Foto: BONO-Direkthilfe e.V.

Wenn vermeintliche Liebe zur Falle wird: Ein bewegender Informationsabend in der Integrierten Gesamtschule Paffrath machte deutlich, wie nah die Gefahr durch Loverboys und sexuelle Ausbeutung auch hier vor Ort ist – und warum Wegsehen keine Option sein darf.

Wie veröffentlichen einen Beitrag der BONO-Direkthilfe

Mädchen aus unserer Nachbarschaft. Mädchen aus unseren Schulen. Mädchen aus ganz normalen Familien. Mit einer eindringlichen Botschaft eröffnete Gereon Wagener, Vorsitzender der BONO-Direkthilfe, am Freitagabend den Informationsabend „Verliebt. Verführt. Verkauft. Achtung Loverboys!“ in der Integrierten Gesamtschule Paffrath.

Gleich zu Beginn stellte er dem Publikum eine Frage: „Was glauben Sie: Welches ist die häufigste Nationalität von Mädchen in Deutschland in der Jungprostitution, womit das Alter von 12 – 16 Jahren verstanden wird? Die Antwort dürfte viele überrascht haben: Es sind nicht etwa Mädchen aus Osteuropa, sondern Mädchen aus Deutschland. Sexuelle Ausbeutung findet mitten unter uns statt, auch bei uns in Bergisch Gladbach.

+ Anzeige +

Schulleiterin Angelika Wollny betonte in ihrer Begrüßung, dass die Schule als Mitveranstalterin mit diesem Abend bewusst ein Zeichen setzen wolle. 

Ein eindrucksvoller Kurzfilm führte die rund 120 Gäste in die erschreckende Realität der Loverboy-Masche ein. Täter täuschen jungen Mädchen Liebe und Zuneigung vor, gewinnen durch Aufmerksamkeit, Geschenke und vermeintliche Fürsorge ihr Vertrauen und schaffen schleichend emotionale Abhängigkeiten. Was wie die große Liebe beginnt, kann in Manipulation, Gewalt und sexueller Ausbeutung enden. 

Die Gefahr ist näher, als viele glauben

Wie erschreckend nah diese Gefahr ist, wurde im Verlauf des Abends auf besonders bewegende Weise deutlich. Eine Lehrerin einer weiterführenden Schule in Bergisch Gladbach berichtete, dass gleich zwei Schülerinnen einer Jahrgangsstufe an ihrer Schule von der Loverboy-Masche betroffen seien.

Nur wenige Minuten später meldete sich eine Jugendliche aus dem Publikum und offenbarte, selbst betroffen zu sein. Ein Moment, der unter die Haut ging und die weitverbreitete Annahme vieler Eltern, „So etwas passiert bei uns nicht“, eindrücklich widerlegte. Spätestens jetzt war allen Anwesenden bewusst: Diese Gefahr ist real – auch direkt vor unserer Haustür.

Foto: BONO-Direkthilfe

Die Schuld liegt niemals bei den Betroffenen

Bürgermeister Marcel Kreutz, der die Schirmherrschaft über die Veranstaltung übernommen hatte, betonte in seinem Grußwort, wie wichtig es sei, eine Täter-Opfer-Umkehr zu verhindern.

Judith Klaßen, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bergisch Gladbach, griff diesen Gedanken auf und stellte klar, dass die Verantwortung für sexuelle Ausbeutung ausschließlich bei den Tätern liege. Sie appellierte eindringlich, der Stigmatisierung betroffener Mädchen und Frauen entgegenzutreten. Nicht die Betroffenen müssten sich rechtfertigen, sondern die Täter zur Verantwortung gezogen werden.

Foto: BONO-Direkthilfe

Wenn Liebe zur Waffe wird

Ein hochkarätig besetztes Podium mit vier Expertinnen beleuchtete die unterschiedlichen Facetten der Loverboy-Masche.

