So sah es an der Richard-Zanders-Straße früher mal aus. Links oben die heutige FHDW, im Zentrum das Autohaus, rechts oben liegen heute McDonalds, darüber das Gronauer Wirtshaus (nicht mehr im Bild)

Aktualisierung November 2014: Die FHDW hat endgültig abgesagt, dennoch wird das Projekt gebaut. Investor Josef Cramer sucht nun nach anderen Mietern im Dienstleistungsbereich; Einzelhandel ist hier nicht zulässig. KSTA/BLZ

Der ursprüngliche Bericht vom 22.1.2013

Wer von Refrath oder Gronau in Richtung Innenstadt fährt, muss erst einmal Bergisch Gladbachs hässlichen Hinterhof durchqueren.

Wer das Kaufland unbeschadet passiert hat, findet sich in einem undefiniertbaren Gebiet zwischen Tierfuttermarkt, Matrazenlager, McDonalds – aber auch dem Gronauer Wirtshaus, dem Medimax, der Fachhochschule der Wirtschaft und der Polizeizentrale wieder.

Zwei doppelspurige Einbahnstraßen (Gronauer Mühlenweg und Richard-Zanders-Straße) rahmen ein stark vernachlässigtes Gelände ein, an den Schmalseiten begrenzt durch die untere Hauptstraße und den Refrather Weg. Bislang tat sich hier nicht viel, doch nun hat der Eigentümer, die Familie  (Opel) Cramer, einen städtebaulichen Vorschlag gemacht, der zum Beispiel auch die Fachhochschule einbezieht und bei der Stadtverwaltung auf helle Begeisterung tritt.

Wie bei der Bensberger Marktgalerie immer wieder aufgefallen können die ersten Projektentwürfe der Architekten blenden, aber die Vision des Architekten Bernd Zimmermann für den Refrather Weg sieht gut aus:

Die Pläne für eine Glashalle bei der Einfahrt in die Stadt. Bei diesem Bild blickt man von der Mülheimer Straße auf der Hauptstraße, von Gronau in Richtung Innenstadt, links liegt die Polizei, am linken Bildrand ganz hinten erkennt man das Gronauer Wirtshaus.

In einem Pressegespräch im Rathaus stellte Josef Cramer junior nun die Pläne für das 15.000 Quadratmeter großen Gelände vor.

Im Zentrum steht eine gläserne Halle entlang der Hauptstraße, also gegenüber der Polizei. Fünf bis sechs Meter hoch soll sie werden, innen sehr hell und 3000 Quadratmeter groß. Keine störende großflächige Werbung soll die Fassade verunzieren. Die Vision von Architekt Zimmermann:

Das Gebäude soll von der Mülheimer Straße aus kommend ein echtes Entrée für die Stadt werden.“

In den Grundzügen sieht sein Plan folgendes vor:

  • Mieter könnten Einzelhändler sein – sofern sie nicht der Innenstadt Konkurrenz machen.
  • Potenzieller Mieter ist auch die benachbarte Fachhochschule der Wirtschaft, die mit ihrer Lage schon lange unzufrieden ist und über einen Ausbau nachdenkt. Von einem “Campus Gronau” ist bereits die Rede, obwohl sich die FHDW selbst dazu noch nicht äußern will.
  • Parkplätze sollen durch die Sanierung der bestehenden Tiefgarage am  Siemes-Schuhzentrum und durch Außenstellplätze entstehen.
  • Der Zeitplan: Abbruch der bestehenden Gebäude bereits im Herbst, Start der Bauarbeiten im Frühjahr 2014.

Bürgermeister Lutz Urbach hat den Plan bereits begrüßt, nun muss die Verwaltung prüfen, ob der Bebauungsplan geändert werden müsse. Nach eigenen Angaben hat Josef Cramer das Konzept bereits in “einigen” Ratsfraktionen vorgestellt und positive Resonanzen bekommen.

BergTV war bei der Pressekonferenz mit Urbach und Zimmermann – und hat sich den “Gronauer Kreisel” mal mit der Kamera angeschaut:

Städteplanerische Bedenken – verkehrstechnische Chance

Aus städteplanerischen Erwägungen ist das Konzept jedoch nicht unproblematisch: zusammen mit den anliegenden größeren Geschäften (Kaufland, Medimax) könnten sich hier ein Nebenzentrum herausbilden, das die Innenstadt schwächen würde. Eine Gefahr, die Investor Cramer sieht und ausschließen will:

Wir denken dabei ausdrücklich an nicht zentrumsrelevanten Einzelhandel.“

Wichtiger Bestandteil des Konzepts  ist eine neue Verkehrsführung, über die am sogenannten Gronauer Kreisel seit Jahren erfolglos nachgedacht wird.

Statt der zwei zweispurigen Einbahnstraßen soll der Verkehr in beide Richtung vierspurig durch die Richard-Zanders-Straße geführt werden.  Der Gronauer Mühlenweg würde stattdessen begrünt – womit ein echter “Campus” im Sinne einer offenen, parkähnlichen Fläche ohne Verkehr entstehen soll.

Dieses Konzept hat offenbar die Stadtverwaltung dem Investor nahegelegt. In einer Pressemitteilung der Stadt heißt es, Cramers Konzept lasse Raum für diese Lösung, da das geplante Gebäude 15 Meter von der Richard-Zanders-Straße zurücktrete, damit dort genug Platz für eine vierspurige Straße plu Rad- und Fußweg bleibt.

