Ausgleich zwischen öffentlichen und privaten Interessen überschaubar sind. Das Planungsrecht wird dadurch sinnvoll ergänzt und erlaubt zügiger zu bauen und die Verwaltung zu entlasten.

Wir unterstützen den Ansatz, der Verwaltung den Gestaltungsspielraum zu geben, innerhalb der allgemein anerkannten städtebaulichen Ziele, Verfahren auf diese Weise zu vereinfachen.

Zu den Zielen gehört insbesondere, bezahlbaren, nachhaltigen Wohnraum durch städtebauliche Verträge zu sichern, den Außenbereich zu schonen und Bergisch Gladbach als lebenswerte Stadt weiterzuentwickeln.

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Weder die Spekulation mit Boden noch Wildwuchs mit geringer Entlastungswirkung für den Wohnungsmarkt dürfen dabei befördert werden. Daher sind zum Beispiel Bebauungen in der zweiten Reihe kritisch auf Ihre Vorbild- und Gesamtwirkung zu prüfen.

Wir begrüßen ausdrücklich Investitionen, die den Zielen einer gesunden Stadtentwicklung dienen und halten Verfahren, bei denen Interessenträger ihre Anliegen mit der Verwaltung vorbesprechen, bevor sie durch einen Bauantrag Entscheidungsdruck auslösen, für den andernorts bereits erfolgreich erprobten Weg.

Die Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen pochen auf die strikte Einhaltung der 30%-Quote für geförderten Wohnraum. Der Bau-Turbo darf kein Freifahrtschein für den Bau von Luxuswohnungen werden!

Hier werden gemeinsame Pressemitteilung von Bündnis 90 / Die Grünen und der SPD in Bergisch Gladbach veröffentlicht.

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  1. Massiver Mangel an bezahlbaren Wohnraum ?
    Ausser dem Bauturbo könnte evtl. auch mal eine Taskforce, welche als einzigste Aufgabe die “Aufdeckung von leerstehenden Wohnraum” zur Aufgabe hat, dienlich sein.

    Allein in meinem Umfeld gibt es ein sehr gut aussehendes Einfamilienhaus. Von aussen gepflegt aussehend und den Eindruck erweckend, es sei bewohnt. Steht seit Jahren leer.
    Ferner eine 5 Zimmer Wohnung mit Gartenanschluss ( ideal für Kinder) Gepflegtes Haus, tolle dörfliche Umgebung mit Wald. Anschluss an Bensberg, Bergisch Gladbach
    Steht seit Jahren leer.

    Hier müsste mal stärker durchgegriffen werden. Sicherlich können die Eigentümer mit ihrem Eigentum tun und machen was sie wollen.

    Aber bevor die es leer stehen und verrotten lassen, könnte daraus durchaus kurzfristig bezahlbarer Wohnraum entstehen.

  2. “Der Bau-Turbo darf kein Freifahrtschein für den Bau von Luxuswohnungen werden” Geht etwas weniger Polemik?

    Neubau ist aktuell immer Luxus für den Normalo, das kommt durch politische Vorgaben.

    Warum ist Neubau denn ein Problem? Die neuen Besitzer oder Mieter machen doch anderen, günstigeren Wohnraum frei. Oder werden die beim Bau direkt mitgebaut?

    Dieser günstigere, ältere Wohnraum kann dann wieder durch die genutzt werden, die weniger haben.

    Oder will rot-grün, dass jeder im Neubau wohnen kann, unabhängig von der eigenen Leistung?

  3. [Es schreibt der Mensch, der dieses Pseudonym seit mehreren Jahren nutzt und dessen Name der Redaktion vorliegt…]

    Zitat: “Wir begrüßen den Bau-Turbo als Instrument, um dort mit den Regeln flexibel umzugehen, wo die Folgewirkungen und der Ausgleich zwischen öffentlichen und privaten Interessen überschaubar sind.”

    Was bedeutet das konkret? In den vergangenen Jahren sind in vielen Straßen alte Häuser abgerissen worden (graue Energie?) und durch erheblich größere Neubauten ersetzt worden. Regelmäßig kommt es dabei zu Konflikten mit den angestammten Bewohnern, deren Interessen mit Verweis auf § 34 BauGB schnell abgebügelt wurden, weil irgendwo eine Straße weiter auch schon ein großes Gebäude steht. Das geschieht auch, wenn in der wirklich relevanten Straße bisher ausschließlich kleine Häuser stehen. Der erste große Klotz dient dann bei der nächsten Anfrage als zusätzliches Argument für weitere Klötze. Im Ergebnis werden damit die Interessen der Bewohner unserer Stadt zugunsten von Investorenrendite geopfert.

    Mit dem Bauturbo muss der Stadtrat Farbe bekennen und über jeden “Bauturbo-Antrag” entscheiden. Wer hat die Ratsmitglieder gewählt, Investoren oder die Bürgerinnen und Bürger der Stadt? Wie werden sich die roten und grünen Ratsmitglieder entscheiden, wenn in einer gewachsenen Wohnstraße neue Mehrfamilienhäuser geplant sind, egal ob ein bestehender Bebauungsplan dem widerspricht oder es keinen gibt?

    Zeitgleich ist die Stadt Eigentümerin des Zanders-Geländes, auf dem genug Platz für neue Wohnungen ist. Warum nicht dieses Gelände nutzen, um dem Druck auf dem Wohnungsmarkt zu begegnen? Warum dauert es so lange, warum sorgt man dort nicht effizient und schnell für Lösungen statt neue Arbeitsgruppen und Gremien zu gründen und alle paar Monate neue Geschäftsführer zu suchen? Warum nimmt man nicht eine Teilfläche und fängt endlich mal an? Dort kann man für Wohnraum, Einnahmen für die Stadt und – wenn es sein muss – für Investorenrendite sorgen. Dorthin sollten die Ratsmitglieder ihre Energie stecken statt in die Bearbeitung von Anträgen basierend auf dem Bauturbo in bestehenden Wohngebieten! Dort gerne restriktiv handeln!

    1. @Bensberger: “Zeitgleich ist die Stadt Eigentümerin des Zanders-Geländes, auf dem genug Platz für neue Wohnungen ist. Warum nicht dieses Gelände nutzen, um dem Druck auf dem Wohnungsmarkt zu begegnen?”

      Das sollte getan werden, ohne das andere zu lassen!

      Es gibt schließlich auch Menschen, die es bevorzugen, wie Sie, “in einer gewachsenen Wohnstraße” zu wohnen, z.B. mit eigener Garage usw. oder Familien mit Kindern die lieber etwas außerhalb vom Zentrum wohnen möchten.
      Alternativ könnte man für diejenigen natürlich wieder neues Bauland erschließen, wollen Sie das?

      1. [Es schreibt der Mensch, der dieses Pseudonym seit mehreren Jahren nutzt und dessen Name der Redaktion vorliegt…]

        @Ulla
        Es geht beim Bauturbo darum, dass bestehende Bebauungspläne ignoriert (wenn vorhanden) oder ohne die Aufstellung eines solchen (wenn nicht vorhanden) gebaut werden kann. Das kann einerseits bei der Konversion von Flächen aus Gewerbe helfen (Zanders, Parkplatz an der Locher Mühle und evtl. Isover-Gelände in der Zukunft). Das kann positiv sein, gerade bei Zanders. Auf der anderen Seite können damit aber bestehende Wohngebiete aufgebrochen werden, das ist aus meiner Sicht schlecht. Sie schreiben in ihrem Beispiel ja, dass jemand mit eigener Garage oder Familien mit Kindern gerne in bestehende Wohngebiete ziehen möchte. Das ist ja auch möglich, man kann den Altbau renovieren (besser weil weniger graue Energie verloren geht) oder an gleicher Stelle Häuser bauen. Was aber bislang schon zu häufig passiert ist, dass aus einem Ein- oder Zweifamilienhaus ein Mehrfamilienhaus wird. Dann wird aus der eigenen Garage eine Tiefgarage, der Verkehr wächst deutlich und die Familien nebenan verlieren ihr Wohngebiet. Man zerstört Strukturen.

        Beispiele wurden hier auf dem Bürgerportal ja schon beschrieben (https://in-gl.de/newsletter/wissen-was-laeuft-der-tag-in-gl-20-3-2025/). In der Duckmaus in Bensberg wird beispielsweise aus einem Einfamilienhaus ein Projekt mit mehreren Mehrfamilienhäusern und das führt zu Konflikten. Viele andere Beispiele gibt es in Refrath, Bensberg und anderen Stadtteilen. Selten führt das zu einer guten Nachbarschaft. Warum lässt man das zu, wenn man ausreichend Flächen hat (Zanders)? Man muss als Stadt nicht in den Außenbereich, wenn man selbst Flächen zur Verfügung hat, aber einfach zu langsam bei der Konversion ist. Die Stadt und die Stadt-Politik könnte hier gestalten, verzögert aber mit der Suche nach einer Weltformel für Zanders.

      2. @Bensberger
        In der Tat “man zerstört Strukturen” insbesondere Altersstrukturen oder?

        Aber wissen Sie, seit ich das Drama, welches eine Freundin mit ihrer neuen Nachbarschaft erlebt hat (Man + 2 kleine Kinder), die mit Ihrer Familie in einer solchen, wie Sie es nennen “gewachsenen” Wohnstraße ein Einfamilienhaus erworben und “nur” saniert hat (in Paffrath), bin ich in dieser Beziehung besonders radikal geworden.
        Die konnten ihren seit langem dort wohnenden Nachbarn nichts Recht machen und wurden wegen Baulärm und Kindergejohle ständig mit Beschwerden und Forderungen der lieben “Anwohner” überzogen.

        Ich finde, dass man, wenn man irgendwann irgendwo sein “Nest” gebaut hat, natürlich hoffen kann, dass alles in der näheren Umgebung möglichst lange so bleibt, wie man es bei der eigenen Ansiedlung vorgefunden hat, aber mehr auch nicht.

        Fordernde Anwohner, die versuchen, in ihrem Sinne die Infrastruktur oder Bautätigkeit auf den angrenzenden Grundstücken (oder in ihrer Sichtweite) wortgewaltig zu beeinflussen, also über ihre eigene Scholle hinaus, mag ich einfach nicht mehr leiden.

        Neubauten sollten natürlich möglichst umweltverträglich und nicht zu überdimensioniert sein.
        Oder auf Bautätigkeiten in einer besonders schützenswerten (Denkmalschutz) Siedlung muss man mit einem strengeren Auge gucken.

        Aber in einer ganz gewöhnlichen “gewachsenen Wohnstraße” wie es sie in B-GL zu hunderten oder tausenden gibt? Wo soll man denn sonst, außerhalb vom Zentrum, zusätzlichen Wohnraum für Familien schaffen dürfen frage ich Sie?
        Die oftmals übergroßen EFH-Grundstücke sind ideales Bauland für gleich mehrere Familien.