Jana Mohnfeld-Knotkova, Psychologin und Kinder- und Jugendlichentherapeutin der Fachberatungsstelle MehrBlick e. V., erläuterte, wie Täter das natürliche Bedürfnis junger Menschen nach Liebe, Anerkennung und Zugehörigkeit gezielt ausnutzen. Gerade in einer Lebensphase, in der Beziehungen, Selbstwertgefühl und soziale Anerkennung eine große Rolle spielen, können junge Menschen besonders verletzlich sein. Die Täter nutzten diese psychische Verwundbarkeit bewusst, um Vertrauen aufzubauen und ihre Opfer emotional an sich zu binden.

Mehr Infos finden Sie auf der Website von MehrBlick Rhein-Berg

Mit Sandra Reitz, Juristin und selbst Betroffene der Loverboy-Masche, kam eine Frau zu Wort, die die Mechanismen emotionaler Abhängigkeit und sexueller Ausbeutung aus eigener Erfahrung kennt. Ihre Perspektive verlieh der Diskussion eine besondere Authentizität und machte deutlich, wie schwer es Betroffenen fallen kann, sich aus solchen Abhängigkeitsverhältnissen zu befreien.

Das große Dunkelfeld sexueller Ausbeutung

Kriminalhauptkommissarin Jennifer Lorenz von der Kreispolizeibehörde Rheinisch-Bergischer Kreis lenkte den Blick auf die strafrechtliche Dimension. Sie machte deutlich, dass ein Großteil der Fälle sexueller Ausbeutung niemals zur Anzeige gebracht werde. Ohne Anzeige blieben viele Taten im Verborgenen und eine strafrechtliche Verfolgung der Täter häufig unmöglich.

Ihr eindringlicher Appell: Wer von Missbrauch oder sexueller Ausbeutung erfährt, sollte nicht schweigen, sondern Anzeige erstatten und damit helfen, Licht in das große Dunkelfeld dieser Straftaten zu bringen.

Kontakt zur Kriminalprävention der Polizei Rhein-Berg

Foto: BONO-Direkthilfe

Prävention kann Leben verändern

Sonja Limbach, Vorstandsmitglied der BONO-Direkthilfe, stellte die Bedeutung frühzeitiger Aufklärung und Prävention in den Mittelpunkt. Sie verwies auf die Loverboy-Präventionsworkshops, die der Verein an Schulen durchführt. Ziel sei es, Jugendliche für die Manipulationsstrategien der Täter zu sensibilisieren, Warnsignale zu erkennen und sie darin zu stärken, sich selbst und andere vor Ausbeutung zu schützen. Denn Prävention müsse ansetzen, bevor aus vermeintlicher Liebe eine gefährliche Abhängigkeit werde.

Der Abend, der durch die Psychologin Margret Grunwald-Nonte moderiert wurde, bot neben den Impulsbeiträgen und der Podiumsdiskussion auch Raum für Fragen und den persönlichen Austausch mit den Expertinnen. Dabei zeigte sich, wie groß der Bedarf an Aufklärung, Information und konkreten Hilfestellungen ist. 

„Wenn es uns gelingt, auch nur ein einziges Mädchen vor emotionaler Abhängigkeit und sexueller Ausbeutung zu bewahren, hat sich all unser Engagement gelohnt.“ Mit diesem Gedanken schloss Gereon Wagener einen Abend, der nicht nur informierte, sondern bewegte und wachrüttelte.

Die wichtigste Botschaft: Sexuelle Ausbeutung Minderjähriger geschieht nicht irgendwo. Sie kann direkt nebenan beginnen. Und deshalb geht sie uns alle an.

Kontakt zur Mädchenberatungsstelle Rhein-Berg

Der Name „BONO“ geht zurück auf das lateinische Wort „bonum“, das Gute. Die BONO-Direkthilfe hilft Menschen, die akut in Not sind und niemanden haben, an den sie sich wenden können. Der Verein mit Sitz in Bensberg setzt sich für Kinder- und Frauenrechte ein. Ein Schwerpunkt unserer Arbeit...

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.