Die Grünen äußern bereits Bedenken (siehe Kommentar unten) gegen den Ausbau der Richard-Zanders-Straße und regen eine Anbindung des Refrather Weges an den geplanten Tannenberger Kreisel an.

Jetzt ist Ihre Meinung gefragt.

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Hier noch einmal das Gelände im Ist-Zustand, das neue Gebäude soll parallel zur Hauptstraße stehen:

Weitere Informationen:

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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4 Kommentare

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  1. Ich weiss nicht, was die Bedenken wegen dem Innenstadtschutz immer sollen? Soll doch der Einzelhandel in der Innenstadt sein Sortiment und seine Preispolitik so gestalten, das er keine Angst vor Konkurrenz etwas Zentrumfern haben muss.
    Die Einmischung der Politik finde ich als Verbraucher furchtbar, auch wenn andere Einzelhändler die nicht im Zentrum ansässig sind Sortimentsbeschränkungen auferlegt bekommen, weil es ein “Innenstadtsortiment” ist.

  2. Ob da noch weiterer Einzelhandel wirklich Fuß fassen kann ist fraglich. Und so gelungen finde ich die riesige Glashalle auch nicht.. Vielleicht sollte man auch darüber nachdenken, ob sich der Standort nicht besser für Projekte eignet, die Affinität zur Gesamtschule haben. und Bergisch Gladbach als Bildungsstandort aufwerten. Mehr Studenten bringen mehr Kaufkraft und Jugend nach Bergisch Gladbach. Das Gelände zum wirklichen kleinen Campus zu entwickeln hielte ich für die bessere Lösung.

  3. Bitte – wie in der Landeszeitung (“Auch der Autofahrer, der aus Köln über die Mülheimer Straße die City ansteuert …”) – das Ganze nicht nur aus der Windschutzscheibenperspektive betrachten.

    Zur Anregung ein paar Zeilen aus dem Flyer “Die neue AGFS”, der heute in der Post war:

    „Seit nun mehr 20 Jahren setzt sich die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Städte, Gemeinden und Kreise in NRW e.V. (AGFS) aktiv für die Belange der Nahmobilität ein. Generelles Ziel ist die Realisierung einer „neuen“ Verkehrsinfrastruktur, die allein schon aufgrund ihrer einladenden Gestaltung und Raumangebote „bewegungsaktivierend“ ist, die Zufußgehen und Radfahren selbstverständlich macht und damit Nahmobilität zur „Basismobilität“ aufwertet.”

    Wer mehr wissen will: Die Konzeptidee „Nahmobilität 2.0“ und der „Aktionsplan der Landesregierung zur Förderung der Nahmobilität“ kann man im Internet abrufen oder am 28. Februar zum Kongress nach Essen fahren.

    Ich wünsche mir, dass Bergisch Gladbach – wie im ISEK 2030 umrissen – für die Mobilität der Zukunft plant, dann findet sich sicher auch ein Betreiber für die Radstation.

  4. Liebe Leserinnen und Leser,

    der Campus Gronau ist schon lange ein Thema in Bergisch Gladbach. Nun kommt endlich Bewegung in dieses Thema. Die Familie Cramer hat erste Pläne vorgestellt.

    An dieser Stelle möchte ich mich noch mal herzlich für die frühzeitige Information der Politik bedanken. Ein solches Vorgehen ist nicht selbstverständlich.

    Die vorgestellten Pläne machen einen sehr ansprechenden Eindruck auf mich. Der Hochschulstandort Bergisch Gladbach kann hierdurch gestärkt werden.

    Ich hoffe, dass der Anstoß der Familie Cramer nun auch wirklich von Verwaltung, Politik und den Beteiligten genutzt wird, um eine vollständige ordentliche Lösung für den gesamten Gronauer Kreisel zu schaffen.

    Hierzu gehört für mich nicht unbedingt der Ausbau der Richard-Zanders-Straße zwischen der Hauptstraße und dem Refrather Weg auf vier Fahrspuren, wie es wohl von Seiten der Verwaltung an die Familie Cramer herangetragen wurde.

    Es sollte vielmehr ernsthaft die Möglichkeit geprüft werden, den Refrather Weg vernünftig an den geplanten Kreisel Tannenbergstraße anzubinden, um so für einen besseren Verkehrsfluss zu sorgen.

    Damit auch wirklich ein Campus entsteht und z. B. die Strunde auch in diesem Bereich naturnaher gestaltet werden kann, sollte der Mühlenweg für Durchgangsverkehr geschlossen werden.

    Hierbei bleibt zu hoffen, dass für die Errichtung des Campus nicht zunächst der ganze vorhandene Grünbestand entfernt wird um dann später (irgendwann einmal) neue Begrünung zu pflanzen. Der Forumpark sollte hierfür ein einmaliges mahnendes Beispiel in Bergisch Gladbach bleiben.

    In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass die Bezeichnung Campus [ˈkampʊs] lateinischen Ursprungs ist und in dieser Sprache die Bedeutung „Feld“ hat. Er bezeichnete in den USA seit dem 18. Jahrhundert die außerhalb der Stadt errichteten Gebäude einer Universität, die von parkähnlichen Anlagen umgeben sind (aus Wikipedia).

    Dirk Steinbüchel
    Planungspolitischer Sprecher der Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen